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Interview mit Tanja Schulte
Untrainierbar? Dafür mit Herz!
Die Trainerin der SG Wattenscheid 09 im Gespräch | ||
| 11.3.2005
Tanja Schulte löste am 11.Januar diesen Jahres Peter Scheuren als Trainerin bei der SG Wattenscheid 09 ab. Die Powerfrau aus dem Ruhrpott durchlief und durchläuft bei der SGW 09 alle Stationen. Spielerin, Organisatorin und nun Trainerin. Sie soll das Team wieder flott machen und das Schiff, das zu kentern drohte, wieder auf Kurs bringen. Tanja Schulte (29) stand FanSoccer Rede und Antwort: FanSoccer: Nun bist Du schon 2 Monate im Amt als Trainerin und bislang fallen die Spiele reihenweise aus. Nervt das? Tanja Schulte: Natürlich nervt das. Man trainiert, bereitet sich auch mental auf die Spiele vor. Kurz vorher kommt dann die Absage. Zwar nachvollziehbar, aber unser Plan ist natürlich dahin. Wir wollten uns gegen Oberaussem, Timmel und Calden Stück für Stück steigern bevor es dann, mit dem nötigen Selbstbewusstsein, zum Topfavoriten nach Brauweiler gegangen wäre. Von der Leistungsstärke wäre es optimal gewesen, ohne einen dieser bisherigen Gegner zu unterschätzen. Nun gibt es für uns einen Kaltstart. Nicht gerade dass, was man sich zum Einstand wünscht…
![]() Tanja Schulte Bild: Andreas Krahforst
Du bist zur Zeit noch selbst verletzt. Könnte es unter Umständen (z.B. Verletzungspech) auch die Spielertrainerin Schulte geben?
Wenn sich die Frage ausschließlich auf Verletzungspech bezogen hätte, wäre ich sicherlich bereit, als absoluter Notstopfen einzuspringen. Ansonsten nein – definitiv nein! In dieser Liga und erst recht in der 1.Liga funktioniert es meines Erachtens auch nicht. Ich kann nicht 5 Fehlpässe spielen und mich in der Halbzeit über die Spielweise ereifern. Wir wollen doch alle den Frauenfußball weiter vorantreiben. Dann gehören auch gewisse Positionen entsprechend besetzt. Außerdem war ich nie eine Spielerin, die spielerisch überragt hat. Hin und wieder stand ich als Stürmerin richtig. Ich bin eh schon verblüfft, dass der Sprung von der ehemaligen Mitspielerin zur Entscheidungsträgerin bisher so problemlos verlief. Die Mannschaft zieht mit und respektiert die Entscheidungen von mir und meinem Co-Trainer Roger Dorny. Zudem bin ich ja „tatsächlich“ verletzt und würde der Mannschaft sicher keine Hilfe sein.
Wie sieht Deine Zukunft aus. Momentan gilt die Trainertätigkeit als Interimslösung. Du bist der SGW 09 sehr verbunden. Könntest Du Dir auch eine längere Traineramtszeit vorstellen?
Vor 3 Jahren habe ich meine Trainer-B-Lizenz gemacht. Sicherlich stand für mich fest, irgendwann und nach Möglichkeit in Wattenscheid das Traineramt zu übernehmen. Aber dass es so schnell ging, war nun wirklich nicht geplant. Nun ist es so gekommen. Wir versuchen alles, um in der kommenden Saison dem Trainerstab – wer auch immer es sein wird – eine bundesligataugliche und erfolgsversprechende Mannschaft als Basis zu stellen. Wenn sich zum
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![]() Spaßige Aktion für einen guten Zweck! Bild: Andreas Krahforst | |
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Saisonende herausstellt, dass die Lösung Schulte funktioniert hat, würde ich sicher nicht nein sagen.
Welche Ziele hast Du mit der SGW 09 für den Rest der Saison? In erster Linie steht die genaue Beobachtung der Spielerinnen im Vordergrund. Wir planen ja nun nicht 20 neue Spielerinnen nach Wattenscheid zu holen, sondern das ohnehin schon vorhandene gute Potential punktuell zu verstärken. Also gilt es, bei den Spielerinnen, die bei uns in den Köpfen sind, genau auf Leistungsbereitschaft, sportliches Talent aber auch Verhaltensweisen bei Entscheidungen kritisch zu verfolgen. Wir können uns bei unserem Vorhaben in der kommenden Saison keine „faulen Eier“ auf spielerischer und charakterlicher Ebene erlauben. Es ist aber auch klar, dass wir möglichst viele Spiele gewinnen wollen um in der Tabelle noch klettern zu können. Ex-Trainer Scheuren sagte, die Frauen der SGW 09 seien UNTRAINIERBAR! Ihr macht nun eine T-Shirt-Aktion beim nächsten Heimspiel. Erzähl mal davon und wer hatte die Idee? Das Wort „Untrainierbar“ resultierte aus der Berichterstattung der lokalen Presse. Ob jedoch Peter Scheuren, der auch in Neuenahr eine recht kurze Amtszeit zu Buche stehen hatte (6 Wochen), davon überzeugt war oder vielleicht eigene Fehler nicht zugeben wollte, bleibt sein Geheimnis. Fakt ist jedoch, dass es in den letzten Jahren bei der SGW 09 nicht gerade Kontinuität auf dieser Position gab. Die, die jedoch „im Thema“ waren, konnten die Entscheidungen allerdings immer nachvollziehen. Mit der T-Shirt-Aktion und der Aufschrift nimmt sich die Mannschaft selbst ein wenig auf die „Schüppe“. Untrainierbar? Dafür mit Herz…lautet der Schriftzug. Der Erlös geht komplett an die Vereinigung Ärzte ohne Grenzen. Dieser Vorschlag kam von unserem Physiotherapeuten Sebastian Kaul. Wir und unser Beflockungspartner und Sponsor Innova Print wollten nach den schrecklichen Vorkommnissen in Südostasien einen kleinen Hilfe-Beitrag leisten. Durch die ganzen Ausfälle sind die T-Shirts schon ein wenig verstaubt. Hoffentlich klappt es… Wenn wir Dich hier fragen, was die SG Wattenscheid 09 ausmacht…was würdest Du spontan antworten? Das familiäre Umfeld und der Zusammenhalt innerhalb des Teams. Andere Vereine wären bei den Querelen der letzten Jahre im Verein schon längst auseinandergebrochen. Als Spielerin hat man ja einen gewissen Freundeskreis im Kader gehabt. Jetzt bist Du Trainerin. Ist das für Dich eine Umstellung und wie reagiert das Team darauf? Bisher komme ich gut damit klar und innerhalb des Teams gibt es überhaupt keine Probleme. Ich bin und war schon immer ein sehr direkter Typ. Nicht einfach. Ich |
habe mir fest vorgenommen, alles Private und Sportliche zu trennen. Würde ich merken, dass ich Entscheidungen nicht zum Wohle der Mannschaft treffe, wäre Wattenscheid 09 erneut auf Trainersuche. Dann kann ich es
nicht mit mir vereinbaren und würde die Konsequenzen ziehen. Da ich die Entscheidungen über die Aufstellung allerdings nicht alleine treffe, müssen sich ja schon 2 Personen irren. Ich kann es mir nur vornehmen, aber Freundschaften haben mit Aufstellungs- entscheidungen nichts zu tun. Euer Verein polarisiert gerade in Internetforen. Die SGW 09 hat als Zweitligist immer viele Postings. Wie wichtig sind die Fans für Euch? Die Fans sind für jede Mannschaft sehr wichtig. Man muss da aber differenzieren. Fans sind für mich die, die uns zu den meisten Auswärtsspielen begleiten, uns unterstützen. Uns mit Taten zur Seite stehen. Sich dann im Forum äußern und über Dinge, die sie beurteilen können, auslassen sollen. Positiv und negativ. Dem Forum stehe ich deshalb zweigespalten gegenüber. Ich habe wie gesagt nichts gegen Kritik. Gegen niveauloses Geschreibe unter irgendwelchen Pseudonymen dagegen schon. Das sind keine Fans, sondern Leute, die Stunk machen wollen. Noch schlimmer ist es dann, wenn man nachhakt und die wahre Identität über Umwege erfährt. Forenbetreiber sollten nur User zulassen, die unter ihrem richtigen Namen schreiben. Was dort teilweise abging, war leider nicht förderlich. Weder für uns, noch für den FF insgesamt. Bei allem was Du so für die SGW 09 machst…Bleibt Dir -und wenn ja wie viel- überhaupt noch Zeit für das Privatleben? Das klingt ja fast schon dramatisch. Mein Traumberuf war es immer, irgendwas mit dem Fußball zu tun zu haben. Ich bin nach 14 Jahren TuS Harpen vor 6 Jahren nach Wattenscheid gewechselt und habe nach und nach gewisse Arbeiten erledigt. Zuerst war es die Homepage. Dann habe ich Sponsoren gesucht, um den „Traum Bundesliga“ irgendwann realisieren zu können. Alles aus freien Stücken und mit stetiger Begeisterung. Der Spielbetrieb ist allerdings der aufwendigste Teil. Nun habe ich aber einen Arbeitgeber gefunden, der für die SGW 09 selbst etliche Stunden am Tag arbeitet. Ich darf alles von der Arbeit aus organisieren. Danach ist Feierabend… Ob ich nun wie früher zum Training gehe und selbst spiele oder halt das Training mache…es bleibt sich gleich. Freizeit habe und werde ich immer auf dem Fußballplatz verbringen. Demnach habe ich diesbezüglich ja dann eine Menge… Wie informierst Du Dich über den Frauenfußball? Ich lese alles, was mir entweder in der Tagespresse, in Magazinen oder im Internet angeboten wird. Und es wird zum Glück immer mehr. | |