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2. Bundesliga Nord, 12. Spieltag

Meppen rockt die Wedemark

Mellendorfer TV - SV Meppen 1:3 (1:2)

Text von Frank Porcarelli, Archivbilder von Martin Piepenbrink (SV Meppen)

07.12.2011  Das Umfeld des Mellendorfer TV legt schon ziemlich viel Engagement an den Tag. Mit viel Aufwand wird ein Rahmen für das Frauenteam gesichert, man fährt zu jedem Heimspiel ordentlich Kulinarisches auf und stimmt die Audienz mit knackigem Liedgut auf das Spiel ein. Trotz der Tabellensituation wird gute Laune verbreitet und unerschrocken das nächste Spiel unterstützt, in dem es heute gegen den SV Meppen geht.

Jubel SV Meppen

Jubel beim SV Meppen über ein Tor gegen Mellendorf! Das gab es auch schon reichlich im Hinspiel, und aus dem Hinspiel stammen auch unsere Archivbilder, da wir beim aktuellen Spiel leider keinen Fotografen vor Ort hatten. (Archivbild: Martin Piepenbrink (SV Meppen))

Der SV Meppen ist ein Zusammenschluss mit der FF-Abteilung des SV Victoria Gersten, und da Spielvereinigungen vom DFB verboten sind, hat man sich -gegenteilig zu entsprechenden Vorgängen in der Wirtschaft- gegenseitig „eingesourct”. Zu Saisonbeginn startete der SV Meppen eine Imagekampagne und erhielt eine große Resonanz mit einer Plakataktion „Frauenfußball rockt das Emsland”, und dass dies ernst gemeint war, konnte Mellendorf im Hinspiel live und in 3D miterleben. Lutz Kochs Eleven bekam zur Saisonpremiere per fulminantem 8:0 ordentlich Sound.

Im heutigen Spiel war erstmal „Heavy metal the law”, denn Mellendorf schien sich Respekt verschaffen zu wollen durch diverse weniger karitative Maßnahmen, durch die man dem Gast offensichtlich zeigen wollte, wo in der Wedemark der Hammer hängt. Man merkte dem MTV an, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, Spielerisches aber ging zunächst unter in vielen Zweikämpfen und Fouls und es bot sich Zerfahrenes mit vielen Nickligkeiten. Bis zur 7. Minute, als Greta Budde mit ihrem Schuss von der Sechzehn-Meter-Grenze an MTV-Torwartin Sonja Reinhard scheiterte, tat sich nichts vor den Toren. Dann allerdings der traditionell frühe Rückstand Mellendorfs nach einer verpatzten Abseitsfalle zwei Minuten später. Nach einem Pass von Vanessa Rohling konnte Nina Lögering auf Reinhard zulaufen und verwandeln.



Der MTV zeigte sich unbeeindruckt, und die rustikale Tour war offensichtlich eine taktische Vorgabe mit dem Ziel, das Spiel Meppens zu zerstören und selbst ins selbige zu kommen. Viele Fouls verhinderten ein flüssiges Spiel, und jeweilige Stärken jeden Teams wurden zudem egalisiert durch ihre Schwächen. Meppen war spielerisch besser und zeigte viele gute Aktionen, verlor jedoch im Mittelfeld viele Zweikämpfe. Spielerinnen schafften es nicht, ihren Körper zwischen Gegnerin und Ball zu bekommen, wodurch dieser unabgeschirmt Ziel war für eine MTV-Grätsche und die Meppenerinnen somit relativ leicht vom Ball zu trennen. Mit diesen Ballgewinnen jedoch konnte Mellendorf überwiegend nichts anfangen, da ihre Bemühungen, spielerisch zum Erfolg zu kommen, von Anfang an zu überhastet gerieten geprägt von eklatanten Fehlpässen. Zudem verkomplizierte der MTV das eigene Spiel mit Kombinationen in einem Meter Höhe, die sich als durchweg unpraktisch erwiesen. Die Summe all dessen führte dazu, dass sich beide Teams im Mittelfeld phasenweise aufrieben.

Meppen hatte offensichtlich zu knabbern an der Spielweise Mellendorfs, versuchte sich jedoch spielerisch zu wehren. Zwar agierte Meppen auch schon mal planlos, allerdings wurde ihr Spiel besser unter anderem durch Greta Budde als Schnittstelle zwischen Defensive und Offensive sowie dem Einsatz von Vanessa Rohling. In den Minuten 12 und 13 erarbeitete sich der SV durch eben jene Rohling Chancen per Steilpass hinter die Abwehr, die von MTV-Torwartin Reinhard vereitelt oder neben das Tor gesetzt wurden. Die erste Chance Mellendorfs hatte Aileen Osterwold nach Pass von Kristina Gluth, Osterwold allerdings wurde von Meppens Katharina Altevolmer gebremst.

In der 18. Minute fast das 0:2, als Budde Inga Kappel in Szene setzte, die jedoch an Reinhard scheiterte. Der Treffer wurde vier Minuten später nachgeholt, als Meppen auf die einfachste Weise, Mellendorf auszuspielen, zum Erfolg kam – ein Pass hinter die Abwehr. Sarah Meiners hatte auf Rohling gespielt, die an Jessica Arend vorbeilief und vollendete. Nur eine Minute später hatte Mellendorf die erste richtige Torchance des Spiels, und das gleich dreifach, als Franziska Knopp in den Meppener Strafraum passte und zuerst ein Schuss von Navarro-Leon und der Nachschuß Melissa Versecks abgeblockt wurde und Kristina Gluth den Abpraller aber über das Tor setzte.

Meppen wurde insgesamt besser und zeigte guten Fußball, und durch schöne Pässe und Kombinationen kamen sie gefährlich vor das Mellendorfer Tor. Inga Kappel hatte in dieser Phase zwei gute Szenen, so in der 27. Minute, als sie angespielt von Sieksmeyer im letzten Moment von Malia Seybusch gestoppt werden konnte sowie eine Minute später, als sie mit einer Körpertäuschung zwei Gegenspielerinnen narrte, in den Strafraum lief und auf Rohling passte, die die Chance jedoch nicht verwerten konnte.

Mellendorf legte das gesamte Spiel über ein enormes Engagement an den Tag und kämpfte um jeden Ball, und der Lohn der Ackerei war der Anschlusstreffer durch Janina Spaude. Navarro-Leon hatte einen Pass aus der Abwehr Meppens abgefangen und gekonnt auf Spaude gespielt, die Meppens Torwartin Oude-Wesselink keine Chance ließ (36.). Bis zur Pause hatte nur Meppen noch zwei weitere Möglichkeiten, die von Reinhard glänzend pariert wurden.

Nach der Pause erkämpfte Mellendorf sich ein Übergewicht im Mittelfeld, die klareren Möglichkeiten allerdings hatte weiterhin Meppen. Es dauerte bis zur 54. Minute, als Mellendorfs erste Chance der zweiten Halbzeit durch Laura Hinz nach Pass von Navarro-Leon entstand, die aber ungenutzt blieb wie auch zwei eindeutige Chancen für Meppen, als Budde im Gegenzug nach Pass von Bianca Lity allein vor Reinhard stand und mit ihrem Heber an selbiger scheiterte wie auch Sieksmeyer zwei Minuten später mit einer doppelten Chance. Dies wäre die Vorentscheidung gewesen, aber so bekam Mellendorf Dominanz und kam zu Chancen durch Navarro-Leon (57.) und Gluth (60., 68.).

Meppen eroberte sich nun langsam wieder das Spiel und setzte auch Akzente mit einigen guten Spielzügen, wodurch auch ein Unterschied zu Mellendorf deutlich wurde. Während die Meppenerinnen sich anboten und auch in den Laufwegen sich effektiver ergänzten, ist eine ballführende Mellendorfer Spielerin sehr oft auf sich allein gestellt. Zudem hatte Mellendorf oft kein Gespür für die Situation, denn entweder wurde der Ball zu spät abgespielt, nachdem der Raum zugelaufen worden war, oder ohne Not viel zu früh, dafür aber hoch in die allgemeine Offensive. Meppens Defensive stand meistens recht sicher und nahm auch die in anderen Spielen gute und effektive Osterwold komplett aus dem Spiel, so aber fällt es jeder Gegnerin leicht, gegen Mellendorf zu verteidigen.

Dabei wurde MTV dann durchaus gefährlich, wenn sie eben versuchten, vernünftige Pässe zu spielen, und in diesen Situationen war Meppens Abwehr durchaus anfällig. So bewies auch Janina Spaude ein Auge für die Mitspielerinnen, insgesamt aber war dies zu wenig. Mit der sonstigen Gewalt konnte sich MTV zwölf Minuten vor Schluss dennoch eine Chance erzwingen. Im Anschluss an eine Kombination zwischen Knopp und Navarro-Leon auf der rechten Seite kam Melissa Verseck frei zum Schuss, zielte jedoch über das Tor. Meppen sorgte dann wieder für klare Verhältnisse, als Inga Kappel Meppens dritte Chance frei vor Reinhard nutzte zum 1:3 (83.), welches natürlich die Entscheidung war.

Fazit sowie Stimmen zum Spiel:

Meppen funktionierte als Team viel besser und zeigte eine strukturierte Spielweise und bessere Anlage, auch wenn sie vor allem in der zweiten Halbzeit phasenweise planlos wirkten. Trainerin Maria Reisinger zeigte sich nach dem Spiel etwas unzufrieden, da ihr Team ihrer Meinung nach den MTV nach der Pause stark gemacht habe. Der Sieg sei verdient, allerdings könne man ein solches Spiel auch unverdient verlieren, da Meppen zu viele klare Chancen ausgelassen habe. In der ersten Halbzeit habe Meppen besser gespielt, aber unzufrieden sei sie auch deshalb, weil ihr Team wie häufig bewiesen besseren Fußball spielen könne.

Mellendorfs Torfrau Reinhard sagte, dass ihr Team den Ausgleich eigentlich verdient gehabt hätte aufgrund der Chancen. Es sei aber das derzeitige Malheur, dass der MTV durch Vergeben der Chancen zusammenbreche und mehr Gegentore kassiere als der Spielverlauf vermuten ließe... so auch in Magdeburg. Nach Meinung von MTV-Trainer Lutz Koch habe sein Team mithalten können und viele Chancen auf den Ausgleich gehabt, da Meppen durch den Druck zu Fehlern gezwungen worden sei. Man habe im Augenblick keine Spielerin, die in 1:1-Situationen einen Erfolg auch mal erzwingen und so für Torgefahr sorgen könne. Fehlende Struktur im Spiel Mellendorfs begründete er damit, dass sein Team gegenüber Meppen viel jünger sei und daher wäre Meppens Team auch abgeklärter, zudem hätten drei Spielerinnen nach langer Rekonvaleszenz das erste Mal wieder gespielt.

Dem Mellendorfer Spiel fehlte es wieder an Struktur und Abstimmung. Es gelingt keiner Spielerin zudem, Ruhe zu bewahren und das Spiel zu ordnen, denn – nach meiner Meinung – hat das Team durchaus Anlagen, mitzuhalten. Meiner Ansicht nach versucht das Team, den Erfolg zu erzwingen durch Mittel, die es nicht beherrscht. Außerdem fielen mehr als die Hälfte der Gegentore der von mir besichtigten Spiele durch die immer gleiche Weise... ein Pass über die Abwehr führt dazu, dass die Abwehr des MTV auseinanderfällt und zu lange braucht, um sich wieder zu orientieren. Man darf gespannt sein, wie Mellendorf das Ziel Klassenerhalt verwirklichen wird.



Mellendorfer TV:
Reinhardt - Arend, Seybusch, Verseck, Marquard, Knopp, Gluth, Spaude (70. Tugurlan), Hinz, Navarro, Osterwold

SV Meppen:
Oude-Wesselink - Altevolmer, Meiners, Budde, Lity, Sieksmeyer (59. Boerger), Rohling, Inga Kappel, Britta Kappel (87. Fennen), Jäger (54. Schulte), Lögering

Tore:
0:1 Lögering (9.)
0:2 Rohling (23.)
1:2 Spaude (37.)
1:3 I. Kappel (84.)

Gelbe Karten: keine

Schiedsrichterin: Anna Katharina Scheib (Aarbergen) mit Ann-Kathrin Huck und Wiebke Schneider

Zuschauer: 78



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