![]() |
2. Bundesliga Nord„Holstein Woman” surfing in BrasilAusflug des KSV Holstein Kiel an die Ostsee | ||
Text und Bilder von Hauke Hansen9.6.2007 Sie können es einfach nicht lassen! Kaum ist die Fußball-Saison vorüber, da wechseln die Fußballerinnen von Holstein Kiel die Sportart, vom grünen Rasen auf die blaue See. Sie tauschten einfach den Fußball gegen das Surfbrett ein. Der Strand von Brasilien sollte für die acht Spielerinnen und den Trainern das Spielfeld für drei Stunden sein. In einem Schnupperkurs sollte die erfolgreiche Mannschaft der 2. Bundesliga das Windsurfen lernen. Stefan, Betreiber des Internetportals windsurfing-kiel.de, und Oli, Inhaber der Surfschule Brasilien, Brasilsports.de, hatten über Torfrau Katna Ihrens den Kontakt zu den „Holstein Woman“ gesucht und gefunden. Die beiden surfbegeisterten Jungs sind begeisternde Anhänger des Frauenfußballs. Grund genug, um die Kieler Spielerinnen nach Brasilien einzuladen. Brasilien?! Ja! Gemeint ist der kleine Badeort an der Ostsee, gleich neben dem Schönberger Strand. ![]() Erst mal eine Trockenübung auf dem Deich! Am Samstagmorgen machten sich dann die Spielerinnen von Holstein Kiel: Kati, Nina, „Banny“, Martina, Sabine, Jytte, Svenja und Katna mit den Trainern Heinz und Matthias von Kiel Richtung Ostsee ins 30 Kilometer entfernte Brasilien auf, um das Windsurfen zu erlernen. Das Wetter an der Wasserkante wusste nicht so recht, wie es werden sollte. Die Wolken wollten einfach nicht die Sonne freigeben. Für die Windsurfinglehrlinge kein Problem, schließlich sind sie jedes Wetter auf dem Fußballplatz gewöhnt. Surflehrer Oli machte allen klar: „Hauptsache wir haben nach den Trockenübungen mindestens drei bis vier Windstärken. Nicht zu viel aber auch nicht zu wenig für Newcomer.“ ![]() Nina Jokuschies beim Aufbau ihres Surfbretts Vor dem Spaß auf dem Wasser mussten die „Holstein Woman“ erst einmal die Theorie auf dem Deich über sich ergehen lassen. Die Teilnehmer ließen sich erst einmal zeigen, wie so ein fertiges Windsurfsportgerät aufgebaut wird. Das Aufbauen (aufriggen) des Surfmaterials ist schon so eine Sache für sich. Ist doch ganz einfach, denkt der ungelernte Windsurfer: „Das Segel muss auf das Bord gesteckt werde.“ Wie beim Fußball: „Das Runde muss in das Eckige.“ Ne, Ne. So einfach ist das denn doch nicht, Mädels! Das Segel muss mit der Gabel verbunden und das Schwert muss in das Board gesteckt werden. Erst im Wasser wird dann das Segel mit dem Surfboard vereint. Nachdem die Theorie beendet war, folgte die Gruppe von der Wiese auf dem Deich mit ihrem Sportgerät brav ihrem Surf-Trainer Richtung Strand. Im weichen Sand sollte das Trockentraining fortgesetzt werden. Aber halt, wieso haben der Lehrlinge noch |
Die Holstein Woman in „Brasilien” zeigen den Surfergruß: Daumen und kleiner Finger der Faust werden abgespreizt | |
ihren Sportanzug an? Surflehrerin Kirsten zeigte auf die Neoprenanzüge am Surfcontainer. Was sein muss, muss sein. Bei lediglich 14°C Wassertemperatur kann nur ein Neoprenanzug die Kälte abhalten. Jetzt mussten erst einmal die Sportklamotten gegen den hautengen Gummianzug getauscht werden.
![]() Jetzt geht es los: nichts wie rein ins kühle Nass! Um das Gleichgewichtsgefühl zu erlernen, sollte die so genannte „Treppe“ im Wasser geübt werden. Jeder Teilnehmer schnappte sich sein Brett und paddelte durchs Wasser. In etwa 30 Meter Entfernung zum Strand, wurden die Surfbretter nebeneinander auf dem Wasser geparkt. Die Teilnehmer, die gerade noch stehender Weise mit dem Oberkörper aus dem Wasser schauen konnten, mussten die Surfboards an den Spitzen im Wasser festhalten. Der Reihe nach hatte jede über diese äußerst wackelige Surfboard-Treppe zu laufen, um mit einem Sprung ins kalte Wasser den Sprint zu beenden. Als die halbe Stunde Treppensteigen im Wasser beendet war, frischte der Wind auf drei bis vier Windstärken auf. Jetzt konnte die Surf-Kür auf dem Wasser folgen. ![]() Wie man sieht, haben Fußballerinnen mit schlechtem Wetter auch beim Surfen keine Probleme! Jeder Teilnehmer war nun auf sein Geschick und Können selbst gestellt. Hatten sie die Regeln behalten? „Das Surboard im Wasser immer 90° gegen den Wind halten!“, „Das Segel aus der Hocke langsam am Band hochziehen“, „Auf die Stellung der Füße auf dem Brett beachten, damit der richtige Schwerpunkt erreicht wird“, „Den Sicherheitsabstand zu den Mitsurfern einhalten!“, „Bei aufkommenden Windböen kein Risiko eingehen!“ Den Fußballern wurde so manches auferlegt, bevor sie überhaupt auf dem Surfbrett stehen konnten. Unzählige Versuche auf das Brett zu steigen, folgten unzählige Stürze ins kühle Nass. |
Dass es inzwischen nieselte, störte den Wasserratten nicht, denn sie hatten ihren Spaß mit dem Surfbrett beziehungsweise im Wasser. Für sie galt immer die gleiche Taktik: Rauf aufs Brett, in die Hocke, das Segelseil greifen, sich und das Segel hoch ziehen, Gleichgewicht halten, die Gabel vom Segel fest in den Händen halten, wieder an das Gleichgewicht denken und – plumps ins Wasser. Jeder angehende Windsurfer musste mehrmals die gleiche Prozedur durchlaufen bis, ja bis sich das Surfbrett mit Surfer ein, zwei Meter im Wasser bewegte und dann war das Wasser doch wieder viel zu unruhig – plumps… ![]() Kati Krohn stand als erste auf dem wackeligen Brett! Am Ende des Schnupperkurses waren alle Teilnehmer der „Holstein Woman“ glücklich, sich mit dem Surfbrett soweit vertraut gemacht zu haben, dass sie wenigstens einige Meter auf ihrem Surfbrett zurückgelegen konnten. Erschöpft stiegen die zehn Jungsurfer nach einer Stunde aus der Ostsee. Sandra Bannas kommentierte ihre erste Fahrt: „Meine Arme fühlen sich so schwer an, morgen habe ich bestimmt Muskelkater.“ Trainer Heinz, den alle schon als Surfvorbild bewunderten, musste gestehen: „Ich bin schon einmal surfen gewesen, aber meine Füße fühlen sich so kalt an, ich hätte doch lieber Schuhe anziehen sollen.“ ![]() Sandra Bannas und Trainer Heinz Siebolds gehen wieder an Land Surflehrer Oli war von seinen Schützlingen begeistert: „Die haben so viel Power, kaum zu glauben, was die in drei Stunden alles gelernt haben. Da merkt man, dass das Sportler sind.“ Bei der Verabschiedung überreichte Nina als Dank der „Holstein Woman“ für die Lehrstunden dem Leiter der Surfschule Brasilien einen Holstein Kiel-Wimpel mit dem Versprechen, dass sich die Spielerinnen im Sommer zu einem 2-Tage Surfkurs anmelden werden. Aber in Einem waren sich alle einig: „Das Fußballspiel bleibt für uns die Nummer 1 für die Holstein Woman! Liebe auf einem holprigen Rasen kicken, als auf der kabbeligen See surfen.“
| |