| Text und Bilder von Ralf Dauksch
30.08.2011 Am ersten Spieltag der 2. Bundesliga Nord traf mit dem FF USV Jena II ein
Aufsteiger aus der Regionalliga auf Bundesliga-Absteiger Herforder SV. Ein Spiel, bei dem die Rollen eigentlich klar verteilt sind, aber zur Überraschung Aller
war es über eine Stunde lang eine ausgeglichene Partie, bevor der Favorit das Spiel am Ende dann doch noch deutlich für sich entscheiden konnte.
In der 21. Minute erzielt hier Anna Laue (Nr. 8) den
Ausgleichstreffer und brachte damit den Favoriten aus Herford nach schwachem Beginn zurück ins Spiel.
Bei weitgehend sonnigem Wetter und angenehmen Temperaturen im Universitätssportzentrum Jena gingen beide Zweitliganeulinge vorsichtig ins Spiel, es dauerte fast
eine Viertelstunde bis zur ersten nennenswerten Torchance. Jenas Torhüterin Griseldis Meißner konnte vor der heraneilenden Lena Wermelt zur Ecke klären. Kurze
Zeit später bekamen die Gastgeberinnen einen Freistoß an der Strafraumgrenze zugesprochen, der Schuss von Christiane Gotte blieb jedoch in der Herforder Abwehr
hängen. In der 18. Minute fiel das zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente 1:0 für den USV Jena: nach einer Flanke von der rechten Seite ließ Christiane Gotte der
Herforder Keeperin Friederike Abt, die den Vorzug vor Sonja Speckmann erhalten hatte, keine Chance und beförderte den Ball ins Netz. Nur drei Minuten später gab
es einen Freistoß für Herford. Der Schuss der neuseeländischen Nationalspielerin Hannah Bromley erreichte die vorm Tor wartende Anna Laue, die den
Ausgleichstreffer erzielen konnte. In der Folge kam der Aufsteiger aus Thüringen zu den klareren Chancen. Nach einer Ecke konnte Friederike Abt den Ball gerade
noch an die Latte lenken, kurze Zeit später stand die U19-Europameisterin erneut im Mittelpunkt. Jenas überragende Stürmerin Christiane Gotte hatte die
Herforder Abwehr bereits hinter sich gelassen, als Abt ihr entgegenlief und außerhalb des Strafraums per Kopfballabwehr einen erneuten Rückstand verhinderte.
Die letzte Aktion der ersten Halbzeit ging allerdings an den Herforder SV: nach einer abgewehrten Ecke kam der Ball direkt vor die Füße von Yvonne Hansmeier,
die aber aus 15 Metern knapp über das Tor schoss, so dass es mit einem leistungsgerechten 1:1 in die Pause ging.
In der zweiten Halbzeit sollte Jenas eingewechselte Stürmerin Louisa Lagaris für frischen Wind in der Offensive sorgen. Zunächst gab es allerdings im weiterhin
von Unsicherheiten und Fehlpässen geprägten Spiel kaum zwingende Strafraumszenen. Nach gut einer Stunde tauchte dann erneut Gotte frei vor Abt auf und zwang die
Herforderin zu einer weiteren Glanzparade. Um das Heft nicht komplett aus der Hand zu geben, brachte Gästetrainer Jürgen Prüfer jetzt Desirée Lenz und Neuzugang
Giustina Ronzetti in die Partie, um das Spiel nach vorne zu beleben, das sich jetzt zunehmend in Richtung Jenaer Tor verlagerte. Als in der 73. Spielminute eine
USV-Spielerin an der Strafraumgrenze einen Schuss aus kurzer Distanz an den Arm bekam, entschied die Unparteiische auf Handelfmeter für den HSV, eine harte aber
vertretbare Entscheidung. Anna Laue verwandelte per Flachschuss zur Herforder Führung, nachdem in der vergangenen Bundesligasaison noch alle drei Strafstöße
vergeben wurden. Nur eine Minute später konnte Herford auf 3:1 erhöhen, als Lena Wermelt einen Abpraller ins Tor schob. Eine herbeigeeilte Jenaer Verteidigerin
versuchte zwar noch, den Ball von der Linie zu kratzen, kam jedoch einen Sekundenbruchteil zu spät: die Schiedsrichterassistentin entschied auf Tor. Jena musste
jetzt öffnen und versuchte Druck aufzubauen, die Mannschaft wirkte aber 15 Minuten vor dem Ende platt, die Kräfte schienen zu schwinden und es kamen keine
wirklich gefährlichen Situationen mehr zustande. Als Deniz Harbert in der 84. Spielminute zum Konter ansetzte, gab es kaum Gegenwehr der heimischen
Abwehrspielerinnen und so konnte sie fast unbedrängt die Entscheidung herbeiführen. Und auch beim dritten Tor von Anne Laue fünf Minuten später sah die
Innenverteidigung des FF USV Jena wieder nicht gut aus, man hatte den Ostwestfälinnen nichts mehr entgegenzusetzen. Doch das Spiel war noch nicht zu Ende.
Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff kam die eingewechselte Lena Schulte zu einem Distanzschuss, den Griseldis Meißner nicht festhalten konnte, die schnelle
Giustina Ronzetti staubte zum 6:1 aus Herforder Sicht ab. Der Aufsteiger ist in der bitteren Realität der zweiten Bundesliga angekommen, aber auch beim
Bundesligaabsteiger gibt es noch einiges zu tun, denn das deutliche Ergebnis spiegelt nicht den Spielverlauf wider.
Herfords Coach Jürgen Prüfer war zwar mit dem Ergebnis zufrieden, mit dem Spiel aber nicht. Seine Mannschaft sei eine Stunde lang zu ängstlich und unsicher
aufgetreten. Erst die eingewechselte Desirée Lenz habe mit ihrer Übersicht Ruhe ins Spiel gebracht. Man habe Glück gehabt, dass die Mannschaft nicht kurz vor
der ebenfalls glücklichen Elfmeterentscheidung nicht in Rückstand geraten sei. Beide Trainer waren sich nach dem Spiel einig, dass dieses Ergebnis viel zu hoch
ausgefallen ist. Die Bundesligareserve des USV Jena war dem Favoriten aus Herford eine Stunde lang mindestens ebenbürtig, verpasste es jedoch, nach dem
Ausgleich erneut in Führung zu gehen.
Bilder:
Oben links:Stürmerin Christiane Gotte war die beste Spielerin auf der Seite der Gastgeberinnen.
Mitte:Jenas Torhüterin Griseldis Meißner bot eine gute Leistung, musste aber trotzdem
sechsmal hinter sich greifen.
Unten:Herfords Neuzugang Giustina Ronzetti war gleich in ihrem ersten Zweitligaspiel
erfolgreich und traf zum 1:6-Endstand.
FF USV Jena II:
Meißner – Zimmermann, Pochert (85. Hofmann), Walther, Ludwig – Scherl, Bätz (76. Krys),
Wochnik, Müller – Janke (46. Lagaris), Gotte
Herforder SV:
Abt – Gröbner, Schaaf, Dünker (76. Schulte), Bromley (63. Lenz) – Hansmeier, Voss (63.
Ronzetti), Drewitz, Harbert – Laue, Wermelt
Tore: 1:0 Gotte (18.)
1:1 Laue (21.)
1:2 Laue (73., Handelfmeter)
1:3 Wermelt (74.)
1:4 Harbert (84.)
1:5 Laue (89.)
1:6 Ronzetti (90.)
Gelbe Karten: - / Dünker
Schiedsrichterin: Annett Unterbeck (Leipzig) mit Josephine Hempel und Corinna Köttig
Zuschauer: 122
zur 2. Bundesliga Nord
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