Norwegen, ToppserienKolbotn wird zuhause vom Adler gerupftKolbotn IL – SK Trondheims-Ørn 0-2 (0-1) | ||
Text und Bilder von Michael Geist 18.05.2010 Nach dem Aufstieg (1995) hatte es noch zehn Jahre gedauert, bevor Kolbotn IL zum ersten Mal gegen den norwegischen Rekordmeister SK Trondheims-Ørn gewinnen konnte. Aber seitdem hat sich viel geändert, Trondheims-Ørn stürzte nach der Vizemeisterschaft 2006 ins untere Mittelfeld der Tabelle ab, weil viele wichtige Spielerinnen den bis dahin so erfolgreichen Club verließen. Doch Trainerin Gøril Kringen baute in ungefähr drei Jahren ihre junge Mannschaft mit erfahrenen Fußballerinen neu auf und konnte nun zum ersten Mal seit langem wieder einen Sieg bei Kolbotn in Süd-Oslo feiern. Es war schönstes Fußballwetter beim Besuch der Adler (das norwegische Ørn bedeutet übersetzt ins deutsche „Adler”) im Sofiemyr-Stadion. Das Match begann recht ausgeglichen mit etwas mehr Spielanteilen bei den Süd-Osloerinnen. Doch diese merkten schnell, dass die Viererkette von Trondheim auch ohne zwei verletzte Leistungsträgerinnen, Solfrid Andersen und Solveig Haaland, nur schwer zu bezwingen sein würde. ![]() Autumn Browning (Rückennummer 3) wehrte hier das Leder per Kopf vor Kolbotns Stürmerin Rebecca Angus ab Nach dem die ersten Angriffe von Kolbotn erfolgreich abgefangen worden waren, kamen die Gäste aus Trondheim ihrerseits zu Angriffen, bei denen sie meist schnell nach vorne konterten. Doch auch die Kolbotn-Vierkette kontrollierte im weiteren Spielverlauf das Spiel gut – besonders die beiden Innenverteidigerinnen, Runa Vikestad und Anja Sønstevold, die sich meistens den Ball vom Gegner eroberten, boten eine starke Leistung. Besonders ereignisreich wurde das Spiel zwischen der 22. und der 29. Minute. Nach einer Flanke von Sønstevold dribbelte sich Line Smørsgård an Trondheims Abwehrspielerin Kristin Lie vorbei und schob aus der rechten Strafraumecke nur knapp am Pfosten vorbei. Nur wenig später vergab die wieder sehr engagierte Angriffsspielerin Smørsgård ihre größte Chance für Kolbotn IL bis dahin, sie zog nach einem Pass von Rebecca Angus an einer Abwehrspielerin vorbei und knallte aus zehn Metern den Ball in Richtung Tor, doch Keeperin Ingrid Thorbjørnsen konnte per Hand parieren. Den Nachschuss Smørsgårds wehrte die Abwehrspielerin Lene Bredesen per Kopf zur Ecke ab. ![]() Kolbotn-Stürmerin Rebecca Angus (links) blieb heute glücklos, Anne Grete Storli (rechts) erzielte dagegen beide Tore Doch dann konterten wieder die Gäste, und in der 28. Minute gelang ihnen die Führung zum 1-0: Nach einem tollen Flankenlauf von Kristin Lie gelangte der Ball über zwei Trondheim-Akteurinnen per Kopf in den Strafraum, dort hämmerte Anne Grete Storli die Kugel ins oben-rechte Kolbotn-Gehäuse. Na ja, die Rechtverteidigerin Cecilie Liane hatte ein bisschen spät reagiert. Danach spielte Kolbotn engagiert wieder nach vorne und kam mehrmals vor das Thorbjørnsens Tor – doch die dicht |
Trondheims Kristin Lie (links), die die beste Spielerin des Tages war, im Zweikampf mit Kolbotn-Stürmerin Line Smørsgård | |
gestaffelte Adler-Abwehr verhinderte das Ausgleichstor für den Gastgeber. Besonders Lie und Bredesen gewannen nahezu jeden Zweikampf – auch gegen die starke Angriffsspielerin Smørsgård, die die Nachfolge von Isabell Herlovsen bei Kolbotn angetreten hat, die bekanntlich nach Lyon gewechselt ist und mit Olympique am Donnerstag im Finale der Champions League steht. Aber kurz vor dem Pausenpfiff hätte die 17-jährige Camilla Christensen fast doch noch den Ausgleich erzielt, aber sie scheitere aus kurzer Distanz an Thorbjørnsen. In der ersten Hälfte war Kolbotn klar die bessere Mannschaft, ging aber mit einem Tor Rückstand in die Kabine. ![]() Die junge talentierte zentrale Mittelfeldspielerin Andrine Hegerberg (links) erobert hier den Ball vor Lene Bredesen Nach dem Seitenwechsel spielten die Gastgeberinnen aus Süd-Oslo weiterhin engagiert nach vorne wie in der ersten Halbzeit und erarbeiteten sich mehr Chancen, doch das von Gøril Kringen perfekt eingestellte Abwehrteam der Ørn agierte weiter sehr aufmerksam. Der Druck der Spielerinnen von Kolbotn auf das gegnerische Tor wurde immer größer – der Ausgleich lag in der Luft. Nach toller Vorarbeit von Smørsgård verfehlte ihre englische Angriffskollegin Angus aus kurzer Entfernung das Tor. Einige Minuten später köpfte Kapitänin Vikestad die Kugel an Thorbjørnsen vorbei, doch der Ball ging nur an den Pfosten. Da konnte man Trainerin Kringen die Erleichterung ansehen. Bei ihrer guten Defensivarbeit kamen die Gäste auch gelegentlich zu nicht ungefährlichen Kontern. Acht Minuten vor Schluss brachte einer dieser Konter dann den Schock für die Heimmannschaft: Rechtverteidigerin Camilla Åseng passte vor die Mittellinie auf die eingewechselte Ersatzspielerin Oda Fugelsnes, die sich auf der rechten Seite durchsetzte und flach auf Storli flankte. Die Schützin des ersten Tores erzielte prompt auch das zweite, indem sie aus ca. 13 Metern halbrechts vom Strafraumeck in den linken Winkel schoss. Nun blieben Kolbotn nur noch sieben Minuten Zeit – die Spielerinnen versuchten noch mal nach vorne zu |
stürmen, obwohl bei einigen die Kräfte schon langsam nachließen. Drei Minuten nach dem 0-2 verfehlte ein Kopfball von Rebecca Angus das Tor nur um Haaresbreite. Doch die Abwehr von Tronheim blieb auch zum Schluss so sicher wie im ganzen Match, so dass es beim Auswärtssieg der Adler blieb. ![]() Ørn-Trainerin Gøril Kringen, die selbst als Spielerin des Adlers siebenmal norwegische Meisterin und achtmal Pokalsiegerin wurde, außerdem mit der norwegischen Nationalmannschaft die Welt- und Europameisterschaft gewann und Olympia-Gold in Sydney holte, war stolz auf ihre ganze Mannschaft Nach dem Schlusspfiff war der Jubel bei den Gästen, die eine starke kämpferische Leistung geboten hatten, groß. Sie hatten nun die Siegesserie von Kolbotn, die vorher viermal in Folge gewonnen hatten, geknackt und verkürzten den Tabellenabstand zu Kolbotn auf drei Punkte. ![]() Jubel bei Trondheims-Ørn - das Team ist dieses Jahr beim Kampf um die Spitze dabei!
| |