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Frauenfußball International

Als Pokalsiegerin dem König vorgestellt

Interview mit Trine Rønning (Norwegen)

Text und Bilder von Michael Geist

17.08.2008   Anmerkung von Tom Schlimme: Es ist schon 9 Tage her, dass uns Michael Geist das folgende Interview schickte, das er mit der norwegischen Nationalspielerin Trine Rønning geführt hat. Aufgrund von Urlaubsengpässen in unserem Team kommen wir jetzt erst dazu, es einzustellen, so dass die Passagen zu Olympia leider nur die Aussagen von Rønning vor Beginn der Spiele beinhalten und nicht mehr auf den Verlauf eingehen. Aber große Teile des Interviews sind zeitlos und gut geeignet, die sympathische Spielerin vorzustellen!



Hei Trine, herzlichen Glückwunsch zum norwegischen Pokalsieg – was war für Dich persönlich der schönste Moment beim Gewinn des Pokals?

Am besten war, dass ich einen historischen Augenblick miterleben durfte. Das ist Kolbotns erster Pokalfinalsieg. Die Atmosphäre, die phantastische Stimmung, ich wurde dem König vorgestellt und nicht zuletzt, dass auch meine Familie da war.

Lass uns ein wenig über Dich und Deine bisherige Fußballlaufbahn reden.

Ich bin das, was man fußballverrückt nennt. Mit dem Fußballspielen habe ich mit 7 Jahren angefangen und es seitdem immer geliebt. Bis ich 12 war, habe ich in der Jungenmannschaft von Kolstad IL und Trond IL gespielt. Danach wechselte ich zu Trondheims-Ørn und blieb da bis 2003. Die nächsten Stationen waren Oslo und Kolbotn, wo ich immer noch spiele. Tolle Fußballmomente gab es dabei viele. Ich habe einige norwegische Titel gewonnen. 5 norwegische Pokalsiege (4 Mal mit Trondheims-Ørn und einer mit Kolbotn IL), 4 Mal norwegischer Meister, glaube ich.
Ich habe bei 2 WM und 2 EM mitgespielt und jetzt Olympia. Dabei kann ich auf eine Silbermedaille von der EM 2003 und einen vierten Platz in der WM stolz sein! (lächelt)

Nun zur norwegischen Nationalmannschaft, in der abgelaufenen Spielzeit bist Du bei Kolbotn IL lange nicht in Form gekommen. Was hat aus Deiner Sicht den Ausschlag dafür gegeben, dass Du doch für den 18er-Kreis der Nationalmannschaft nominiert wurdest?

Trine lacht. Das musst Du eigentlich Bjarne fragen. (Anm.: Bjarne Berntsen, der norwegische Nationaltrainer) Aber was mich angeht, ist ziemlich entscheidend, dass ich doch einige Erfahrung als Spielerin aufweisen kann. Bjarne hätte mich, glaube ich, nicht aufgestellt, wenn er nicht gewusst hätte, was ich drauf habe (lacht wieder).

Wie sieht Dein Training momentan aus?

Ich trainiere so viel wie nötig, um nach meiner Knieverletzung wieder fit zu werden. Ich habe ja eine schwierige Phase mit viel Pech hinter mir. Jetzt habe ich aber die Trainingseinheiten erhöht und konzentriere mich darauf, meine Beine wieder beweglich und stark zu machen. Ich freue mich natürlich total, dass ich wieder dem Ball hinterher rennen kann und deshalb nutzte ich jede Gelegenheit, den Ball zu spielen.

Trine Rønning gegen Asker

Da war Trine Rønning beste Spielerin des Tages - Kolbotn IL gegen Asker am 30. Juni 2007

Wer von den drei Vorrunden- Gegnern USA, Japan und Neuseeland ist der Schwierigste? Ist es möglich, dass die japanische Mannschaft mit Norwegen um den Platz als Gruppenzweiter kämpfen wird?

Ich finde, es ist eine ziemlich offene Gruppe, wobei die USA klar die beste Mannschaft ist. Über Japan und Neuseeland weiß ich kaum was. Gegen Japan habe ich einmal gespielt und da haben wir verloren. Gegen Neuseeland habe ich keinerlei Erfahrung, d.h. wir müssen beide Mannschaften genauso


Trine Rønning mit dem norwegischen Pokal

Trine Rønning konnte den norwegischen Pokal bereits zum fünften Mal gewinnen, vier Mal mit Trondheims-Ørn und einmal mit Kolbotn IL. Das Bild zeigt Rønning nach dem Pokalsieg mit Kolbotn am 10.11.2007.

ernst nehmen wie die USA, wenn wir die Gruppenphase überstehen wollen.

Wer wird euer stärkster Gegner sein? Und gegen wen würdest Du gerne im Endspiel spielen?

Erst mal muss ich sagen, dass in der ersten Runde die USA am schwersten zu schlagen sein wird. Schwer zu sagen, es spielen so viele gute Mannschaften mit. Brasilien ist ein Team mit phantastischen Fußballerinnen, aber auch die kann man schlagen. Wäre schön, im Finale gegen Deutschland oder die USA zu spielen, und natürlich zu gewinnen (lächelt).
(Anm.: Norwegen konnte dann überraschend die USA im ersten Gruppenspiel mit 2:0 schlagen, gewann dann auch 1:0 gegen Neuseeland, verlor aber das letzte Gruppenspiel 1:5 gegen Japan und im Viertelfinale 1:2 gegen Brasilien).

Wenn Du die norwegische Nationalelf von 2007 mit der heutigen vergleichst, was hat sich geändert – außer dem Trainer und einigen Spielerinnen?

Am ehesten wohl der Fußball, den wir zu spielen versuchen. Wir versuchen, ständig neue Phasen in unserem Spiel zu entwickeln, was langsam ganz gut klappt. Mal sehen, wie wir mit der Situation in einem Turnier zurechtkommen. Wir haben das Jahr gut genutzt, um die Dinge zu üben, die wir beherrschen wollen, haben uns vor allem auf uns selbst konzentriert, das ist neu.

Nun zum Fußball im Verein: als Camilla Hammerø Huse ihre Fußballkarriere beendete und Tonje Hansen den Vizemeister Kolbotn IL verließ, haben vor allem auch die Neuzugänge dazu beitragen, dass der Club eine verjüngte Mannschaft aufbietet. Wie verlief die Integration der neuen und jüngeren aus Deiner Sicht?

Klar, eine Mannschaft merkt, wenn gute, etablierte Spieler aufhören, alles andere wäre gelogen! Aber die Neuen, die sie ersetzen sollen, haben das phantastisch gemeistert. Es ist wichtig, dass sie jetzt genug Zeit bekommen, um ihre eigene Rolle zu finden. Keine spielt in der Abwehr wie Camilla Hammerø Huse und die Chemie zwischen Solveig Gulbrandsen und Tonje Hansen hatte sich über lange Zeit entwickelt, so dass sie am Schluss blind zusammen spielen konnten. Die einen kommen, die anderen gehen, am wichtigsten ist, dass wir weiter versuchen, das zu spielen, was wir gut können, und dass gute Grundlagen da sind.

Es wurde vor dem Saisonbeginn spekuliert, ob Kolbotn IL 2008 Meister wird. Nun führt Røa IL die Tabelle an und baute überraschender Weise einen großen Punktvorsprung vor Asker und Kolbotn auf. Ist das Team aus West-Oslo der klare Titelfavorit oder ist es möglich, dass Dein Klub nach der Sommerpause zu dem Tabellenführer aufschließt?

Die ganze Zeit war und ist Røa mein großer Favorit. Die Mannschaft ist vielseitig, ausgeglichen und stark. Es würde mich sehr überraschen, wenn sie nach der Sommerpause so viele Treffer einstecken müssten, dass sie das die Meisterschaft kostet. Ich glaube, dass sie dieses Jahr den Titel gewinnen, wieder einmal. (Lächelt) Aber natürlich haben wir deshalb nicht aufgegeben, wenn es wieder losgeht, wollen wir alle Spiele gewinnen!

Du hast in Deiner Laufbahn bereits unter vier namhaften Trainern trainiert: Peer Danefeld, Pia


Sundhage, Aksel Bergo und Trine Lise Andersen. Gibt es denn innerhalb der Toppserien wirklich so gravierende Unterschiede in den Trainingsmethoden, und welches Trainingskonzept liegt Dir ehesten?

Ich hatte in meiner Karriere unheimliches Glück. Bessere Namen als diese vier kann man sich nicht wünschen! Aber es gibt noch mehr fähige Leute, die mir auf dem Weg nach oben geholfen haben. Das lustige ist, dass die von Dir genannten Trainer jeweils einen sehr unterschiedlichen Führungsstil haben. Schwer zu sagen, welcher Typ am besten zu einem passt. Der eine ist vielleicht zu nett, dann wünscht man sich jemanden, der mehr schimpft. Dann bekommt man jemanden, der zu autoritär ist und will jemand netteren. Ich glaube, den perfekten Trainer gibt es nicht, abgesehen von Nils Arne Eggen natürlich. Nein, ich habe von allen Trainern, die meine Karriere begleitet haben, wahnsinnig viel gelernt.

Trine Rønning gegen Røa IL

Trine Rønning im Spitzenspiel gegen Røa IL am 3. November 2007

Du hast in Deiner Laufbahn schon gegen viele Nationalspielerinnen gespielt. Welche Gegenspielerinnen haben Dich am meisten beeindruckt? Welcher war bisher Deine Lieblingsgegnerin?

Ich habe gegen viele gute Spielerinnen gespielt. Ich finde, Anna Mäkinen ist eine gute Kandidatin.

Du warst mit Trondheims-Ørn und Kolbotn IL norwegischer Meisterschaft und Pokalsieger, sowie mit der Nationalmannschaft Vize-Europameisterin. Welche Träume hast Du für den Rest Deiner Karriere?

Es wäre schön, ins Ausland zu gehen und sich ein bisschen umzusehen. Ich habe mein ganzes Leben lang in Norwegen gespielt und es wäre sicher spannend, eine andere Fußballkultur kennen zu lernen. Mein Ziel für die Zukunft ist es, das Niveau zu erreichen, von dem ich weiß, dass ich es erreichen kann. Ich bin froh, dass ich endlich wieder Fußball spielen kann und dass mein Knie mitmacht. Dann muss man abwarten, was die Zukunft bringt, man weiß nie, was kommt!

Was sind Deine persönlichen Ziele für diese Saison?

Ich habe mir in der ganzen Saison Teilziele gesetzt. Das erste war die Olympiateilnahme, das habe ich jetzt erreicht. Nun werde ich knallhart darum kämpfen, auch spielen zu dürfen! Und dann freue ich mich auf die restliche Saison mit KIL nach der Pause.

Vielen Dank für das Interview! Für Deine Zukunft wünschen wir von FanSoccer Dir alles Gute und viel Erfolg!


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