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2. Bundesliga Nord, 5. Spieltag

Vorgezogene Weihnachten

Hamburger SV II - FFV Neubrandenburg 2:4 (1:2)

Text und Bilder von Fuxi

20.10.2006   Eigentlich waren die Fronten vor dem Spiel schon klar. Die Hausherrinnen gingen mit fünf Punkten und der Empfehlung eines 1:0-Sieges gegen den Aufstiegsaspiranten SG Wattenscheid 09 aus dem letzten Heimspiel in diese Partie. Die Gäste hatten bis dazu zweimal 0:3 und zweimal 0:1 verloren, standen mit leeren Händen am Tabellenende. Zudem hatte Claudia von Lanken die Möglichkeit, bei den Rothosen auf Spielerinnen zurückzugreifen, die im Spiel der 1. Mannschaft zuvor nicht zum Einsatz kamen. Aber: Tessa Rinkes trat den Heimweg an, nachdem von Lanken sich für Jennifer Weber zwischen den Pfosten entschieden hatte. Einzig Maja Schubert saß an diesem Tag bei beiden Teams auf der Bank. Aus der Ersten sollten ohnehin Miriam Scheib und Katharina Freitag Spielpraxis erhalten. Wieder mit dabei war Monique Müller.

Von Lanken setzte auf ein 4-4-2 mit zwei Ketten. Vor Torhüterin Jenny Weber verteidigten Vanessa Bastin, Anna Steckel, Miriam Scheib und Katharina Freitag. Das Mittelfeld besetzten Marisa Ewers, Johanna Borkowski, Monique Müller und Nadine Odzakovic. Der Sturm bestand aus den Stammkräften Kathrin Patzke und Denise Lehmann. Der FFV Neubrandenburg trat mit einem identischen System auf. Vor Torhüterin Anna Coldewey standen Franziska Koop, Carolin Schumski, Anika Oldendorf und Ulrike Knoll. Das Mittelfeld besetzten Catharina Schimpf, Nicole Parlow, Anke Schädlich und Franziska Witt. Für das erste Saisontor sollten Nicole Zweigler und Stefanie Schmidt sorgen. Die Schiedsrichter-Ansetzung konnte durchaus für Stirnrunzeln sorgen: Die Spielleitung besorgte Angela Hahn aus Berlin, unterstützt von Sinem Turac (ebenfalls Berlin) und Anke Steinicke (Neuruppin).

Nicole Zweigler

Hier versiebt Nicole Zweigler (schwarzes Trikot) eine dicke Chance für den FVV Neubrandenburg

Von Beginn an war zu spüren, dass die Gäste hochmotiviert waren. Nach zehn Minuten des Abtastens schickte Parlow Zweigler links steil, die Freitag im Rücken davon gelaufen war. Die Stürmerin stand in spitzem Winkel frei vor Weber, schoss den Ball aber am langen Eck vorbei. Da hätte es schon klingeln können. Es war anscheinend keine Warnung für die Rothosen. Die schliefen in der Hintermannschaft weiter friedlich. Nach Fehlpass von Müller schickte Schmidt Schimpf halblinks los. Der rutschte der Flankenversuch ab, aber die ohnehin kurz bemessene Torhüterin Weber stand zu weit vor dem Tor und musste den Ball über sich ins lange Eck fliegen lassen - 0:1 (11.). Der Bann war gebrochen!

Torjubel

Kathrin Patzke hat den Anschlusstreffer zum 1:2 erzielt, Jubel bei den Hausherrinnen

Den ersten Wachmacher für die Mecklenburger Defensive gab es nach zwanzig Minuten, als der Ball nach einem Solo von Patzke bei Sturmkollegin Lehmann landete. Die zog sofort ab und traf das linke Lattenkreuz. Der Beginn eines kleinen Traumas. Auf der Gegenseite waren die Hanseatinnen zu offen, schläfrig und ungeordnet. Schimpf hob den Ball hinter die Abwehr auf Zweigler, und die lupfte ihn wiederum über Weber hinweg zum 0:2 (22.). Sie hatten es aber auch denkbar einfach. Im Anschluss an das zweite Tor musste der FFV allerdings wechseln. Für die verletzte Franziska Witt kam Anica Lekat. Die personelle Veränderung, aber auch der 2:0-Vorsprung verleitete die Gäste dazu, sich etwas defensiver aufzustellen. Dadurch aber kam der HSV jetzt besser in Fahrt. Freitag brachte in der 26. Minute eine Flanke von rechts hoch herein, am zweiten Pfosten kam Lehmann zum Kopfball - an den linken Pfosten! Trauma, die Zweite...

Zehn Minuten vor der Pause wechselte auch der Gastgeber erstmals. Für Vanessa Bastin gab es die Höchststrafe, und es kam Maja Schubert, die 1998 vom traditionsreichen SC Neubrandenburg zum HSV gekommen war. Sie war kaum auf dem Platz, da durfte sie schon mitjubeln. Ewers zog den Ball flach von links in den Strafraum. Dort wurstelte sich Müller gegen Schumski durch, chippte den Ball am Fünfmeterraum an Coldewey vorbei - wieder der linke Pfosten! Kollektives Raunen an der Hagenbeckstraße, aber dann Erleichterung: Patzke hatte am schnellsten reagiert und den Abpraller über die Linie gedrückt:


Jubel bei Neubrandenburg

Nach dem unerwarteten Auswärtssieg in Hamburg hatte das Team aus Neubrandenburg allen Grund zum Jubeln!

Nur noch 1:2. Und der HSV war jetzt am Drücker. Jetzt waren sie wach, spielbestimmend und vor allem energischer. Nach Ablage von Patzke drosch Odzakovic das Leder aus halbrechter Position drüber. Bei einem Eckball von Müller in der 43. Minute verschätzte sich Coldewey und hatte Glück, dass Lehmann aus ihrem Unterlaufen keinen Profit machen konnte. Die lange Stürmerin erwischte den Ball nicht richtig und köpfte meterweit vorbei. Nur Augenblicke vor der Pause noch eine Chance für die Rothosen. Scheib spielte einen langen, hohen Ball in die Spitze. Trotz (allerdings sehr lascher) Bedrängnis durch die FFV-Innenverteidigung kam Lehmann mit links zum Schuss, nur um zu verzweifeln. Denn Coldewey war am Schuss auf das linke Eck noch dran und lenkte ihn an die Latte! Unglaubliches Pech für die Goalgetterin, zum dritten Mal nur Aluminium. So blieb es beim 1:2 zur Pause.

Der HSV hatte die erste Hälfte fast komplett verschlafen, war in der Abwehr anfällig wie ein Soufflé: Etwas Gegenwind, und sie brach in sich zusammen. Der FFV nutzte das mit langen Bällen in die Spitze. Erst nach dem zweiten Treffer machten die Gäste selbst Fehler und der HSV Druck.

Der zweite Durchgang war keine zwei Minuten alt, als das Unheil abermals seinen Lauf nahm. Schmidt schlug das Runde hoch an den Strafraum. Dort versuchte es Zweigler, von der Innenverteidigung mehr bestaunt als gestört, wohl aus Verlegenheit mit einem hohen Heber, denn wieder war Weber zu weit vor ihrem Kasten. Und der senkte sich rechtzeitig wieder, passte genau unter die Latte - 1:3. Das war das dritte dämliche Gegentor in diesem Spiel für den HSV, dessen Offensive sich nun äußerst schwer tat. Lehmann rutschte das Spielgerät nach Hereingabe von Odzakovic über den Fuß und links neben den Pfosten (55.). Zwei Minuten später landete ein Eckball von Müller indirekt bei Patzke, deren Schuss konnte Coldewey parieren.

Kathrin Patzke

Mit vier Treffern auf Platz 3 der Torschützenliste der zweiten Liga Nord: Hamburgs Kathrin Patzke

Der FFV konterte über Schimpf. Ihren langen Ball erreichte Parlow noch, weil Weber beim Herauslaufen zögerte. Sie spitzelte ihn an der Torhüterin vorbei, aber Scheib rettete in höchster Not vor der Linie und vor Zweigler. Es war wieder eine starke Phase der Mecklenburgerinnen vom Tollensesee. Einen Fernschuss von Koop konnte Weber halten. In der 65. Minute wurde es abermals haarig. Schimpf schickte Zweigler rechts steil. Die behauptete sich gegen Scheib, und zog ab. Weber war dran, und am zweiten Pfosten rettete Freitag vor Parlow zur Ecke. Neubrandenburg machte das clever, stand defensiv gut und nutzte die vielen Anfälligkeiten des HSV. Der fand immer noch keine spielerische Linie, spielte ohne Druck und Energie. Wie blutleer.

Marisa Ewers

Marisa Ewers köpft über das Tor

In der 73. Minute gab es doch mal wieder eine Möglichkeit für die Elbstädterinnen. Einen Pass von Lehmann leitete Müller weiter in den Strafraum. Dort nahm ihn die stark abseitsverdächtige Patzke mit, umkurvte auch noch Coldewey und schob zu ihrem zweiten Treffer an diesem Tag ein. Schmeichelhaft, wie auch die Verwarnung für Schumski im Anschluss an das Tor: Patzke wollte den Ball aus dem Netz holen, aber die Neubrandenburgerin hielt ihn fest. Dafür gab es den gelben Karton von Schiedsrichterin Hahn. Etwas verwunderlich, denn zuvor und auch für den Rest des Spiels ließ sie den Mecklenburgerinnen einiges


durchgehen. Vor allem HSV-Stürmerin Patzke hatte darunter zu leiden, bekam immer wieder ungeahndete Tritte ab.

Der HSV wechselte. Für Odzakovic kam Janka Rohrberg herein. Nun übernahm Maja Schubert den rechten Flügel, Rohrberg die linke Abwehrseite. Der HSV wollte den Ausgleich. Einen Eckball köpfte Lehmann genau in die Arme von Coldewey. Dann kam der FFV wieder mit einem Konter durch. Wieder leitete ein Steilpass von Schimpf hinter die unaufgeräumte Abwehr den Angriff ein, wieder schickte sie Zweigler. Die Doppeltorschützin behielt die Übersicht, schob vor Weber nochmal quer, und Parlow konnte ins leere Tor verwandeln - 2:4 (78.)! Die Entscheidung in diesem Spiel. Das konnte man an der Reaktion des HSV ablesen, da gab es keine Entschlossenheit mehr. Sie hatten nichts mehr zuzusetzen. Schimpf und Zweigler flogen an einer Parlow-Ecke vorbei, auf der Gegenseite fing Coldewey einen Heber von Freitag. Parlow verließ dann den Platz zugunsten von Nadine Franke. Die letzten Szenen: Nach Ballverlust von Lehmann schickte Schmidt wieder Zweigler, aber die scheiterte dieses Mal an Weber. Sie hatte den Ball flach verwandeln wollen. Nach Gelb für Patzke wegen Meckerns ließ Müller eine schwache Freitag-Ecke durchrutschen, und bei Lehmanns Direktschuss klärte eine Abwehrspielerin auf der Linie. Zum Abschluss flog ein schöner Schuss von Koop aus 30 Metern aufs Tornetz.

Der Sieg der Gäste war hochverdient. Sie nutzten die unübersehbaren Schwächen eiskalt aus, sowohl die verletzliche Abwehr wie auch die fehlende Höhentauglichkeit von Keeperin Weber. Auch wenn die eigene Defensive nicht immer sattelfest war, so hatten sie es nach vorn denkbar einfach, aus den gebotenen Abwehrkratern der HSV-Hintermannschaft ihre Vorteile zu ziehen. Nur die unzureichende Chancenverwertung verhinderte ein größeres Debakel für den Aufsteiger. Der agierte ziel- und ideenlos, unentschlossen - schlicht desolat. Die vielen Geschenke wurden dem Bundesliganachwuchs zum Verhängnis. Zu oft regierte der Zufall, begleitet von der Aluminiumseuche. Der Sieg des FFV war dennoch in keiner Phase gefährdet. Beste bei den Gästen waren unzweideutig Schimpf und Zweigler, aber auch Schmidt fiel positiv auf. Die einzigen Hamburgerinnen, die sich aus dem Elend ihrer Mannschaft abhoben, waren Knipserin Patzke und die leichtmetallsüchtige Sturmkollegin Lehmann. Der dürfte das "Ploink" des Torgestänges wohl noch im Schlaf erschienen sein...

Maja Schubert und Anica Lekat

Hamburgs Maja Schubert und Neubrandenburgs Anica Lekat im Zweikampf

Hamburger SV II:

Weber - Bastin (35. Schubert), Steckel, Scheib, Freitag - Ewers, Müller, Borkowski, Odzakovic (75. Rohrberg) - Patzke, Lehmann

FFV Neubrandenburg:

Coldewey - Koop, Schumski, Oldendorf, Knoll - Schimpf, Parlow (85. Franke), Schädlich, Witt (23. Lekat) - Zweigler, Schmidt

Tore:
0:1 Schimpf (11.)
0:2 Zweigler (22.)
1:2 Patzke (36.)
1:3 Zweigler (47.)
2:3 Patzke (72.)
2:4 Parlow (78.)

Gelbe Karten: Patzke (87., wegen Meckerns) / Schumski (72., wegen Spielverzögerung), Lekat (76., wegen Foulspiels)

Schiedsrichterin: Angela Hahn (Berlin) mit Sinem Turac (Berlin) und Anke Steinicke (Neuruppin)

Zuschauer: ca. 250


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