"Norwegian Sweetheart"

Interview mit Isabell Herlovsen

Text: Volker Lieberum
4.09.2005
Beim Algarve Cup trafen unsere Reporter Beate und Jens Wolter auf einen norwegischen Vater, der unheimlich von seiner Tochter schwärmte, die in der norwegischen Nationalmannschaft spielen sollte. Nun, der Vater war Kai-Erik Herlovsen, seine Tochter Isabell, die wenige Monate später sehr erfolgreich und der Liebling der norwegischen - und nicht nur deren - Zuschauer bei der EM in England war.
FanSoccer unterhielt sich mit der 17-jährigen Isabell Herlovsen.

FanSoccer: Hallo Isabell. Wer hat dich als junge Spielerin so gut und fit gemacht? Von wem hast du am meisten gelernt?
Isabell: Hei, ich habe mit Jungen zusammen Fußball gespielt, seit ich mit 5-6 Jahren damit angefangen habe. Ich denke, dass war als Spielerin sehr gut für mich. Natürlich habe ich auch viel mit meinem Vater gekickt und trainiert. Er war unheimlich wertvoll für mich, weil er mich unterstützt hat und mir sehr viele nützliche Ratschläge gegeben hat.

Isabell und ihr Vater Kai-Erik Herlovsen
Privatfoto: Isabell Herlovsen

Hast du Vorbilder im Frauenfußball?
Mein Vorbild ist seit meiner Kindheit Solveig Gulbrandsen und ich glaube, das ist sie immer noch. Doch so richtig möchte ich mich mit keinem vergleichen.

Du warst bei jedem Spiel der EM dabei. Hattest du mit so vielen Einsätzen gerechnet? Erzähl uns ein bisschen von der EM.
Wo denkst du hin, natürlich habe ich nicht damit gerechnet, so oft auf dem Platz zu sein. Ich glaube, ich bin da mitgefahren um etwas zu lernen. So auf der Ersatzbank zu sitzen und vielleicht gelegentlich mal eingewechselt zu werden. Doch dann ist es ganz anders gekommen und ich habe so viel Zeit zum Spielen bekommen.

Isabell und Anna Sjöström im Halbfinale der EM
Foto: Beate Wolter


Für mich war es ein Traum während dieser EM die Erlaubnis zu bekommen , so oft und so lange zu spielen. Es war für mich sehr lehrreich in so einem großen Wettbewerb dabeizusein. Davor habe ich nur in den Qualifikationsspielen der U17 und U19 gespielt.

Wirst du jetzt die große Führungsfigur in U19 Team werden? Oder nur noch in der A Mannschaft spielen?

In der U19 spielten sie miteinander. Im Spiel Kolbotn IL - Asker FK gegeneinander, Isabell und Janne Stange
Foto: Peter Tubaas, Asker FK


Das kann ich dir gar nicht sagen, das wei? ich nicht. Das hängt auch davon ab, wie ich in meinem Verein spiele. Wie es da in den Begegnungen und auch im Training klappt. Meine Form im Club wird entscheiden, ob ich im A-Team oder in der U-19 spielen werde.


Isabell mit der norwegischen Mannschaft bei der EM-Siegerehrung

Foto: Silvia Schmidt

Dein Verein Kolbotn IL steht zur Zeit an erster Stelle der Liga. Erzähl uns ein bisschen von deinem Club.
Kolbotn IL ist ein wirklich toller Sportverein, mit sehr guten Spielerinnen. Es herrscht ein guter Geist untereinander im Verein und ich freue mich mit den ganzen Leuten dort zusammen zu sein. Der Verein gibt dir unheimlich viel, um dich als Spielerin weiterentwickeln zu können.

Smiling Isabell
Privatfoto: Isabell Herlovsen

In einer der Begegnung bei Liungen waren nur 88 Zuschauer anwesend. Ist das normal?
Nein Volker, das war ein Sonderfall. Hier traf der Tabellenerste auf einen in der unteren Position der Liga. Normalerweise kommen so 400-500 Zuschauer zu einer Partie, wenn die besten Teams aufeinander treffen.
Der Frauenfußball ist nicht sehr populär in Norwegen. Nach der EM hat sich das etwas verbessert und auch das Medieninteresse ist größer geworden.
Eigentlich wollte ich es gar nicht ansprechen, nach der EM gab es einen ziemlichen Presse- und Medienrummel um mich. Ich hoffe aber, es kann dazu beitragen, dass der Frauenfußball populärer in Norwegen wird.

Isabell, du bist in Mönchengladbach geboren. Hast du noch Verbindung zu Deutschland?
Nein, ich habe keine großen Kontakt zu Deutschland. Ich habe nur eine kurze Zeit nach meiner Geburt dort verbracht. Meine Eltern haben dort und Freunde und stehen mit ihnen in Verbindung. Ich weiß nur, dass es dort sehr schön ist und ich dort immer gerne wieder hinkomme.

Wie lange hast du in Deutschland gelebt? Sprichst du deutsch?
Ich habe bis zu meinem zweiten Lebensjahr dort gewohnt. In der Schule lerne ich deutsch und ich finde es ziemlich cool.

Ist es für dich etwas Besonderes gegen Deutschland zu spielen?

Isabell und ihr Bruder
Privatfoto: Isabell Herlovsen

Hmm..., ich war ja erst zwei Jahre alt, als ich von Deutschland fortgegangen bin. Damit habe ich an das Land auch nicht so eine große Erinnerung und damit war es für mich auch nicht so etwas Besonderes gegen Deutschland zu


spielen. Vielleicht, wenn ich länger dort gelebt hätte, bevor ich weggegangen wäre. Möglich, dass es dann etwas anderes gewesen wäre.

Du gehst bestimmt noch in die Schule, bist du eine gute Schülerin? Was möchtest du einmal werden?
Naja, ich will es mal so sagen, ich bin jetzt nicht gerade eine gute Schülerin, dafür habe ich dieses Jahr zu viel wegen dem Fußball versäumt. Aber ich habe alle Abschlüsse geschafft und darüber freue ich mich. Am liebsten habe ich den Sportunterricht und alles was sich theoretisch mit dem Sport beschäftigt.
Ich habe mir noch wenige Gedanken über meinen späteren Beruf gemacht, doch im meinem Kopf geistert so der Gedanke herum, vielleicht Physiotherapeutin zu werden.

Du wohnst in Fredrikstad, wie weit ist Kolbotn entfernt? Wie oft trainierst du in Kolbotn und wie kommst du dahin?
Ich habe eine Schwester, die 20 Jahre ist und einen Bruder, der 13 Jahre alt ist.
Gewöhnlich brauchen wir eine Stunde mit dem Auto, um nach Kolbotn zu kommen. Mein Vater, meine Mutter oder mein Opa übernehmen den Fahrdienst, doch in der Regel ist es mein Papa, der die Mannschaft auch etwas unterstützt und trainiert. Mit der Schule, wo wir auch trainieren und dem Verein würde ich sagen, dass ich in der Woche so 10-11 Trainingseinheiten habe.

Hast du noch Zeit für andere Hobbies? Welche sind dies?
Wenn ich nicht für das Fußballspielen und -trainieren eingespannt bin, versuche ich so viel wie möglich mit meinen Freunden zu verbringen. Doch die Schule und der Fußball lassen mir sehr wenig Zeit dafür. Aber in den Ferien habe ich viel Zeit und die verbringe ich mit ihnen zusammen.

Isabell
Privatfoto: Isabell Herlovsen

Zum Schluß noch ein paar Dinge, die du magst:
Musik: Pop/ Rock
Songs: Vitamin C - Graduation, Savage Garden - Two beds and a coffee machine, Daniel Bedddingfield - Never gonna leave your side, Cascada - Endless summer and Amy Diamond - What`s in it for me
Bücher: Muss ich passen, ich lese nicht so viel
Filme: A walk to remember
Essen: Taccos
Trinken: Fanta

Takk, Isabell für das Interview und ich hoffe wir treffen uns mal persönlich.
Ich danke dir auch Volker, es war mir ein Vergnügen.

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