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Frauenfußball international

Jordanien, die Nummer eins im arabischen Raum

Ein Blick auf die beste arabische Frauenfußball-Nationalmannschaft, ihre Visionen, Wünsche und Zukunftspläne

Reportage und Interview von Marion Kehren

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24.01.2010   Viel vorgenommen hatte sich die Nummer eins der Rangliste (aktuell FIFA-Rangliste Platz 52, Asien-Rangliste Platz 12) im arabischen Raum! Zum ersten Mal in der jordanischen Geschichte wollte sich die Frauennationalmannschaft für die Endrunde einer WM qualifizieren. Aber leider hat es nicht geklappt und so müssen die Kickerinnen bei der kommenden Weltmeisterschaft in Deutschland wieder einmal die Zuschauerrolle einnehmen.

Doch schämen muss sich das Team nicht um die vergebene Chance. Die jordanische Nationalmannschaft der Frauen ist um Längen manch anderer Nationalmannschaft im arabischen Raum voraus. Dabei schien dies bei ihrer Gründung im Jahre 2005 noch gar nicht so klar zu sein. Doch schnell wurden Zweifler eines Besseren belehrt. Bei ihrer ersten Teilnahme an den asiatischen Hallenfussball-Meisterschaften belegte Jordanien auf Anhieb den dritten Platz und in den Jahren 2005 und 2007 belegten die Damen vom Haschemitischen Königreich sogar Platz 1 bei den West-Asienmeisterschaften (WAFF - West Asian Football Federation Championship).

Hallensieger Jordanien

Große Freude beim jordanischen Team, als sie sich zum wiederholten Male die Hallenfußballmeisterschaft sichern

Bild: Archiv Stephanie Mazen Al Naber

Egal ob beim Futsal, bei Einladungsturnieren, Asienmeisterschaften, die Frauen- und Mädchennationalmannschaften Jordaniens sind überall vorzufinden. Star der A-Nationalmannschaft ist Stephanie Mazen Al Naber, die einzige Jordanierin, die in einer ausländischen Liga kickt und zudem über einen Profivertrag verfügt. Die 22-jährige Mittelfeldspielerin steht seit einem Jahr im Dienste des dänischen Meisters und Pokalsiegers Fortuna Hjørring. Auch die junge 20-jährige Stürmerin Maysa Ziad Jbara schickt sich nun an ihren Traum in die Tat umzusetzen und in Europa spielen zu wollen und ist bereits auf der Suche nach einem geeigneten Verein.

Training Center

Talent Training Center für Mädchen in Amman (rechts im Bild FIFA-Beraterin Monika Staab)

Bild: (Privatarchiv Monika Staab)

Jordanien ist seit Jahrzehnten sehr am Westen orientiert und das merkt man auch schnell an der Einstellung der Familien, die mächtig stolz darauf sind, dass ihre Töchter, Ehefrauen und Schwestern Fußball spielen. Nur wenige Spielerinnen kicken mit den traditionellen Hidschab, also mit Kopftuch und langen, weiten Jogginghosen. Die meisten von ihnen sind entweder Schülerinnen oder Studentinnen und haben dadurch vermehrt die Möglichkeit sich auf den Sport zu konzentrieren.

Eine große Rolle in der Emanzipation der Frau nimmt mit Sicherheit die Ehefrau von König Abdullah II (Abdullah bin al-Hussein), Königin Rania al-Yasin, besser bekannt als „Rania von Jordanien” ein. Sie gilt als die „Lady Di” des Nahen Ostens und engagiert sich


Frauenfußball Nationalmannschaft Jordanien 2009

Der aktuelle Kader (2009) der jordanischen Frauen-Nationalmannschaft

Bild: Archiv Stephanie Mazen Al Naber

besonders Belange der Frauen und Kinder, insbesondere für Gleichberechtigung und Bildung.

Vielen dürfte sie im Übrigen als Schirmherrin des CHIO in Aachen ein Begriff sein, spätestens aber mit der Verleihung des Bambis im Jahre 2007. Erst vor wenigen Wochen wurde Rania zudem für ihr Engagement bei der Kampagne „1GOAL - Bildung für Alle” bei der FIFA World Player Gala 2009 mit dem FIFA Presidential Award ausgezeichnet.

Um die Nationalmannschaft und den hiesigen Ligabetrieb ausreichend zu fördern fehlt es leider immer noch an den finanziellen Mitteln. So ist man schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem großen, finanzstarken Sponsor der die Liga finanziert; denn nur aus dem Geldtopf des asiatischen Verbandes AFC ist dies nicht möglich.

name

V.l.n.r.: Khalil Al Salem (Der Generalsekretär des jordanischen Verbandes); Monika Staab (FIFA-Beauftragte), Reema Ramoniah (Jordanische Nationaltorhüterin und Administratorin beim Verband) und Rana Husseini (Frauenbeauftragte)

Bild: (Privatarchiv Monika Staab)

Der jordanische Verband JFA unterstützt den Frauenfußball so gut es geht und lange hat man auf die ersten Erfolge nicht warten müssen. Natürlich gibt es auch hier unterschiedliche Auffassungen in Punkto Frauen – Fußball – Haushalt – Religion usw., doch zeigt sich Jordanien um einiges weltoffener; denn bedingt durch seine geographische Lage unterhält das Land viele unterschiedliche Religionen und Lebensstandards.

name

Besuch im Bürgermeisteramt von Amman zwecks Gesprächen über Möglichkeiten zur Verbesserung der gemeinsamen Zusammenarbeit zum Wohle des Frauenfussballes. V.l.n.r.: Monika Staab, Rana Husseini, Amer Al Basheer (stellver. Bürgermeister) und Reema Ramoniah

Bild: (Privatarchiv Monika Staab)

Die Erfolge bei der A-Nationalmannschaft und bei den Jugendmannschaften können sich sehen lassen. So verfügt Jordanien zudem über eine U-19, U-16 und U-14 Mädchenauswahl. Des Weiteren unterhält der Verband vier Talent-Trainingscamps, in denen bis zu 25 - 30


Spielerinnen die Möglichkeit haben, Schule und Fußball miteinander zu verbinden.

„Jordanien hat in den letzten Jahren extreme Fortschritte gemacht”, so die FIFA-Beraterin Monika Staab. „Jetzt ist es an der Zeit, den Vereinen klar zu machen, dass Männerclubs auch Frauenteams in ihre Reihen aufnehmen sollten. Damit wäre zumindest gewährleistet, das gefestigte Strukturen und eine bessere finanzielle Basis dem Frauenfußball zu Teil werden könnte. Dank diverser Unterstützungen u.a. durch den AFC war es bis dato möglich, fünf Vollzeittrainer für die diversen Jugend-Nationalmannschaften und die A-Mannschaft zu etablieren. Dazu verfügt der Jordanische Verband seit geraumer Zeit über zwei Vollzeitkräfte, die sich um die administrativen Tätigkeiten kümmern.

Logo

Das Logo des Fußballverbandes von Jordanien

Was den Ligabetrieb (ebenfalls 2005 gegründet) betrifft, so existieren zurzeit 8 Mannschaften (aufgeteilt in zwei Gruppen), die um die Meisterschaft kämpfen. Am Ende der Saison spielen die beiden besten Vereine jeder Gruppe im K. o. - System gegeneinander. Der Sieger darf sich mit dem Titel Jordanischer Meister schmücken. In den letzten 5 Jahren gewann ausschließlich der Shabab Al Ordon Club aus Amman die Meisterschaft und unterstreicht damit seine Ausnahmestellung im Frauenfußball Jordaniens. Auf den Plätzen zwei und drei folgten in der letzten Saison der Orthodox Club und der Amman Club, ebenfalls beide aus der Hauptstadt. Zur großen Überraschung ist es nicht selten, dass bis zu 500 Zuschauer zu den jeweiligen Meisterschaftsspielen anreisen!

Es gibt noch viel zu tun, aber der Jordanische Verband ist auf dem besten Wege, den Frauenfußball voran zu treiben – und wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages doch die Möglichkeit für die Mädchen und Frauen, die große Konkurrenz aus Asien hinter sich zu lassen.

Bedanken möchte ich mich besonders bei Monika Staab (FIFA-Beraterin) und Reema Ramoniah (Jordanische Nationaltorhüterin und Administratorin beim Jordanischen Fußball-Verband) für die Unterstützung und das Feedback; denn ohne ihre Hilfe wäre diese Reportage nie entstanden.


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