Frauenfußball internationalDrei algerische Legionärinnen - ihre Träume und HoffnungenInterview mit den algerischen Nationalspielerinnen Fatiha Oliadah, Nachida Laifa und Hakima Bouchetta | ||
Text von Marion Kehren 15.09.2009 Der algerische Fußballverband „Fédération Algérienne de Football” ist stolz darauf, zu den afrikanisch-arabischen Ländern zu gehören, die es geschafft haben, eine eigene Frauen-Nationalmannschaft auf die Beine zu stellen, auch wenn diese noch recht jung erscheint. Bis dato nahm die Nationalmannschaft dreimal (2004, 2006, 2008) an der Afrikameisterschaft teil, wo sie leider niemals über die Vorrunde hinaus kam. Zurzeit belegt die Nationalmannschaft in der FIFA-Weltrangliste den Platz 64 mit steigender Tendenz, Trainer ist zurzeit CHIH Azzedine. ![]() Das Logo des algerischen Fußballverbands „Fédération Algérienne de Football” Den größten Erfolg erzielte die Nationalmannschaft 2006 mit dem Gewinn der Arabischen Meisterschaft, als sie im Finale Ägypten mit 4:2 besiegten. Mit dem Gewinn der „Islamischen Fußballmeisterschaft” in Teheran im Dezember 2008 ließ die Mannschaft erneut aufhorchen. Algerien gehört zu den wenigen Ländern, die den Luxus für sich in Anspruch nehmen können, in gleich zwei Vereinigungen mitspielen zu können. Faktisch angesiedelt auf dem afrikanischen Kontinent gehören sie aber, bedingt durch Geschichte und Religion, auch zur arabischen Gemeinschaft. Bei Qualifikationsturnieren müssen sie sich allerdings mit den afrikanischen Hochkarätern wie Nigeria und Ghana auseinander setzen. ![]()
Groß war der Jubel bei den algerischen Nationalspielerinnen nach dem Gewinn der „Islamischen Meisterschaft” in Teheran im Dezember letzten Jahres. Während des Sommertrainingslagers vom ADHFC - Abu Dhabi Health and Fitness Club diesen Sommer in Freiburg hatte ich die kurze Gelegenheit mit den drei algerischen Legionärinnen Fatiha Oliadah, Hakima Bouchetta (beide 26 Jahre alt), Nachida Laifa (29) in den Reihen der Emiratis zu sprechen. Mein Glück war dabei, dass die Administration Managerin Dima Ibrahim als Übersetzerin fungierte und dadurch jegliche Sprachschwierigkeiten unterbunden wurden. Hakima weilt bereits seid 4 Jahren in Abu Dhabi und fühlt sich pudelwohl, die anderen beiden sind erst seid 3 Monaten in den Diensten von Abu Dhabi unterwegs. ![]() Hakima Bouchetta, Fatiha Oliadah und Nachida Laifa (v.l.) sind drei feste Größen in der algerischen Nationalmannschaft – ihr Ziel ist die Teilnahme an einem großen Turnier, vielleicht sogar bei der WM 2011 in Deutschland Alle drei stellten als Erstes einmal klar, dass sie froh sind als Profispielerinnen im Ausland tätig sein zu können, auch wenn es manchmal schwer fällt so viele Kilometer von zu Hause weg zu sein. „Es ist für uns eine Ehre beim Aufbau einer eigenen Liga helfen zu können”, so Nachida und die anderen beiden nicken bestätigend. |
Die algerischen Nationalspielerinnen Nachida Laifa, Fatiha Oliadah, Hakima Bouchetta (v.l.) im Interview mit FanSoccer Redakteurin Marion Kehren. Mit dem Rücken zur Kamera die Administration Managerin Dima Ibrahim, die als Übersetzerin fungierte. | |
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Die durchschnittliche Situation in der nationalen algerischen Liga ist zwingt immer mehr Spielerinnen dazu im Ausland, meist in der französischen Liga, zu spielen. Seit Jahren wird der Spielbetrieb (im Pokal und in der Meisterschaft) hauptsächlich vom ASE Alger Centre beherrscht, was eine gewisse Eintönigkeit mit sich bringt. Die einzigen Vereine, die ASE noch halbwegs Paroli bieten können, sind Affak Relizane and Intissar Oran. ![]() Das Bild zeigt den aktuellen algerischen Kader aus diesem Jahr, während eines Freundschaftsspieles gegen Tunesien im Juni 2009 in Frankreich. Hier wurden auch bereits die ersten jungen Spielerinnen eingesetzt, die der algerische Verband für ihr Heimatland begeistern will. „In Algerien ist der Frauenfußball schon wesentlich weiter als in manch anderem Entwicklungsland. Wir verfügen über eine erste Liga mit 12 Teams, hinzukommen noch diverse Mädchenmannschaften. Aber es fehlt weiterhin an professionelleren Trainingsmöglichkeiten und einem gesunden Unterbau im Frauenfußball. Deshalb ist es für die Spielerinnen reizvoller im Ausland zu spielen. Dort können sie Spielerfahrung sammeln und zudem auch Geld verdienen”, so Hakima weiter. „Außerdem können wir uns so eine Ausbildung oder ein Studium finanzieren”, ergänzt Nachida. ![]() Der Ball ist das Element von Nachida Laifa! Im Verein spielen alle drei Kickerinnen mit Bravour im Team des ADHFC und es ist wirklich eine Augenweide ihnen zu zuschauen. Hakima lacht und freut sich bereits auf das nächste Spiel: „Zurzeit bilden wir die gesamte zentrale Achse. Ich als Mittelstürmerin und Nachida und Fatiha sind etwas defensiver aufgestellt. Dadurch sind wir aber in der Lage das Spiel zu kontrollieren, zu variieren und mit langen Bällen zu überbrücken. Es macht richtig Spaß in der Mannschaft zu spielen.” Als die Sprache auf die kommende WM gelenkt wird, fangen die Augen der drei an zu leuchten. „Der Gewinn der Weltmeisterschaft wäre ein tolles Ding”, lacht Hakima! „Nein, das ist übertrieben, aber es wäre schon toll, wenn wir wenigstens einmal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen könnten. Okay, dafür müssten wir uns erst einmal qualifizieren, aber vielleicht klappt das sogar schon 2011 in Deutschland”, ergänzt Fatiha. |
„Es wäre schon toll, wenn wir annähernd genauso ein hohes Ansehen wie unsere männlichen Kollegen hätten”, fügt Nachida noch hinzu. ![]() Auch Hakima Bouchetta und Fatiha Oliadah haben Spaß am Training und lieben den Fußball So abwegig scheint der Traum der drei Kickerinnen gar nicht zu sein wenn man sich den Leistungsverlauf der letzten Jahre anschaut. Der algerische Verband scheint wach geworden zu sein; denn erst im Juni diesen Jahres wurden die jungen algerischen Spielerinnen (alle unter 18 Jahren) die in Frankreich kicken, dazu aufgerufen sich doch ihrem Land anzuschließen und in der Heimat zu spielen. Diese Handlung erinnert doch stark an die Zeit, als in den Niederlanden vor ein paar Jahren die niederländische Liga ins Leben gerufen wurde. Es scheint als wolle Algerien nun Nägel mit Köpfen machen und den Frauenfußball professionalisieren. ![]()
Das algerische Team schwört sich ein! So gesehen von der Photographin während der islamischen Meisterschaft. Ob sich die drei Legionärinnen eine Anstellung in Europa vorstellen könnten, konnte mir keiner so richtig beantworten. Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass Dima anwesend war, jedenfalls schienen alle drei nicht abgeneigt zu sein. Es bleibt abzuwarten wie sich der Frauenfußball in Algerien und die Nationalmannschaft weiter entwickeln wird, aber es ist schon einmal erfreulich zu sehen, dass diese Thematik ernst genommen wird.
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