Von Nora Kruse
20.02.2008
Zwölf Spiele, eine Erkenntnis: Die Zeiten der Überflieger und des Kanonenfutters in der Zweiten Bundesliga Nord sind vorbei, in diesem Jahr ist
Spannung angesagt. Das nicht nur im Abstiegskampf, vor allem das Rennen um den Aufstieg ins Oberhaus verspricht eine enge Kiste zu werden.
Drei Mannschaften werden dieses Rennen vermutlich dominieren: Herford, Gütersloh sowie TeBe Berlin. Geht es nach Herfords Trainer Björn Kenter und
einer alten Fußballweisheit, so sind es am Ende die Berlinerinnen, die den Sprung in die erste Liga schaffen: „Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr
die Meisterschaft“, schmunzelt Kenter. Mit 31 Toren stellt sein Team den stärksten Sturm der Liga, mit zwanzig Gegentreffern hat es je doppelt so viele,
wie die direkten Konkurrenten. „Es scheint der Charakter der Mannschaft zu sein, lieber 5:4 als 1:0 zu gewinnen.“ Auch wenn dies den Herfordern noch
keine Sorgenfalten ins Gesicht treibt, im Hinterkopf ist das kleine Abwehrproblem. Der erste Schritt in der Winterpause war daher, U17-Nationalspielerin
Claudia Bujna, ihres Zeichens in der Abwehr zu Hause, in die erste Mannschaft zu befördern. Weitere Personaländerungen gab es nicht, schließlich lief
die Hinrunde weit besser, als gedacht. „Es ist für uns schon überraschend, so weit oben mitzuspielen. Platz fünf bis sieben war unser Ziel vor der
Saison“, so Kenter. Das hat man in Herford mittlerweile nach oben korrigiert: „Wir wollen unseren Platz halten.“
Björn Kenter freut sich über den tollen Saisonverlauf, will sich jedoch keinen Druck machen.
Foto: Nora Kruse
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Das möchte auch Trainerkollege Sven Thoß in Berlin, der die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung anführt. Dass er den Aufstieg in der Hauptstadt
unbedingt will, machte Thoß bereits vor Saisonstart deutlich. Dass die Tabelle schon so früh in der Saison angeführt wird, überraschte. „Damit war
nicht zu rechnen, der Kader ist eng. Die Abwehr ist unser Prunkstück, aber die Offensive dafür ein Problem“, analysiert Thoß, der daher genug Gründe sah,
seine Mannschaft personell zu verstärken.
So richtig glücklich ist der Potsdamer mit seiner Ausbeute jedoch nicht. Den Neuzugängen Anissa Holzhaus, Chantal Hoppe und Ex-Nationalspielerin Inken
Becher steht nicht eine erfahrene Spielerin für die Offensivabteilung gegenüber. Lange hatte man gehofft, diese in Kathrin Patzke vom Hamburger SV
gefunden zu haben; der Wechsel scheiterte jedoch an deren Verpflichtungen im Rahmen des Studiums.
Ihre Erfahrung soll es richten: Inken Becher (r.) spielt zukünftig im TeBe-Trikot.
Foto: Jan Kuppert
Dennoch ist sich Thoß sicher, gestärkt in die verbleibenden zehn Spiele zu gehen und vertraut auf Erfahrung und Spielverständnis von Inken Becher.
Die ist zwar eher in der Abwehr beheimatet, doch über eine stabile Viererkette verfügt man in an der Spree bereits. „Ich werde einen Teufel tun und die
umstellen“, so Thoß, der Becher offensiver aufstellen möchte, um Jessica Brückner zu entlasten, auf der bislang zu viel Verantwortung lag.
Viel Verantwortung schultern musste auch die Mannschaft vom FC Gütersloh, die im Durchschnitt gerade 18 Jahre alt ist. Acht Spielerinnen verließen
den Verein vor der Saison. „Wir haben daher unsere Erwartungen nicht so hoch gesteckt“, sagt Trainer Steffen Enge, der sich nach der für seine Mannschaft
so positiv verlaufenden Hinrunde jedoch kämpferisch gibt. „Wir gehen nicht in die Rückrunde und denken uns, dass das eh nichts mehr wird. Wir
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haben
gegen jede Mannschaft gespielt und gesehen, dass alle schlagbar sind.“
Auf ihre Tore wird gebaut: Maren Wallenhorst führt die Torschützenliste an.
Foto: Nora Kruse
Um das umsetzen zu können, müssen in Gütersloh aber Tore geschossen werden. „Uns fehlt in den entscheidenden Augenblicken die Kaltschnäuzigkeit.
Da ist die Mannschaft nicht clever genug.“ Entscheidend verstärken konnten sich die Gütersloherinnen in der Winterpause jedoch nicht, weshalb vieles
mit mannschaftlicher Geschlossenheit ausgeglichen werden soll. Die sei besser, als noch im vergangenen Jahr, wodurch die Leistungsbereitschaft jeder
einzelnen gestiegen sei. „Wir haben keine Spielerin mehr, die so ein bisschen den Stinkstiefel spielt. Steht eine nicht in der Startelf, versucht
sie sich im Training zu verbessern und zieht mit. Dadurch haben wir dort eine hohe Qualität erreicht.“
Den größten Coup in Sachen Training ist aber dem Herforder SV gelungen, der eine knappe Woche zum Trainingslager in der Türkei weilte. Die Herforderinnen
spielen erst ihre zweite Saison in der Liga, dass sie jetzt schon so weit oben dabei sind, findet Enge aber nur auf den ersten Blick überraschend.
„Schaut man sich den Werdegang und die Neuverpflichtungen an, verwundert es nicht.“ Strukturen und Umfeld stimmen, selbst wenn der Aufstieg nicht
gelingen sollte, wird man beim HSV nicht nervös. „Vielleicht käme er jetzt sogar zu früh“, spekuliert Kenter, der seine Mannschaft auf dem hohen
Niveau stabilisieren will.
Die Favoritenbürde schieben beide Ostwestfalen daher in Richtung Berlin, wo sich Thoß dieser bewusst ist. „Wir müssen es schaffen, damit umzugehen,
die Gejagten zu sein.“
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