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Frauenfußball international

Mein Traum, mit der Nationalmannschaft ein großes Turnier zu bestreiten, wird sich wohl nie erfüllen

Interview mit der belgischen Nationalspielerin Femke Maes

Text von Marion Kehren

29.08.2009   „Femke ist der beste Wintereinkauf, den Duisburg jemals getätigt hat”, so Guido Lutz, Vorstandsvorsitzender des FCR Duisburg 2001, stolz am Ende der Wahnsinnssaison 2008/2009. Die belgische „Wunderwaffe” in Reihen der Löwinnen ist in der Frauen-Fußballwelt keine Unbekannte. Viele Vereine aus Europa versuchten sie in der vergangenen Winterpause an sich zu binden, doch Femke entschied sich schlussendlich für den Fußballverein, der ihr das beste Gesamtpaket bieten konnte.

Die 29-jährige Mittelfeldspielerin und Kapitänin der belgischen Nationalmannschaft (36. Platz in der aktuellen Weltrangliste) kennt keine Starallüren, stattdessen steht sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Elf Jahre lang spielte sie in belgischen Vereinen wie RSC Anderlecht (1994-1998), Eendracht Aalst (1998-2002) und KFC Rapide Wezemaal (2002-2007) und gewann gleich mehrfach die belgische Meisterschaft sowie den Pokal. In ihrer letzten Saison in Belgien 2006/2007 wurde sie zudem, mit zwei weiteren Spielerinnen, Torschützenkönigin der Liga.

Frauenfußballnationalmannschaft Belgien

Femke Maes ganz links unten mit ihrer belgischen Nationalmannschaft im September 2008, bei einem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande.

Bild: Paul Dijkmans

Im darauf folgenden Jahr wechselte Femke zum Fußballclub Wilhelm II Tilburg, in die neu gegründete niederländische Ehrendivision, und wurde prompt mit der Mannschaft Vizemeister und sie selber zur besten Spielerin der Saison gekürt. Nach nur einer Saison wechselte die Belgierin zum schwedischen Topverein Djurgården Damfotboll. Doch trotz des Erfolges wollte Femke, nach Ende der Saison, wieder näher an ihre Heimat Belgien zurück und nutzte ihre Ausstiegsklausel im Vertrag, um den Verein zu verlassen. Seit der Wintersaison 2008/2009 kickt sie nun für den deutschen Bundesligisten FCR 2001 Duisburg, mit dem sie im Mai diesen Jahres sensationell den UEFA Women´s Cup und den deutschen Pokal gewann.

Während der neu geschaffenen Sommerliga hatte ich nun die Gelegenheit, mich einmal etwas ausführlicher mit der sympathischen Spielerin und Betriebswirtin zu unterhalten.

Hallo Femke, wie geht es dir nach deiner ersten Saison in Duisburg?

Soweit geht es mir ganz gut, danke! Ich bin froh, dass ich dieses Mal die gesamte Vorbereitung zusammen mit der Mannschaft absolvieren kann. Im Winter war es schon etwas schwer mich einzugliedern, da die Mannschaft bereits ein halbes Jahr zusammen trainiert hatte. Leider bin ich noch etwas an der Achillessehne verletzt und kann nicht alle Übungen mit trainieren und muss diverse Einheiten in der Reha durchlaufen. Aber ich bin recht zuversichtlich, dass ich bald wieder fit bin.

Femke Maes, Navina Omilade und Annelie Brendel

Auch im Dress des FCR Duisburg macht Femke eine gute Figur. Hier beim letztjährigen DFB-Pokal Halbfinale gegen Wolfsburg können Navina Omilade (links) und Annelie Brendel (rechts) Femke Maes (Mitte) auf ihrem Weg zum Tor nicht aufhalten

Bild: Katrin Müller

Desto verwunderlicher ist es aber, wie schnell du im Winter zur Mannschaft gefunden hasst!

Ja, es war schon toll! Ich habe damals das volle Vertrauen von Martina erhalten obwohl mein erstes Spiel schlecht war, aber dieses Vertrauen und die Sicherheit war sehr wichtig für mich. Sie hat mir die Chance gegeben weiterzuspielen und mich ins Team einzufinden. Aber auch das Team hat mich super aufgenommen, sonst wäre diese schnelle Eingliederung kaum möglich gewesen.

Was ist für dich der größte Vorteil hier in Duisburg?

In Duisburg habe ich die Möglichkeit auf einem sehr hohen Niveau Fußball zu spielen und ich bin lediglich zwei Autostunden von zu Hause entfernt und das ist schön. So habe ich an den spielfreien Tagen auch einmal die Gelegenheit schnell zu meiner Familie zu fahren. Das war das Problem von Schweden, Schweden war doch ein bisschen sehr weit von Belgien weg. Aber auch dort hat es mir sehr gut gefallen.

Femke Maes

Sie hat gut lachen – Femke im neuen Trikot des FCR Duisburg

Bild: Katrin Müller


Femke Maes

Femke Maes weiß ihre Nationalmannschaftskollegen zu delegieren, hier beim Spiel gegen die schweizer Eidgenossinnen

Bild: Kevin van Hooydonck

Femke, die Niederlande, in denen du Vizemeisterin wurdest, haben ja jetzt das geschafft, wovon viele Spielerinnen träumen. Nach der Erweiterung auf 12 Mannschaften sind sie nun das erste Mal bei einer EM-Endrunde mit dabei. Wie siehst du die Entwicklung der belgischen Nationalmannschaft?

Die Niederlande haben wirklich eine gute Entwicklung in den letzten Jahren gemacht. In Belgien ist das leider nicht so einfach. Zum einen trainieren die Vereine meist nur zwei oder drei Mal die Woche. Außerdem gibt es in Belgien viel zu wenig Mädchen und Frauen die Fußball spielen. Es gibt lediglich vier Nationalspielerinnen, die im Ausland spielen und dadurch auch die Möglichkeit haben sich weiter zu entwickeln. Aber die meisten Kickerinnen spielen in der heimischen Liga und trainieren bei weitem nicht so viel und so professionell wie z.B. hier in Duisburg.

Femkel Maes und Annemieke Kiesel

Empfang in Duisburg nach dem Gewinn des DFB-Pokals – müde aber glücklich - Femke zusammen mit ihrer Kollegin und niederländischen Nationalspielerin Annemieke Kiesel

Bild: Katrin Müller


Wo liegt das Problem? Macht der belgische Fußballverband zu wenig?

Auch, aber es liegt nicht nur am Verband, ich denke es liegt an der allgemeinen Situation. Belgien hat gute Einzelsportler wie z.B. im Tennis oder Judo, aber Mannschaftsportarten sind bei weitem nicht so populär und dadurch gibt es vom Sportbund auch keine guten Strukturen. Wie soll sich der belgische Frauen-Fußball weiter entwickeln, wenn der Unterbau im Mädchenbereich schon gar nicht oder nur begrenzt existiert?

Femke Maes

Zur Zeit ist Femke noch angeschlagen und kann nur bedingt trainieren und in der Sommerliga mitspielen, aber die Genesung macht große Fortschritte

Bild: Katrin Müller


Aber es muss doch einen Grund für diesen desolaten Zustand geben?

Den gibt es, aber es ist ein Problem im Ganzen. Zum einen liegt es daran, dass man Fußball mittlerweile als Leistungssport sehen muss. Das machen aber die wenigstens Spielerinnen, Vereine und Trainer. Zum zweiten liegt es aber auch an den mangelnden Trainingsmöglichkeiten und schlechten Sportplätzen. Es ist eine Verkettung mehrerer Umstände, die es zu beseitigen gilt. Es müsste mehr Geld in Equipment, Ausstattung und in die Ausbildung der Trainer fließen und weniger in die Spieler des Männerfußballes. Beim Frauen- und Mädchenfußball sind wir, im Gegensatz zu manch anderem europäischen Land, in der Entwicklung noch sehr weit zurück.


Also schätzt du die Chancen für Belgien, in naher Zukunft, einmal an einem großen Turnier teilzunehmen eher als schlecht ein?

Absolut! In den nächsten 10 Jahren sehe ich keine Möglichkeit dafür, leider. Es war immer mein Traum, einmal mit der Nationalmannschaft die Endrunde bei einer EM oder WM zu erreichen, aber das wird sich wohl nicht mehr erfüllen. Aber ich bin froh, dass ich mit Duisburg den UEFA-Pokal gewonnen habe, das ist für mich persönlich das Höchste, was ich als Fußballerin erreichen kann.

Femke Maes und Alexandra Popp

Femke (zusammen mit Alexandra Popp) mit dem größten Highlight in ihrer Spielerkarriere, dem UEFA-Pokal, den sie in der vergangenen Saison mit dem FCR 2001 Duisburg gewann

Bild: Katrin Müller



Macht Erfolg süchtig? Immerhin hast du alle Titel auf Vereinsebene schon gewonnen.

Hm, vielleicht ein bisschen, es ist ein tolles Gefühl und man will immer mehr! Ich muss aber zugeben, dass es in Belgien nicht sonderlich schwer ist einen Titel zu gewinnen. Der große Reiz war und sind jetzt die Auslandsjahre. Hier hast du eine ganz andere Qualität und es ist viel schwerer sich hier zu behaupten. Nimmt man z.B. die Bundesliga gibt es gleich mehrere Vereine, die auf einem sehr hohen Niveau spielen.

Femke Maes und Martina Voss

„Ein erfolgreiches Gespann” - Martina Voss gab Femke das volle Vertrauen!

Bild: Katrin Müller



Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich werde bald 30, wer weiß wie lange ich noch spiele... Also zum einen möchte ich mit Duisburg deutscher Meister werden und ich denke das möchte jeder hier aus der Region. Zum anderen wäre es natürlich toll, wenn wir nächstes Jahr das Finale in der Champions League in Madrid bestreiten könnten, dass wäre einfach genial und mit Sicherheit ein weiterer Höhepunkt in meiner sportlichen Karriere.






Weitere Fußballbilder von Katrin Müller unter www.kapixblog.net


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