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2. Bundesliga Nord, 15. Spieltag

Nur wer spielt, kann gewinnen

Hamburger SV II - 1.FC Lokomotive Leipzig 2:0 (0:0)

Text und Fotos von Fuxi

31.03.2008   An diesem 15. Spieltag kam es zum Duell zweiter Tabellennachbarn im Kampf gegen den Abstieg: Die Reserve des Hamburger SV als Siebter empfing den Achten Lok Leipzig. Bisher hatten beide drei Mal ihre Klingen gekreuzt, zweimal (zuletzt im Hinspiel) blieb es beim Remis, einmal siegte Lok klar mit 3:0. Auf Seiten des HSV hatten gerade vier Spielerinnen alle Partien mitgemacht, bei Lok waren es fünf. Dazu kam eine, die für 90 Minuten an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehrte: Katharina Freitag, vor dieser Saison aus Hamburg nach Leipzig gewechselt. Auch sie erlebte dieses Spiel zum vierten Mal.

Lok Leipzig kam mit einem Handicap an die Hagenbeckstraße: Nach dem 0:2 bei der Zweiten von Turbine Potsdam waren sie drei Wochen ohne Spielpraxis - die Partie gegen Rheine am Ostermontag abgesagt worden. Der HSV hingegen hatte in der Vorwoche durch einen Doppelpack von Kathrin Patzke (11 Saisontore) ein 2:2 in Neubrandenburg geholt. Leipzigs beste Torschützin, Safi Nyembo (4 Treffer), saß nur auf der Bank. Vor Torhüterin Griseldis Meißner stand eine Viererkette mit Sabine Dettmer, Ex-HSVerin Freitag, Anja Pioch und Stefanie Beltz. Das Mittelfeld bestand aus dem Doppel-Sechser mit Nadine Börner und Peggy Kuznik. Die Flügel besetzten Karoline Aulrich und Kathleen Radtke, in der Mitte Anja Fleischer hinter der einzigsen Spitze Yvonne Rademacher. Damit war Fleischer die einzige Leipzigerin auf dem Feld, die gegen den HSV schon getroffen hatte - die Doppeltorschützinnen Katja Greulich und Doreen Bock standen nicht zur Verfügung.

Tugba Tekkal und Anja Pioch

Tugba Tekkal (Nr. 23) wird von Leipzigs Anja Pioch im Strafraum bearbeitet und setzt sich durch

Beim HSV, der seit 6 Spielen auf einen Sieg wartete, stand überraschend Almuth Schult im Kasten. Die deutsche U17-Nationalspielerin sollte Spielpraxis sammeln. Vor ihr die gewohnte Viererkette mit Cathérine Knobloch, Vanessa Bastin, Vanessa Hamed und Nadine Odzakovic. Die Doppel-Sechser der Rothosen waren Claudia Schulz und Carina Wolfgramm, davor Angelina Lübcke. Die Außenstürmerinnen hießen Kathrin Patzke und Rabea Garbers, in der Mitte Neuzugang Tugba Tekkal (kam vom Niedersachsenligisten TSV Havelse). Die Partie wurde geleitet von Sinem Turac aus Berlin, assistiert von Anke Steinicke aus Neuruppin und Tobias Nitsche aus Berlin.

Cathérine Knobloch gegen Anja Fleischer

Seltene Szene: Cathérine Knobloch hat das Nachsehen gegen Anja Fleischer (in blau). Im Hintergrund sehen HSV-Kapitänin Vanessa Bastin und Torfrau Almuth Schult zu

Der HSV startete besser in die Partie und hatte nach 6 Minuten die erste Chance. Ein Odzakovic-Freistoß aus dem rechten Halbfeld landete neun Meter vor dem Kasten bei der aufgerückten Verteidigerin Hamed, aber Torhüterin Meißner tauchte ab und lenkte den Kopfball stark zur Ecke. Die brachte Wolfgramm herein, in der Mitte verpasste Knobloch, und der nachfolgende Schussversuch von Lübcke wurde abgeblockt. Nach einer Viertelstunde kam auch Leipzig durch eine Standardsituation zur Einschussgelegenheit. Aulrichs Eckball verlängerte Freitag, und Bastins Fehler brachte Fleischer in Ballbesitz, die aus spitzem Winkel aufs Tor schoss. Schult war unten, ließ den Ball plötzlich durch die Beine rutschen, warf sich dann aber noch vor der Linie darauf und verhinderte das 0:1. Der HSV konnte den Anfangsschwung nicht in die nächsten Minuten mitnehmen. Die Fehlerquote stieg


Maria Marrocu und Tugba Tekkal

Die Torschützinnen beim Auslaufen: Maria Marrocu (links) und Tugba Tekkal machten jeweils nach Vorarbeit von Patzke die entscheidenden Treffer

an, und Lok kam über die Zweikämpfe besser ins Spiel.

Die Partie wurde aber immer zerfahrener. Beiden Mannschaften fehlte im Spiel die Struktur, und es sah streckenweise aus wie gewollt und nicht gekonnt. Wirkte Leipzig nach vorn etwas gefährlicher und zügiger, eierten sie hinten regelrecht herum. Der HSV hingegen leistete sich einfache Ballverluste und entwickelte kaum geordneten Zug zum Tor. So ging es nur über Standards. Einen Halbfeldfreistoß von Wolfgramm klärte die Lok-Abwehr zu kurz, und so kam Patzke aus 14 Metern volley zum Schuss. Den hielt Meißner aber sicher (35.). Fünf Minuten später versuchte es Schulz volley mit dem schwächeren rechten Fuß aus 23 Metern, aber der war sehr stark geschossen. Meißner hatte zwar Mühe, lenkte den Versuch aber über die Latte (40.). Hinten heraus erspielte sich der HSV wieder Vorteile, aber unter dem Strich war das 0:0 absolut leistungsgerecht. Beide waren nicht wirklich zwingend, standen in der Defensive aber ordentlich. Gegnerische Fehler wurden nicht ausgenutzt. Das Spiel war geprägt von Zweikämpfen im Mittelfeld.

Zur zweiten Halbzeit blieb die angeschlagene Claudia Schulz beim HSV draußen, und mit Maria Marrocu kam eine weitere Stürmerin. Marrocu übernahm die rechte Außensturmposition, Garbers wechselte auf die linke Sechserposition. Und die Hausherrinnen kamen besser aus der Pause. Aber es blieb dabei: Aus dem Spiel heraus geschah wenig. Wolfgramm schlug eine Ecke zu kurz vor den ersten Pfosten, aber Patzke rettete ihn und legte quer zu Knobloch. Deren Schuss aus der Drehung wurde abgeblockt, und Hamed jagte die Kugel aus neun Metern drüber (54.). Vier Minuten später erneut Eckball Wolfgramm, Hamed köpfte schulmäßig, aber wieder war Meißner dran und rettete ihr Team vor dem Rückstand. Die Schlussfrau war beste Leipzigerin, empfahl sich mit ihren Paraden für höhere Aufgaben.

Griseldis Meißner hält

Vanessa Hamed (li., Nr. 6) kam vor Kuznik zum Kopfball, aber trotz des Gewühls vor ihr (Pioch, Marrocu, Dettmer und Patzke, v. l.) kann Torhüterin Griseldis Meißner abwehren

Nach 64 Minuten wechselte Lok erstmals. Für die schwache Karoline Aulrich kam Anja Hädrich. Sie übernahm die rechte Mittelfeldseite, Fleischer wechselte nach links und Radtke in die Mitte. Aber weiter dominierte der HSV die Partie. Die erste Chance aus dem Spiel heraus in der 71. Minute: Patzke bekam halblinks in der Leipziger Hälfte den Ball und konnte erstmals ein Tempodribbling ansetzen. Sie marschierte an Freitag vorbei und stand unbedrängt vor Meißner. An der wollte sie den Ball vorbei ins lange Eck schieben, aber die Keeperin war noch dran. Den Abpraller allerdings erwischte Marrocu vor Dettmer und staubte aus eineinhalb Metern zum 1:0 ab. Und der Führungstreffer war mittlerweile verdient.

Wer dachte, dass Leipzig nun kommen würde, sah sich getäuscht. In der 80. Minute nahm Tekkal Dettmer den Ball vor dem Strafraum ab und bediente Patzke. Die aber schoss unbedrängt drüber. Und nur eine Minute später hatte Tekkal die Entscheidung auf dem Fuß: Patzke zog links in den Strafraum und passte aus spitzem Winkel quer. Aus drei Metern grätschte Tekkal den Ball aufs Tor, aber Meißner parierte abermals, und Dettmer rettete zur Ecke. Bis hierhin kam von Lok Leipzig noch immer nichts. Ein Doppelwechsel sollte das ändern. Für die


abgemeldeten Radtke und Rademacher kamen Susann Erber und Safi Nyembo, zwei echte Stürmerinnen. Und plötzlich machten die Gäste Druck. Wie sehr, zeigen zwei gelbe Karten, die Schiedsrichterin Turac binnen 45 Sekunden an Wolfgramm und Lübcke verteilte: Wolfgramm stellte sich bei einem Freistoß vor den Ball, Lübcke erhielt sie für ein Foulspiel. Dann verlor Wolfgramm den Ball an Nyembo, die aus 23 Metern nur Schult fand (85.). Leipzig blieb harmlos. Der HSV konterte. Garbers passte zu Tekkal, deren Schuss aus 20 Metern, bedrängt durch Freitag, keine Prüfung für Meißner war (86.). Dann entschied der HSV das Spiel: Schults Abschlag leitete Tekkal weiter zu Patzke, die das Leder mit der Fußspitze zwischen zwei Leipzigerinnen hindurch- manövrierte. Dann zog sie zum Tor, wollte im Strafraum an Meißner vorbei, aber der Ball versprang ihr. Doch Tekkal war mitgelaufen und schob aus kurzer Distanz zum 2:0 ein (89.). Die Proteste der Gäste, Tekkal sei im Abseits gewesen, nutzten nichts, Turac erkannte den Treffer an.

Kathrin Patzke

So schwer war es häufig: Kathrin Patzke, hier abgegrätscht von Stefanie Beltz (Nr. 6), bekam kaum Platz zum Antritt mit Ball. Als sie sich durchsetzen konnte, fielen die Tore

Es war die letzte Szene in einem über weite Strecken langweiligen Spiel. Am Ende siegte der HSV aber aufgrund der zweiten Halbzeit verdient. Sie investierten mehr. In der Schlussphase war der HSV dann abgeklärt und eiskalt genug. Der Schlüssel zum Sieg waren wieder einmal die gefürchteten Patzke-Soli. Als sie erstmals ins Laufen kam, klingelte es, und so entstand auch das zweite HSV-Tor, wenngleich sie beide Male nur vorbereiten konnte. Nutznießer waren die Sturmkolleginnen. Tugba Tekkal konnte sich dank der Torjägerin über ihr erstes Zweitligator freuen. Beste beim HSV war neben Patzke noch Abwehrspielerin Vanessa Hamed. Almuth Schult merkte man in der ersten Hälfte die fehlende Spielpraxis an. Bei Lok überragte Griseldis Meißner, und auch Katharina Freitag verdiente sich ein Lob. Ansonsten aber hielten sich zu lange aus der Offensivarbeit heraus und zeigten zu wenig, um sich Punkte zu verdienen.



Hamburger SV II:

Schult - Knobloch, Bastin, Hamed, Odzakovic - Schulz (46. Marrocu), Wolfgramm - Lübcke - Patzke, Tekkal, Garbers

1.FC Lokomotive Leipzig:

Meißner - Dettmer, Freitag, Pioch, Beltz - Aulrich (64. Hädrich), Börner, Kuznik, Radtke (83. Erber) - Fleischer - Rademacher (83. Nyembo)

Tore:
1:0 Marrocu (71.)
2:0 Tekkal (89.)

Gelbe Karten: Kuznik (Leipzig, 63. Minute, wegen Meckerns), Wolfgramm (Hamburg, 84. Minute, wegen Spielverzögerung), Lübcke (Hamburg, 84. Minute, wegen Foulspiels)

Schiedsrichter: Sinem Turac (Berlin) mit Anke Steinicke (Neuruppin) und Tobias Nitsche (Berlin)

Zuschauer: 60


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