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Frauenfußball im Ausland

"Wir müssen geduldig sein"

Finnlands Nationaltrainer Michael Käld im Gespräch

von Nora Kruse

13.04.2007

Der Algarve Cup ist beendet, was sind Ihre Erkenntnisse?
Ich bin sehr zufrieden mit dem Turnier. Wir formen derzeit eine neue Mannschaft und das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Die jungen Spielerinnen haben am Algarve Cup teilgenommen, um zu lernen und ich denke, wir haben uns während des Turniers gesteigert. Für mich war dies das wichtigste. Die Spielerinnen haben gekämpft und haben gegen harte Gegner eine gute Leistung gezeigt.

Sie erwähnen die jungen Spielerinnen. Viele Ihrer erfahrenen Kräfte haben nach dem Scheitern in der WM-Qualifikation ihre Karriere beendet. Ist das Potenzial vorhanden, sie zu ersetzen?
Wir haben zwei Jahre Zeit, um Ersatz für Anne Mäkinen und Minna Mustonen zu finden. Das wird sehr schwer, denn Anne ist eine der besten Spielerinnen der Welt. Dennoch denke ich, das wir eine Lösung finden werden und das Team 2009 sehr stark sein wird. Das wird einige Zeit dauern und wir müssen geduldig sein.

Also glauben Sie nicht, dass im Spielsystem selbst Änderungen vorgenommen werden müssen?
Beim Algarve Cup hatten wir gewöhnlich im 4-4-2-System gespielt, aber dieses Jahr haben wir 4-3-3 ausprobiert, um das Mittelfeld zu stärken, auch wenn Anne Mäkinen nicht spielte. Wir haben das sehr gut umgesetzt und haben auch starke Spielerinnen auf den Flügeln, wie Essi Sainio. Im Moment ist sie verletzt, aber wir wissen, dass sie diese Position einnehmen kann – wie auch einige andere. Aus diesem Grund haben wir im System umgestellt, aber wir müssen schauen, wie wir am Ende aufstellen werden.

Im letzten Jahr konnte Michael Käld (Mitte) Anne Mäkinen noch zum 100. Länderspiel gratulieren, seit dieser Saison muss er auf sie verzichten.

Foto: Nora Kruse

Woran muss Ihr Team am härtesten arbeiten?
Natürlich müssen wir zunächst unsere Fitness verbessern. Wir haben noch immer Spielerinnen, die auf höchstem Niveau keine 90 Minuten durchspielen können. Wenn man an einem Turnier teilnimmt, muss man drei oder vier Spiele innerhalb kürzester Zeit absolvieren, und viele unserer Spielerinnen haben dafür nicht die Kondition. Neben der Fitness müssen wir an unserem Passspiel arbeiten. Das sind die Hauptaufgaben.

Im Moment ist im Training und in der Vorbereitung alles auf das große Event, die Europameisterschaft 2009 im eigenen Land, ausgerichtet?
Ja, absolut. Aber das U23-Turnier in Finnland ist für uns ebenfalls sehr wichtig. Ich kann dort einige neue Spielerinnen beobachten, die vier harte Spiele absolvieren müssen.


Ab 2009 kann sich Michael Käld in Vollzeit auf die Arbeit beim Finnischen Fußballverband konzentrieren.

Foto: Nora Kruse

Was sind Ihre Erwartungen bezüglich 2009, was wird Finnland am meisten helfen?
Wir richten das Turnier aus und werden daher mehr Platz in den Medien bekommen. Das bedeutet, dass wir mehr Sponsoren gewinnen können. Für mich ist allerdings das wichtigste, dass die jungen Spielerinnen in Finnland Spitzenspielerinnen aus ganz Europa sehen können, um zu lernen. Das bedeutet, dass fünf Jahre später die Zahl der aktiven Spielerinnen angestiegen sein könnte.

Wie ist denn die Situation zur Zeit, ist Fußball die beliebteste Sportart für Mädchen?
Ja, ist sie. Seit Finnland sich 2004 erstmals für eine Europameisterschaft qualifizieren konnte, ist die Zahl aktiver Spielerinnen enorm gestiegen – wesentlich mehr als bei den Jungs. Derzeit spielen etwa 22.000 Mädchen Fußball.

Hat der Finnische Fußballverband hinsichtlich der Unterstützung etwas geändert, als bekannt gegeben wurde, dass Finnland die EM ausrichten wird?
Ich wurde gefragt, was ich hinsichtlich der Vorbereitung machen möchte und alle meine Wünsche wurden erfüllt. Es ist kein Problem, an Turnieren und Freundschaftsspielen teilzunehmen und Trainingslager zu organisieren. Ab 2009 werde ich außerdem Vollzeit für den Verband arbeiten. Derzeit arbeite ich als Lehrer, werde für Turniere und Trainingslager freigestellt und kehre danach in die Schule zurück. Das wird sich ändern, sodass ich mich komplett auf die Arbeit mit der Nationalmannschaft konzentrieren kann.

Wie wurde es in der Öffentlichkeit wahrgenommen, als die Entscheidung über die Vergabe der EM fiel?
Seit der EM 2005 spricht in Finnland jeder über Frauenfußball und daher war es für uns sehr wichtig, das Turnier ausrichten zu können, um das Interesse nicht zu verlieren. Seit klar wurde, dass wir die EM ausrichten werden, ist das Interesse sogar noch gestiegen.

Und wie sieht es mit dem öffentlichen Interesse generell, auch in der Liga, aus?
Das wächst ebenfalls. Manchmal wird im Fernsehen berichtet und die Leute werden über die Ergebnisse informiert.

Aber es ist die Nationalmannschaft, die der Liga zu mehr Popularität verhilft...
Natürlich. Das geht Hand in Hand. Wenn die Nationalmannschaft erfolgreich ist, kommen die Menschen auch zu Ligaspielen. Das Niveau dort ist nicht sehr hoch, weil viele Nationalspielerinnen in Schweden, Norwegen oder Deutschland spielen. Aber das ist derzeit die einzige Möglichekeit, eine gute Nationalmannschaft zu formen.


Es hilft der Nationalmannschaft, aber wie sieht es mit den Nachteilen für die Liga aus?
Im Moment ist es sehr wichtig, dass die besten Nationalspielerinnen im Ausland spielen. Die finnischen Spielerinnen sind in der Liga bis sie etwa 22 oder 23 Jahre alt sind. Dann haben sie Erfahrung, sind wichtige Kräfte für ihren Verein und übernehmen mehr Verantwortung. Ich denke jedoch, dass es anschließend für die Entwicklung gut ist, ins Ausland zu gehen. Die finnische Liga ist gut für Spielerinnen zwischen 18 und 20 Jahren. Das ist einer der Gründe, warum unsere U17 und U19-Nationalmann- schaften solche guten Ergebnisse erzielen. Die Liga ist gut für jüngere Spielerinnen, und die älteren kehren hoffentlich nach fünf oder sechs Jahren zurück und spielen noch in der Liga, um ihr zu einem höhren Niveau zu verhelfen.

Was muss noch getan werden, um das Niveau zu erhöhen? Mann kann nicht nur auf erfahrene Spielerinnen setzen, die hoffentlich eines Tages zurückkehren...
Da gibt es viele Dinge. Wir müssen härter trainieren und gut ausgebildete Trainer engagieren – auch für die Jugend. Aber es ist sehr wichtig, dass die erfahrenen Kräfte zurückkehren; auch, um den jungen Spielerinnen ein Vorbild zu sein.

Wie verfolgen Sie die Leistung Ihrer Spielerinnen im Ausland, reisen Sie zu den Vereinen?
Ja. Schweden ist sehr nah und ich reise häufig dorthin. Ich stehe aber auch im ständigen Kontakt über Telefon und eMail mit den Spielerinnen und spreche mit den Vereinstrainern in Norwegen und Deutschland.

Wenn Sie von Ihren Spielerinnen um Rat gefragt werden, ob sie ins Ausland wechseln sollen, ist Ihr Rat, die Möglichkeit zu ergreifen?
Ich versuche, gute Ratschläge zu geben, die auch die Schule und das Studium mit einbeziehen und sage, dass es besser ist, in Finnland zunächst einen Abschluss zu machen. Wenn ich aber das Gefühl habe, dass die Spielerin reif für das Ausland ist, sage ich ihr, dass sie Chance nutzen soll.

Wie siehen die Möglichkeiten der Vereine und Verbände aus, mit Studien- und Arbeitsplätzen zu helfen?
Das ist schwierig. Die Vereine können manchmal helfen, der Verband kann nichts tun. Der hilft, für die jungen Spielerinnen Fußballakademien zu organisieren und stellt unter anderem die Trainer.

Inwieweit werden ehemalige Spielerinnen in die Trainingsarbeit oder die Arbeit des Verbandes integriert?
Es ist im Kommen, aber noch nicht sehr verbreitet, da der Frauenfußball bei uns sehr jung ist. Unsere U17-Nationaltrainerin ist eine ehemalige Auswahlspielerin, aber im Verband arbeitet keine. Für die Zukunft wird Anne Mäkinen hoffentlich eine der Nationaltrainerinnen werden. Vor zwei Jahren wurde ein Trainerkurs nur für Top-Spielerinnen angenommen. Zehn Spielerinnen haben teilgenommen und ich hoffe, dass sie nach ihrer aktiven Karriere auf die Trainerbank wechseln.

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