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Qualifikation zur WM 2011

Aufopferungsvoll gekämpft, dennoch verloren

Belgien – Schweden 1:4 (0:1)

Text von Marion Kehren
Bilder von Katrin Müller

30.10.2009   In einem, zum größten Teil, schnellen und spannungsgeladenen WM-Qualifikationsspiel hielten die roten Teufelinnen aus Belgien lange die Partie offen und kauften den Schwedinnen den Schneid ab. Das Drei-Kronen-Team gewann letztendlich durch eine physische und mental starke Leistung.

Das Spiel im Stadion „Den Dreef” in Leuven wurde von Beginn an von beiden Mannschaften sehr offensiv geführt und es war kein deutlicher Klassenunterschied auszumachen. Bereits in den Anfangsminuten hatten beide Teams ihre Torchancen zu vermelden. Das Hinspiel verlor Belgien nur knapp mit 2:1 und so hoffte die Mehrzahl der 1.800 Zuschauer (Zuschauerrekord in Belgien bei einem Frauen-Länderspiel), dass ihre Mannschaft vielleicht eine Sensation schaffen oder wenigstens einen Punkt entführen könnte. Schweden hingegen führt die Tabelle der Gruppe 8 souverän mit drei Siegen an und hat sich augenscheinlich etwas von dem frühen Aus bei der EM in Finnland erholt.

Hanne Van De Goor gegen Jessica Landström

Hanne Van De Goor gegen Jessica Landström - so eng und kämpferisch wie hier ging es im ganzen Spiel zu

Belgien agierte wesentlich druckvoller und drängte die Schwedinnen weit in ihre eigene Hälfte zurück. Femke Maes und Marjorie De Rammelaere scheiterten gleich mehrfach an der hervorragenden schwedischen Abwehr. Wie aus dem Nichts tauchten die Nordlichter mit schnellen Kontern immer wieder im Strafraum der roten Teufelinnen auf. Die brandgefährliche und schnelle Lotta Schellin und ebenfalls Jessica Landström hielten die belgische Abwehr ganz schön auf Trab. Trotz dieser Konter war Schweden aber nicht in der Lage, sich merklich aus den Fängen der Belgierinnen zu befreien. Zu oft tappten sie in die Abseitsfalle oder ließen sich im Mittelfeld die Bälle abjagen. Belgiens Trainerin Anne Noe hatte ihre Mannschaft hervorragend auf das heutige Spiel eingestellt.

Sara Thunebro und Linda Sembrant gegen Niki De Cock

Eng wurde es des Öfteren im schwedischen Strafraum. Hier versuchen gleich Sara Thunebro und Linda Sembrant Niki De Cock am Köpfen zu hindern

Schock für Belgien in der 23. Minute. Während einer Abwehraktion im eigenen Strafraum verletzte sich Maud Coutereels so schwer, dass diese verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Eine erste Diagnose wurde, im Laufe des Spiels, leider bestätigt: Coutereels hatte sich den linken Knöchel gebrochen. Genau in dieser Minute, als auch die Ein-/ bzw. Auswechslung erfolgte, fiel nach einer Ecke von rechts, ausgeführt von Louise Fors, der Führungstreffer durch die hervorragend stehende Caroline Seger.

Marjike Callebaut vs. Linda Sembrant

Marjike Callebaut (links) wird durch Linda Sembrant behindert, Hintergrund Stina Segerström. Callebaut machte ein Klassespiel!

Belgien verlor für ein paar Minuten die Konzentration und ermöglichte damit dem Gegner, sein Angriffsspiel aufzuziehen. In dieser Phase verzückte Louise Fors die Zuschauer mit ihren genialen Pässen, mit denen sie gekonnt das schwedische Sturmduo Lotta Schelin und Jessica Landström in Szene setzte. Doch die Teufelinnen besannen sich auf ihr großes Kämpferherz und Spielführerin Femke Maes „blies” zum Angriff. Schweden wurde förmlich mit belgischen Großchancen u.a. durch Niki De Cock und ihrer Kapitänin überrollt. Dabei fiel besonders die Flankengeberin auf der rechten Außenposition Marijke Callebaut auf.


Caroline Seger

Caroline Seger war gleich 2x Torschützin am heutigen Tage, auch wenn es hier dieses Mal nicht klappt – klassische Tormöglichkeit für Schweden

Spätestens jetzt war auch klar, warum diese hervorragende Spielerin schon seit 5 Jahren in der schwedischen Liga bei Djurgården kickt. Dank einer guten Abwehr und Hedvig Lindahl im Tor des Kronenteams konnten diese Angriffe nicht in Zählbares umgesetzt werden.

Doch es galt weiterhin die Devise Schweden nicht zu unterschätzen. Urplötzlich drehte Schweden den Spies um und tauchte, in Form von Lotta Schellin und Stina Segerström, wieder vor dem belgischen Tor auf. In dieser Phase konnten sich die Belgierinnen bei ihrer Torhüterin Sabrina Broos bedanken, die mit hervorragenden Paraden ihr Tor sauber hielt. Das Spiel war an Spannung und Schnelligkeit kaum zu überbieten. Zuschauer und Spielerinnen waren gleichermaßen froh, als Schiedsrichterin Efthalia Mitsi zur Halbzeit pfiff.

Lotta Schellin

Die brandgefährliche Lotta Schellin enteilt zum wiederholten Male Marlies Verbruggen

Die zweite Halbzeit begann genauso wie die erste aufgehört hatte, das muntere Hin und Her ging weiter. Konnte Belgien dieses hohe Tempo durchhalten? Hatte Schweden die Schmach von Finnland verdaut? Fragen über Fragen! Dennoch gab sich keine der Mannschaften eine Blöße und der Ausgleichtreffer für Belgien wäre mehr als verdient gewesen. Die Teufelinnen legten nun alles in die Wagschale und hatten in der 54. Minute die Großchance durch Aline Zeler schlechthin und spielten weiterhin druckvoll.

Doch es kam anders als gedacht! Einen lupenreinen Blitzangriff vollendete Seger zum zwischenzeitlichen 0:2 bevor zwei Minuten später Landström, nach einer Flanke von Louise Fors, zur 0:3 Vorentscheidung traf. Die Belgierinnen waren nun sichtlich mit ihren Kräften am Ende. Sie konnten zwar den Rückstand noch durch Femke Maes verkürzen, aber sie mussten nun dem hohen Tempo Tribut zollen.

Femke Maes vs. Louise Fors

Femke Maes (rechts) und Louise Fors, hier im direkten Duell, waren prägende Spielerinnen in ihren jeweiligen Teams

Schweden zeigte nun seine ganze Klasse und bewies, warum sie zu Europas bestens Mannschaften gehören, auch wenn sie noch nicht ganz an die glorreichen alten Zeiten anknüpfen konnten. Schweden gestaltete nun das Spiel wesentlich flexibler und so fand man nun auch eine Sara Thunebro öfters vor dem gegnerischen Tor wieder. Den Schlusspunkt setzte die eingewechselte Sara Lindén mit dem 1:4 Endstand, nach einem fulminanten Alleingang über das halbe Spielfeld.

Hanne Van De Goor vs. Louise Fors

Hanne Van De Goor im Zweikampf mit Louise Fors

Schwedens Trainer Thomas Dennerby war voll des Lobes für die Belgierinnen und musste zugeben, dass seine Mannschaft


eine zeitlang recht konfus und ohne Orientierung auf dem Platz gestanden hatte. Dennoch sei sein Team auf dem besten Wege, die Qualifikationsrunde gut zu überstehen, obwohl man auch die Tschechen nicht unterschätzen dürfe. Anne Noe war stolz auf ihre Mannschaft und die gezeigte Leistung. „Dafür, dass unsere Spielerinnen lediglich 3x die Woche trainieren, kann ich mit der Leistung sehr zufrieden sein. Natürlich wären wir alle froh, wenn der Frauenfußball mehr gefördert werden würde; denn für uns ist es besonders wichtig für die kommenden Aufgaben eine gute Platzierung zu erzielen,” so die Trainerin weiter.

Femke Maes

Femke Maes zog gleich mehrere Spielerinnen auf sich. Die belgische Kapitänin war kaum zu bändigen und trieb ihre Mannschaft immer wieder an. Hier bewacht von Louise Fors, Therese Sjorgran und Anna Paulson

Fazit:

Potential ist in Belgien vorhanden und könnte bestimmt auch ausgebaut werden. Doch ist Belgiens Verband nicht in der Lage den Frauenfußball so zu fördern, wie er es eigentlich verdient hätte. So wurde für die Qualifikationsrunde das Angebot eines TV Senders für Live-Übertragungen aller vier Heimspiele abgelehnt (wäre eine Premiere in Belgien gewesen!!!), weil sich der Verband außer Standes, sah die Produktionskosten von lediglich 35.000,00€ zu investieren. Wenn man nicht ganz den Anschluss verpassen will, muss ein Umdenken erfolgen, wie es Belgiens Kapitänin Femke Maes und ihre Mitstreiterinnen schon lange fordern.

Plakat

Der belgische Fußballverband hat noch großen Nachholbedarf, was die Förderung des Frauenfußballs angeht!


Belgien:
Broos – Van De Goor, Coutereels (23. Mannaert), Jaques, Vandeputte, Verbruggen, Callebaut, Maes, De Rammelaere (76. Elsen), De Cock, Zeler

Schweden:
Lindahl – Sembrant, Segerström, Paulson, Seger, Thunebro, Schelin, Landström (87. Nilsson), Fors (79. Lindén), Sjögran, Larsson (69. Dahlkvist)

Tore:
0:1 Seger (23.)
0:2 Seger (65.)
0:3 Landström (67.)
1:3 Maes (71.)
1:4 Lindén (86.)

Gelbe Karte: Mannaert

Schiedsrichterin: Efthalia Mitsi (GRE)
mit Urania Foskolou (GRE) und Chrysoula Kourompylia (GRE)

Zuschauer: 1.800


Weitere Fußballbilder von Katrin Müller:
www.kapixblog.net


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