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Spielerinnen Hommage

Schwedens Nummer 6 hört auf

Abschied von Malin Moström

Text: Rainer Fussgänger
Fotos: Volker Lieberum

04.1.2007    Am 21. Dezember 2006 um 15.28 Uhr veröffentlichte die schwedische Nachrichtenagentur TT eine Kurzmeldung: "Malin Moström, fußballerisch aufgewachsen im Örnsköldsviker Club Hägglunds und einer der größten Stars der Nationalmannschaft während vieler Jahre, hört auf mit dem Fußball. Malin Moström wird sich stattdessen einer zivilen Karriere als Immobilienmaklerin widmen."

Die Nachricht kam nicht ganz unerwartet, denn nach dem Ende der Saison mit ihrem Verein Umeå IK, den sie als Kapitänin zu einer souverän errungenen schwedischen Meisterschaft und einem spielerischen Einzug ins Finale des Women*s Cup geführt hatte, hatte man lange, lange auf ihre Antwort warten müssen. Viele, die den Ehrgeiz der 31-Jährigen kannten, hofften, dass Malin sich mit dem Gedanken an die Weltmeisterschaft in China im September 2007 ein anderes Karriereende aussuchen würde. Aber im Frauenfußball gelten oft andere Vorzeichen.

Malin Moström

Malin bei ihrem letzten Länderspiel in Växjö im September 2006 gegen Tschechien

Die Gehälter sind nicht annähernd so großzügig wie bei den Männern und nachdem die Saison 2006 beendet war, gab zunächst die offensive Mittelfeldspielerin Anna Sjöström (Umeå) ihren Rücktritt bekannt, gerade 29 Jahre alt. Dann verabschiedete sich die Finnin Anne Mäkinen, zu den besten Mittelfeldspielerinnen der Welt gerechnet, von Umeå und wechselte nach Stockholm, weil sie unbedingt ihre Ausbildung beenden muss. Djurgårdens starke dänische Spielerin Katrine Pedersen wechselt auch aus vorwiegend ausbildungstechnischen Gründen zurück nach Norwegen. Und nun teilte Malin Moström mit, dass sie bald Häuser und Wohnungen in Umeå verkaufen wird.

Das Trikot mit der Nummer 6, das sie in all den Jahren beim derzeit vielleicht besten Team der Welt getragen hat, das gab Umeås Sportchef Roland Arnqvist bekannt, wird keine Nachfolgerin haben und auf immer unbenutzt bleiben. Eine letzte große Verbeugung vor einer der allergrößten Spielerinnen der Weltelite.

Malin Moström

Malin im Zweikampf mit der Tschechin Petra Bertholdova

Malin Moström ist nie zur Weltfußballerin des Jahres gewählt worden. Lediglich einmal, im Jahr 2001, überreichte man ihr den Diamantball, den die beste Spielerin in Schweden bekommt. Dennoch sind die Erfolge der schwedischen Nationalmannschaft und von Umeå IK ohne Mosan, wie sie genannt wird, kaum denkbar gewesen. "Sie macht einfach


Malin Moström

Malin Moström verlässt das Feld

niemals ein schlechtes Spiel", hat mir mal eine Spielerin der Allsvenskan gesagt. Konstante Leistungen und als Spielführerin ein Vorbild für alle anderen im Team und für wirklich zehntausende von Mädchen in Schweden.

Wenn Umeå, ohnehin Publikumsmagnet bei Auswärtsspielen in der ersten schwedischen Liga, auf gegnerischen Plätzen gespielt und (meist) gewonnen hat, dann geben die Spielerinnen brav Autogramme. Kaum eine andere wurde dabei so umlagert wie die sympathische und bescheidene Nordschwedin, die mit ihren braunen Zöpfen stilbildend für viele Mädchen wurde. "Da ist Malin, Malin Moström", schrien die Kinder.

Malin Moström

Malin erfüllte bereitwillig die Autogrammwünsche nicht nur der Kids, sondern auch später dem Fotografen

Urban Emilsson, Herausgeber der schwedischen Frauenfußballzeitschrift "Svensk Damfotboll", sieht jetzt die Medaillenchancen der schwedischen Mannschaft für die WM in China sinken und hofft, dass das Team in Asien als Outsider überraschen kann.

Eine gute Nachricht gibt es aber dennoch: Umeå IK und Malin Moström sind sich einig, dass Malin in einer anderen Funktion außerhalb des Spielfelds dem Verein helfen wird, der ihr und dem sie so viel zu verdanken hat, immerhin gewann man fünf schwedische Meisterschaften zusammen.

Malin Moström selber schrieb:
"Für mich war es immer eine große Ehre, vor allem Umeå IK, aber auch die Nationalmannschaft repräsentieren zu dürfen. Ich habe so viele schöne Erinnerungen, die mich mein ganzes Leben begleiten werden. [...] Aber so ist es nun einmal, alle Märchen müssen irgendwann einmal ein Ende haben. Am Ende kommt ein Tag, wo man sich bereit für den nächsten Schritt im Leben fühlt und da bin ich jetzt angekommen. [...] Ich werde jetzt, statt unten auf dem Platz zu sein, mit euch auf der Tribüne sitzen und unsere wunderbare Mannschaft zu neuen Erfolgen anfeuern.
Eine stolze und dankbare UIK-erin auf dem Weg in eine neue Welt!
Malin Moström Nr 6"


In Umeå muss sich Coach André Jeglertz nun Gedanken machen, wer im kommenden Jahr die Lücken füllen kann, die vor allem Malin Moström, aber auch Anna Sjöström, Anne Mäkinen und Sanna Valkonen hinterlassen. Noch gibt es keine spektakulären Neueinkäufe, aber ebenfalls kurz vor Weihnachten kam die


beruhigende Nachricht, dass die Weltfußballerin des Jahres 2006 (endlich!) Marta um ein Jahr in Umeå verlängert hat. Hanna Ljungberg bleibt ebenfalls in Umeå, aber insbesondere im Mittelfeld muss nach Verstärkung Ausschau gehalten werden.

Caroline Seger

Kann sie in Malins Fußstapfen treten? Caroline Seger von Linköping FC

Der Generationswechsel, den Schwedens Nationaltrainer Thomas Dennerby seit einigen Jahren behutsam eingeleitet hat, muss sich nun mit dem Gedanken an die WM beschleunigen. Caroline Seger hat sich mit ihren 21 Jahren schon einen Stammplatz im Mittelfeld erarbeitet, aber Malin Moström zu ersetzen ist mit der Perspektive auf die in neun Monaten beginnende WM unmöglich.

Auch ich möchte Tschüss zu "Mosan" sagen. Wie bei Anna Sjöströms Abschied habe ich dabei eine Träne im Auge.
Ich traf mit ihr persönlich zusammen und habe einiges mit ihr zusammen machen dürfen.
2004 schoss ich das Titelfoto für unsere letzte Ausgabe des Printmagazines "Soccer". Malin gab mir im Oktober 2005 nach dem Halbpokalfinale in Malmö ihre Unterschrift darauf.

Malin Moström

Im Oktober 2005 gab mir Malin Moström ihr Autogramm auf mein Titelfoto unseres Ursprungmagazines Soccer

2005 gab sie mir ein Interview vor der EM in England und ich traf sie im Oktober in Malmö
2006 war ich bei ihrem letzten Länderspiel in Växjö; nach dem Spiel gab sie mir für FanSoccer ein kurzes Statement.
Ich wünsche Malin alles Gute für die Zukunft und sage:
"Har det så bra".
Volker Lieberum


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