ToppserienKampfbetont, aber Røa verteidigt den MeistertitelRøa IL Oslo – Stabæk FK 0-0 | ||
Text und Bilder von Michael Geist 07.11.2009 Seit Jahren sind die Lokalrivalen von Røa aus West-Oslo und vom Osloer Vorstadtclub Stabæk (die meisten sind Spielerinnen aus der Konkursmasse des ehemaligen Klubs Asker FK) starke Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft. Bis zum 16. Spieltag dieser Saison stand dazu noch die junge Mannschaft aus Kobotn (Süd-Oslo) an der Tabellenspitze der norwegischen Liga, der Toppserien, verlor dann jedoch zweimal gegen die beiden anderen Hauptstadtclubs, so dass diese nun doch die Meisterschaft unter sich ausmachen konnten. Nach vierzehn Siegen in Folge ging das Team von Røa mit einem Vorsprung von drei Punkten in das Derby mit Stabæk, die aber eine um 20 Tore bessere Tordifferenz mitbrachten. So waren die Rollen also klar verteilt, Stabæk musste gewinnen, um Meister werden zu können, Røa reichte ein Unentschieden. Erschwerend kam für Stabæk hinzu, dass drei Tage vor dem Spiel noch sechs Spielerinnen an Schweinegrippe erkrankt waren. Erst kurz vor dem Spitzenspiel gab der Arzt grünes Licht für den Einsatz von fünf der sechs erkrankten Spielerinnen, einzig Ersatzkeeperin Silje Lofthus musste zuhause bleiben. ![]() Stabæk-Fans in ihrem Block - 2163 Zuschauer wollten das über die Meisterschaft entscheidende Lokalderby sehen Beide Teams spielten von Beginn an nach vorne. Den besseren Start erwischten allerdings die Fußballerinnen von Stabæk FK. Nach einem Ballgewinn von Innenverteidigerin Toril H. Akerhaugen bediente die Australierin Kristy Nicole Moore Solveig Gulbrandsen, die von der rechten Seite eine lange Flanke genau auf den Kopf von Angriffsspielerin Melissa Wiik schlug, die eine große Chance hatte. Doch die engagierte Mittelfeldspielerin Marie Knutsen von Røa erwischte im Strafraum die Kugel noch mit dem Kopf und Keeperin Caroline Knutsen holte sich den Ball. ![]() Hedda Strand Gardsjord (li.), Melissa Wiik, Guro Knutsen Mienna (re.) Im Spielverlauf spielten die beiden Teams auf hohem Niveau Fußball und waren fast gleichwertig. Solveig Gulbrandsen mit Lise Klaveness und die dänische Nationalspielerin Katrine Pedersen, die meistens ins offensive Mittelfeld hervorgezogen wurde, sorgten für Druck auf Seiten von Stabæk. In der 18. Minute kamen die Stabækerinnen wieder gefährlich vor das Tor der Gastgeber: Die Linksverteidigerin Janne Stange nahm Camilla Huse den Ball ab und passte gleich zu Solveig Gulbrandsen, die sich links gegen drei West-Osloerinnen durch dribbelte und etwas weit zu Melissa Wiik passte – Røa-Keeperin Caroline Knutsen lief heraus, erwischte den Ball aber nicht. Doch Rechtverteidigerin Hedda Strand Gardsjord hatte gut aufgepasst und bekam gerade noch das Bein dazwischen. Aber der Ball war noch im Strafraum. Wiik reagierte schnell und holte sich, verfolgt von der Røa-Abwehrspielerin, das Leder zurück und flankte in die Mitte. Die Keeperin faustete den Ball weg, jedoch auf den Kopf von Lise Klaveness. Doch deren Kopfball hatte Caroline Knutsen dann endlich sicher. ![]() Vor der Frauenfußball-Europameisterschaft in Finnland gab Solveig Gulbrandsen ihre Pläne bekannt, nach der WM-Qualifikationsrunde gegen Slowakei mit dem Fußball aufzuhören, um mehr Zeit für ihre Familie und ihren Sohn zu haben. Nun bekam sie eine Betreuerin-Unterstützung, die ihren Sohn betreut. Die neue Norwegische Nationaltrainerin Eli Landsem (Bild) ist erfreut, dass die Mittelfeldspielerin weiter für Norwegen spielt. Doch auch der Gastgeber hätte nach 23 Minuten die Führung erzielen können: Nach einem Eckball von Siri Nordby köpfte die Rechtverteidigerin Siri Grønli das Leder zu kurz weg. Die Amerikanerin Becky |
Nach dem Spiel jubelten die Spielerinnen von Røa IL Oslo gemeinsam mit ihren Fans - die norwegische Meisterschaft ist verteidigt! | |
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Sauerbrunn erhielt die Kugel am linken Strafraumeck und zog ab, doch ihr scharfer Schuss strich an Freund und Feind vorbei nur an den rechten unteren Torpfosten. Røa wartete nun im eigenen Stadion mit sehenswertem Konterspiel auf. Nach einem schnellen und sehr kombinationssicher vorgetragenen Angriff über mehrere Stationen kam Elise Thorsnes zu einem Kopfball, doch Nationalkeeperin Ingrid Hjelmseth fing den Ball problemlos. Das Team von Trainer Geir Nordby blieb mit weiteren Konterangriffen immer wieder gefährlich und brach vor allem auf der rechten Seite häufig mit ihren Flankenläufen durch, wo Toril H. Akerhaugen und Janne Stange im linken Abwehrbereich Stabæks manchmal wackelten. Aber Trine Bjerke Rønning und Siri Grønli standen in der Abwehr doch sicher, bei ihnen war dann meistens Endstation. Vier Minuten vor der Halbzeitpause wäre den West-Osloerinnen aber fast die Führung gelungen: Nach sehenswerter Vorarbeit von Marie Knutsen flankte die Rechtverteidigerin Gardsjord auf Lene Mykjåland, die knapp über das Querlatte köpfte. So ging es dann also torlos in die Pause. ![]() Marie Knutsen am Ball, Toril H. Akerhaugen verteidigt Nach dem Seitenwechsel drückten die Gäste mit noch mehr Engagement. Nach einem Einwurf von Janne Stange köpfte Guro Knutsen Mienna den Ball Richtung Røa. Melissa Wiik nahm den Ball auf, ging an Siri Nordby vorbei und verfehlte an der Strafraumlinie mit einem Distanzschuss das Tor - sie hätte besser den letzten Pass zur völlig freistehenden Australierin Moore geben sollen. Sieben Minuten später zog Melissa Wiik nach Flankek von Lise Klaveness volley ab, verfehlte aber das Tor knapp. Knutsen wäre gegen diesen Schuss chancenlos gewesen. Doch Røa antwortete sofort: Nach Zuspiel von Camilla Huse spielte Marie Knutsen einen Konter erstklassig aus, tanzte ihre Gegnerin aus und passte zu Johansen, die flankte auf die mitgelaufene Lene Mykjåland, die mit ihrem Rechtsschuss nur knapp am Tor vorbei zielte. ![]() Camilla Huse (links) und Solveig Gulbrandsen lieferten sich viele spannende Zweikämpfe Jedes Tor hätte in dieser Phase die Meisterschaft entscheiden können! Beide Mannschaften spielten voll auf Sieg und schenkten sich nichts, wie vor drei Wochen im Spitzenspiel zwischen Kolbotn IL und Røa IL Oslo. Die Zuschauer warfen die Köpfe wie bei einem Tennismatch hin und her, aber beide Abwehrreihen formierten sich im weiteren Spielverlauf stabil – besonders die Abwehrspielerinnen Hedda Strand Gardsjord, Siri Nordby und Marit Fiane Christensen zeigten sich hochkonzentriert. Im offensiven Mittelfeld von Stabæk gefiel vor allem Gulbrandsen, die meist von Huse und Sauerbrunn gedoppelt wurde, im Mittelfeld von Røa war es Marie Knutsen, die vor einem Monat in die norwegische Nationalmannschaft zurück gekehrt ist und mit tollen Dribblings die beste Leistung bot. Die letzten Spielminuten brachten dann noch mal Chancen auf beiden Seiten. In der 83. Minute hielt Ingrid Hjelmseth im Tor von Stabæk einen Schuss von Lene Mykjåland mit einer Glanzleistung, nur zwei Minuten später köpfte Mykjåland nach einem tollen Konter und Flanke des eingewechselten Nachwuchstalents Emilie Bosshard Haavi dann knapp über das Tor. Auf der anderen Seite schloss Klaveness einen Blitzkonter von Gulbrandsen mit einem Schuss aus 22 |
Metern über das Tor ab. Da waren schon 89 Minuten gespielt, und um ein Haar hätte dieser Schuss Stabæk die Meisterschaft gebracht! ![]() Lene Mykjåland von Røa IL Oslo ist die neue Torschützenkönigin der Toppserien-Saison 2009. Trine Bjerke Rønning und Toril H.Akerhaugen können sie in diese Szene nicht am Schuss hindern, der aber nicht zum Torerfolg führte
Doch auch in der Nachspielzeit hätten die Träume von Trainer Geir Nordby von einer erfolgreichen Titelverteidigung seines Teams aus Røa noch platzen können: Die einfach superstarke Gulbrandsen erkämpfte sich noch mal den Ball auf der rechten Seite gegen ihre ehemalige Vereinskollegin bei Kolbotn IL, Camilla Huse, und flankte in die Mitte auf Melissa Wiik, die jedoch setzte ihren Kopfballversuch wiederum sehr knapp am rechten Torpfosten vorbei. So zitterten sich die West-Osloerinnen bis zum Schlusspfiff, dann war der Jubel bei Spielerinnen und Zuschauern riesig.
In der Nachspielzeit hatte die Frauenmannschaft von Trainer Nordby die Hoffnung auf den Gewinn der norwegischen Meisterschaft schon fast geplatzt: Die sehr starke Akteurin Gulbrandsen erkämpfte sich noch mal den Ball auf der rechten Seite gegen ihre ehemaligen Vereinskollegin Kolbotn IL Camilla Huse und flankte in die Mitte auf Melissa Wiik, die jedoch setzte ihren Kopfballversuch wiederum sehr knapp am rechten Tor vorbei. Die West-Osloerinnen zitterten sich bis zum Schlussminuten. Nach dem Schlusspfiff jubelten sie und die Zuschauer. Die Meisterschaft ist so gut wie perfekt. Spielerinnen und Trainer tanzten und ließen die ersten Flaschen Sekt schäumen. Doch es ist nur eine kleine Feier geplant, denn es stehen jetzt die beiden schweren Spiele in der Champions League gegen den russischen Meister Zvezda 2005 und im norwegischen Pokalfinale am 07. November 2009 gegen den Vorjahrfinalist Team Strømmen an. ![]() Jetzt heißt es Daumen drücken für die Spielerinnen von Stabæk FK. Wenn Røa IL in der Champions League den zweiten Startplatz für Norwegen erkämpft, sind sie nächstes Jahr international dabei!
Røa IL Oslo:
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