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Frauenfußball in Schottland

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Die Bravehearts auf dem Weg nach oben

Von Nora Kruse (Text u. Bilder)

09.02.2007

„Fußball in Schottland ist sehr männlich“, sagt Ann-Helén Grahm, Co-Trainerin der schottischen Nationalmannschaft, und ein Blick ins Schottische Fußballmuseum genügt, um zu verstehen, was die Schwedin meint. Die Andenken der Frauen beschränken sich auf Mitbringsel von Julie Fleeting und Sheila Begbie aus ihren Gastspielen in den Vereinigten Staaten. Doch wenn man mehr als einen Blick zum schottischen Frauenfußball riskiert, wird auch deutlich, dass sich etwas tut.

Das Eichhörnchen ernährt sich bekanntlich mühsam und die Schottinnen konnten sich seit Einführung der Weltrangliste um gerade vier Plätze, von Rang 30 auf 26, verbessern. Doch diese spielerische Mittelmäßigkeit steht schon länger der Professionalität der Trainerinnen entgegen, die sich der Mannschaft widmen.

Der erste große Name war Vera Pauw, die bis Ende 2004 mit den Schottinnen arbeitete. Während dieser Zeit galt ihr Team als die Mannschaft, die eine der rasantesten Entwicklungen durchmachte. Tatsächlich gelang es der Niederländerin, der Arbeit im Schottischen Fußballverband (SFA) und den Strukturen nachhaltig ihren Stempel aufzudrücken. 1998 brachte sie, unter anderem mit dem heutigen Trainer der U19-Nationalmannschaft, Tony Gervaise, erste Ordnung in die Highlands. Das Land wurde in drei Regionen geteilt, in denen die Talente gesichtet wurden und wöchentlich gemeinsam trainierten. „Dieser Schritt war wichtig für die weitere Entwicklung“, sagt Ann-Helén Grahm und erklärt, dass dieses System im letzten Jahr auf sechs Regionen ausgebaut wurde. In jeder dieser Regionen gibt es einen 18köpfigen U15- und U19-Kader. Es wird noch immer einmal pro Woche gemeinsam trainiert – ein immens wichtiger Schritt, wo es nur knapp fünfzig Frauenfußballvereine im Land gibt. Diese sechs Regionen sind nicht das Ende der Fahnenstange, auch sie sind in kleinere Bezirke unterteilt, in denen sogenannte „Development Officer“ arbeiten – unter ihnen Nationalspielerinnen wie Gemma Fay und Pauline Hamill.

Die Nationalspielerinnen sorgen selbst für die Ausbildung ihrer Nachfolgerinnen und der Erfolg kann sich sehen lassen. Die jungen Schottinnen haben es, mit Ausnahme des Turniers 2004, immer mindestens in die zweite Qualifikationsrunde zur U19-EM geschafft, 2005 standen sie gar im Endturnier. Auch in diesem Jahr haben sie es wieder in die zweite Runde geschafft, doch trifft sie dort das übliche Schicksal aller Schottinnen: sie müssen gegen Deutschland spielen.
Im Jugendbereich hat sich


Schottland

Mittlerweile sind die Schottinnen auf Platz 26 der Weltrangliste - so gut waren sie noch nie.

Schottland stabilisiert, die A-Nationalmannschaft wartet noch auf den großen Wurf, und hofft, ihn mit der Qualifikation zur Europameisterschaft zu schaffen. Verantwortlich dafür ist seit März 2005 eine andere Größe des internationalen Frauenfußballs: Anna Signeul. Die Schwedin bringt Erfahrung aus der schwedischen Liga und dem Jugendbereich mit, sowie mit Grahm eine Assistentin, die nicht nur an der Linie steht. Sie unterstützt Development Manager Sheila Begbie in der Entwicklungsarbeit.

Seit 2005 arbeitet Anna Signeul als schottische Trainerin und hat viel bewegt.

Als Signeul und Grahm vor knapp zwei Jahren ihren Dienst antraten, folgte der Kulturschock, denn die Situation in den schottischen Vereinen ist nicht mit den vergleichsweise komfortablen Bedingungen in Schweden vergleichbar. Training steht in den Vereinen nur ein- bis zweimal pro Woche auf dem Programm, und mit der Fitness ihres neuen Teams war es auch nicht zum Besten gestellt. Die beiden Schwedinnen starteten mit einer Serie von Niederlagen, die zu einer Erkenntnis führte: die Spielerinnen mussten fitter werden. Eine Kooperation mit dem Scottish Institute of Sport in Stirling wurde geschlossen, das die meisten Spielerinnen nun dreimal pro Woche besuchen, um individuell zu arbeiten.

Diese Form des Trainings zeigt die hohe Eigenverantwortung, die die schottischen Spielerinnen aufbringen müssen, was sich auch auf Spielerinnen bezieht, die in


England unter Vertrag stehen, denn wohnen tun sie in Schottland. „Viele unserer Spielerinnen trainieren unter der Woche in Jungs-Mannschaften und fahren am Wochenende zu ihren englischen Clubs“, erklärt Ann-Helén Grahm.
Diese Vorbereitung stellt keinen zufrieden und die Liga kann davon am wenigsten profitieren, ist für die Nationalmannschaft kein fördernder Unterbau. Sehr viel von dem, was in der Premier League noch nicht läuft, muss von ihr aufgefangen werden. Doch macht auch die Liga Fortschritte. Die Premier League ist mittlerweile eine eigenständige Organisation und kann Entscheidungen treffen, ohne vom Scottish Women's Football (SWF) abhängig zu sein, das den Ligenbetrieb als solchen regelt. Die Vorteile liegen auf der Hand, die Premier League „besteht aus einem kleineren Entscheidungsgremium, das viel besser weiß, was gut für die Clubs ist und zieht eher Sponsoren an“, so Maureen McGonigle. Sie führt den SWF quasi als Ein-Frau-Betrieb, an ihrer Seite in den Büroetagen des Hampden Parks ist lediglich noch eine Teilzeitkraft.

So sind die Fortschritte, die die Liga in Schottland macht, entsprechend klein, aber spürbar. Mittlerweile hat sie einen eigenen Sponsor und das Radio berichtet einmal die Woche. Die Nationalmannschaft hat dagegen längst größere Werbemaßnahmen gestartet. Anfang 2005 wurde der McDiarmid Park in Perth als Basis für alle Aktivitäten, Länderspiele oder Trainingslager, der Nationalmannschaft gewählt. Poster, Flyer und Postkarten kursieren, und auch in der Politik hat man auf sich aufmerksam gemacht. Im November 2005 wurden Begbie, Signeul und McGonigle im Schottischen Parlament vorstellig, um vom Erreichten und von Zielen zu sprechen, aber auch, um deutlich zu machen, welch gesellschaftspolitisch wichtige Aufgabe der Frauenfußball erfüllt.

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