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„Ich fühle mich wohl in Schweden!”

Interview mit der norwegischen Spielerin Kristine Lindblom, zurzeit in den Diensten des schwedischen Erstligisten Jitex BK in Göteborg

Interview und Archivbilder von Michael Geist

22.10.2010   Die 27-jährige mehrmalige norwegische Nationalspielerin Kristine Lindblom kann bis dato auf eine erfolgreiche Karriere zurück blicken. Lange Zeit spielte sie für Kolbotn IL und heimste zahlreiche nationale Titel ein, bevor sie 2009 zum schwedischen Erstligisten Jitex BK nach Göteborg wechselte. In der gerade beendeten Saison belegte ihr neuer Club am Ende Rang 6.

Unser Korrespondent Michael Geist traf die aufgeweckte Norwegerin und hatte die Möglichkeit mit ihr ein kurzes Interview mit ihr zu führen.

Hallo Kristine, danke das du dir ein paar Minuten Zeit nimmst. Im Winter bist du zu Jitex BK gewechselt. Wie hast Du Dich mittlerweile eingelebt? Wie gefällt es dir in Schweden?

Ich mag Schweden sehr! Die Kultur ist der Norwegens sehr ähnlich, aber es gibt einige Unterschiede in Bezug auf das Spiel und unser Training. In Norwegen spielen wir meist in 4-3-3 Aufstellung, während die Schweden eine 4-4-2 Aufstellung bevorzugen. In Schweden wird auch größerer Wert auf das Grundtraining gelegt, z.B. auf Kraft und Flexibilität. Ich halte das für sehr gut. Ich brauchte einige Zeit, um mich daran zu gewöhnen, und ich arbeite immer noch daran, aber es wird langsam.

Kristine Lindblom

Kristine Lindblom, auf diesem Bild wie auch auf allen anderen unserer Archivbilder noch im Trikot von Kolbotn IL, spielte in ihrer Jugend in der U19- und der U21-Nationalmannschaft Norwegens, auch einige A-Nationalspiele hat die dynamische Mittelfeldspielerin für Norwegen bestritten

Kann man die Damallsvenskan in Schweden mit der Toppserien in Norwegen vergleichen?

Genauso wie in Norwegen ist die Liga auch hier eine "Dreiklassengesellschaft". Wenn man sich die Tabelle anschaut, sieht man, dass manche Mannschaften deutlich mehr Punkte als die übrigen haben, und einige haben deutlich weniger Punkte. Die meisten schlagen sich aber um die mittleren Tabellenplätze. Und das Leistungsniveau der besten Mannschaften in Schweden und in Norwegen ist ziemlich ähnlich. Wie ich schon gesagt habe, gibt es einige Unterschiede beim Spiel und in der Technik.

Wie bist Du in Kontakt mit dem schwedischen Klub gekommen?

Sie wussten, dass ich Interesse an einem Wechsel hatte und nahmen Kontakt mit mir auf. Ich kam hierher, um mir einen Eindruck zu verschaffen und war von der Mannschaft und ihrer Professionalität richtig angetan.


Kristine Lindblom

Kristine Lindblom feierte ihre größten Erfolge mit dem norwegischen Top-Verein Kolbotn IL, dem sie schon in ihrem sechsten Lebensjah beitrat. Im Jahr 2007 wurde Lindblom mit Kolbotn genau an ihrem 25. Geburtstag norwegische Pokalsiegerin. Außerdem holte Lindblom mit Kolbotn drei norwegische Meistertitel und stand 2006 im Halbfinale des UEFA-Cups.

Wie findest Du Zeit für Beruf und Fußballspielen?

Neben dem Fußballspielen war auch immer die berufliche Karriere für mich wichtig. Es ist einfach eine Frage der Organisation, um beides unter einen Hut zu bekommen. Montags bis Freitags arbeite ich tagsüber als Physiotherapeutin und Personaltrainerin, so dass ich vor und nach der Arbeit trainieren kann. Am Wochenende finden dann unsere Ligaspiele statt.

Was war das schönste Erlebnis in deiner bisherigen Fußballkarriere?

Das prestigeträchtigste Turnier in Norwegen ist der Pokal. Dort herrscht während des Finales eine tolle Stimmung, nicht zu vergleichen mit den Spielen der Liga. Der schönste Moment meiner Karriere war daher der Finalsieg im Jahr 2007, genau an meinem 25. Geburtstag. Ein toller Tag!

Nun ein kleiner Rückblick auf die letzte Saison bei Kolbotn: Obwohl vier Stammspielerinnen (Cecilie Berg-Hansen, Trine Bjerke Rønning, Solveig Gulbrandsen und Kristin Blystad Bjerke) Kolbotn IL vor der Saison verlassen hatten, habt ihr mit vielen Jugendspielerinnen noch einen hervorragenden 3. Platz erreicht. Warst du von diesem Erfolg überrascht?

Bevor die Saison startete hatte ich wirklich keine Ahnung, wie wir die Saison bis zum Ende durchstehen sollten. Wie Du schon gesagt hast, hatten wir etliche wirklich gute Spielerinnen verloren, aber ich wusste, dass die jungen Spielerinnen genauso wie die übrigen von uns sehr viel Potential hatten. Es waren auch noch wirklich gute Spielerinnen mit viel Erfahrung dabei, und diese Kombination aus alt und jung stellte sich als richtig gut heraus.

Kristine Lindblom

In ihrer letzten Saison bei Kolbotn IL erreichte Kristine Lindblom (links) mit ihrem nach vielen hochkarätigen Abgängen geschwächten Klub einen unerwartet guten dritten Platz in der norwegischen Liga. Dieses Bild stammt aus dem Spiel gegen den Meisterschaftsmitfavoriten und späteren Vizemeister Stabæk FK, das Kolbotn mit 3:1 gewann. So stand man nach dem 11. Spieltag völlig überraschend sogar auf dem ersten Tabellenplatz!


Nach dem Saisonende wechselten dann noch einmal sieben Fußballerinnen von Kolbotn zu schwedischen und französischen Clubs und Miriam Mumtaz beendete ihre Fußballkarriere. Für den Verein war dies ein schwerer Verlust, aber die Eggen-Elf mit vielen jungen Spielerinnen gewann im Winter beim Testspiel gegen deinen neuen Club. Wie schätzt du die aktuelle Situation bei Kolbotn IL ein?

Sie sind nach wie vor ein gutes Team. Ich habe aber keine Ahnung, was im nächsten Jahr aus dem Team wird, glaube aber, dass es dieses Jahr schon viele Leute überrascht und damit gezeigt hat, dass es mit dem richtigen Geist und inneren Einstellung möglich ist, gut zu spielen.

Kristine Lindblom

Kristine Lindblom (ganz links) mit ihren Mitspielerinnen von Kolbotn IL

Du warst mit Deinem Ex-Klub norwegischer Meister und Pokalsieger und im Jahr 2006 habt ihr das des UEFA-Women-Cup Halbfinale erreicht. Welche Träume hast Du für deine weitere Karriere?

Im Augenblick konzentriere ich mich ganz darauf, mich so gut wie möglich für meine jetzige Mannschaft einzubringen. Wir bemühen uns, jedes Spiel, das wir bis zum Saisonende spielen, zu gewinnen. Mal sehen, wie weit wir kommen.

Kristine, nochmals vielen Dank! Für Deine Zukunft wünschen wir dir alles Gute und viel Erfolg!




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