Norwegen, PokalfinaleRøa schafft das DoubleRøa IL Oslo – Team Strømmen FK 1-0 (1-0) | ||
Text und Bilder von Michael Geist 20.11.2009 Vor eine Woche hatte Røa IL Oslo (West-Oslo) zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte den Toppserien-Titel eingefahren. Nun stand zum Abschluss der Saison noch das Pokalfinale an. Dabei standen sich genau die zwei Teams gegenüber, die auch im vergangenen Jahr schon das Pokalfinale bestritten hatten, Røa und Team Strømmen. Letztes Jahr war das Spiel 3:1 für Røa ausgegangen, und entsprechend motiviert waren die Spielerinnen von Team Strømmen (Nordost-Oslo), diesmal das Spiel zu gewinnen. Doch bei Røa wollte man die Doppelverteidigung beider Titel, und so schaute Frauen-Fußball-Norwegen mit großer Spannung auf dieses Pokalfinale. Kurz vor Spielbeginn kamen der norwegische König Harald V, der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg und Fußballverband-Präsident Sondre Kåfjord in die große Fußball-Halle. Noch andere Fußballgrößen waren auch dabei: Die norwegische Nationaltrainerin Eli Landsem mit US-Ass.-Nationaltrainerin Hege Riise und Startrainerin Marit Breivik saßen im Publikum. Natürlich wurden auch jede Menge Prominente aus Sport, Politik, Schauspieler etc. begrüßt. ![]()
![]() Der Norwegische Fußballverband-Präsident Sondre Kåfjord (li.), König Harald V, Premierminister Jens Stoltenberg in der großen Halle, die dem Fußballklub Stabæk IF gehört, als Gäste des norwegischen Pokalfinales Das Spiel begann ausgeglichen mit Angriffen auf beiden Seiten, die aber durch die starken Abwehrreihen zunichte gemacht wurden. Die erste große Gelegenheit hatten die Titelverteidigerinnen aus West-Oslo, als die von Marie Knutsen angespielte Kristine Edner Wæhler vom Strafraumeck nur knapp am Torwinkel vorbeischoss. Doch Team Strømmen konterte: Nach einer Flanke von Marit Sandvei setzte sich die Engländerin Una Nwajei im linken Strafraum schön gegen die Rechtverteidigerin Hedda Strand Gardsjord durch und flankte flach nach rechts – der Ball ging an Torhüterin Caroline Knutsen vorbei – Rebecca Sauerbrunn und Rhian Wilkinson kamen in der Nähe des freien Torgehäuses. Aber der Ball traf nur die Ferse der kanadischen Angriffsspielerin Wilkinson. Die vorgelaufene Mittelfeldspielerin Masra Abdullah schoss reaktionsschnell, doch Keeperin Knutsen konnte das Leder zur Ecke parieren. So vergab die Mannschaft aus Nordost-Oslo die große Möglichkeit! ![]() Die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin Bente Nordby (li.) hat mit Olympique Lyonnais die französische Fußball-Meisterschaft gewonnen und beendete nach der vergangenen Saison ihre große Fußballkarriere. Wenige Tage vor dem Finale wurde sie vom Fußballklub Team Strømmen FK noch einmal reaktiviert, da die Stammtorhüterin Ingrid Bruserud seit sechs Wochen mit einigen Verletzungen zu kämpfen hat. Aber Bruserud stand dann doch zwischen den Pfosten und Nordby konnte sich das Spiel neben Cathrine Dekkerhus von der Ersatzbank aus ansehen. Røa wurde nun überlegen und hatte mehr Ballbesitz, Strømmen stand dagegen tief und verlegte sich auf schnelle Konter, wobei die Innenverteidigerinnen von Røa, Siri Nordby und Marit Fiane Christensen vor allem auf die immer clevere und gefährliche Angriffsspielerin Una Nwajei aufpassen mussten. Eine herrliche Direktkombination von Anne M.Stenstvedt vor der Mittellinie über Una Nwajei auf Rhian Wilkinson, die vor der Strafraumgrenze die Kugel ganz knapp am linken Torpfosten vorbeischoss, hätte dann auch leicht die Führung für den Herausforderer bedeuten können. ![]() Vor der Europameisterschaft in Finnland holte der Klub Team Strømmen FK die dänische Nationalspielerin Dorte Dalum Jensen vom französischem Meister Olympique Lyonnais nach Nordost-Oslo, um seinen Abwehrkader zu verstärken. In der 32. Minute hätte dann aber Røa durch ein Eigentor von Marit Skammelsrud Lund in Führung gehen können: nach einer weiten Flanke von rechts von Hedda Strand Gardsjord bugsierte Skammelsrud Lund den Ball nur ganz knapp über den eigenen Kasten. Die eigene Keeperin, Ingrid Bruserud, wäre in dieser Szene chancenlos gewesen. Nur eine Minute später musste Strømmens Keeperin dann gegen Sauerbrunn mit dem Fuß abwehren. Røas Elise Thornses nahm die Kugel an und passte nach links zu Wæhler, die den Ball beinahe unter der Torlatte untergebracht hätte. Doch Ingrid Bruserud konnte noch mit viel Mühe zur Ecke parieren. Diesen von Siri Nordby getretene Eckball erwischte dann Elise Thorsnes mit dem Kopf, setzte aus 12 Metern das Leder aber links neben das Tor. |
Der Fußballklub Røa IL Oslo holte den norwegischen Pokal nach 2004, 2006, 2008 zum vierten Mal und gewann zum dritten Mal das Double (2004, 2008, 2009) | |
Nach diesen vergebenen Großchancen hatten sich die Spielerinnen von Røa die Führung, die wenig später fiel, dann auch verdient: Nach einer schönen Kombination von Caroline Knutsen zu Marie Knutsen, die vor der Mittellinie zu Lene Mykjåland passte, gab die dann den Ball auf die schnelle und torgefährliche Elise Thorsnes weiter, die aus 20 Metern nicht lange fackelte und das Leder auf das Strømmens Tor schoss – der Ball prallte an den linken Innenpfosten und von dort ins Netz. Vor der Pause gab es dann noch zwei gute Chance für die Mannschaft von Trainer Geir Nordby, doch Strømmen-Torhüterin Bruserud konnte gerade noch die Schüsse klären. So blieb es bei der knappen Führung zur Pause. ![]() Elise Thorsnes erzielte beim 1-0 gegen Team Strømmen FK den Treffer für den Titelverteidiger Nach dem Seitenwechsel agierten die Dynamitegirls aus West-Oslo weiter druckvoll nach vorne und vergaben zwei Riesenchancen, auf drei Tore zu erhöhen: Nach Vorarbeit von Rebecca Sauerbrunn setzte sich Guro Knutsen Mienna bis vor den Strafraum gegen Marit Skammelsrud Lund durch und schoss sehr knapp am rechten Torpfosten vorbei. Zwei Minuten später setzte sich Elise Thorsnes nach einem Abschlag der Keeperin bis zur Strafraumgrenze durch, schoss dann aber bedrängt von der herausgelaufenen Ingrid Bruserud flach am Tor vorbei. ![]() Die Linksverteidigerin Marit Sandvei (li.), die sehr überrascht über ihre Nominierung für die EM in Finnland war, machte nicht nur der jungen, kreativen Stürmerin Emilie B. Haavi, sondern auch Nationalspielerin Guro Knutsen Mienna das Leben schwer Das Spiel verlief spannender als vorher erwartet. Während die West-Hauptstädterinnen weiter nach vorne spielten, bemühte der Gegner sich weiter mit Kontern um den Ausgleich, scheiterte jedoch immer wieder an der Abwehr von Røa IL. In der 59. Minute rettete die Røa-Keeperin die Führung: Nach Vorarbeit von Lund passte Masra Abdullah zu Rhian Wilkinson, die vor der Strafraumgrenze an Abwehrspielerin Rebecca Sauerbrunn vorbeiging. Doch die Amerikanerin eroberte den Ball, um ihn jedoch sogleich wieder an Una Nwajei zu verlieren, die mit Wucht abzog. Aber Caroline Knuten konnte mit einer Glanztat zur Ecke klären. ![]() Marie Knutsen ist eine clevere und starke Mittelfeldspielerin, die von den Abwehrspielerinnen Strømmen meist gedoppelt wurde, weil sie als Schaltzentrale die beiden Angriffsspielerinnen unterschützt Team Strømmen stürmte nun mit drei Spitzen, Diana Matheson, Una Nwajei und Rhian Wilkinson und erspielte sich weitere Chancen. Doch Røa schaffte es, die Gegnerinnen doch wieder in die Defensive zu drängen. Dabei zwangen sie Marit Skammelsrud Lund zu einem zweiten „Fast-Eigentor”, als die Innenverteidigerin eine Ecke von Siri Nordby über die linke Querlatte verlängerte. Gegen Ende ließ dann aber bei den Spielerinnen von Røa, die drei schwere Spiele in einer Woche (u.A. Champions League) bestritten hatten, die Kraft nach. |
Team Strømmen drängte, bekam kurz vor Schluss aber einen aussichtsreichen Angriff wegen Abseits abgepfiffen, fälschlich, wie die Fernsehbilder zeigten. Noch in der Nachspielzeit hätte das Team von Trainer Per Morten Bjarnøy eine Verlängerung erreichen können: Stenstvedt dribbelte sich kämpferisch durch und flankte auf die vorgelaufene Lund, die den Ball nur um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei setzte. Doch letztlich blieb es beim knappen Sieg für Røa. ![]() Marit Skammelsrud Lund von Team Strømmen brachte ihr Team durch zwei Fast-Eeigentore in Gefahr, zeigte sich aber zweikampfstark, auch gegen die robuste Elise Thorsnes Nach dem Schlusspfiff tanzten und jubelten die West-Osloerinnen mit ihrem sehr glücklichem Trainer Geir Nordby und ihren Fans. Die strahlende Kapitänin Siri Nordby mit ihrer Mannschaft feierte mit Sprechchören ihren Triumph und streckte den norwegischen Pokal in die Höhe, den sie zuvor aus den Händen von König Harald V erhalten hatte. ![]() Die strahlende Kapitänin Siri Nordby mit ihrer Mannschaft und dem Pokal Den enttäuschten Nordost-Osloerinnen gelang somit die Revanche für die Finalniederlage vom letzten Jahr nicht, aber alle Spielerinnen waren an diesem Abend zur Ehrung vom norwegischen Fußballverband ins Grand Hotel in Oslo eingeladen. ![]() Caroline Knutsen (li.) und Elise Thorsnes nach dem Spiel im Grand Hotel in Oslo
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