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04.08.2011
Text von Rainer Fußgänger, Bilder von Marion Kehren
Bei der vor wenigen Wochen beendeten WM sorgte ddas US-Team für sehr viel positive Stimmung. Aber gerade die Spielerinnen von magicJack Abby Wambach (Nr. 20), Hope Solo (Nr. 1), Shannon Boxx (Nr. 7) und Megan Rapinoe (Nr. 15) dürfte mittlerweile das Lachen in ihrem Heimatverein vergangen sein.
Troubel in der WPS bzw. bei magicJack! Gerade noch spielten die US-Girls eine grandiose Weltmeisterschaft in Deutschland und doch brodelt es hinter den Kulissen der einst hoch gelobten Women’s Professional Soccer League.
Sechs Vereine oder sagen wir ruhig „Franchising“ (Filialen) hat die WPS aktuell in ihrer dritten Saison. Das ist nicht viel, aber im Laufe der Zeit haben sich mit Los Angeles Sol, St. Louis Athletics, Chicago Red Devils und FC Gold Pride gleich vier Vereine schon wieder verabschiedet. Die Liga, die stets wachsen sollte, ist in ihrer dritten Saison immer noch im Zwergenstatus.
Im ersten und zweiten Jahr hatte man noch viele Ausländerinnen angeworben, die Brasilianerin Marta kam von Umeå IK und wurde zum Flaggschiff des neuen Versuchs den florierenden Profifußball in den USA aufzubauen. Die Zuschauerzahlen blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück, die Verluste waren weitaus größer als angenommen. Investoren zogen sich zurück, hatten sich die Finger verbrannt und wollten nicht noch mehr Geld verlieren. Im dritten Jahr fällt sehr stark auf das in den sechs verbliebenen Teams der WPS kaum noch Europäerinnen spielen. Es heißt, dass Europäerinnen den Aufwand, den man für sie betreiben muss, nicht wert sind. Viele sind wieder zurück nach Europa gekommen. Auch die Dänin Johanna Rasmussen kehrt nun aus den USA zurück und wird schon sehr bald die Fußballschuhe für Kristianstads DFF schnüren, nachdem ihr Vertrag mit magicJack aufgelöst wurde. Aktuell gibt es nur noch zwei Brasilianerinnen bei Western New York Flash - im ersten Jahr der WPS hatte jeder Club noch zwei (!!!) Südamerikanerinnen.
Bild links: Das offizielle WPS-Logo!
Nach der für die USA erfolgreiche WM und der Silbermedaille und die Medien in den Staaten aufmerksam geworden waren, gab es in den ersten Spielen tolle Zuschauerzahlen. Erstmals waren Begegnungen ausverkauft und die Superstars wie z.B. Abby Wambach und Hope Solo wollte man auf einmal live im Stadion sehen. Das sah gut aus, aber unter der Oberfläche gärte es und diese Woche bricht der Streit offen aus.
Eigentlich wäre der für amerikanische Verhältnisse schon fast traditionsreiche Verein Washington Freedom (hier wurden die deutschen Steffi Jones und Jennifer Meier 2003 amerikanische Meisterinnen in der WUSA) im letzten Jahr auch in Konkurs gegangen. Dann kam ein Investor! magicJack ist ein kleines Gerät mit USB-Anschluss, das man an seinen Computer anschließen kann. Damit kann man dann im „Voice over IP!-Verfahren“ in den USA telefonieren. Erfinder und Besitzer des Unternehmens ist Dan Borislow - ein 49-Jähriger Erfinder, Pferdezüchter und mittlerweile eben auch Eigentümer oder Investor eines Frauenfußballfranchiseunternehmens der WPS. Seine Tochter Kylie spielt Fußball und sicherlich auch deshalb stieg er ein, als Washington Freedom die Puste und das Geld ausging. Der Club nannte sich zunächst magicJack’s Washington Freedom und wurde später magicJack umbennat. Die Heimspiele werden längst nicht mehr in Washington, D.C. ausgetragen. Das ganze Team zog um nach Boca Raton (Florida), das ist für Dan Borislow dann auch nicht mehr so weit zu den Heimspielen.
Bild rechts: Nach einem spannenden Finale sicherten sich die USA die Silbermedaillie.
Aber die noch junge Geschichte des Franchise-Unternehmens magicJack in der WPS ist mit viel Ärger zwischen dem Eigentümer und der Liga behaftet. Bereits Mitte Mai gab es eine deutliche Stellungnahme der Liga: magicJack hatte seine ersten drei Heimspiele ausgetragen ohne sich an die vertraglichen Grundbedingungen gehalten zu haben. So reklamierte man z.B. das Ligasponsorenschilder nicht richtig aufgestellt wurden, es keine Videos von den absolvierten Spielen gab und die Medien keinen Zugang zur Mixed-Zone nach Spielende erhalten hatten.
Bild links: Das offizielle Vereinlogo von magicJack.
Anne-Marie Eileraas, Generalsekretärin der WPS, erklärte: „Als Herr Borisow Anteile an Washington Freedom erwarb, hat er eine Organisation erworben, die Verpflichtungen gegenüber der Liga und ihren Besitzern hat. Die WPS hat dem Team eine Frist erteilt sowie Hilfe angeboten, damit die Grundvoraussetzungen der Liga erfüllt werden. Zu unserer großen Enttäuschung ist es dem Team nicht gelungen diese zu erfüllen. Anstatt mit den Partnern zusammen zu arbeiten zog es Herr Borisow jedoch vor öffentliche Kritik zu tätigen. Dies zeugt von mangelndem Respekt und schadet in erster Linie der Liga.“
Das war schon harter Tobak. Aber Mitte Juni wurde es noch unangenehmer. Da begann nämlich die Direktion der WPS Schritte zu unternehmen, um das Franchise von magicJack mit dem Ende der Saison 2011 abzuschließen. Borisow hat beschlossen, gegen die WPS vor Gericht zu ziehen. Eine Schlammschlacht hat begonnen, unmittelbar nachdem der Frauenfußball in den USA endlich wieder einmal größere Aufmerksamkeit bekommen hat.
Dan Borisow ist nicht nur der Besitzer der Mannschaft, er ist auch ihr Trainer. In einer E-Mail von Jennifer Hitchon (Spielerinnengewerkschaft) an die WPS-Chefin Eileraas ist die Rede von Mobbing durch den Trainer, von Drohungen gegen die Spielerinnen und vielem mehr. Seinen Spielerinnen hat er per Mail verboten Internetdienste wie Twitter aktiv zu verwenden, was ebenfalls gegen die Statuten verstößt. Im Übrigen fehle dem Millionär auch die notwendige Trainerlizenz und die Gewerkschaft fordert die WPS auf, Borislow das Coachen des Teams aufgrund zahlreicher Verstöße gegen Regeln der WPS und auch der FIFA zu untersagen. Den kompletten Brief der Gewerkschaft gibt es hier.
Informationen zufolge ist Superstar Hope Solo nach der WM nicht mehr nach Boca Raton zurückgekehrt. Der Club hat inzwischen die Kanadierin Karine LeBlanc verpflichtet und wird mit ihr die Saison zu Ende spielen. Solo laboriert immer noch an einer Schulterverletzung, die scheinbar in Florida nicht behandelt werden kann. Starstürmerin Abby Wambach arbeitet mittlerweile bei magicJack als Spielertrainerin!!! In der Liga kämpft der Verein gerade um den Einzug ins Halbfinale der WPS. Sollte dieses Vorhaben scheitern dürfte es mächtig dunkel in Florida werden.
Bild rechts: Bei der WM kassierten die Ausnahmespielerinnen Abby Wambach und Hope Solo noch kräftig ab und belegten bei der Wahl "adidas Goldener Ball" die Plätze zwei und drei.
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