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13.Dezember 2011
Interview und Fotos von Marion Kehren
Seit Sommer 2009 spielt die junge ungarische Nationalspielerin Zsanett Jakabfi beim Erstligisten VfL Wolfsburg. Mit
19 Jahren zog es sie nach Deutschland, um sich hier fußballerisch weiter zu entwickeln und den schlechten Standard in der ungarischen Liga hinter sich zu lassen.
Wie bei vielen jungen Spielerinnen war es einst der Vater, der
seine Tochter zum Kicken gebracht hat. „Mein Vater hat damals Fußball gespielt und ich fand es so toll, dass ich ihn immer gebeten habe er solle mit mir spielen. Zwar
habe ich zwischendurch auch mal kurz Handball gespielt und die Leichtathletik getestet, aber letztendlich blieb ich dem Fußball treu. Später war mein Vater der festen
Überzeugung ich sollte auf ein Fußballinternat und das habe ich dann auch gemacht, dass war der Anfang meiner sportlichen Karriere“, resümiert die
symphatische Stürmerin. Das Glück kam Zsanett dabei zur Hilfe, als sie an einem Sommertrainingscamp am Balaton von einem Scout des Erstligisten MTK Budapest FC entdeckt
wurde und der Vertrag recht schnell unter Dach und Fach gebracht wurde.
So packte sie als 14-jährige ihre sieben Sachen und zog vom kleinen, beschaulichen Lengyeltóti (18 km
südlich vom Balaton) in die Großstadt nach Budapest. Dort wohnte sie im Fußballinternat des hiesigen Clubs MTK Budapest FC mit 49 anderen Mädchen und konnte
so Schule und ihr Hobby perfekt vereinen. „Ich hatte immer ein Ziel vor Augen und mir war klar, dass ich dafür hart arbeiten und viele Sachen aufgeben musste. In dieser
Zeit habe ich meine Familie sehr, sehr vermisst, aber ich hatte keine andere Wahl, “ so die Ungarin weiter. Die Zeit in der ungarischen Hauptstadt erwies sich für
Zsanett nicht nur als sehr lehrreich, sondern war durchaus auch von Erfolg geprägt. Mit dem Verein MTK Budapest FC wurde Jakabfi in der Saison 2004/2005 Ungarischer Meister
und in den beiden darauffolgenden Jahren jeweils Vizemeister. Überhaupt präsentierte sich der MTK als das Maß aller Dinge im ungarischen Frauenfußball. Unter
Führung des ehemaligen Nationalspielers Alexander Turtóczki gewann dass Team in dieser Zeit zudem einmal den Ungarischen Pokal und wurde drei Mal Pokalfinalist. Wie gut
Zsanett bereits in jungen Jahren gewesen sein muss beweist auch die Tatsache, dass sie bereits mit 17 Jahren in den Kader der A-Nationalmannschaft berufen wurde und seitdem
eine der großen Leistungsträgerinnen ist.
Das ungarische Ausnahmetalent wollte
mehr, doch dies war in Ungarn nicht möglich. „Leider ist die ungarische Liga nicht so stark und nach einer Weile suchte ich eine neue Herausforderung. Die deutsche Liga
ist die beste auf der Welt und es war schon immer mein Traum dort zu spielen. Ich wollte unbedingt dort hin und habe mir geschworen, dass ich alles durchstehen werde … egal
wie schwer mein Weg ist!“ Dieser unbedingte Wille war es auch, der sie nach bestandenem Abitur in Richtung VfL Wolfsburg führte ein großer Schritt für
eine erst 19-jährige Spielerin. „Bis heute habe ich den Schritt nicht bereut. Ich fühle mich hier wohl. Wolfsburg ist eine kleine Stadt, aber man findet hier fast
alles. Mit meiner Familie pflege ich nach wie vor regen Kontakt. Wir reden fast jeden Tag - mal per Telefon oder mal über Skype, “ so die Ungarin weiter. Natürlich
kann man im Frauenfußball nicht nur vom Kicken leben und so begann Zsanett am 1. August 2011 nun eine Ausbildung zur Bürokauffrau beim VfL Wolfsburg. Und wie kommt sie
mit den anderen Teamkameradinnen klar? „Ich verstehe mich gut mit denen, es gibt hier besonders gute Freundschaften für mich. Wir machen mit der ganze Mannschaft sowieso
viel zusammen, gehen gerne ins Kino oder essen. Das finde ich gut!“
Nicht so gerne spricht Zsanett über das Leistungsniveau in
Ungarn. „Es gibt viel zu viele Punkte die nicht stimmen bzw. zu viele Unterschiede und die Qualität wird zurzeit eher schlechter als besser “, sagt sie. In der
Nationalmannschaft bildet sie mit den zwei anderen deutschen Legionärinnen Erika Szuh und Gabriella Toth (beide 1. FC Lokomotive Leipzig) ein eigenes Leistungsniveau. Im
EM-Qualifikationspiel gegen Belgien war diese Diskrepanz besonders gut zu erkennen. Meist waren Szuh und Jakabfi ihren eigenen Teamkolleginnen weit überlegen und immer einen
Schritt voraus was schließlich dazu führte, dass die erarbeiteten Chancen nicht genutzt werden konnten. „Wenn man in Deutschland spielt und jeden Tag hier
trainiert wird man immer besser und das Spielniveau steigt. Die Trainingseinheiten sind in Deutschland 1000x besser und härter als in Ungarn. Hier werden nicht nur Körper
und Geist trainiert, sondern auch die mentale Stärke. Wir sind füreinander da und kämpfen, dass ist in Ungarn ganz anders;“ so die Vollblutfußballerin.
„Und genau das sind auch die Gründe warum mittlerweile bereits fünf Ungarinnen in Deutschland spielen. Es gibt viele talentierte Spielerinnen in Ungarn und sie
wissen genau wenn sie irgendwas im Fußball erreichen wollen, dafür müssen sie ins Ausland wechseln.“
Die Chancen, dass das Nationalteam in nächster Zeit einmal ein großes Turnier spielen wird schätzt Zsanett
als relativ gering ein, denn dazu sind die sportlichen Unterschiede zwischen dem Weltranglistenvierunddreißigsten und der Weltspitze einfach zu groß. Die aktuelle
EM-Qualifikation wollte der Verband ursprünglich mindestens mit Platz drei abschließen, aber ob das noch gelingen wird bleibt abzuwarten. Bis dato belegt man nach
fünf Spielen lediglich mit 5 Punkten den vorletzten Tabellenplatz in Gruppe 3. Eins ist auf jeden Fall sicher: Zsanett wird ihren Weg weiter fortsetzen ob mit oder ohne
Nationalmannschaft. Ihre sportlichen und privaten Ziele für die nahe Zukunft sind glasklar definiert. „Ich hoffe dass wir mit Wolfsburg einen Titel holen und ich will
meine Ausbildung erfolgreich beenden!“
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