2. Bundesliga, Rückspiel der RelegationRelegationskampf purKSV Holstein Kiel – FFC Wacker München 1:0 (1:0) | ||
Text und Bilder von Sven-E. Hafft 02.06.2010 Ein Kampf auf Biegen und Brechen, der mehr von der Spannung als von spielerischen Momenten lebte, sah letztlich die Kielerinnen knapp mit 1:0 vorn, was ihnen den umjubelten Verbleib in der 2. Bundesliga bescherte. Eine Rekordkulisse von 571 Zuschauern (das sind fast viermal so viele wie üblich) drängte sich in der Sinalco-Arena zu Kiel-Projensdorf um das Spielfeld. Und die Ausgangslage hatte es in sich. Ein zwar gutes, doch auch seine Tücken bergendes 0:0 hatten sich die Einheimischen in der Fremde erkämpft. Ein Sieg musste her, denn bei jedem Unentschieden außer einem 0:0, das zu Verlängerung und Elfmeterschießen geführt hätte, wäre München aufgrund der Auswärtstorregelung gerettet und Kiel abgestiegen. ![]() Wacker-Stürmerin Hélène Brévart - eine der auffälligsten Akteurinnen ihrer Mannschaft - im Angriff. Die Kielerin Svenja Woelki versucht den Schuss abzublocken Die Kielerinnen, für die ein Gegentor also Gift gewesen wäre, begannen entsprechend vorsichtig und legten großes Gewicht auf die Abwehrarbeit. In der 9. Minute setzte Wacker-Stürmerin Hélène Brévart ein erstes Achtungszeichen, doch ihren harmlosen Schuss fing Victoria Bendt ab. Das Spiel wurde beiderseits eher von Sicherheitsdenken geprägt, woraus eine gewisse Chancenarmut resultierte. Gerade Kiel musste einerseits das Spiel machen, durfte aber andererseits keinen Treffer zulassen, was die Aufgabe etwas schwieriger gestaltete. Die 17. Minute brachte allerdings wesentliche Erleichterung: Stephanie Güldenzoph hatte sich auf der rechten Seite durchgesetzt und passte auf Kati Krohn, die recht unbedrängt einen Drehschuss flach ins lange Eck setzte – für Kathrin Lehmann im Gästekasten gab es hier nichts zu halten. ![]() Die Kieler Abwehr stand aufmerksam und kompromisslos. Hier steigt Lena Schrum ihrer Kontrahentin förmlich aufs Dach Die Karten waren neu gemischt, Wacker musste nun kommen. Beide Seiten spielten recht aggressiv, schon nach wenigen Stationen wechselte oft der Ballbesitz, und es kam kein rechter Spielfluss in Gang. Verwunderlich war das nicht, denn schließlich ging es nicht um drei Punkte, sondern um alles. Bis zur Pause geschah nicht viel Nennenswertes; die wenigen Schüsse, die auf die Tore kamen, waren leichte Beute der Schlussfrauen. ![]() Dieser Luftkampf zwischen Stephanie Güldenzoph (links) und Caroline Merk versinnbildlicht quasi den Charakter dieser Relegation - viel Kampf, wenig Spiel Nach der Halbzeit das gleiche Bild. Die Abwehrreihen dominierten, das Spiel lebte vor allem vom Kampf, was dazu |
Viel stand auf dem Spiel, und so war diese Relegation von Kampf und Einsatz geprägt: Jeska Danielsen (vorn) beobachtet im Duell der Zehner ihre Mitspielerin Kati Krohn gegen Caroline Rieger | |
führte, dass immer öfter Verletzte zu behandeln waren. Schiedsrichterin Christiane Wenkel dämpfte den Eifer der Akteurinnen zunächst mit Ermahnungen, zog dann in der 64. Minute erstmals Gelb gegen Marialiiza Kranz (wiederholtes Foulspiel). ![]() Jeder Ball war hart umkämpft: Christin Vogt (Kiel) versucht das Leder gegen Laura Hudetschek nach innen zu ziehen Holstein Kiel intensivierte jetzt seine Bemühungen und war einmal kurz vor dem 2:0, als eine Doppelchance nach schönem Grundliniendurchbruch noch eben von der Münchner Abwehr geblockt wurde. Insgesamt aber dominierte weiterhin der Kampf. Ein ums andere Mal musste unterbrochen werden; so oft wie in diesem Spiel sah ich noch nie Betreuer auf dem Feld. In der 71. Minute erwischte es Torschützin Kati Krohn, die im Laufduell von Caroline Rieger am Kopf getroffen wurde. Hier Tätlichkeit zu unterstellen wäre zu hart gewesen, so beließ es Spielleiterin Wenkel, die diese schwierige, aber nie wirklich unfaire Partie durch ihre souveräne Art immer im Rahmen hielt, bei einer Verwarnung. ![]() Härte I: Torschützin Kati Krohn, im Laufduell am Kopf getroffen, geht zu Boden. Es gab Gelb für Caroline Rieger - eine von zwei Verwarnungen im Spiel Wacker-Trainer Thorsten Zaunmüller, der nur drei Feldspielerinnen auf der Bank hatte, brachte dann Anna Lipp für Desiree Birkelbach und später Sonja Kolb für Leila Jürgensen ins Spiel. Wacker erhöhte angesichts der davonlaufenden Zeit den Druck und hatte in der 84. Minute durch Rebecca Huyleur eine große Gelegenheit, doch deren Schuss strich knapp am Kasten vorbei. So kam es, dass die Torhüterinnen in dieser Begegnung fast keine ernsthafte Parade zu zeigen brauchten; am Tor war nichts zu halten, was sonst noch auf den Kasten kam, glich allzu oft einer Rückgabe. Das Spiel war also, wohlwollend gesagt, nicht sonderlich gut, doch es lebte vor allem von einer ungeheuren Spannung, denn ständig schwebte das Damoklesschwert des Ausgleichs (und damit des Abstiegs) über den Kielerinnen. Wacker versuchte in der Schlussphase alles, Kiel schaffte es nicht, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, sodass auch in der (durch die vielen Unterbrechungen reichlich bemessenen) Nachspielzeit noch alles möglich war. Taktischer Wechsel noch einmal bei Kiel – für Jana Leugers kam Rachel Rinast. Letztlich der Schlusspfiff, der naturgemäß Jubel und Leid zugleich auslöste. Die Wacker-Frauen waren |
letztendlich an ihrer Harmlosigkeit vor dem Tor gescheitert. Doch sind sie das wirklich? Eine Meldung im geradezu erstligareifen, 36-seitigen Stadionheft „Holstein Woman” informiert darüber, dass TeBe Berlin am 21.5.2010 einen Insolvenzantrag gestellt hat. Sollte man die hierfür nötigen Mittel nicht aufbringen können, hätte dies eine Löschung aus dem Vereinsregister zur Folge. Und weiter: „Im Falle einer Lizenzentziehung ... würden Kiel und München der 2. Liga erhalten bleiben.” ![]() Härte II: Diese Szene steht stellvertretend für viele - ein ums andere Mal musste Schiedsrichterin Christiane Wenkel die Betreuer der Teams aufs Feld bitten. Dennoch uferte die Partie, auch dank ihrer souveränen Leitung, nie aus Unter Umständen könnte also ein Federstrich des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg die ganze Aufregung der Relegation überflüssig machen. Allerdings ist die Situation in Berlin recht kompliziert, die Frauenabteilung zumindest teilweise durch einen Förderverein getragen und damit bereits fast schon aus dem insolventen Gesamtverein herausgelöst. Ob es aber reicht, um eine Lizenz für die 2. Bundesliga zu bekommen, scheint noch nicht fest zu stehen. Schnell wird hier wohl auch keine endgültige Klarheit zu bekommen sein, was die Situation für den FFC Wacker München nicht gerade einfach macht. ![]() Ein hartes Stück Arbeit ist vollbracht und Holstein Kiel bleibt zweitklassig - für Wacker gibt's nur noch einen Strohalm namens Lizenzentzug TeBe als letzte Hoffnung
KSV Holstein Kiel:
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