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Frauenfußball International

Ich liebe den Fußball hier in Schweden

Interview mit Mami Yamaguchi (Japan), Umeå IK

Text und Bilder von Michael Geist

English Version

20.08.2008

Hi Mami, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung „MAC Hermann Trophery 2007” - was war für Dich persönlich der schönste Moment bei der Auszeichnung?

Danke. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, eine solche Auszeichnung zu bekommen. Ich habe viele Glückwunsch-Mails von Leuten der FSU, aus Japan und sogar von anderen Kollegen und aus anderen Ländern bekommen. Es war toll und hat mich gefreut, diese Nachrichten zu lesen. Aber alles das wäre nicht möglich gewesen, ohne meine Teamkolleginnen, Mark Krikorian und die Menschen um mich herum.

Lass uns ein wenig an Deinen familiären Hintergrund teilhaben: Wo bist Du aufgewachsen? Wie bist Du zum Fußball gekommen?

Wie vielleicht schon bekannt, bin ich aus Tokio, aber ich komme aus einem kleinen Stadtteil von Tokio: Nishitokyoshi. Ich spiele Fußball, seit ich vier Jahre alt bin. Grund dafür war mein älterer Bruder. Ich habe immer alles gemacht, was er gemacht hat – er hat Fußball gespielt, also habe ich auch angefangen. Ich habe meinem Bruder immer nachgeeifert.

Vor wenigen Monaten wechseltest Du zu Umeå IK. Wie hast Du Dich mittlerweile eingelebt? Was gefällt Dir an Schweden am besten?

Ich bin Mitte März zu Umeå IK gekommen, bin also knapp fünf Monate hier. Ich habe mich auch ganz gut eingelebt. Ich muss mein Leben außerhalb des Fußballplatzes noch organisieren, wie z.B. Universität etc. Am meisten gefällt mir an Schweden der Fußball. Ich liebe den Fußball hier. Jeder spielt Fußball und schaut Fußball, es ist hier ein Teil des Lebens. Und jeder spricht Englisch! Das finde ich toll und es hilft mir sehr.

Mami Yamaguchi gegen Olympique Lyonnais

Im Halbfinale des Uefa-Cups 2008 konnte sich Mami Yamaguchi mit Umeå IK gegen den französischen Meister Olympique Lyonnais durchsetzen

Wie hast Du Kontakt zu dem schwedischen Meister aufgenommen?

Ich kannte Susanne Granberg, die in unserem Club (Umeå IK) arbeitet. Ich habe sie kennen gelernt, als ich in New Jersey für die New Jersey Wildcats gespielt habe. Ich bin mit ihr in Kontakt geblieben und als ich letzten Sommer in Finnland war, habe ich überlegt, Susanne in Umeå zu besuchen. Während meines Besuches war ich beim Einzeltraining der Umeå IK-Jugend dabei. Steve Galloway und Roland Arnqvist waren auch dort. Sie haben nach meiner Mailadresse gefragt und so fing das an.

Seit April spielst Du für Umeå. Kannst Du die Damallsvenskan mit den japanischen und amerikanischen Ligen vergleichen?

Es ist schwer zu vergleichen. Jedes Land hat einen anderen Fußballstil, andere Umgebung, Ausstattung und einen anderen Status.

Mami Yamaguchi

Mami Yamaguchi gehört zu den technisch sehr begabten Spielerinnen. Mit dem Ball kann sie praktisch alles

Vor kurzem verlor Linköpings FC zuhause gegen LdB FC Malmö mit 3:2 führt aber immer noch mit fünf Punkten Vorsprung vor Umeå IK. Kann Dein Klub nach Olympia wieder die Tabellenführung erobern?

Ich denke schon. Wenn wir keine verletzten Spielerinnen haben, dann habe ich viel Vertrauen, dass wir es wieder an die Spitze schaffen.

Wenn die „Women’s United Soccer Association” irgendwann wieder einführt wird, kannst Du Dir vorstellen, wieder in die USA zurück zu kehren, wenn ein Verein anfragt,


Mami Yamaguchi

Mami Yamaguchi, hier beim Aufwärmen für das Uefa-Cup-Spiel ihres Clubs Umeå IK gegen Olympique Lyonnais am 30. März 2008, hofft auf einen Aufschwung für den Frauenfußball in Japan durch ein gutes Abschneiden der Japanerinnen bei Olympia

ob Du in der WUSA spielen willst? Oder spielst Du weiter in Schweden oder irgendwo in Europa?

Ich weiß es nicht. Man kann nie wissen, was in der Zukunft passiert. Im Moment ist meine Aufmerksamkeit bei Umeå IK. Ich liebe den Fußball hier.

Nun zum allgemeinen Fußball in Japan und die japanische Nationalmannschaft. Nach der Weltmeisterschaft 2003 stiegen die Mitgliederzahlen bei den Mädchen- und Frauenvereinen in Deutschland, in den skandinavischen Ländern und anderswo deutlich an. Besonders erfreulich stellte sich die Entwicklung im Mädchenfußball in Deutschland dar. Gibt es diese Steigerung auch in Japan?

Unglücklicherweise haben wir nicht das Phänomen wie in Deutschland, den USA und Schweden. Aber Stück für Stück wird es langsam beliebter. Wenn Japan bei den Olympischen Spielen gut spielt, dann denke ich, wird es viel besser. Vielleicht können wir dann in Japan eine professionelle Fußball-Bundesliga starten. Es hängt alles davon ab, wie wir in großen Turnieren, wie den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften abschneiden.

Mami Yamaguchi und Meike Weber

Am 24. Mai 2008 war Mami Yamaguchi anlässlich des Uefa-Cup-Finales in Frankfurt zu sehen. Hier versucht sie, an Meike Weber vorbei zu kommen

Wie schätzt Du die Entwicklung in Japan ein?

Wir haben so viele gute Spielerinnen. Die Spielerinnen haben Talent, gute Technik und sind clever. Aber das Umfeld ist nicht gut. Die Liga ist nicht professionell, so dass die meisten Spielerinnen Vollzeit oder Teilzeit arbeiten. Außerdem ist es schwierig Schulen zu finden, wo Mädchen Fußball spielen können. Dadurch hören viele Mädchen schon früh auf zu spielen. Aber jetzt hat der japanische Fußballverband geholfen, eine bessere Umgebung für Jungen und Mädchen zu schaffen. Es sieht so aus, als ob es positiv für die Jugendentwicklung wird.

Du warst in Japan bereits in der U15, U18 und U21-Nationalmannschaft. Was war Dein schönstes Erlebnis auf dem Fußballplatz?

Alle Erfahrungen waren toll! Es ist immer toll und etwas besonders, wenn du dein Land repräsentierst und gegen andere Länder spielst.

Du hattest im Sommer 2007 dein Debüt in der A-Nationalmannschaft. Warum hat Trainer Norio Sasaki Dich nicht für die Olympischen Spiele in Peking nominiert?

Keine Ahnung, ich bin kein Cheftrainer. Er ist der Cheftrainer und damit ist es seine Entscheidung.

Wer von den drei Vorrunden-Gegnern USA, Norwegen und Neuseeland ist der Schwierigste?

Es gibt keine einfachen Spiele. Aber ich glaube, die USA sind die Schwierigsten.

Vor vier Jahren gewann Japan zum Auftakt der Olympia-Vorrunde in


Athen gegen die favorisierten Schwedinnen überraschend mit 1:0. Ist es möglich, dass die japanische Frauenmannschaft mit Norwegen um den Platz als Gruppenzweiter kämpfen wird?

Ja, ich glaube das ist möglich. Ich denke, jedes Team hat die Möglichkeit. Japan hat viele gute Spielerinnen. Auch wenn sie physisch nicht so stark sind, können sie das ausgleichen. Ich meine, sie haben bessere Technik, Schnelligkeit und Organisation.

Ist die USA, Brasilien oder Deutschland der Turnierfavorit? Oder auch eine Überraschungsmannschaft? Hat das Team von Traner Norio Sasaki eine Chance, eine Medaille zu holen?

Alle Teams haben eine Chance eine Medaille zu gewinnen. Ich habe kein Lieblingsteam, aber ich werde mein eigenes Land unterstützen.

Nun zu einem anderen Thema: nach dem Final-Trauma gegen Arsenal London 2007, nun auch die Endspiel-Niederlage gegen den 1.FFC Frankfurt. Ist es ein Trost, dass die Mannschaft sowieso vielleicht erst 2009 den Zenit erreicht?

Ich hatte keine Ahnung vom UEFA-Cup, bevor ich zu Umeå gekommen bin. Um ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung, welche Bedeutung und Größenordnung das Turnier hatte. Erst nach der Niederlage gegen Frankfurt wurde mir klar, wie groß das Turnier ist und was es bedeutet. Es ist der Traum aller Fußballerinnen in Europa, das UEFA-Cup Finale zu erreichen. Es gibt viele gute Teams, es wird also hart. Aber wir werden versuchen, wieder das Finale zu erreichen und diesmal die Sieger zu sein.

Yamaguchi mit Umeå IK und FFC

Mami Yamaguchi mit Umeå IK in Frankfurt vor dem Rückspiel im Uefa-Cup-Finale. Von links Lisa Dahlquist, Madeleine Edlund, Johanna Rasmussen, Yamaguchi und Marta

Wird Olympique Lyonnais eine Chance zur Revanche für das Halbfinale gegen Deinen Klub bekommen, wenn die französische Frauenmannschaft im Viertelfinale auf den schwedischen Meister trifft?

Klar haben sie eine Chance. Sie haben ein richtig gutes Team. Aber ich persönlich möchte gegen Arsenal London spielen.

Was wünscht Du Dir für Deine Zukunft?

Wenn ich meine Fußballkarriere beendet habe, möchte ich vier Kinder.

Vielen Dank für das Interview! Für Deine Zukunft wünschen wir von FanSoccer Dir alles Gute und viel Erfolg!


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