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2. Liga NordThoß will die Veilchen wieder erblühen lassenEin Rück- und Ausblick mit dem Trainer von Tennis Borussia Berlin | ||
Von Christian Heidler05.06.2006 Nach dem letzten Auswärtsspiel der Saison äußerte sich Sven Thoß im Gespräch mit FanSoccer zu seiner Arbeit beim Berliner Zweitligisten. Das 1:0 über Jahn Calden sei ein verdienter Erfolg, so der Kommentar von Thoß zur Begegnung in Nordhessen [Spielbericht]. Leicht hätte das Spiel auch 3:0 für seine Mannschaft ausgehen können, doch leider schaffte sein Team kein zweites Tor um etwas mehr Ruhe in die eigenen Aktionen zu bringen. Neben den drei ergatterten Punkten zeigt sich der Coach vor allem mit der Leistung seiner Viererkette zufrieden, hatte sie doch dem Gegner nicht eine hundertprozentige Torchance gewährt. In der Spielbeurteilung räumt er auch ein, daß Calden ohne wichtige Schlüsselspielerinnen angetreten war. Besonders über das Fehlen von Stürmerin Jacqueline Scheuren war er erleichtert. Zu Saisonbeginn lautete das Ziel um den Aufstieg mitzuspielen. Das Team habe aber viel Zeit gebraucht sich zu finden und einen wackligen Saisonstart hingelegt. Gegen die Spitzenteams lieferte TeBe stets gute Leistungen. Als Manko beurteilt Thoß, daß ihm mit Kerstin Straka nur eine Topstürmerin zur Verfügung stand. Nach der 4:1-Niederlage gegen die Reserve von Turbine Potsdam wurde in der Abwehr von einer Dreier- auf eine Viererkette umgestellt, was, wie Thoß betont, auf Initiative der Mannschaft geschah. Fortan kassierte TeBe weniger Gegentreffer. Nun, am Ende der Spielzeit, haben die Borussen sogar noch die Möglichkeit auf Rang 3 der Tabelle vorzustoßen. TeBe mit Schätzen auf der Bank: Beim Pokalspiel in
Lütgendortmund ließ Thoß die Banecki-Zwillinge Nicole und Sylvie erst mal
aus disziplinarischen Gründen auf der Bank Platz nehmen. Künftig wird man
anderswo versuchen aus den beiden Rohdiamanten Hochkaräter zu machen. Angesprochen auf die Banecki-Zwillinge, die als Junioren-Auswahlspielerinnen zu Saisonbeginn bei TeBe anheuerten und inzwischen nur noch in der 2. Mannschaft (Verbandsliga Berlin) zum Einsatz kommen, äußert sich Thoß sehr enttäuscht. Beide Spielerinnen seien zweifellos „Rohdiamanten“, aber leider teamunfähig. „Wenn man eine Kiste mit Äpfeln hat und zweie davon sind faul, dann muß man sie herausnehmen“, rechtfertigt der Übungsleiter die notwendige Verbannung der beiden sehr talentierten, aber wenig mannschaftsdienlichen jungen Mädels. Vielleicht lernen sie bei Sissy Raith Disziplin, wenn die Baneckis, wie es aussieht, bei Bayern München unter Vertrag genommen werden. Zum Jahresbeginn gab es bei Tennis Borussia einige Turbulenzen, die u.a. beinahe eine Auswärtsfahrt hatten platzen lassen und zum (zeitweisen) Rücktritt von Abteilungsleiterin Gaby Wahnschaffe führten. Über diese Vorgänge spricht Thoß verständlicherweise recht vorsichtig. Zusagen des Vereins seien seinerzeit leider in Frage gestellt worden. Die Demission von Wahnschaffe habe jedoch auch etwas Positives gehabt: Der Verein sei wachgerüttelt worden und habe die Bedeutung der Frauenfußballabteilung endlich erkannt. Nachdem sich alle relevanten Personen an einen Tisch gesetzt hatten, wurde eine Planung für die Zukunft der Veilchenladies erstellt. Das zwischenzeitlich kursierende Gerücht, die Zweitligalizenz könnte auf den Regionalligisten Hohen Neuendorf übertragen werden, bezeichnet Thoß als Ente. Bei allem Trubel gab es aber auch erfreuliche Nachrichten aus dem Eichkamp. Dazu zählt z.B. das verstärkte finanzielle Engagement der Rockgruppe Rosenstolz, was auch an der Beflockung der Trainingskleidung sichtbar wird. Thoß erzählt von dem guten Verhältnis zwischen den Musikern und der Mannschaft, die ein großer Fan des Duos ist. Das Team schrieb den Musikern einen Brief und wurde vor einiger Zeit zu einem ausgesuchten Gästen vorbehaltenen Vorkonzert eingeladen. Dass mit dem Konterfei von Christine Schoknecht auf Plakatwänden für die WM-Stadt Berlin geworben wurde, war dem Trainer allerdings entgangen. „Thossi“ amüsierte sich aber über das geschminkte Gesicht seiner Spielerin, als ihm eine Postkarte mit dem Plakatmotiv gezeigt wurde.
![]() Ungeschminkt: Christine Schoknecht. Lächelnd warb sie für die WM-Stadt Berlin (Link).
Etwas Ratlosigkeit befällt den Trainer zur mangelnden Präsenz der Veilchenladies in den Berliner Medien bzw. wie diesem Zustand Abhilfe verschaffen werden kann. Berlin sei nun mal eine Sportstadt mit zahlreichen erfolgreichen bzw. populären Vereinen im Fußball und anderen Mannschaftssportarten. Da haben es die Fußballfrauen von
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Der Mann mit der Mütze. Sven Thoß wird auch nächste Saison
die Trainermütze bei Tennis Borussia tragen. | |
TeBe sehr schwer Beachtung zu finden. Zudem fehle es bei den Lilaweißen derzeit auch noch an einem Umfeld, das sie für die Medien interessanter mache, also vor allem an einer ansprechenden und gut besuchten Heimspielstätte.
Zur Person: Sven Thoß, geb. am 28.07.1966 in Potsdam, ledig, Hobbys: als DJ Musik machen, gut Essen gehen, Konzertbesuche Spielerstationen: Nachwuchsausbildung beim SV Babelsberg 03 im Männerbereich: SV Turbine Potsdam, Potsdamer Sportunion Trainerstationen: von 1997 - 2004 Co-Trainer 1. FFC Turbine Potsdam, seit 2005 Cheftrainer TeBe, parallel dazu von 2000 bis jetzt Trainer beim Teltower FV (Landesliga Männer)
Sven Thoß war vergangene Saison Trainer der 2. Mannschaft von Turbine Potsdam und ist derzeit noch Übungsleiter der Männer des Teltower FV. Inwieweit unterscheiden sich die Bedingungen im Eichkamp von denen in Potsdam und inwiefern ist das Training und der Umgang mit den Aktiven bei einem Männerteam anders als bei einer Frauenmannschaft?
Michaela „Murkel“ Schulz, Torschützin des
Siegtores in Calden, beendet ihre aktive Laufbahn, bleibt den Lilaweißen
aber als Co-Trainerin erhalten. Hinsichtlich Trainingsprogramm und –belastung macht der gebürtige Potsdamer grundsätzlich keine Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Kickern. In Ton und Umgang gäbe es laut Thoß jedoch schon einige Unterschiede. So seien Frauen im Umgang miteinander anspruchsvoller. Sie machten sich mehr Gedanken als Männer (siehe oben erwähnte Umstellung der Abwehrkette) und wollten häufiger Begründungen zum Verstehen einzelner Maßnahmen. Auch bei der Wahl der Worte müsse er als Frauencoach vorsichtiger sein. Bei den Männern könne der Trainer einen Spieler schon mal zusammenstauchen und nach dem Spiel oder Training gemeinsam mit diesem wieder ein Bier trinken... Insgesamt hält er Frauen für stärker belastbar und nennt als Beispiel den dichten Terminplan der UEFA Cup-Finalisten.
Nach der 2. Bundesliga befragt, sieht Sven Thoß sportlich recht große Unterschiede. Aber auch bei den Rahmenbedingungen gäbe es sehr große Unterschiede bei den Vereinen und nimmt bei der Kritik auch Tennis Borussia nicht aus. Es haben schon einige Gäste der Spielstätte in der Harbigstraße die Zweitligatauglichkeit abgesprochen. Auch Thoß würde deshalb gerne kommende Saison mit seiner Mannschaft im |
Mommsenstadion beheimatet sein. Schließlich fordert er eine größere Unterstützung der Zweitligisten durch den DFB. Die an die Zweitligisten gestellten hohen Anforderungen (z.B. auch hinsichtlich der Trainerqualifikation) stünden in einem Missverhältnis zu der geringen (finanziellen) Unterstützung des DFB.
Natürlich darf in solch einem Gespräch ein Ausblick in die Zukunft von TeBe nicht fehlen. Im Jugendbereich soll offenbar ein Neuaufbau vorgenommen werden. Laut Thoß plant der Verein beispielsweise seine C-Jugend von Kleinfeld auf Großfeld umzustellen. TeBe suche zudem nach lizenzierten Trainern für seine Juniorinnen. ![]() Freude pur! So wie hier nach dem Sieg gegen Turbine
Potsdam II möchten die Veilchenladies auch künftig gerne jubeln – am
liebsten am Saisonende 2007 nach erreichtem Aufstieg. Apropos Neuzugänge. Diese, wie auch die Abgänge, stehen schon größtenteils fest:
Abgänge: Nach all diesen Aussagen hat sich eine Frage schon von selbst beantwortet, nämlich ob Sven Thoß auch in der kommenden Saison die Borussen-Frauen betreuen wird. Natürlichm und dies nicht nur, weil sein Vertrag beim Hauptstadtklub noch bis 2007 Gültigkeit hat! Der Enddreißiger hat ganz offensichtlich Spaß daran in Berlin eine Spitzenmannschaft zu formen. Und wenn auch die Rahmenbedingungen in Potsdam besser waren, bei TeBe könne er viel eher seine Vorstellungen vom Fußball umsetzen als zuvor bei Turbine, wo Bernd Schröder die Marschroute für die Mannschaften vorgegeben habe. Eine Reservemannschaft hat bekanntlich einen geringeren Stellenwert als eine erste Mannschaft und – nicht zu vergessen – mit Tennis Borussia könnte Sven Thoß, der seine B-Lizenz erneuern möchte, auch in die 1. Liga aufsteigen! | |