Frauenfußball internationalHighlight des Trainingslagers - Sondertraining mit Tina TheuneResümee des fünfwöchigen Aufenthaltes des Abu Dhabi Health and Fitness Club in Deutschland | ||
Text von Marion Kehren 13.07.09 Zugegeben, irgendwie sind uns die Damen des ADHFC – Abu Dhabi Health and Fitness Clubs ein bisschen ans Herz gewachsen. Aber es ist auch erstaunlich, welche Entwicklung dieses Team in den letzten Monaten, seit dem Start meiner Recherchen, im Dezember letzten Jahres genommen hat. Man scheint die Zielsetzung, die Gründung der Nationalmannschaft und einer nationalen Liga, wirklich Ernst zu nehmen. Fast fünf Wochen (13. Juni – 10. Juli 2009) befand sich nun das Team aus den Emiraten im Trainingslager in Freiburg (manche bezeichnen sie auch als inoffizielle Nationalmannschaft). Doch nicht alles klappte immer so wie man sich das vorgestellt hatte. Die luxuriöse Herberge, ein 4-Sterne-Wellnesshotel, ließ zwar keine Wünsche offen, aber dafür musste das Team zweimal täglich eine ca. zwanzigminütige Busanreise zum provisorischen Trainingsgelände inkl. Dixi-Toilette, in Munzingen, in Kauf nehmen. „Es war schon schwierig ihnen alle Wünsche zu erfüllen”, so Peter Gorniak einer der Mitorganisatoren des Trainingslagers. „Es musste alles aufeinander abgestimmt werden, das Hotel, die Örtlichkeiten, die Gegner usw. Aber, während der Fußball-Sommerpause ist es nicht so einfach Gegner und geeignete Trainingsbedingungen zu finden.” So kam es auch, dass das Team bis zu 4 Stunden Busfahrten in Kauf nehmen musste um Freundschaftsspiele austragen zu können. ![]() Tina Theune erklärte Sameera Ankadi und Fatiha Oliadah die korrekte Ballannahme aus dem Lauf heraus Zwei Trainingseinheiten pro Tag à 1,5 Stunden standen auf dem Programm und zur Regeneration schickte die Trainerin die Spielerinnen zwischendurch ins Schwimmbad. „Diese Mal haben wir ganz andere Ansprüche an die Zielsetzung gehabt”, so Connie Shelby, die australische Trainerin. „Das Hauptaugenmerk wurde auf den Fußball gelegt und nicht wie in den vergangenen Jahren auf eine Mischung aus Sport und Kultur. Ziel war es u.a. die Schnelligkeit, Ausdauer und das Zweikampfverhalten 11 gegen 11 zu fördern. Das Team soll lernen 90 Minuten durchzuspielen, da wir in den Emiraten kaum eine Chance haben dies umzusetzen.” Als Belohnung stand in der letzten Woche ein Besuch im Europa-Park Rust auf dem Programm. Trotz des harten Trainingslagers waren die Spielerinnen (14-26 Jahre) mit Freude dabei. „Manchmal ist es einfacher einen Sack Flöhe zu hüten”, lacht die Trainerin,” aber es macht viel Spaß mit ihnen zu trainieren und zu arbeiten, sie sind so wissbegierig und wollen alles austesten.” ![]() Zwei Trainerfüchse unter sich: Tina Theune und Connie Shelby "Ich bin beeindruckt, wie ernsthaft und professionell die Spielerinnen arbeiten. Die sind nicht hier, um Urlaub zu machen", sagt Austin McPhee, Organisator des Trainingslagers. Einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie es im internationalen Spitzenfußball zur Sache geht, haben die Spielerinnen während der U-17 EM in den Halbfinalpaarungen zwischen Norwegen und Spanien sowie Frankreich gegen Deutschland in Nyon (Schweiz) erleben dürfen. ![]() Mit Händen und Füßen wurden den arabischen Damen taktische Züge erklärt Wie bereits in einem früheren Bericht erwähnt, wird nichts dem Zufall überlassen. Es werden keine Kosten noch Mühen gescheut den Frauenfußball nach vorne zu treiben und zu professionalisieren. So wurden dieses Jahr bereits der ehemalige ägyptische U-18 Nationaltorhüter Ahmed Zaher als Torwarttrainer und die englische |
Bild oben: Das Team Abu Dhabi mit der ehemaligen deutschen Nationaltrainerin Tina Theune | |
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Konditions- und Fitnesstrainerin Sorrell Bootham verpflichtet. Zurzeit ist man auch noch auf der Suche nach einer/einem Physiotherapeut(in/en). „Die nächsten beiden Etappenziele sind die Gründung einer eigenen nationalen Liga und eines vom Weltverband Fifa anerkannten Nationalteams”, so Connie Shelby weiter. So wie es aussieht, wird Abu Dhabi der Initiator für die Umsetzung sein; denn weder das reiche Emirate Dubai noch Al-Ain zeigen großes Interesse an dieser Idee, hier wird lieber auf Kleinfeldern oder in der Halle gespielt. „Das ist uns aber egal, wir werden verstärkt die Schulen und Universitäten der kleineren, ärmeren Emirate besuchen und Informationsveranstaltungen durchführen”, so Nada Al Hashima – Organisationsleiterin. „Langsam und behutsam müssen wir die Eltern und Kinder davon überzeugen, dass Frauenfußball nichts Verwerfliches ist. Wir müssen die Frauen und Mädchen für diesen Sport begeistern. Sport ist gesund und gut für Fitness und das Wohlbefinden, das weiß jeder! Wir gehen mittlerweile davon aus, dass wir als erstes eine U17 Nationalmannschaft gründen werden, denn hier gehen die Eltern und Mädchen schon wesentlich offener mit dem Thema Frauenfußball in der muslimischen Welt um.” ![]() Schöner Spielzug zwischen Sameera Ankadi und Jalila An Nuami, die die Gottenheimerinen ein um das andere Mal einfach stehen ließen In der Auswahl des ADHFC spielen derzeit neben acht Emiratis auch Kickerinnen aus Ägypten, Somalia, Algerien, Libanon, Neuseeland und den USA (am Anfang meiner damaligen Recherche gab es noch eine ganz andere Verteilung der Nationalitäten). Dies ist für die Bildung einer nationalen Liga kein Problem, jedoch für die Gründung einer eigenen Nationalmannschaft. Zur Stärkung und Erhöhung der Spielqualität stellte der ADHFC vier Nationalspielerinnen aus Ägypten (Sara Hassanin) und Algerien (Fatiha Oliadah, Nachida Al Eifa, Hakima Bouchetta) ein. ![]() Immer wieder brachte die wieselflinke Jalila An Nuami die Gottenheimer Abwehr durcheinander und erziele das 1:0 Während des Trainingslagers in Freiburg wurden sieben Freundschaftsspiele gegen Mannschaften der unterschiedlichsten Ligen ausgetragen, wobei ein Spiel in besonders schlechter Erinnerung bei den Gästen bleiben wird. Das Damenteam des schweizer Erstligisten FC Yverdon Féminin zeigte sich beim 8:0 Gewinn gegen Abu Dhabi recht unsportlich und verspottete die Damen in übelster Weise, sodass einige Spielerinnen bitterlich weinten... anscheinend hatte man vergessen, dass Ägypter, Libanesen und Algerier als Muttersprache ebenfalls französisch sprechen und daher auch verstehen. Schade, dass solche Unsportlichkeiten anscheinend zur Tagesordnung gehören und noch nicht einmal der Schiedsrichter eingriff. |
Dafür gab es aber auch Dinge, die den Spielerinnen in besonders guter Erinnerung bleiben werden und das sind z.B. die Freundschaften die sich hier in Deutschland gebildet haben. „Ich bin schon ziemlich traurig wenn sie wieder weg sind, fast jeden Tag habe ich nun mit ihnen verbracht”, so Maren Lang, eine der Spielerinnen vom Landesligisten SV Munzingen. Und so erschienen die Munzinger auch zum letzten offiziellen Trainingstag. ![]() Ein ums andere Mal hatte Linda Griesbaum das Nachsehen gegen die Flankengöttin Nachida Al Eifa Zuerst gab es ein ganz besonderes Highlight: Eine exklusive Trainingseinheit mit der ehemaligen Nationaltrainerin Tina Theune. Nach anfänglichen sprachlichen Differenzen klappte die Verständigung immer besser und die Kickerinnen hatten sichtlich Spaß an den diversen technischen und spielerischen Übungen. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgte ein letztes Freundschaftsspiel des ADHFC gegen den Landesligisten SV Gottenheim, welches die überlegenen Emiratis mit 3:0 für sich entschieden. Die Freunde auf über den Sieg nahm kein Ende und gleichzeitig waren auch viele Spielerinnen froh wieder zurück nach Hause fliegen zu dürfen; denn fünf Wochen ist eine wahrlich lange Zeit.
Fazit: ![]() Talent ist vorhanden bei den Spielerinnen aus Abu Dhabi: Das vorher gelernte Zweikampfverhalten wurde gut umgesetzt, hier Jalila An Nuami und Fatiha Oliadah gegen Ulrike Bank
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