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Schweden

Damallsvenskan startet gleich mit Topspiel

Vorbericht zur Damallsvenskan-Saison 2006

Von Katja Öhlschläger

16.04.2006
Während sich für die deutschen Mannschaften die drei Wettbewerbe dem Ende zuneigen, beginnt am morgigen Ostermontag in Schweden erst die neue Saison der Damallsvenskan. Die klimatischen Bedingungen machen einen früheren Beginn unmöglich, und selbst jetzt Mitte April müssen zwei von sechs Spielen - Linköpings FC gegen Hammerby IF und Mallbackens IF gegen QBIK - des ersten Spieltags auf den darauf folgenden Montag verschoben werden. Stattfinden wird jedoch das erste Highlight der Saison, das Topspiel zwischen dem amtierenden Meister Umeå IK und dem Vizemeister Malmö FF.

Gewiss wird in diesem Spiel nicht die Meisterschaft entschieden werden, aber ohne Zweifel stellt diese Partie eine Standortbestimmung dar. Ebenso der zweite und dritte Spieltag, denn nach dem 3. Spieltag werden die ersten Drei der letzten Saison ihre direkten Duelle bereits hinter sich haben. Blickt man auf die Aufgebote der Teams, erscheint vor allem die Begegnung zwischen Djurgården/Älvsjö und Umeå IK am 3. Spieltag entscheidend.

Denise Reddy, Victoria Svensson

Victoria Svensson (l.) von Djurgården/Älvsjö im Zweikampf mit der US-Amerikanerin Denise Reddy, die in der letzten Saison für Malmö FF auflief.

Foto: Erik Muskus

Für Malmö dürfte es nach den Abgängen von Malin Andersson (Karriereende, ist mittlerweile Co-Trainerin von Marika Domanski-Lyfors bei der schwedischen U21), Formiga und Denise Reddy (zurück in die USA) schwer werden, da diesem personellen Aderlass keine nennenswerten Zugänge gegenüberstehen. Die Erklärung ist so simpel wie brisant - dem Vizemeister waren die Hände gebunden, da über Malmö - ebenso über Sunnanå SK - das Damoklesschwert des Zwangsabstiegs schwebt. Beide Vereine konnten die finanziellen Anforderungen des schwedischen Verbands nicht erfüllen und müssen nun bis zum 31. August in die schwarzen Zahlen kommen. Kein leichtes Unterfangen bei rund 500.000 SEK (ca. 53.000 Euro) Schulden Malmös und 800.000 SEK bei Sunnanå. Gelingt dies nicht, folgt unausweichlich der Zwangsabtieg - das gleiche Schicksal, das vor zwei Monaten den norwegischen Verein Asker FK ereilte.

Ein Schicksal, von dem zumindest vorübergehend der amtierende Meister aus Umeå profitieren könnte. Norwegens Nationalspielerin Lise Klaveness kann sich aufgrund ihrer Nationalmannschaftskarriere ein Jahr in Norwegens zweithöchster Spielklasse nicht leisten und entschied sich daher für einen Wechsel nach Schweden. Außer Umeå hatten auch Malmö FF, KIF Örebro, QBIK, Jitex BK und Kopparbergs/Göteborg FC Interesse an der Offensivkraft, doch Klaveness entschied sich für den schwedischen Topclub, mit dem sie im UEFA-Cup auch auf Vereinsebene international dabei sein kann. Sollte Asker allerdings der sofortige Wiederaufstieg gelingen, kündigte die Norwegerin bereits an, Umeå nur als Übergangsstation zu betrachten.

Außer diesem Neuzugang blieb Umeå's Mannschaft zu weiten Teilen zusammen, lediglich Maria Nordbrandt wechselte zu Sunnanå SK und Frida Östberg zu Linköpings FC. Auch ohne Hanna Ljungberg, die noch an den Nachwirkungen des Zusammenpralls mit Frankreichs Keeperin Sarah Bouhaddi beim Algarve-Cup leidet und bisher nur leicht trainieren konnte, aber mit Marta, Malin Moström, Anna Sjöstrom, Sanna Valkonen und Anne Mäkinen (absolvierte an der Algarve ihr 100. Länderspiel für Finnland), dürfte UIK die Favoritenstellung gegen Malmö zukommen, wenngleich Malmö in der letzten Woche frohe Kunde aus Island erreichte. So konnte mit dem Verein von Asthildur Helgadottir, Bredablikk, eine Abmachung getroffen werden, nach der "Asta" zumindest in den ersten drei Spielen - also in Umeå und gegen DIF - zum Einsatz kommen kann - über mehr wird noch verhandelt. Ebenfalls aus Island kam Dóra Stefánsdóttir von Valur Reykjavik, eine 20-jährige isländische Nationalspielerin (16 Länderspiele). Erfolglos endete allerdings das Werben um die englische Nationalspielerin Rachel Unitt, die sich im entscheidenden Jahr der WM-Qualifikation ganz auf die Nationalmannschaft konzentrieren will und deshalb beim FC Everton blieb.

Fans Umeå IK

Durften im letzten Jahr den Meistertitel bejubeln: Fans von Umeå IK.

Foto: Kalle Prorok

Ausgetragen wird dieses Topspiel auf Umeå's Heimplatz Gamliavallen, dem vor wenigen Wochen die Konformität mit den FIFA-Regularien abgesprochen wurde. Die Heimspiele im UEFA-Cup darf UIK daher dort nicht austragen, was den Verein nach Schätzungen des Managements bis zu 1,5 Mio. SEK kosten kann. Nach derzeitigem Stand deutet jedoch alles darauf hin, dass zumindest der schwedische Verband den


Maja Åström, Lotta Schelin

Maja Åström hechtet in dieser Saison für Bälinge IF nach den Bällen. Rechts Lotta Schelin von Kopparbergs/Göteborg.

Foto: Erik Muskus

Platz für die Heimspiele in der Liga tolerieren wird.

Als heißester Titelanwärter neben UIK muss wie immer Djurgården/Älvsjö genannt werden, mit Abstrichen vermutlich auch Linköpings FC, die die letzte Saison als Vierter abschlossen. Die Stockholmerinnen, die diesmal nicht im UEFA-Cup vertreten sind, können sich ganz auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren und haben für die möglichst rasche Rückkehr in den europäischen Vereinswettbewerb mächtig aufgerüstet. Mit Dänemarks Spielführerin Kathrine S. Pedersen (Flöya), Norwegens Top-Torhüterin Bente Nordby und der dänischen Nationalspielerin Dorte Dalum Jensen (beide von Asker FK) kamen gleich drei Spitzenkräfte zum Pokalsieger. Nordby ersetzt Maja Åström (zu Aufsteiger Bälinge IF), die DIF ebenso wie Sara Johansson (zu Hammarby) und Helen Fagerström (Karriereende) den Rücken kehrte. Auf die Mithilfe von Dalum Jensen wird Djurgården allerdings noch bis Mitte Juni warten müssen, da sich die Dänin einen Achillessehnenriss zuzog. Auch die schwedische Abwehrspezialistin Jane Törnqvist hat ihre Knieverletzung noch nicht vollständig überwunden und wird wahrscheinlich beim Auftaktmatch gegen Sunnanå SK fehlen.

Auch der Name Linköpings FC fällt nicht selten, wenn über die Meisterschaftsaspiranten spekuliert wird. Zu Nationaltorfrau Hedvig Lindahl, Sara Larsson, Finnlands "10er" Anna-Kaisa Rantanen, Caroline Seger und der von Kopparbergs/Göteborg umworbenen Josefine Öqvist gesellte sich nun noch Frida Östberg von UIK. Eine schlagkräftige Truppe mit einer gesunden Mischung aus Erfahrenen und Nachwuchstalenten - hervorzuheben Maria Aronsson - also, die sich anschickt, den arrivierten Clubs das Leben schwer zu machen. Das Startprogramm - gegen Hammarby, Jitex und Bälinge - sollte ohnen da durchaus gelegen kommen, wenn man eine gute Tabellenposition als psychologischen Vorteil betrachtet.

Johanna Almgren

Göteborgs Nationalspielerin Johanna Almgren.

Foto: Volker Lieberum

Nach diesen vier Vereinen scheint ein kleiner Abstand zu den folgenden Mannschaften erkennbar. Nicht mehr lange allerdings, wenn es nach Peter Bronsman, Präsident von Kopparbergs/Göteborg geht. Nach seinen Plänen soll sein Team schon bald zu den "weltbesten Clubs" zählen. Während die Finnin Heidi Kackur den Verein verließ und ihre Karriere beendete, gesellt sich mit Salina Olsson (von Hammarby) eine weitere Nationalspielerin zu Lotta Schelin, Jessica Julin und Johanna Almgren dazu. Der Mannschaft ist damit durchaus ein Platz im oberen Teil der Tabelle zuzutrauen.

Camilla Halonen

Camilla Halonen hütet das Tor von Hammarby IF DFF.

Foto: Erik Muskus

Ähnlich dürften Sunnanå SK und KIF Örebro einzuschätzen sein. Sunnanå musste sich wie Malmö aufgrund der Finanzprobleme auf dem Transfermarkt zurückhalten und verlor Bianca Rech an den FC Bayern München sowie die US-Amerikanerin Tiffeny Milbrett, die zu den Vancouver Whitecaps wechselte. Zu den Aushängeschildern Rebecca Smith und Hanna Marklund, Schwedens Fußballerin des Jahres 2005, kam mit Emma Nordbrandt lediglich ein namhafter Neuzugang hinzu. KIF Örebro erweist sich weiter als USA-Filiale, nachdem im letzten Jahr Kate Markgraf und Kristine Lilly für die Mannschaft von Pia Sundhage aufgelaufen waren. Lilly war es nun auch, die maßgeblich die Verpflichtungen von Stürmerin Kelly Schmedes und Abwehrspielerin Keeley Dowling von den Charlotte Lady Eagles aus der W-League in die Wege geleitet hat. Aus Hammarby stieß Mittelfeldspielerin Hodan Siid-Ahmed zum Team, das mit Spielen gegen die beiden Aufsteiger Jitex und Bälinge ein lösbares Auftaktprogramm erwartet.

Schwerer einzuschätzen sind Mallbackens IF, Hammarby IF und QBIK, die im letzten Jahr in der unteren Tabellenhälfte landeten. Sowohl Mallbacken, die sich lediglich mit Kathlene Fernström von QBIK namhaft verstärkten, als auch Hammarby mit seiner jungen Mannschaft, geben dem nahezu identischen Team das Vertrauen.


QBIK hingegen, das im letzten Jahr bis zuletzt um den Klassenerhalt kämpfen musste, kann sehr optimistisch in die neue Runde gehen. Jennifer Meier konnte gehalten werden, zu Maureen Mmadu und Faith Ikidi kam mit der 30-jährigen Jinka Kudaisi - Spielführerin der Nationalmannschaft - die dritte Nigerianerin hinzu. Und nicht zuletzt wird die Weltklassestürmerin Anja Mittag ab Juli zu QBIK stoße und die Truppe bis zum Saisonende tatkräftig unterstützen.

Formiga, Therese Sjögran, Marta

Malmö verlor seine Brasilianerin Formiga (l.), Marta zaubert weiter in Umeå. Links Therese Sjögran.

Foto: Kalle Prorok

Allein QBIK hat damit fünf ausländische Spielerinnen in seinen Reihen, nur Umeå (6) hat mehr. Insgesamt sind in dieser Saison 29 ausländische Spielerinnen in der Damallsvenskan aktiv. Nach Meinung von Umeå's Manager André Jeglertz kein Problem:"Das ist gut für den schwedischen Frauenfußball. Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht zu viele ausländische Spielerinnen von durchschnittlichem Format holen."

Frida Östberg, Sonja Fuss

Frida Östberg (l., hier gegen Sonja Fuss) wechselte von Umeå IK zu Linköping FC.

Foto: Nora Kruse

Potenzielle Abstiegskandidaten sind natürlich immer erstmal die Aufsteiger - in diesem Jahr also Jitex BK und Bälinge IF. Jitex, das in den 80er Jahren mit Pia Sundhage 6mal Meister war, war 1997 abgestiegen und hat nun nach Kapriolen um die Jahrtausendwende endlich wieder den Einzug ins Oberhaus geschafft. Die meisten Spielerinnen holte man sich vom Ortsrivalen Kopparbergs/Göteborg, dazu Emma Herbring, die in Örebro Stammspielerin war. Namhafte Verstärkungen blieben aus, nachdem sich im Ringen um die Isländerin Stefánsdóttir Malmö FF durchsetzen konnte.

Anders Bälinge, die mehrere Neuverpflichtungen vermelden konnten. Aus Stockholm kam Torfrau Maja Åström, vom finnischen Pokalsieger FC United die finnische Nationalspielerin Minna Mustonen - spielte in der WUSA für New York Power - und Heidi Matinlassi sowie Emma Lindquist von Umeå IK. Mit Juliane Sitch, Fanta Cooper und Kacey White stehen drei US-Amerikanerinnen im Team. Die 22-jährige White, die acht Länderspiele für die U-21 der USA absolviert hat und den Sprung ins A-Team im Visier hat, kam unter der Bedingung, bei Länderspielen freigestellt zu werden. Gegen Göteborg, Örebro und Linköping wird die Mannschaft gleich von Beginn an gefordert werden.

Kurz vor Beginn der Saison beschäftigte die Liga die Ausgestaltung der TV-Verträge und die Aufteilung der Gelder unter den Vereinen. Letztendlich wurde ein Fünfjahresvertrag für die Übertragungsrechte an der Damallsvenskan abgeschlossen, der pro Jahr 10 Mio. SEK (rund 1,062 Mio. Euro) in die Kassen spült. Zum Vergleich - die zweite schwedische Männer-Liga erhält den dreifachen Betrag. Nachdem die Top-Clubs einen höheren Anteil für sich gefordert hatten, einigte man sich auf 600.000 SEK (ca. 64.000 Euro) pro Verein und Boni von 400.000 SEK für den Club mit der besten Zuschauerzahl und ein mögliches Double.

Wo ihr aktuelle Infos rund um den schwedischen FF bekommt, könnt ihr unserer Linkliste entnehmen. Auch hier bei FanSoccer werdet ihr natürlich wieder ausführlich informiert werden.

Frida Östberg, Sonja Fuss

Marie Hammarström von KIF Örebro (vorne) gegen die Stockholmerin Sara Thunebro.

Foto: Eris Muskus

Vorabinterview mit Therese Lundin (Malmö FF): Diese Saison wird sehr hart werden

Spielplan der Damallsvenskan: www.svenskfotboll.se

Überblick über die letzte Saison: Saison 2005

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