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Norwegen, Toppserien

Mit der eigenen Jugend an die Spitze

Vereinsvorstellung IF Fløya

Von Michael Geist (Text u. Fotos)

28.06.2009

1989 stiegen die Frauen von IF Fløya aus Tromsø/Nordnorwegen erstmals in die höchste Spielklasse, die Toppserien, auf und wurden in den folgenden Jahren zur Fahrstuhlmannschaft. Im Jahr 1998 ging die höchste Zuschauerzahl in die Geschichte ein: Im Durchschnitt kamen über 1100 Zuschauer ins Stadion, obwohl der Klub zum dritten Mal abgestiegen war. Der vierte, bisher letzte Aufstieg, wurde 2002 geschafft. Diesmal konnte man sich in der Liga etablieren. 2004 und 2005 belegte man jeweils den dritten Platz in Endklassement.

In der letzten Saison gingen die Spiele der Vorrunde hoch verloren, was am mangelnden Zusammenspiel und der noch fehlenden Integration der neuen Spielerinnen lag. Die Mannschaft hat sich in den weiteren Meisterschaftsspielen der Rückrunde deutlich gesteigert und hat nur noch gegen die stärksten Mannschaften der Liga knapp verloren. Die Tromsøerinnen hatten sechs Spiele vor Saisonende 16 Punkte (24 Tore) geholt. Die 31-jährige australische Stürmerin Kristy Moore wurde sehr überraschend zum zweiten Mal Torschützenkönigin mit 20 Treffern, womit auch sie selbst wohl nicht gerechnet hätte. Nach fünf Jahren verließ sie den Klub in Richtung Stabæk FK.

Ihr Weggang ist sicherlich ein großer Verlust für den Verein. Die Australierin konnte sich mit den Verantwortlichen nicht auf einen Vertrag einigen. Die neue Trainerin, Trine Lise Andersen, die Trainerin der norwegischen U23-Nationalmannschaft war und als Betreuerin von Kolbotn IL 2007 norwegischer Pokalsieger wurde, übernahm ab 1.Januar 2009 den Trainerposten bei IF Fløya zur Saison 2009 und möchte die junge Mannschaft weiter entwickeln, wie zuletzt bei ihrem alten Klub. Fløya hat keinen Etat, um neue Spielerinnen zu kaufen. Also haben sie sich vorgenommen, der beste norwegische Klub zu werden, der eigene Talente hervorbringt.

„Zur Zeit ist Fløya, zusammen mit Klepp und Arna-Bjørnar, der Toppserien-Verein mit den meisten eigenen Nachwuchsspielerinnen. Wir wollen offensiv vorgehen und nicht eine der besten drei Teams sein, sondern das beste Team”, sagte Andersen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Klub den Plan, enger mit anderen Clubs in Nord-Norwegen im Bereich Spieler-Entwicklung zusammen zu arbeiten.

Andersen hat das Ziel, ganz oben in der Toppserien mitzumischen. “Wir haben kein Geld, um Spielerinnen aus Kanada und den USA zu holen, so wie andere Topclubs. Deshalb müssen wir uns auf eigene Nachwuchsspielerinnen konzentrieren, nicht nur von Fløya, auch von anderen Clubs”.

Sie hat kein Problem zuzugeben, dass Fløya darüber nachdenkt, gute Spielerinnen von anderen Clubs aus dem Norden zu holen. Gleichzeitig glaubt sie, dass die Begeisterung und Kompetenz von Fløya auch anderen


Trine Lise Andersen

Neue Kraft an der Seitenlinie: zu dieser Saison zog es Trainerin Trine Lise Andersen in den hohen Norden.

Klubs zugute kommt. „Selbstverständlich wollen wir nicht alle talentierten Spielerinnen aus dem Norden holen. Aber wenn ein Klub eine Spielerin hat, die bereit für die Toppserien ist, dann ist es uns lieber, sie kommt zu uns, als das sie zu Trondheim oder Oslo geht. Aber dann müssen wir den anderen Clubs der Region auch etwas zurück geben”, sagte Andersen.

Nach dem Wechsel hat die engagierte Trainerin ihr erstes Training beim neuen Klub geleitet. Andersen hat drei Trainingseinheiten mit dem Team gehalten – zwei mit dem Ball und eine als Konditions-Test. Eine Woche später stand ein Sprint-Test an. „Es wird hart für einige, aber wir bevorzugen ein großes Laufpensum. Es ist eine Herausforderung für mich als Frauen-Trainerin, weil es eine große Spannweite im Alter und der Kondition gibt. In der Männerliga sind die Teams eher homogen, hier ist das etwas unterschiedlich”.

Sie hat auch einen neuen Konditionstrainer mitgebracht: Frank Kjellsberg in Doppelrollfunktion als Physiotherapeut und Konditionstrainer. “Das ist sehr wichtig für die Spielerinnen – wir müssen besser werden”, so Andersen.

Gute Kondition ist wichtig, da die Spielerinnen in der Toppserien in der Hinrunde eine harte Zeit haben: vom 13. April bis 4. Juli sind 17 Spiele angesetzt. “Es ist ein verrücktes Arrangement – kein Männer-Verein würde das so akzeptieren”, denkt die Trainerin. “Ich habe klar gestellt, dass es in dieser Zeit keine Auszeit geben wird. Wir werden hinterher nicht sagen, dass es für uns überraschend kommt”.

Bei einem solch straffen Programm war auch klar, dass ein Kader von 16 Spielerinnen nicht ausreichen würde. Als U23-Nationaltrainerin hatte Andersen eine talentierte Isländerin, Harpa Thorsteindottir, über Jahre bei den Nordic Cups beobachtet, Mitte Februar schließlich nach Tromsø geholt. "Ich weiß nicht so viel über den norwegischen Fußball, außer dass die Elite-Liga auf einem hohen Niveau spielt. Die norwegischen Teams sind unter den Besten in Europa, so dass ich die Chance möchte, hier zu spielen“, sagt Thorsteindottir, die für


Island in der Jugend- und A-Nationalmannschaft gespielt hat. „Anscheinend kann ich mithalten. Ich habe das Gefühl, dass ich bereit bin, auf einem höheren Level zu spielen, als in der isländischen Liga und glaube, ich kann für Fløya entscheidendes beitragen.“ Letzte Saison absolvierte die 23-Jährige 17 Spiele für Breidablik und erzielte zehn Tore. Sie kann sowohl im Mittelfeld als auch im Angriff eingesetzt werden, "aber ich hoffe, dass Fløya mich im Angriff einsetzt, wo ich denke, dass ich am besten bin.“

Weitere talentierte Spielerinnen im Fløya-Dress sind die beiden U19-Nationalspielerinnen June Tårnes, die im vergangenen Herbst bei der U20-WM in Chile teilnahm, und Guro Pettersen. Vor einigen Monaten hatten Kolbotn IL und Arna-Bjørnar großes Interesse an der Nationalspielerin Anneli Giske gezeigt, doch die 23-Jährige konnte sich nicht entscheiden, den Verein zu verlassen, da sie im vierten Jahr an der Universität Medizin in Tromsø studiert und nächstes Jahr ihren Abschluss macht.

In der Abwehr kann sich Fløya auf Elisabeth Wahlin verlassen, die sich besonders durch ihre Zweikampfstärke auszeichnet. Die zweimalige norwegische Meisterin spielte zuvor für Kolbotn, Asker und Røa.

Elisabeth Wahlin

Rückhalt in der Abwehr: Elisabeth Wahlin.

Obwohl die Testspiele vor Saisonbeginn für Fløya gut verlaufen waren, erwischte der Klub einen eher mäßigen Ligaauftakt. Nach einem 3:1-Sieg folgte eine 1:3-Niederlage bei Kolbotn IL. Danach drei Niederlagen, wodurch die Tromsøerinnen in der Tabelle nach unten kletterten. Im sechsten Spiel hatte IF Fløya mit dem 2:0 gegen Amazon Grimstad seine Talfahrt gestoppt. Danach holte der Klub die wichtigen Punkten.

Wenn das Team in der Restsaison noch einige gute Punkte holt, könnte es sich in der Tabelle gegenüber der letzten Saison verbessern. Schließlich gelang auch im Pokal eine kleine Sensation, als die Elf von Trine Lise Andersen Topteam Stabæk FK nach Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb warf. Im Viertelfinale am 8. Juli heißt der Gegner Klepp.

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