Text und Fotos: Christian Heidler 14.3.2007
In einem sogenannten Sechspunkte-Spiel feierte der FFV Neubrandenburg einen schwer erarbeiteten Sieg. Dabei profitierten die Gastgeberinnen in dieser an sich ausgeglichenen Partie von der fahrlässigen Chancenverwertung des Gegners aus Nordhessen.
505 km bzw. etwa 6 Stunden Busfahrt waren für das Gästeteam für die Anfahrt zu bewältigen und so machte sich der Tabellenvorletzte bereits am Samstagnachmittag auf die Reise zu seinem am weitesten gelegenen Auswärtsspiel. Die ungünstige Lage der Unterkunft am Stadtrand war leider nicht dazu geeignet, den Besuchern einen Eindruck von den Reizen ihres Aufenthalthortes zu vermitteln. So war ihnen weder ein Rundgang entlang der denkmalgeschützten Stadtmauer mit ihren Wikhäusern

Wiekhäuser (Wachhäuser) in der Stadtmauer.
und den namensgebenden vier Stadttoren vergönnt noch ein Abstecher an den Tollensesee.

Das Stargarder Tor
Der Schriftsteller Fritz Reuter war in Neubrandenburg heimisch, so wie es der Sport auch schon seit langer Zeit ist. "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn wirkte hier und viele große Namen insbesondere der Leichtathletik und des Wassersports machen Werbung für diese Stadt. Im Vereinsfußball hat Neubrandenburg zwar keinen großen Stellenwert, dennoch haben mit Tim Borowski, Viola Odebrecht und Stefanie Draws auch einige deutsche Auswahlspieler ihre Wurzeln in dieser Stadt.

Fritz Reuter schrieb im 19. Jahrhundert den Großteil seiner in
niederdeutscher Sprache verfassten Bestseller während seiner Zeit in
Neubrandenburg.
Daran, dass bald die ein oder andere Spielerin diesen Kreis erweitert, wird beim 2002 aus dem PSV Neubrandenburg ausgegründeten Frauenfußballverein Ziel gerichtet gearbeitet. Im Zusammenwirken mit dem Sportgymnasium Neubrandenburg ("Eliteschule des Sports"), dem Sportinternat und dem an der Schule beheimateten DFB-Stützpunkt ist der FFV Neubrandenburg Landesleistungszentrum in Mecklenburg-Vorpommern. Der Erfolg der intensiven Jugendarbeit lässt sich an mehreren in den letzten Jahren erreichten Bundessiegen beim Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" und einem dritten Platz bei der Schulweltmeisterschaft auf Sardinien sowie den vielen Berufungen in die Auswahlteams des Landesverbands ablesen. Als einziger Zweitligist (Aufstieg 2005) kann der FFV auch bei den Frauen als die Nr. 1 in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnet werden.

Das Sportinternat, die Sportplätze, das Jahnsportforum (im Bild) - alles
ist hier dicht beieinander.
Dessen ungeachtet durften sich die Gäste des 14. Spieltages berechtigte Hoffnungen auf einen
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Da kommt Bewegung in die Mauer! FFV-Torfrau Coldewey verfolgt konzentriert
einen Caldener Freistoß.
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Punktgewinn in Neubrandenburg machen. Der TSV Jahn Calden hatte schließlich bis dato alle drei Punktspielbegegnungen gegen den FFV gewonnen, darunter mit dem 1:0 im Hinspiel auch seinen bislang einzigen Dreier der Saison eingefahren. Und auch der Name der Spielstätte (Jahnstadion!) konnte als gutes Omen gewertet werden.
Bei sonnigem Wetter und frühlingshaften Temperaturen gehörte die erste Einschussmöglichkeit dem FFV Neubrandenburg, doch Goalgetterin Nicole Zweigler vergab (1. Spielminute). Dann stürmte Calden: Erst parierte FFV-Keeperin Anna Coldewey einen Schuß von Simone Müller (4.), dann von der sich ebenfalls in bester Schußposition befindenden Anika Klaus (5.). Hektik schlich sich in die Partie ein. Und wieder stürmte der TSV auf das Neubrandenburger Tor, aber auch die halblinks durchgestartete Jacqueline Scheuren vermochte es nicht Coldewey zu bezwingen (12.).
Der kleine Caldener Anhang war schon am verzweifeln, kannte er solche Szenen leider schon aus den vorangegangenen Ligaspielen zu genüge. Im Gegenzug dann helle Aufregung als die praktisch schon durchgebrochene Katja Blehk festgehalten und so an einem Torschuss gehindert wurde, ein Pfiff der Schiedsrichterin Anja Kunick aber nicht ertönte. Wäre Blehk in dieser Situation zu Fall gekommen, hätte wohl auch die großzügige Unparteiische diese Notbremse mit einem Platzverweis ahnden müssen.
Wieder auf der anderen Seite bot sich Scheuren erneut die Gelegenheit die Führung zu erzielen, doch diesmal setzte sie den Schuss links neben das Neubrandenburger Gehäuse (12.). Auch ein Freistoß wenig später konnte der FFV unbeschadet überstehen zumal der Nachschuss wohl aus dem Abseits erfolgte.
Caldens Torfrau Annika Tönniges erhielt in der 27. Minute ihre erste Bewährungschance. Einen Schuss konnte sie zunächst ins Toraus klären, die anschließende Ecke schlug Neubrandenburg in den Fünfmeterraum, wo Franziska Witt dann im zweiten oder dritten Versuch den Ball über die Linie stocherte und Tönniges letztlich das Nachsehen gab.
Die bis dahin etwas überlegenen Gäste verloren ihre Linie und die Begegnung blieb frei an Höhepunkten. Erst in der Schlussphase des ersten Durchgangs kam noch mal Torgefahr auf - allerdings wieder im Strafraum der Hessinnen. Erst war es Blehk, die links am Tor vorbei schoss (42.), dann war es Zweigler, der völlig freistehend der Ball versprang (45.).

Zwei Gewinner: Die gute Torhüterin Anna Coldewey und im Hintergrund
Torschützin Franziska Witt.
Zu Beginn der 2. Halbzeit setzte der TSV die Heimmannschaft wieder durch offensives Spiel unter Druck, was sich unter anderem in zwei durch Scheuren vergebenen Chancen äußerte. Etwa mit der verletzungsbedingten Auswechslung von Jennifer Giehl (59.) war diese Drangphase dann abgeklungen. Der FFV versuchte sich nun öfter darin mit weiten Bällen auf die Spitzen Konter zu fahren. So rutschte Zweigler einmal knapp an einer schönen Hereingabe vorbei (64.) und in der 77. Minute musste Tönniges Kopf und Kragen riskieren, den Ball vor der heranstürmenden Blehk weg zuschlagen. Beide Spielerinnen rasselten bei dieser Aktion zusammen und blieben zunächst verletzt am Boden. Während Tönniges zum Glück für die ohne Ersatztorfrau angereiste Jahn-Elf weiter spielen konnte, musste Blehk daraufhin ausgewechselt werden.
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Überhaupt war die Begegnung hart umkämpft, im wesentlichen aber fair geführt. Schiedsrichterin Kunick, die manches mal kleinlich oder merkwürdig pfiff, hatte die Partie jedenfalls stets unter Kontrolle und musste nicht eine Verwarnung aussprechen.
Die eingewechselte Katharina Zech hätte beinahe den nicht unverdienten Ausgleich erzielt, doch ihr Kopfball traf nur den Pfosten (82.). Statt dessen war es der gleichfalls eingewechselten Judith Gransow vorbehalten das zweite Tor des Tages zu erzielen und damit endlich einen der vielen Neubrandenburger Konter erfolgreich abzuschließen. Wunderschön wurde ihr das Leder über die aufgerückte Caldener Abwehr in den Lauf gespielt, so dass sie nur noch Caldens Keeperin zu überwinden brauchte (86.).
Die letzte sehenswerte Aktion des Spiels gehörte noch mal den Roten als Caroline Georgi zu einem schönen Solo ansetzte, Coldewey aber auch diesen aus spitzen Winkel abgefeuerten Schuss zu parieren wusste (90.). So blieb es letztlich beim 2:0 und 3 Punkten für den Klub aus der Vier-Tore-Stadt. Das Team von Trainer Sven Junker konnte damit einen wichtigen Erfolg im Kampf um den Klassenerhalt verzeichnen und hat nun einen Vorsprung von 4 Zählern auf den Relegationsplatz.

Kurzer Gedankenaustausch nach Spielende zwischen Caldens Coach Manfred
Rauschenberg (links) und Heimtrainer Sven Junker.
Für Jahn Calden bleibt die Situation sehr misslich, konnte doch wieder trotz ansprechender Leistung kein Punktgewinn verzeichnet werden.

Eine Verliererin: Jacqueline Scheuren stapft enttäuscht vom Feld. Wieder
ist ihr kein Tor geglückt.
Langsam wird es wirklich Zeit, dass bei Caldens Stürmerinnen der Knoten platzt!
FFV Neubrandenburg:
Coldewey - Knoll, Schimpf, Oldendorf, Schumski, Blehk (78. St. Schmidt), Parlow (46. Schädlich), Koop, Ebert (46. Gransow), Zweigler, Witt
Trainer: Sven Junker
TSV Jahn Calden:
Tönniges - Pottebaum, Rosek, S. Thöne - Gernhardt (68. Georgi) , Alexi, K. Thöne, Giehl (59. Klement) - Scheuren, Müller, Klaus (62. Zech)
Trainer: Manfred Rauschenberg
Tore:
1:0 Witt (27.)
2:0 Gransow (86.)
keine Verwarnungen
Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa/Leipzig)
Assistenten: Stefan Martin und Daniel Kresin
Zuschauer: 61
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