Über Norwegen und die USA zurück nach Schweden

Interview mit Pia Sundhage

 

Im letzten Jahr entschlossen Sie sich, Kolbotn zu verlassen. Was war der Grund?
Ich verließ den Verein nach langen Diskussionen. Sie wollten, dass ich blieb, aber ich hatte irgendwie das Gefühl, die Spielerinnen nicht mehr wirklich erreichen zu können und dass ich dadurch gezwungen wurde, meine Philosophie und meine Arbeitsweise zu stark zu ändern. Weiter war der Trainerstab einfach zu klein, wir konnten aus uns gegenseitig nicht das Beste rausholen. Gleichzeitig wusste ich natürlich, dass Kolbotn eine tolle Mannschaft mit fünf bis sechs Nationalspielerinnen ist und sie einfach einen „besseren Trainer“ verdienten. Aber ich habe noch immer Freunde in Norwegen...

Nachdem Sie Kolbotn verlassen hatten, arbeiteten Sie für April Heinrichs und ihr US-Team. Was war genau Ihr Job?
Ich beobachtete während der Olympiade Spiele für April und wurde zur Expertin für Brasilien und Deutschland.

In Deutschland sind die wenigsten Trainer in Vollzeit beschäftigt. Wie ist die Situation in Schweden?
Ich arbeite in Vollzeit, wie aber nur noch zwei andere Trainer in der Liga. Meistens haben die Trainer einen Job neben ihrer Arbeit für den Verein. Ich entschied mich bewusst dagegen. Damit macht man nicht allzu viel Geld, aber immer noch genug...

In der nächsten Saison wird Kristine Lilly für Örebro spielen. Wird es noch weitere international bekannte Spielerinnen geben, die zum Team stoßen werden?
Es werden noch Kate Markgraf, Mary Frances Monroe and einige Talente aus der Umgebung kommen.

 
2004 in Jöllenbeck noch im Dress von Kolbotn IL: Pia Sundhage
 
Foto: Nora Kruse

In den letzten Jahren wurde die schwedische Liga von Djurgården und Umeå dominiert. Welches Ziel haben Sie mit Örebro für die nächste Saison?
Auf dem 8. Platz abzuschließen.

Viele international bekannte Spielerinnen wechseln derzeit nach Schweden. Was macht die schwedische Liga so attraktiv?
Eine gute Organisation, ein guter Ruf, der Gewinn der Silbermedaille bei der WM 2003 und einfach die Tatsache, dass es keine amerikanische Profiliga mehr gibt, die nächste WM aber schon 2007 stattfindet.  

Wie können diese bekannten Spielerinnen der schwedischen Liga in Bezug auf die Popularität und den Wettbewerb helfen?
Es sind die verschiedenen Spielweisen. Brasilianische Technik, die amerikanische Bereitschaft sich zu messen und die Fitness werden das Spiel verbessern. Es sind hochkarätige internationale Spielerinnen und so werden die Medien interessierter, was zu mehr Zuschauern und somit zu mehr Geld führen wird.  

Was ist Ihre Einschätzung des schwedischen Fußballs in Bezug auf Entwicklung, Level und Popularität?
Das Spiel entwickelt sich immer weiter, wird besser und besser. Ich denke, wir verdienen jedes einzelne Wort in den Zeitungen und jede Sekunde Sendezeit. 

Es werden immer mehr Mädchen, die Fußball spielen möchten, was sehr wichtig für Qualität in Zukunft sein wird.  

Würden Sie sagen, dass es nach den beiden Silbermedaillen 2001 und 2003 eine Art „Boom“ im schwedischen Frauenfußball gab?
Absolut. Im Anschluss an die Europameisterschaft interessierten sich die Medien mehr für Frauenfußball. Vor der Weltmeisterschaft hatten die Zeitungen dann vermehrt Artikel über den Frauenfußball und das Fernsehen übertrug viele Spiele. Die Silbermedaillen machten die Spielerinnen bekannter, man konnte sie verstärkt in Fernsehsendungen sehen. Außerdem begannen mehr Mädchen Fußball zu spielen.

Was wissen Sie über den deutschen Frauenfußball. Hatten Sie jemals Angebote, hier zu trainieren – wäre es für Sie interessant?
Ja, ich hatte Angebote. Ich hatte damals [bei den Boston Breakers] auch die Chance, Maren Meinert zu trainieren, die zu meinen absoluten Lieblingsspielerinnen gehört. Außerdem traf ich Tina Theune-Meyer und Silvia Neid häufiger. Diese Zusammentreffen gaben mir natürlich nur ein kleines Bild über den deutschen Frauenfußball, aber ich mag, was ich sehe und höre. So wäre ein Traineramt sicherlich nicht uninteressant.

Wird es jemals eine schwedische Nationaltrainerin namens Pia Sundhage geben?
Wer weiß...

Ihre Tipps zum Schluss: Wer wird schwedischer Meister 2005?
Umeå IK

...und Europameister?
Schweden

Das Interview führte Nora Kruse

 

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