Interview mit Janne Stange

Ich komme aus einer Fußballer Familie

Die norwegische U19 Spielerin im Gespräch

Von Volker Lieberum

17.7.2005    Ende Juni war die norwegische U19 Mannschaft zu Gast in Wetzlar und spielte gegen das deutsche Team. Über 5000 Zuschauer waren mit dem Spiel mehr als zu frieden und besonders die norwegischen Mädchen fanden trotz der Niederlage viele Sympathien beim heimischen Publikum. FanSoccer unterhielt sich mit U19 Verteidigerin Janne Stange.

FanSoccer: Hei Janne, würdest du dich vielleicht erst einmal kurz vorstellen
Janne: Ich heiße Janne Stange und bin am 24. Juni 19 Jahre alt geworden. Mit acht Jahren habe ich mit dem Fußballspielen begonnen. Es war das ganz Natürlichste das es die Sportart geworden ist, den meine ganze Familie spielte. Weißt du, ich komme aus einer Fußballer Familie. Ich bin in einem Ort aufgewachsen, der Karmøy heißt. Mit 16 bin ich nach Oslo umgezogen, um hier Fußball zu spielen. Hier gehe ich auf ein norwegisches Spitzensportgymnasium (toppidretts gymnas), es ist eine Fußballschule. Bei dem Verein Asker FK (Fotball Kvinner) stehe ich in der Mannschaft und spiele hier Fußball.

Am 29. Juni warst du mit der U19 in Wetzlar bei einem Spiel gegen Deutschland. Könntest du ein Statement zum Spiel und über deine Leistung geben?
Ja, am 29. Juni war ich mit der U19 in Wetzlar und wir haben gegen das deutsche U19 Team gespielt. Doch waren die Mädchen so etwas von besser, dass wir überhaupt keine Chance hatten. Sie waren stärker, schneller, technisch und in allem besser. Wir haben das Spiel 0:5 verloren und die deutsche U19 hat es verdient gewonnen. Es war für uns überhaupt nicht möglich ein gutes Spiel aufzuziehen, denn das deutsche Team überrannte uns und wir mussten uns auf das Verteidigen konzentrieren.

Norwegens rechte Verteidigerin Janne Stange

Bild: Volker Lieberum

Warst du sehr frustiert nach dem Spiel?
Nach dem Spiel waren wir alle unheimlich frustriert. Die deutsche Mannschaft war wirklich viel besser als wir, man hatte nicht das Gefühl, dass hier zwei gleichwertige U19 gegeneinander spielten, sonders das unterschiedliche Niveaus aufeinander trafen. Zwischen uns lagen Welten.
Für mich war das schon erschreckend und beschämend zu gleich. Noch vor ein paar Jahren war die norwegische Damenmannschaft die beste in der Welt und heute kommen wir noch nicht einmal zur EM mit.

Janne beim Spiel in Wetzlar

Bild: Volker Lieberum

Wie habt ihr euch auf das Spiel vorbereitet?
Ach Volker, was Außergewöhnliches haben wir nicht gemacht, wir haben uns ganz normal vorbereitet. Nach dem wir aufgestanden sind, haben wir gefrühstückt. Danach sind wir nach Wetzlar gefahren. Unterwegs im Bus hatten wir viel Spaß, waren ziemlich ausgelassen und haben zusammen die norwegischen Fußballlieder gesungen. Es war eine tolle Stimmung. Es war für uns ziemlich heiß, sodass wir nach der Busfahrt etwas müde waren.


Janne sichert die Aktion von Torhüterin Erika Skarbø und Célia Okoyino da Mbabi

Bild: Volker Lieberum

Im Wetzlarer Stadion haben wir uns dann aufgewärmt, dabei haben wir etwas Angst vor den ganzen Leuten bekommen, die gekommen waren. Es waren so unheimlich viele!!! Wir wollten natürlich das Spiel gewinnen, denn unsere Nationalmannschaft hat ja gegen euch bei der EM verloren.

Was habt ihr nach dem Spiel gemacht?
Nach dem Spiel sind wir direkt zum Frankfurter Flughafen gefahren. Bei der Rückfahrt waren wir sehr still im Bus. Unser Trainer hatte uns gesagt, dass er etwas enttäuscht von uns gewesen sei. Er war unheimlich erschrocken, dass die deutsche Mannschaft uns so überlegen gewesen sei. Wenn wir jetzt zurück nach Norwegen kommen, werden wir noch härter an uns arbeiten müssen, um das Niveau der deutschen Mannschaft zu erreichen.
Am Frankfurter Flughafen haben wir dann Kristian Kielling (ein berühmter norwegischer Handballspieler) getroffen. Damit hat der Ausflug nach Deutschland noch ein schönes Ende genommen.

Zu dem U19 Länderspiel waren 5100 Zuschauer gekommen, währent es in Norwegen bei den Ligaspielen weitaus weniger sind. Welches Gefühl hattest du bei so einer großen Kulisse? Zeitweise wurdet ihr ja auch angefeuert. Nimmt man das während des Spiels wahr?
Als wir in das Stadion in Wetzlar kamen, sahen wir unheimlich viele Leute, es müssen so 400 gewesen sein. Ich dachte mir, hier läuft noch irgendeine Show ab und die wollen uns gar nicht spielen sehen.

Wir hatten uns umgezogen, kamen zum Aufwärmen heraus und trauten unseren Augen nicht. Mittlerweile waren das ja zehnmal mehr Menschen geworden. Ich bin ziemlich nervös geworden! Ich habe noch nie vor so vielen Leuten gespielt. In Norwegen kommen höchstens 200 - 300 Zuschauer zu den Spielen. Ich hatte solch eine Angst! Ich dachte die würden uns schlecht behandeln, schlechte Dinge nach uns rufen und uns auspfeifen. Aber Volker, was war ich so angenehm überrascht, dass sie so lieb zu uns waren und uns freundlich empfangen haben. Ich war richtig glücklich als ich etliche mit norwegischen Fahnen sah.

Janne blickt nach der Niederlage sehr nachdenklich

Bild: Volker Lieberum

Was sagt ihr im U19 Team zu der Leistung von Isabell Herlovsen, die ja bis vor kurzem mit euch zusammen war und nun mit 16 bei der EM in England gespielt hat?
Oh Isabell Herlovsen ist die Größte für uns jungen Frauenfußballerinnen, denn sie lebt unseren Traum, erfolgreich in der A-Nationalmannschaft zu sein. Sie ist eine sehr professionelle Spielerin und trainiert sehr viel. Sie ist ein gutes Vorbild für uns und ich habe einen ungeheueren Respekt vor ihr und dass, was sie erreicht. Außerdem ist sie auch außerhalb des Spielfelds ein super Mädchen, mit der man Pferde stehlen kann.

Du spielst in der norwegischen Liga bei Asker. Auf welcher Position spielst du dort? Würdest du kurz deinen Verein vorstellen?


Ich spiele beim Asker FK, der Verein ist in der norwegischen Toppserie (höchste Liga, in Deutschland 1. Bundesliga). Asker gehört zu den besten Mannschaften in Norwegen. Letztes Jahr haben wir den vierten Platz in der Meisterschaft erreicht und kamen auch in das Pokalfinale. Hier verloren wir gegen Røa, die auch norwegischer Meister geworden sind. Im Moment belegen wir nur den siebten Platz. Bei Asker bin ich rechte Verteidigerin, wie bei der U19 und trage die Nummer 18.

Wohnst du in der Nähe deines Vereins, wie oft trainiert ihr in der Woche?


Freundlicherweise stellte uns Janne ein privates Bild von sich zur Verfügung


Ich wohne in Bekkstua, einem Ort in der Nähr von Oslo. Hier lebe ich mit drei meiner Freunde zusammen, zwei Mädchen, Jeanette und Bettina und Johann einem Jungen. Jeanette und Bettina spielen auch im norwegischen U19 Team. In 15 Minuten bin ich zu meinem Club in Asker gefahren. Im Verein trainiere ich fünfmal die Woche und in der Schule noch einmal viermal.

Janne beim Auslaufen mit Camilla Aseng und Anna Bettina Jevne

Bild: Volker Lieberum

Hast du neben Schule/Beruf und Soccer noch Zeit in deiner Freizeit? Was machst du dann am liebsten?
Ich habe nicht viel Freizeit, aber ich mache das Beste daraus. Es hilft mir schon sehr viel, dass ich mit meinen drei Freunden zusammen lebe. In meiner Freizeit gehe ich am liebsten Shoppen, sehe mir gerne Filme an, verbringe die Zeit mit meinen Freunden und besuche gerne eine Party und so.

Takk Janne. Ich wünsche die für die Zukunft alles Gute.

Das Gespräch führte Volker Lieberum

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