Damallsvenskan

Aus der Großstadt Mainhattan in die Weite Schwedens

Interview mit Jennifer Meier

Text + Fotos: Volker Lieberum

3.11.05
Jennifer Meier ist uns allen als Stürmerin bei den beiden Frankfurter Vereinen FFC + FSV bekannt geworden. Nach dem Desaster des FSV, zu dem sie nichts mehr sagen möchte, entschied sie sich am Ende der letzten Bundesligasaison dazu, nach Schweden zum Aufsteiger QBIK aus Karlstad zu wechseln. Hier fasste sie schnell Fuß und bereicherte die Damallsvenskan mit ihren "Jenny-Toren". FanSoccer unterhielt sich nach Ende des schwedischen Semipokalfinales mit ihr.

FanSoccer: Hejsan, sag uns, wie fühlst du dich, von der Großstadt Frankfurt in die Wildnis Schwedens verschlagen?
Jennifer: Ja, mir gefällt es hier in Schweden sehr gut. Ich hatte am Anfang eine Eingewöhnungsphase, das ist ganz klar.

Jennifer beim Fotoshooting in Karlstad

Hier hast du viel Landschaft und Karlstad ist eine kleinere Stadt als Frankfurt, aber es gefällt mir doch ganz super.

Hast du manchmal Heimweh?
Klar, ich vermisse meine Familie, obwohl sie mich hier im August besuchte hatte. Aber das ist, glaube ich, schon natürlich, dass man seine Familie und seine alten Freunde vermisst. Man möchte mit den Freunden mal Kaffeetrinken gehen und über etwas anderes reden als über Fußball.

Du lebst hier in einer wunderschönen Gegend von Schweden. Stelle uns Karlstad und seine Umgebung einfach mal vor.
Karlstad hat 90.000 Einwohner, nicht gerade die größte Stadt, und liegt in einer herrlichen Landschaft in Värmland/ Mittelschweden. Der größte See Schwedens ist hier, der Vänern. Du hast also "viel Gegend um dich herum".

Ein Blick auf Karlstad.

Aus Karlstad kommt der "Löfbergs Lila Kaffee", der in Schweden sehr bekannt ist und den es in Deutschland auch bei IKEA gibt.
Außer unserem Fußballballteam QBIK gibt es hier auch eine gute Eishockey Mannschaft, die in der ersten Liga spielt.
Mehr fällt mir im Moment nicht ein.

Wie bist du hier untergebracht?
Ich habe ein kleines Appartement, ein Zimmer mit einer kleinen Küche und Bad. Für vier Monate ist das ok.

Jennifer zu Hause in ihrem schwedischen Appartement

Mir wurde zuerst angeboten, dass ich mit jemanden zusammen ziehen könnte, was dann in eine größer Wohnung gewesen wäre, aber ich bin der Typ Mensch, der vor einem Spiel auch einmal seine Ruhe und seinen Freiraum braucht. So ist das kleine Einzelappartement im Moment gerade richtig für mich.


Offizielles Vereinsfoto von Jennifer Meier
Foto: QBIK

Was machst du die ganze Woche über, außer Fußball spielen und trainieren?
Wir haben am Anfang auch zweimal vormittags von 7:00 - 9:00 Training gehabt und nachmittags von 17:-19:00. Dazwischen hatte man Zeit, sich auszuruhen oder wir haben hier ein großes Fitnessstudio, wo man Sauna macht oder noch Spezialeinheiten trainieren kann. Zuletzt hatten wir am Mittwoch - Samstag - Mittwoch Spiele gehabt, so dass wir die Morgeneinheiten gelassen haben, um den Körper auch einmal zur Ruhe kommen zu lassen. Außerdem musst du ja noch die Fahrzeiten dazu rechnen, da hatte man schon ein schönes Programm vor sich. Man sollte ja auch bedenken, dass viele von uns studieren oder einen Halbtagesjob haben. Da bleibt keine Zeit mehr abends für Partys. Zumeist unternimmst du etwas mit deinen Mannschaftskameradinnen nach dem Training.

Wann kam dir der Gedanke, ich gehe nach Schweden Fußball spielen?
Ach, das ist ganz einfach. Ich bin ein riesengroßer Schwedenfan und es war schon immer ein Traum von mir gewesen,

Jennifer und Kiki Bengtsson

in Schweden zu leben und natürlich auch einmal in Schweden Fußball zu spielen. Als ich dann im Mai von der Mannschaft von QBIK angeschrieben worden bin, ob ich nicht einmal eine Woche zum Ausprobieren kommen wollte, war es für mich schon von vornherein klar, ich mache das.
Mir war klar, es ist ein Aufsteiger in die Damallsvenkan und es wird schwer werden, doch es war für mich auch wieder eine neue Aufgabe. Ich habe in Deutschland schon mit Mannschaften gespielt, wo ich Meister, Pokal- und UEFA-Cupsieger geworden bin, in Amerika bin ich Meister geworden, so war das für mich eine neue Herausforderung. Ich kann als Spielerin der Mannschaft meine Hilfe anbieten und wenn es klappen sollte, dass wir in der Liga bleiben.


werden, habe ich auch mein Teil dazu beigetragen.

Ich glaube, außer Karlstad hättest du demnach auch in einem anderen Verein gespielt?
Natürlich hätte ich das getan, da ich den Traum mit Schweden hatte. Wenn jetzt Umeå gekommen wäre, hätte ich natürlich nicht nein gesagt. Doch ich denke, hier in Karlstad kann ich der Mannschaft von mir aus mehr helfen. Die brauchen mich 90 Minuten und 100%. Ich brauche

Jennifer (ganz links) und ihr Team von QBIK

diesen Druck, du musst der Mannschaft helfen, um alles aus mir heraus zu holen.

Schildere uns doch einmal, wie der Transfer abgelaufen ist, wer stellte die Kontakte her? Hattest du Hilfen bei den Vertragsverhandlungen?
Ich habe eine Email von dem Manager von QBIK, Lars-Inge Hallstenson, erhalten, der mit mir den Kontakt aufgenommen hatte. Mit ihm stand ich auch die ganze Zeit per Email und Telefon in Verbindung und bin dann im Mai hierher gekommen und habe mir das alles angeschaut. Hatte dann direkt Vertragsverhandlungen, die ich alleine geführt habe. Für mich kam erleichternd dazu, dass in der Geschäftsstelle Anni arbeitet, die aus Österreich kommt, die du heute ja auch kennengelernt hast. So gab es bei den Verhandlungen und Konditionen, was ich gerne hätte, ob es um das Appartement bis zum Fahrrad ging, keine sprachlichen Probleme. Sie war mir dann auch eine gute Hilfe um das ganze Drumherum, z.B. Krankenkasse, Identitätsnummer usw. Man kann ja nicht so einfach sagen, ich gehe jetzt nach Schweden und das war es dann. Da kommt auch der ganze Formalitätskram dazu.

Was bedeutet eigentlich die Abkürzung QBIK?
Lacht… Das ist ja wirklich eine gute Frage, die kann ich dir gar nicht beantworten. Ich habe schon Spielerinnen gefragt und die wussten das auch nicht. Ehrlich, das würde ich gerne selbst wissen.

Fortsetzung

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