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Damallsvenskan 2008

Durcheinandergewürfelt

Überraschender Saisonverlauf in Schweden

Text von Volker Lieberum und Tom Schlimme

25.7.2008   Schaut man sich derzeit die aktuelle Tabelle der ersten schwedischen Liga, der Damallsvenskan, an, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus! Gegenüber den Vorjahren erscheint die Liga komplett durcheinander gewürfelt, nichts ist mehr so, wie es mal war.

Die Abonnementmeister und UEFA-Cup Finalisten aus Umeå liegen mit 5 Punkten Rückstand (allerdings bei einem Spiel weniger) nur auf Platz 2. Aber nicht etwa hinter dem langjährigen Konkurrenten aus der schwedischen Hauptstadt, nein, das Team aus Djurgården liegt, obwohl Nadine Angerer und Ariane Hingst dort gute Leistungen bringen, nur auf Platz 7 der Liga, mit einem genau ausgeglichenen Toreverhältnis von 15:15 bei 4 Siegen, 4 Niederlagen und 5 Unentschieden!

Djurgården IF

Für Jennifer Meier, Ariane Hingst (2. + 3. v.l.) und Djurgården läuft es in diesem Jahr nicht so rund

Bild: Anders Henrikson/ AIK

Tabellenführer in Schweden ist derzeit Linköpings FC. Die beendeten die vergangene Saison auf dem 6. Platz mit satten 25 Punkten Abstand zu Umeå, die ihrerseits 9 Punkte Vorsprung vor dem letztjährigen Tabellenzweiten Djurgården vorweisen konnten. Bei einem Torverhältnis von plus 62! 2006 war Umeå gar mit 21 Punkten Vorsprung vor Djurgården Meister geworden. Auch 2005 hieß der Meister Umeå, damals wie auch 2006 ohne Niederlage bei 21 Siegen und einem einzigen Unentschieden! Aktuell hat das Team um Weltfußballerin Marta nach 13 Spieltagen schon zwei Unentschieden und eine Niederlage auf dem Konto.

Apropos Marta: die flog, hier in Deutschland weitgehend unbemerkt oder zumindest unkommentiert, wegen einer schweren Tätlichkeit vom Platz. In der 81. Minute, beim 2:1 Stand für Umeå in Malmö, trat sie ihrer am Boden liegenden Gegenspielerin Emma Wilhelmsson in den Magen. Beispielhaft für die blank liegenden Nerven in einem Verein, der sich an die neue Situation noch nicht gewöhnen konnte und das Verlieren erst mal wieder lernen muss?
Malmö konnte in der 89. min. noch zum 2:2 ausgleichen.

Marta sieht rot

Pernilla Larsson zeigte Marta nach einem groben Foul die rote Karte

Bild: www.svenskfotboll.se

Hätte Linköping nicht am 14. Spieltag erstmals in dieser Saison verloren, sie wären schon fast uneinholbar vorne! Übrigens konnte sich das Team von Klubdirektor Anders Mäki, der mit Daniela und Cristiane zwei Brasilianerinnen nach Linköping holte, auch in Umeå mit 3:2 durchsetzen, wie auch in Malmö, die sich aber mit einem Sieg in Linköping revanchieren konnten. Am 3. September muss Umeå nach Linköping, gut möglich, dass sich in diesem Spiel die schwedische Meisterschaft entscheiden wird!

Doch noch eine andere Mannschaft sorgte für Furore: der zweite Stockholmer Club, AIK, 2007 als Tabellenzehnter nur mit Mühe dem Abstieg entronnen, steht nach 13 Spieltagen nach Siegen gegen Malmö und Lokalrivalen Djurgåden auf einem guten vierten Platz!

AIK

AIK präsentiert sich überraschend gut in dieser Saison

Bild: Anders Henrikson/ AIK


Linköpings FC

Das Team von Linköpings FC, Tabellensechster am Ende der Saison 2007, führt derzeit die schwedische Liga mit fünf Punkten Vorsprung an!

Bild: Tobias Josefsson/Linköping FC

Da passt es ins Bild, dass beide Aufsteiger schon am ersten Spieltag ihre Heimspiele gewinnen konnten, Umeå Södra gegen Sunannå und Kristianstads gegen Djurgården.

Laura Kalmari

Laura Kalmari präsentierte stolz ihren Nachwuchs und stand AIK wenig später wieder zur Verfügung

Bild: Anders Henrikson/ AIK

Es ist natürlich schwer, aus der Ferne Ursachen für die überraschenden Veränderungen in der schwedischen Liga auszumachen. Doch es fällt schon auf, dass im Vergleich mit Deutschland eine größere Zahl von Wechseln zu verzeichnen sind. Wechsel können eine Mannschaft stärker machen, aber es ist nie sicher, ob die neuen Spielerinnen auch in ungewohnter Umgebung zu ihrer im alten Verein gezeigten Leistungsstärke finden.
In Umeå mußte man seit Ende 2006 Malin Moström, Anna Sjöström, Sofia Lundgren, Sanna Valkonen und Anne Mäkinen ersetzen. Mit dem vorher vielgepriesenen chinesischen Talent Ma Xiaoxu holte man einen Ersatz, der nicht wirklich nach Schweden passte - ein Experiment, das gescheitert ist. Die Schweizerin Ramona Bachmann, bereits als 16-jährige nach Umeå geholt, zeigt gute Ansätze, ist aber noch lange nicht soweit, die gestandenen Leistungsträgerinnen der vergangenen Jahre zu ersetzen, da sie oft etwas übermotiviert wirkt.

Starstürmerin Hanna Ljungberg fällt oft verletzungsbedingt aus und stand der Mannschaft von Mitte April bis Mitte Juni nicht zur Verfügung.Der Kreuzbandriss der brasilianischen Nationalspielerin Elaine, einer ganz wichtigen Spielerin im defensiven Mittelfeld, hat ebenfalls eine Riesenlücke gerissen. Diese Lücken konnten nicht geschlossen werden, obwohl bei Umeå bis auf zwei Spielerinnen alle als Profis bezeichnet werden können. Vielleicht ist es auch ein Problem der Nordschwedinnen, dass sich ihr Spiel immer mehr um Marta dreht - und damit immer ausrechenbarer wird.

Hanna Ljungberg gegen Lisa Björkvik

Musste auch oft wegen einer Verletzung pausieren, Hanna Ljungberg (hier im Fight mit Lisa Björkvik/ Hammarby IF)

Bild: Kjell Franzén

Auch bei Djurgården ist vom Team, welches 2005 im Uefa-Cup gegen Potsdam spielte, kaum noch eine Spielerin dabei. Man munkelt von internen Reibereien, auf jeden Fall muss man aufpassen, sich nicht vom Lokalrivalen AIK den Rang als Stockholms Nummer 1 ablaufen zu lassen. AIK ist der größte Sportverein Schwedens und hat dieses Jahr mal richtig in den Frauenfußball investiert. Zwar verzichtete man auf spektakuläre internationale Stars, doch holte man sich nationale Newcomer wie Emma Lundh und Louise Fors an Bord.

Louise Fors

Mit schwedischen Jungstars, hier Louise Fors, stürmt AIK nach vorne

Bild: Martin Agfors


Dagegen scheint man in Linköping Glück gehabt zu haben bei den Wechseln - oder einfach gut „gecastet”. Jedenfalls passt hier vieles gut zusammen. Leider hat man nicht das Geld, beide Brasilianerinnen weiter unter Vertrag zu halten. Mit Daniela war man sehr zufrieden und man versucht sie, wenn das Geld stimmt, zu halten. Cristiane wird sich aber mal wieder auf die Suche nach einem neuen Verein machen müssen. In Linköping hat man mit Petronella Ekroth und Kosovare Asllani jedoch talentierte junge Spielerinnen, die ihren Weggang schnell vergessen machen können.

Daniela und Cristiane

Die beiden brasilianischen Vizeweltmeisterinnen Daniela und Cristiane spielten in der Vorrunde bei Linköping. Zumindest Daniela (im Vordergrund) würde man dort gerne behalten

Bild: Tobias Josefsson/Linköping FC

Übrigens ist der Zuschauerzuspruch trotz der vielen überraschenden Ergebnisse keineswegs so gut, wie in Deutschland öfter mal kolportiert. Der Schnitt ist bisher wie in den Jahren zuvor, rückläufig. Positiv ist anzumerken, dass Aufsteiger Kristianstads DFF es meist deutlich über 1000, gegen Malmö sogar mal bis auf knapp 3000 Zuschauer brachte. Doch auch Spiele mit unter 200 Zuschauer gab es 2008 in der Dammalsvenskan, so zog die Partie Bälinge - Djurgården nur 187 Interessierte ins Stadion.

 Sara Thunebro und Emma Wall

Spannende Tabellensituation, aber oft wenig Zuschauer: Sara Thunebro aus Djurgården verfolgt von Emma Wall von Hammarby IF

Bild: Martin Agfors

Insgesamt also keine Zahlen, vor denen die deutsche Liga in Neid erblassen müßte. Übrigens wurde uns von etlichen Spielen berichtet, die richtig grottig anzuschauen gewesen seien. Rumpelfußball mit weit nach vorne geschlagenen Bällen als einziger taktischer Waffe - nicht unbedingt das, was man als zeitgemäß im modernen Frauenfußball bezeichnen kann. So stellt sich dann letztlich auch die Frage, sind die überraschenden Ergebnisse der Saison 2008 in Schweden der Beginn eines Aufbruchs zu neuen, besseren Ufern, oder Ausdruck einer allgemeinen Krise des schwedischen Frauenfußballs? Die Zukunft wird es zeigen, interessant wird es allemal!

Mami Yamaguchi, Johanna Rasmussen, Marta und Lisa Dahlkvist

Umeå IK (Mami Yamaguchi, Johanna Rasmussen, Marta und Lisa Dahlkvist ) haben 2008 nicht nur Grund zum Jubeln. Stehen sie am Ende trotzdem wieder ganz oben?

Bild: Matilda Almeflo


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