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Zweite Bundesliga Nord

Heimlich in die Zweite Liga gespielt

Herfords Trainer Björn Kenter im Gespräch

von Nora Kruse

10.10.2006

Wenn man sich die Aufholjagd Herfords in der Rückrunde der vergangenen Saison anschaut, war der Aufstieg überhaupt geplant?
Nein, damit konnte man gar nicht mehr rechnen. Duisburg hatte Ende März acht Punkte Vorsprung, die sie noch verspielt haben – sozusagen auf der Zielgeraden von uns eingefangen.
Wir hatten vor dem Saisonbeginn das Ziel, ganz oben mitzuspielen. Im Vorjahr hatten wir einen vierten Platz belegt und ich wusste, die Mannschaft war noch stärker geworden. Nur hatten wir den Aufstieg in der Hinrunde eigentlich versemmelt: zwei-, dreimal verloren und schlecht gespielt. Unser Ziel war nur noch, die Gegner zu schlagen, gegen die wir die Punkte gelassen hatten. Was uns eben auch gelang.

Wie gut konnte man sich bei so einem „plötzlichen“ Aufstieg überhaupt auf die neue Liga vorbereiten, sportlich und organisatorisch?
Wir haben auch einen Standortvorteil mit diesem Stadion im Rücken und damit wirklich gute Trainingsbedingungen im Vergleich zu manch anderen Mannschaften, die hier im Kreis spielen.
Was die Organisation angeht, wurden natürlich die DFB-Richtlinien angeschaut: was mussten wir machen und wie setzen wir es um. Wobei bei uns natürlich die Schwierigkeit hinzukommt, dass wir ein reiner Frauenfußballverein sind, bei einem Heimspiel muss fast der ganze Verein zupacken.

Auch wenn Herford vor der ersten Saison in der neuen Liga steht, ist der Spielbetrieb der Zweiten Liga ja schon im dritten Jahr. Stimmt das System, war die Einführung ein Fortschritt?
Ich denke schon, denn sportlich ist es ein Gewinn. Wichtig ist, dass es zwei Staffeln gibt, ansonsten wäre es nicht zu finanzieren. Bei uns ist allerdings noch der Unterschied, dass wir auch in der Regionalliga recht weite Fahrten bis nach Aachen oder Düsseldorf hatten. Mit Ausnahme von fünf sehr weiten Fahrten in dieser Saison ist der Aufwand dort nicht wesentlich höher geworden.

Heinz Siebolds, Trainer aus Kiel, erklärte, dass in der Zweiten Bundesliga die Aufwendungen jeglicher Art höher seien. Nicht nur vom Geld, sondern auch von Organisation und Training. Wie viel Mehraufwand ist es konkret?
In erster Linie ist es im organisatorischen Bereich erheblich mehr Aufwand. Bei fünf Auswärtsfahrten werden wir übernachten müssen. Das muss geplant werden, genau wie alles im Umfeld des Spieltages.
Im Finanziellen Bereich bekommen unsere Spielerinnen ihre Fahrtkosten ersetzt, mehr ist bei uns leider nicht möglich. Der Trainingsaufwand ist dagegen der gleiche. Wir trainieren weiterhin dreimal die Woche.

Herford ist natürlich ein recht kleiner Verein und hat mit Gütersloh einen starken Verein vor der Haustür. Wie sieht die Konkurrenzsituation aus?
Eine Konkurrenzsituation ist natürlich vorhanden, aber Gütersloh ist ein Verein, mit dem wir uns eigentlich gar nicht messen können. Da ist auch durch die Männerabteilung eine ganz andere Finanzkraft, die dahinter steckt. Unter diesem Gesichtspunkt können wir eigentlich nur versuchen, uns auf eine Co-Existenz zu einigen. Wir haben es im Mädchenbereich sicherlich geschafft, den Abstand auf Gütersloh ein bisschen zu verkürzen – die Mädchen haben ihr Spiel 4:1 gegen Gütersloh gewonnen. Das wäre vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen.
Wir können die Spielerinnen mit einer familiären Atmosphäre nach


Herford locken und versuchen, den Abstand auf Gütersloh zu verkürzen. Ganz einholen werden wir sie mittelfristig sicherlich nicht können.

Der Blick von Björn Kenter geht nach vorne - die Voraussetzungen in Herford stimmen...

Foto: Nora Kruse

Gütersloh hat nicht nur andere finanzielle Mittel, sondern ist auch etabliert in der Zweiten Liga. Was kann man, neben der familiären Atmosphäre noch in die Waagschale werfen, um Spielerinnen zu locken?
Die Spielerinnen fühlen sich hier wohl, auch die neuen sind super integriert. Die Mannschaft ist über Jahre gewachsen und hat auch meiner Ansicht nach die richtige Struktur: es sind nicht nur junge Leute, sondern mit Kerstin Nolte oder Diana Meier auch ein paar erfahrene Spielerinnen. Ich glaube, das kann dann schon einige Spielerinnen auch zu uns locken. Gütersloh hat den Aufstieg zum Ziel, wir den Klassenerhalt – alles andere wäre utopisch. Und somit ist die Atmosphäre und das Umfeld das einzige, mit dem wir locken können.
Die andere Möglichkeit ist, die Spielerinnen frühzeitig zu sichten und zu uns zu holen. Die meisten, die hier im Mädchenbereich spielen, fühlen sich auch so wohl, da wollen sie nicht mehr weg...

Marie Pollmann

Mit großen Schritten nach vorne: Marie Pollmann (r.) gehört zu den vielen jungen Talenten im Herforder Kader und ist seit diesem Jahr auch im erweiterten Kader der U19.

Foto: Nora Kruse

Ist ein regionales Problem vorhanden? Höherklassig spielen in Ostwestfalen nur Gütersloh und neuerdings Herford...
Ja, es ist natürlich nicht wie im Ruhrpott, wo mit Essen, Wattenscheid und Duisburg gleich mehrere Vereine zusammen sitzen. Das ist zum einen ein Vorteil, aber auch ein Nachteil: man kann sich wirklich nur auf die Spielerinnen hier in der Region konzentrieren. Selbst Paderborn ist schon ein Stückchen weg, auch wenn bei uns zwei Mädchen aus Borchen spielen und mit Marie Pollmann eine aus Uppsprunge. Aber Spielerinnen von noch weiter her zu verpflichten, ist für uns einfach nicht möglich.

Da spielt natürlich auch ein Rolle, ob man seinen Spielerinnen einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz bieten kann.
Ja. Wir bemühen uns natürlich, solche Sachen möglich zu machen, aber zur Zeit können wir das einfach noch nicht bieten. Wir hoffen, dass das in der Zukunft mal anders wird, denn es ist auch unser Ziel, uns in diese Richtung weiterzuentwickeln. Das sind aber alles Dinge, die sich längerfristig entwickeln müssen, zunächst geht es aus meiner Sicht natürlich nur um den Klassenerhalt.


Um das zu schaffen, ist auch die Sponsorenfrage entscheidend. Hat man als Frauenfußball-Zweitligist in einer Stadt, in der es wenig höherklassigen Fußball gibt, eine Art Bonus, ist man interessanter?
Es ist besser geworden, wobei man es sich natürlich auch noch erarbeiten muss. Gleichzeitig haben wir ein ganz anderes Konzept als im Männerfußball: wir wollen uns mit jungen Spielerinnen aus der Region ohne großen finanziellen Aufwand entwickeln. Und dabei mag es auch den ein oder anderen Sponsor geben, der dieses Konzept unterstützt und gerade bereit ist, etwas in diese Richtung zu unternehmen. Die Situation hat sich für uns verbessert, wir mussten natürlich auch aktiver werden, weil die finanziellen Aufwendungen vergrößert haben. Ich denke, dass wir da auf einem ganz guten Weg sind, wobei man dennoch häufiger merkt, dass der Frauenfußball noch nicht so etabliert ist, wie der Männerfußball.

Herford ist ein reiner Frauenfußballverein. Dennoch zeigen aktuelle Fälle, wie Brauweiler, dass selbst bei diesen Strukturen nicht gesagt ist, dass die Mannschaften die volle Unterstützung haben. Wie sieht es hier aus?
Klar könnte man immer noch den ein oder anderen Helfer mehr gebrauchen. Aber der Vorteil ist, dass wir ein recht kleiner Verein sind, die erste Mannschaft steht im Mittelpunkt, es ziehen hier einfach alle an einem Strang.

Wenn alle an einem Strang ziehen und das Umfeld stimmt: wohin geht es mit Herford? Kurzfristig der Klassenerhalt, was kommt danach?
Zunächst natürlich ganz klar der Klassenerhalt, das wird schwer genug. Letztes Jahr gab es Spiele, die wir mit 70 Prozent Einsatz 5:1 gewonnen haben, das wird es dieses Jahr nicht geben. Es gibt keine leichten Gegner mehr. Selbst gegen eine Mannschaft, wie Timmel, die von vielen Experten als Abstiegskandidat Nummer eins betitelt wird, taten wir uns unheimlich schwer. Das wird eine ganz enge Kiste, bei der es auch noch Rückschläge geben wird.
Wenn wir dann ein oder zwei Jahre in der Zweiten Liga sind, kann man über weitere Ziele nachdenken. Der dritte Schritt kommt natürlich nicht vorm zweiten. Unser Ziel ist es auch, den Frauenfußball hier langfristig zu etablieren. Wir sind auf einem guten Weg, es dauert aber auch.
Und das fängt natürlich auch bei den Medien an, die hier im Kreis noch immer stärker über die Landesliga der Herren, als über unsere Mannschaft berichten. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Leute hier im Kreis noch gar nicht mitbekommen haben, dass es bei uns Zweitligafußball gibt.

Sieben Punkte aus vier Spielen sind für Björn Kenter mehr als erwartet, gegen Rückschläge ist er dennoch gewappnet.

Foto: Nora Kruse

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