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Frauenfußball international

Im Auftrag der FIFA unterwegs - Entwicklungshilfe im Frauenfußball

Interview mit Monika Staab

Text von Marion Kehren

26.07.2009   Sie gilt als die Pionierin und Förderin des Frauenfußballes schlechthin – Monika Staab (50), geboren in Dietzenbach. Die Frau, die aus der beschaulichen SG Praunheim den 1. FFC Frankfurt schuf und ihm zu Ruhm verhalf, hatte eigentlich als 18-Jährige noch ganz andere Pläne. Ursprünglich wollte sie Entwicklungshelferin werden und ging erst einmal für ein paar Jahre in den Kibbuz nach Israel. Aber, nach ihrer Rückkehr kam alles ganz anders. Nach Ende ihrer aktiven Laufbahn bei Kickers Offenbach und der SG Praunheim war sie viele Jahre das Aushängeschild des 1. FFC Frankfurt und verhalf dem Verein als Trainerin und Vorsitzende zu vielen nationalen und internationalen Titeln.

Doch im Dezember 2006 sollte Schluss sein und sie gab alle ihre Ämter ab. „Wenn du nachts nicht mehr schlafen kannst, weißt du, dass du etwas ändern musst”, sagt Monika mit nachdenklichem Gesichtsausdruck. „Ich hatte meine Entscheidung noch gar nicht amtlich gemacht, da klingelte bereits das Telefon. Am anderen Ende war die FIFA und hat mir dieses tolle und interessante Angebot gemacht.” Monika nahm diese neue Herausforderung bei der FIFA, als Fußball-Spezialistin, an. Als Beraterin bereist sie seitdem viele Entwicklungsländer, um den Verbänden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen!

Monika Staab

Dieses ganz aktuelle Bild von Monika Staab entstand im Rahmen des Interviews

Bild: Katrin Müller

Im Gegensatz zu den bekannteren Unterstützungsmassnahmen (GOAL und FAP) der FIFA ist Monika stets vor Ort präsent. Sie macht sich einen Überblick über die Gegebenheiten, überlegt wie man Strukturen ändern kann, organisiert Trainingscamps, besucht Schulen und Universitäten, trainiert Auswahlteams oder Nationalmannschaften u. v .m. „Ebenso sitze ich mit den Verantwortlichen und Funktionären zusammen und versuche Strategien zu entwickeln, um den Frauenfußball zu fördern. Natürlich unterstütze ich auch die Frauen in den jeweiligen Verbänden; denn viele Frauen trauen sich nicht durchzugreifen oder in der Männergesellschaft taff aufzutreten, weil sie es einfach nicht kennen und nie gelernt haben, ” so Monika weiter. „Du gibst ihnen Ratschläge und Tipps wie man was verändern kann und muss, um einen Schritt nach vorne machen zu können. Umsetzen müssen sie diese Dinge ganz von alleine.”

Zur Erklärung:

Das GOAL-Projekt ist ein Programm zur Unterstützung der Verbände, im Wert von 400.000,00US$, durch maßgeschneiderte Hilfe beim Bau von Verbandssitzen, technischen Zentren, Natur- und Kunstrasenplätzen sowie Fußballschulen. So weit wie möglich wird mit den Konföderationen und den Regierungen zusammengearbeitet. Ein Verband kann diese zusätzliche Hilfe maximal dreimal durch ein Gremium genehmigt bekommen.

FAP (Financial Assistance Programm) ist eine finanzielle Unterstützung der FIFA die die 208 Mitgliedsverbände einmal jährlich erhalten. Gemäß den Regularien hat jedes FIFA-Mitglied und die sechs Konföderationen ein Anrecht auf einen Zuschuss, der zur Unterstützung und Qualitätsverbesserung des Fußballs beitragen soll. Zurzeit beläuft sich diese Zahlung auf 250.000,00US$ pro Verband.

Monika Staab in Myanmar

Monika Staab beim Coaching Course in Myanmar

Bild: Privatarchiv von Monika Staab

Welche Länder besucht werden, entscheidet letztlich ein Gremium bei der FIFA, die die Notwendigkeit prüft. „Die Länder müssen einen Antrag auf Unterstützung bzw. auf Beratung bei der FIFA stellen. Bei 208 Mitgliedern ist das schon ganz schön viel und manchmal musste ich erst einmal googeln um herauszufinden, wo ich mich nächste Woche auf der Weltkarte wiederfinden würde. Wo ich überall schon war weiß ich gar nicht mehr genau,... ich glaube in den letzten zwei Jahren bin ich in knapp 40 Länder gereist”, erzählt Monika weiter.


Monika Staab auf den Phillipinen

Überall auf der Welt teilen Mädchen die Begeisterung für den Fußball. Dieses Bild entstand während eines Trainingscamps auf den Phillipinen

Bild: Privatarchiv von Monika Staab

Zunächst arbeitet Monika Staab 5 Monate in Bahrain als Nationaltrainerin und gründete ein Nationalteam, das aber nur ein einziges Freundschaftsspiel gegen die Malediven bestreiten durfte und 7:0 gewann. „Das war meine erste Erfahrung in einem arabischen Land und ich musste ganz schnell lernen, dass man dort mit den Männern nicht diskutieren kann. Wenn sie eine Entscheidung getroffen haben ist Schluss und die Klappe zu, keine weitere Diskussion möglich. Als man merkte, dass die Frauen erfolgreicher waren als die Männer, wurde das Projekt vom hiesigen Verband wieder eingestampft”, erzählt sie nachdenklich. Im Gegenzug ist aber Jordanien z. B. wesentlich weiter in der Entwicklung. Dieses Land besuchte sie bereits dreimal und beim nächsten Mal werden wohl Trainerkurse und Workshops auf dem Programm stehen. Der Verband will jetzt dafür Sorge tragen, dass das Team an den nächsten Asienmeisterschaften teilnehmen kann.

„Du siehst, man muss sich zuerst mit den Gegebenheiten jeden Landes u. a. mit der Politik, der Religion und den Eigenarten vertraut machen. Nicht jedes Land ist gleich zu Händeln. „In China musste ich den Frauen zwar kein Fußballspielen beibringen; denn das können sie sehr gut. Aber den Verantwortlichen musste man zeigen, dass zu einem Team auch Gegner gehören gegen die man spielen kann und nicht nur immer gegen sich selber. Da musste ich halt sehr viel mit den Offiziellen reden und versuchen, sie zu einem Umdenken zu bewegen. In Indonesien sollte eine Infrastruktur für den Frauenfußball aufgebaut werden, was aber letztendlich nicht geklappt hat. Dafür gibt es einfach zu viele Inseln und man ist tagelang unterwegs bis man von der einen auf der anderen Insel ist. Die größeren Inseln haben nun ihre eigene kleine Liga”, schmunzelt sie weiter.

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Monika Staab vor Schülerinnen einer Schule auf den Phillipinen

Bild: Privatarchiv von Monika Staab

Genauso unterschiedlich wie die Länder sind auch die Lebensbedingungen und Unterkünfte. Teilweise ist es ein sehr spartanisches Leben was Monika führt. „ Man muss schon sehr flexibel und anpassungsfähig sein, den roten Teppich gibt es nicht”, lacht sie. „ Mir reicht mein morgendlicher Tee, fließend Wasser, ein Bett und natürlich etwas zu essen, manchmal ist es nur ein Stückchen Brot. Mein kleiner Wasserkocher, eine Tasse und etwas Tee nehme ich auf jede Reise mit. Dazu kommen noch weitere körperliche Belastungen wie die Zeitverschiebungen und die Höhenunterschiede. In Asmara, der Hauptstadt von Eritrea zum Beispiel befand ich mich immerhin auf 2500 Metern Höhe und wunderte mich, warum sogar ich Probleme mit dem Treppensteigen bekam.”

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Da sieht es auch mal ein bißchen nach Urlaub aus: Monika Staab auf Cook Island mit Schülerinnen der Avatea-School.

Bild: Privatarchiv von Monika Staab

Die Weltenbummlerin erlebt viel während ihrer Reisen. Besonders überrascht war sie auf Laos von der technischen Vielfalt der Mädchen. Auf den Salomonen verblüfften sie die Fußballerinnen mit ihrem Einfallsreichtum. Um Fußball spielen zu können klebten sie so viele Plastiktüten zusammen bis daraus ein Ball wurde und sie damit kicken konnten. „Es gibt so viele kleine Möglichkeiten wie man die Fußballspielerinnen glücklich machen und unterstützen kann. In Eritrea z. B. wollte ich 20 Fußbälle kaufen, aber in der ganzen Stadt gab es nur 15 Stück. Du siehst, selbst wenn man etwas will gibt es oftmals nicht die Möglichkeit dazu. So habe ich dann halt nur die Bälle gekauft die es gab und hab diese dann an die Schulen verteilt. Die Kinder haben sich total darüber gefreut.” Dieser unbändige Wille Fußball zu spielen imponierte ihr sehr in Eritrea, in einem Land mit großer Hungersnot und Armut. „Wie die Frauen und Mädchen das machen weiß ich


nicht, ich denke sie werden vom Kopf her gesteuert, weil sie unbedingt Fußball spielen wollen. Fußball ist das Einzige was sie haben, und zum Teil gehen sie viele Kilometer, um einen Platz zu finden, wo sie kicken können”, erzählt Monika weiter.

Doch auch die Gefahr spielt eine Rolle in ihrem Leben. In Pakistan wurde sie stets von einem Bodyguard begleitet und arbeitete teilweise nicht weit entfernt von der Grenze zu Afghanistan. In Kaschmir verfolgte sie die Polizei als angebliche indische Spionin. „Da kann dir schon einmal ganz anders werden”, und schaut dabei nachdenklich aus dem Fenster. „Und in Papa Neuguinea muss man schon aufpassen wo man hingeht; denn im Urwald leben immer noch Eingeborene die auch Menschenfleisch essen würden.” Bis dato war das Glück auf ihrer Seite und sie blieb von Terror- und Bombenanschläge (wenn auch knapp) verschont.

Monika Staab in Pakistan

Auch in Ländern, die nicht so sicher sind wie Deutschland, engagiert sich Monika Staab. Dieses Bild zeigt sie beim Quetta-Traininscamp in Pakistan, wo sie teilweise nah an der Grenze zu Afghanistan arbeitete

Bild: Privatarchiv von Monika Staab

Viel helfen würde es den Ländern, wenn die finanzielle Unterstützung erhöht werden würde. Lt. FIFA-Statuten sollen 15% des FAP Beitrages, also 37.500,00US$ im Jahr, für den Frauenfußball verwendet werden. Das ist wahrlich nicht viel und man kann keine großen Sprünge damit machen, aber für die Verbände ist es ein kleiner Anschub etwas zu tun. Frauen, die Fußball spielen oder spielen wollen, gibt es mehr als genug. Aber wenn sie noch nicht einmal wissen wie sie von A nach B reisen sollen, weil die Gelder nicht vorhanden sind wird es schwierig für sie. „Wenn das FAP Geld 50:50 auf den Männer- und Frauenfußball verteilt werden würde wäre einiges viel einfacher. Der Frauenfußball ist nicht mehr aufzuhalten! Ebenso wäre es toll, wenn wenigstens eines der drei GOAL-Projekte für den Frauenfußball genommen werden würde”, so die Tausendsasserin weiter.

Monika Staab in Quetta, Pakistan

Monika Staab wünscht sich, dass die FIFA den Frauenfußball in den ärmeren Ländern mit den gleichen finanziellen Mitteln unterstützt, wie den Männerfußball. Die fußballbegeisterten Mädchen in der Welt, wie dieses Mädchen hier in Pakistan, hätten es verdient!

Bild: Privatarchiv von Monika Staab


„Ich liebe diesen Job und es ist jedes Mal toll mitzuerleben wie man für ein paar Stunden die Menschen glücklich machen kann. Es ist schön zu erleben wenn man etwas bewegen kann. Eigentlich hat sich für mich der Kreis geschlossen; denn meine jetzige Tätigkeit ist wie eine Art Entwicklungshilfe... mit der Unterstützung der FIFA! Solange ich gesundheitlich fit bin, möchte ich diese Arbeit nicht missen. Als nächstes fliege ich jetzt erst einmal in die Mongolei, Thailand und Bhutan. Danach werden wir sehen wie es weitergeht, ” sagt die Weltenbummlerin und freut sich schon auf ihre nächsten Projekte.



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