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Das Frauenfußball-Magazin



Frauenfußball international

Die Vereinigten Arabischen Emirate, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Ein Blick hinter die Kulissen eines Landes, in dem fast alles möglich erscheint

Reportage und Interview von Marion Kehren

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08.05.2009   Frauenfußball ist innerhalb unserer Gesellschaft und der Welt des Sports enorm populär geworden. Gepuscht u.a. durch FIFA und UEFA, erlebt der Frauenfußball einen unheimlichen Boom auch in den sogenannten „Entwicklungsländern”. So findet man z.B. in der aktuellen FIFA-Weltrangliste unter den Top 150 widererwartend u.a. den Iran, Ägypten, Jordanien, Bahrain und den Libanon. Da stellt sich doch die Frage, wie es eigentlich um die Vereinigten Arabischen Emirates (VAE) bestellt ist, dem Land, das mit unbegrenzten Möglichkeiten wirbt, wo Tradition und Moderne aufeinander treffen.

Auf der Suche nach dem Frauenfußball in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde mir schnell bewusst, dass in diesem Land noch keine offizielle Nationalmannschaft existiert. Stattdessen stolperte ich über zwei Fußballvereinigungen: Den ersten offiziellen Frauenfußballclub „Abu Dhabi Health and Fitness Club Womens´s Soccer Team (ADHFC) in Abu Dhabi und auf eine Art Frauenfußball-Vereinigung, die sogenannte „DWFA - Dubai Women´s Football Association”. Beide Strukturen könnten unterschiedlicher nicht sein. Dennoch verfolgen beide Vereinigungen nur ein Ziel: Die Förderung und Realisierung des Frauenfußballs in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Burj Al Arab

Das Wahrzeichen Dubais bei Nacht, der Burj Al Arab

Bild: Marion Kehren

Der DWFA (gegründet 2004) setzt sich größtenteils als Schülerinnen, Studentinnen und berufstätigen Frauen zusammen. Zurzeit besteht die Vereinigung hauptsächlich aus 17 Teams aufgeteilt in zwei Ligen mit etwa 12 Spielerinnen pro Team, Tendenz steigend. Gespielt wird in Teams mit jeweils 7 Spielerinnen auf einem Kleinspielfeld. Pro Jahr werden zwei Meisterschaften (Frühjahr und Winter, Dauer 3 Monate) ausgetragen. Die Finanzierung der Liga (Bezahlung der Trainer, Ausrüstung, Miete, Pacht usw.) geschieht überwiegend durch Privatinvestoren und aus Mitgliedsbeiträgen. Die Liga erhält keine öffentlichen Fördermittel und ist daher auf Sponsoren angewiesen, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

Hingegen hat es der erste offizielle Frauen-Fußball-Club in Abu Dhabi wesentlich einfacher. Vor vier Jahren noch belächelt und amateurhaft geführt, wird dieser nun größtenteils vom Abu Dhabi Health and Fitness Club finanziert und vom „Sportministerium” des Emirates Abu Dhabi unterstützt. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut den Frauenfußball nach vorne zu treiben; denn langfristiges Ziel ist es ein Emiratisches Frauen-Nationalteam zu gründen!

arabischer Gewürzmarkt

Ein traditioneller arabischer Gewürzmarkt

Bild: Marion Kehren

So wurde u.a. Connie Selby als hauptamtliche Trainerin und Organisatorin eingestellt. Zuvor war sie bereits viele Jahre für den ozeanischen Fußballverband und als FIFA Referentin tätig. Das Interesse und der Andrang in Abu Dhabi sind groß, doch leider gibt es keine eigene Liga. So machte Abu Dhabi letztes Jahr aus der Not eine Tugend und rief die „Erste arabische Frauen-Fußball-Meisterschaft” (ausgetragen auf einem Kleinspielfeld, 7 gegen 7) ins Leben, an dem sich mehrere arabische Fußball Clubs aus Jordanien, Ägypten, Oman, Libanon mit großem Erfolg beteiligten.

Burj Al Arab

Blick vom Madinat Jumeirah auf den Burj Al Arab

Bild: Marion Kehren

Sheikh Zayed Road

Die legendäre Sheikh Zayed Road, Verbindungsstrasse zischen Dubai und Abu Dhabi

Bild: Marion Kehren


Kamelrennen

Sportart Nr. 1 in arabischen Ländern ist Kamelrennen. Doch auch im Frauenfußball geht es langsam vorwärts!

Bild: Marion Kehren

Durch die Gespräche mit Lisa Buschek (Österreicherin, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei DWFA), Kat Lukovic (Serbin, Präsidentin des Komitees DWFA) und Connie Selby (Australierin, hauptamtliche Trainerin und Organisatorin sowie FIFA Referentin) bei ADHFC, wurde mir die Gelegenheit geboten mich ausführlicher mit der Thematik Frauenfußball in den Emiraten auseinander zusetzen. Alle Parteien waren gerne bereit mir nähere Informationen über ihre Organisationen zu vermitteln.

In wieweit werden die Vorgaben der FIFA bei der Durchführung von Fußballspielen umgesetzt?

Connie: Zurzeit besitzt der Club nur ein Kleinspielfeld sodass wir lediglich 7 gegen 7 spielen können sowie ein großes Clubhaus mit einer Turn- und Gymnastikhalle. Der Club ist aber gerade dabei ein normales, den offiziellen FIFA-Richtlinien vorgeschriebenes Feld zu bauen, sodass wir in der Zukunft in der Lage sind 11 gegen 11 zu spielen. So haben wir in Zukunft die Möglichkeit unsere Spiele selber zu organisieren.

Lisa/ Kat: Im Prinzip spielen wir konform zu den Regeln der FIFA, bis auf zwei Ausnahmen. Zum einen ist unser Spielfeld lediglich 70m lang und zum anderen lassen wir die Abseitsregel außer Acht. Die Spieldauer beträgt 2 x 25 Minuten mit einer Unterbrechung von 5 Minuten.

Team „Dubai Thursday”

Meister der 1. Division, November 2008 - Team "Dubai Thursday"

Bild: DWFA

Wo liegt der größte Unterschied zwischen diesen beiden Vereinigungen?

Connie: Als ich vor einem Jahr eingestellt wurde war die Prämisse eindeutig. Die Förderung und Integration des Frauenfußballs nach dem Vorbild des Männerfußballes. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden, es geht jetzt um die Umsetzung, was sich allerdings als recht schwierig erweist. Männerfußball hat einen wesentlich höheren Stellenwert in den muslimischen Ländern, aber der Abu Dhabi Sportsrat unterstützt uns in jeglicher Hinsicht. Aufgrund der hohen Temperaturen während der Sommermonate Juni/ Juli werden die Mannschaften ein 4-wöchiges Trainingslager in Europa erhalten. Dort haben sie die Chance mit 11 zu 11 Spielerinnen gegen Mannschaften zu spielen. Unsere Spielerinnen können von diesen Erfahrungen nur profitieren. Letztes Jahr hatten wir unser Trainingslager in der Schweiz, es war ein tolles Erlebnis.

Lisa/ Kat: Der DWFA wird zum größten Teil von Sponsoren, Universitäten und Schulen getragen. Deshalb tragen unsere Teams auch die Namen unserer Sponsoren. Wir sind ein gemeinnütziger Verein mit einem Vorstand und Verwaltungsrat und falls Entscheidungen getroffen werden müssen, muss dies vorher abgesprochen werden.

Team „The Dubai Heat Ladies FC”

Meister der 2. Division, November 2008 - Team "The Dubai Heat Ladies FC"

Bild: DWFA

Wie setzt sich die Mannschaft zusammen?

Connie: Die Mannschaft ist bunt gemischt, es sind mehrere Nationen vertreten. Aber der Anteil an arabischen Spielerinnen ist schon deutlich gewachsen. Ich würde einmal sagen dass wir ca. 60% nicht-arabische, 30% arabische und 10% einheimische Spielerinnen haben, Tendenz steigend. Seit einiger Zeit stehen mir zwei einheimische Trainerassistentinnen zur Seite, die ihre Lehrgänge bei der FIFA absolviert haben. Aktuell trainieren sie die Mädchenmannschaften von 9 - 14 Jahren.

Lisa/ Kat: Die Mannschaften bestehen zu 97% aus ausländischen Spielerinnen rund um den Globus z.B. aus Europa, Amerika, Afrika, Australien usw., lediglich ca. 3% sind arabische bzw. einheimische Spielerinnen.



Dubai bei Nacht

Dubai bei Nacht

Bild: Marion Kehren

Karte


Wie sieht euer Spiel- und Trainingsalltag aus?

Connie: In der Regel trainiert die Mannschaft Regel 5x in der Woche und den Spielerinnen gefällt es. Wir haben das Problem, dass wir im eigenen Land keine andere Mannschaft haben gegen die wir spielen können. Aus diesem Grunde versuchen wir Teams aus den Nachbarländern einzuladen und gegen sie zu spielen. Im Mai z.B. soll ein Team aus dem Libanon für zwei Spiele nach Abu Dhabi reisen. Gleichzeitig werden wir diesen Event dazu nutzen einwenig Werbung für unsere U14 Mädchen zu betreiben, sie werden gegen eine andere Schulmannschaft antreten.

Lisa/ Kat: Training findet einmal in der Woche samstags statt, die Ligaspiele sind meist dienstags oder mittwochs. Es bedarf sehr viel Koordination, da beide Ligen hintereinander spielen und alle Spiele auf nur einem Spielfeld ausgetragen werden müssen. Die Zuschauerzahlen liegen meist konstant bei 50 Personen/ pro Spieltag, wobei das Publikum gemischt männlich/ weiblich ist.

Team „DHL FC”

Vizemeister der 1. Division, November 2008 - Team "DHL FC"

Bild: DWFA

Ist es irgendwann einmal geplant, dass die Teams von Dubai einmal gegen Abu Dhabi spielen werden?

-> Am Anfang meiner Recherche waren sich beide Parteien einig, dass gemeinsame Fußballspiele, aufgrund der unterschiedlichen Strukturen, niemals möglich wären. Ende April erhielt ich dann folgende überraschende Aussagen:

Connie: Wir haben einige Gespräch mit Dubai geführt und hoffen, dass wir jede zweite Woche einmal ein Freundschaftsspiel 11 gegen 11 austragen können. Vielleicht ist das der Anfang des Frauenfußballs in einem „normalen” Rahmen und wir können in naher Zukunft in eine Art Konkurrenz starten?

Lisa/ Kat: Seit kurzer Zeit tragen wir Freundschaftsspiele aus, sie finden abwechselnd in Dubai und in Abu Dhabi statt.

2014 ist geplant die U17 WM der Junorinnen in die Emirate zu vergeben, gibt es eine Jugendförderung?

Connie: Wir haben dieses Jahr verstärkt damit angefangen die Schulen zu kontaktieren und kleine Werbemaßnahme durchzuführen, um die Mädchen zwischen 9 - 14 Jahren auf den Mädchenfußball aufmerksam zu machen. Ende März haben wir ein kleines Mädchenturnier veranstaltet, an dem sich bereits sechs Schulen beteiligt haben, die Eltern waren völlig begeistert von dieser Idee. Allerdings müssen wir extrem vorsichtig agieren, da wir nicht vergessen dürfen, dass wir uns in einem muslimisch geführten Land bewegen und Tradition und Religion eine große Rolle spielen.

Lisa/ Kat: Ja, und es werden langsam mehr, da auch die Schulen vermehrt Interesse an diesem Sport entwickeln. Bereits jetzt haben wir mehrere Schulteams in unserer Liga, die jüngsten Spielerinnen sind 14 Jahre alt. Die U17 Weltmeisterschaft ist für uns sehr wichtig, vielleicht finden wir auch neue Sponsoren zwecks weiterer Förderung.

Team „Charlie Parrots Arabian Leopards”

Vizemeister der 2. Division, November 2008 - Team "Charlie Parrots Arabian Leopards"

Bild: DWFA

Die Emirate haben noch viel Arbeit im Bezug auf den Frauenfußball vor sich, dennoch sind sie schon weiter als manch anderes arabisches Land. An Beispielen wie Bahrain und Jordanien werden sich die Emirate in der Zukunft messen müssen und das langfristige Ziel ist bereits konkret benannt: Die Gründung einer Frauen-Nationalmannschaft!

Sehr hilfreich wäre es dabei natürlich, wenn die U17 WM tatsächlich in den Emiraten ausgetragen würde, aber bis dahin ist noch viel Zeit, Zeit um den Grundaufbau weiter voran zu treiben. Ebenfalls wird die FIFA den Frauenfußball in den arabischen Ländern weiter fördern und hat dieses Jahr bereits einen großen Punktsieg erlangt! Im Rahmen des FIFA- Entwicklungsprogramms fand im April 2009 ein Workshop in Jordanien statt an dem sich erstmals alle 16 Golf-Mitgliedsstaaten beteiligt haben. Themen u.a. waren sowohl Trainer- und Schiedsrichterlehrgänge, sowie die Gründung einer Spielerinnenplattform. Die Popularität des Frauenfußballs wird weiter dazu genutzt die Infrastruktur in den jeweiligen Ländern zu stärken. „Es wird aber trotz aller Bemühungen die soziale, kulturelle, politische und religiöse Sicht niemals aus den Augen verloren”, so Connie Selby weiter und ist glücklich über diesen gelungenen Event.

Weitere Informationen unter:

www.dubaiwfa.com

www.fifa.com


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