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Frauenfußball in England

Fulham zieht sein Team zurück

Rückschritt für den englischen Vereinsfußball

Von Antje Schröder (England) und Christian Heidler

23.06.2006    Während sich Englands Nationalmannschaft gut entwickelt, hat der Vereinsfußball weiterhin große Probleme. Nachdem sich bereits in Birmingham und Leeds die Klubs ihrer Erstliga-Frauenmannschaften entledigt hatten und Manchester United sich weigerte ein Top-Frauenteam aufzubauen, steht nun im Londoner Stadtbezirk Fulham der Frauenfußball vor dem Aus.

Zum Ende der abgelaufenen Saison, in der die Mannschaft nur knapp den Abstieg aus der ersten Liga vermieden hat, gab Fulhams Vereinseigentümer Mohamed Al-Fayed bekannt, dass der Verein seine Frauenmannschaft aus finanziellen Gründen aus der Women's Premier League zurückziehen wird. Das geringe Medien- und Zuschauerinteresse für den Ligabetrieb der Frauen würden dem verschuldeten Klub keinen sich wirtschaftlich rechnenden Spielbetrieb ermöglichen.

Rachel Yankey

Rachel Yankey, die jetzt in Diensten des FC Arsenal steht, stand wie viele andere namhefte Größen auch schon im Aufgebot des FC Fulham.

Foto: Bernd Seume

Der 1993 gegründete Fulham Ladies Football Club, Bestandteil des Fulham F.C., war von 2000 bis 2003 die erste Mannschaft in Europa, die Frauen als Profis beschäftigt hat. Nach Aussage des Vereins geschah dies, da die Football Association (FA) angekündigt hatte, dass die Women's Premier League ab der Saison 2003/04 als Profi-Liga geführt werden sollte.

In der Profi-Mannschaft spielten Stars aus dem In- und Ausland, u.a. die englischen Nationalspielerinnen Rachel Unitt, Rachel Yankey, Rachel McArthur, Katie Chapman und Mary Philip, die australische Nationalspielerin Kristy Moore, die Norwegerinnen Astrid Johannessen, Marianne Pettersen und Margunn Haugenes sowie Katrine Petersen aus Dänemark.


Katrine Pedersen, Kristine Lilly

Die Dänin Katrine S. Pedersen (r.), hier beim diesjährigen Algarve-Cup im Zweikampf mit der US-Amerikanerin Kristine Lilly, trug in der Saison 2002/2003 das Trikot des FC Fulham.

Foto: Beate Wolter

Gemanagt wurde die Mannschaft zuletzt von Marieanne Spacey, die früher für Arsenal und Fulham sowie die englische Nationalmannschaft spielte.

Die größten Erfolge des Vereins waren der Gewinn der englischen Meisterschaft 2003 und Siege im FA Women's Cup Finale 2002 und 2003. In der Saison 2002/03 verloren „The Cottagers“ nicht ein einziges Spiel, so dass mit dem Gewinn des Ligacups die Titelsammlung gar zum Triple erweitert werden konnte.

Nachdem der Verband seinen Plan, eine Profiliga einzuführen, aufgegeben hatte, wurde das Team ab der Saison 2003/04 auf Halbprofitum umgestellt. Die erfolgreiche Mannschaft brach schnell auseinander und in den letzten beiden Jahren standen viele junge Spielerinnen aus der eigenen Jugend in der ersten Mannschaft.

Mary Philipp

Mary Philipp ist mittlerweile auch zum englischen Top-Verein FC Arsenal London gewechselt.

Foto: Peter Henkel

Der Verein gab bekannt, dass immerhin die Nachwuchsarbeit weiter geführt werde.


Das Männer-Team des Fulham FC spielt seit mehreren Jahren in der Premier League, allerdings meist in der unteren Tabellenhälfte. Der Verein will sich nun finanziell wieder auf die Männermannschaft konzentrieren.

Derzeit ist noch unklar, wer den frei gewordenen Platz in der Women's Premier League einnehmen wird. Die Liga wird zur Saison 2006/07 von 10 auf 12 Teams aufgestockt. Eventuell werden Marieanne Spacey und die Mannschaft einen eigenen Verein gründen, um weiterhin am Spielbetrieb teilnehmen zu können. Voraussetzung hierfür ist u.a. aber auch, dass Fulham F.C. den neuen Fulham Ladies den Gebrauch des aktuellen Vereinsnamens erlaubt. Doch auch wenn FA-Sprecher Alex Stone einem eigenständigen Frauenteam in Fulham alle erdenkliche Unterstützung seitens des Verbandes zusichert, könnte das Projekt an der Namensfrage scheitern. Inzwischen sollen sich allerdings auch schon einige Spielerinnen wie etwa Emma Thomas (New York Magic, USA) neue Klubs gesucht haben. Der weitere Werdegang bleibt abzuwarten, doch stehen die Zeichen für erstklassigen Frauenfußball in Fulham derzeit nicht allzu gut.

Dieses Kapitel ist vielleicht nicht ganz so traurig, wie das des FSV Frankfurt, aber nichtsdestotrotz ein großer Rückschritt für den Frauenfußball.


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