Von Nora Kruse (Text u. Bilder)
23.04.2007
„Wir sind mit dem Ziel, mindestens einen Punkt zu holen, nach Berlin gefahren“, erklärte Gerstens Trainer Matthias Rieck die Zielsetzung der Reise
in die Bundeshauptstadt. Und tatsächlich schien dieses Ziel nicht in zu großer Ferne zu sein, hatten die Gerstenerinnen doch bereits dem Aufstiegsfavoriten
aus Gütersloh eine Heimniederlage beschert.
Da das Rennen um den Aufstieg in die Erste Bundesliga in dieser Saison so spannend ist wie nie, mussten die Berlinerinnen ihr Heimspiel unbedingt gewinnen,
um sich nach der Niederlage in Hamburg noch ihre (mittlerweile geschrumpften) Chancen zu bewahren. Die Verletztenliste der Hauptstädterinnen ist lang –
nicht umsonst wurden schon vor einigen Spieltagen die „Oldies“ Michaela Schulz, die diesmal im Sturm eingesetzt wurde, und Katrin Pruehs reaktiviert.
„Gersten ist eine absolute Kampftruppe, vor der man Respekt haben muss“, so TeBe-Trainer Sven Thoß, dessen Mannschaft natürlich dennoch in der
Favoritenrolle war. Es dauerte allerdings bis zur 49. Minute, ehe sie das auch zeigte.
In der ersten Halbzeit boten beide Mannschaften ein eher zerfahrenes Spiel, das sich im Mittelfeld abspielte und zumeist in den jeweiligen Abwehrreihen
endete. Die erste Chance hatten in der vierten Minute die Gäste, als Martina Fennen das Laufduell mit der Berliner Abwehr für sich entschied, dann aber an
Torhüterin Kerstin Prusas scheiterte. Auch wenn Berlin den überlegeneren Eindruck machte und sich mehr Chancen erarbeitete, schien das Spiel wenig
strukturiert und überlegt. „Gemessen an deren Ansprüchen, bin ich enttäuscht von TeBe“, erklärte Gerstens Trainer Rieck, der sich jedoch bis zum
Halbzeitpfiff noch drei Chancen der Berlinerinnen anschauen musste.
Bereits in der neunten Minute kam Pruehs nach einer Ecke zum Kopfball, setzte ihn jedoch punktgenau auf Gerstens Schlussfrau Vera Oude-Wesselink. Diese
konnte nur vier Minuten später ebenfalls klären, als sich Denise Neubauer auf der linken Seite durchsetzte und allein vor ihr auftauchte. Kurz vor der
Halbzeit hatte Neubauer die Führung ebenfalls auf dem Fuß, als sie nach Zuspiel von Schulz nur das Außennetz traf.
Etwas überraschend traf Sandra Roesler (l.) in der 49. Minute zur Gäste-Führung.
Nur vier Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte kam es zu Konfusion im Berliner Strafraum. Eine Gerstener Hereingabe konnte nicht entschärft werden und
ging über mehrere Stationen, bevor der
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Aylin Yaren (am Ball) behält die Nerven: In der 64. Minute trifft sie zum 1:1.
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Ball von Sandra Roesler an den Innenpfosten gesetzt wurde und ins Tor sprang. Überraschend führten die Gäste mit 1:0.
„Ein Tor belebt bekanntlich das Spiel“, wusste Thoß eine alte Fußballweisheit. Und tatsächlich wurde nicht das Spiel der führenden Gäste belebt, sondern
das der Hauptstädterinnen.
Berlin drückte aufs Tempo und kam verstärkt über die rechte Außenbahn, womit die Gerstenerinnen nicht umzugehen wussten. Die Berlinerinnen machten das
Spiel, ohne daraus Profit ziehen zu können, und Gersten stand in der eigenen Hälfte, was auch Trainerin Maria Reisinger nur noch mit einem wütenden
„Spielt mal wieder!“ zu kommentieren wusste.
Mit dieser Forderung waren die Gäste jedoch genauso überfordert, wie Berlin mit dem Ausnutzen der erarbeiteten Chancen. Jana Theodoridis und Aylin Yaren
versuchten es ebenso erfolglos aus der zweiten Reihe, wie Schulz per Kopf im Strafraum. In der 64. Minute fiel dennoch der verdiente Ausgleich, als ein
Abwehrversuch von Gersten an Nicole Erhardt abprallte und im Strafraum blieb. Aylin Yaren schnappte sich den Ball, wurschtelte sich an Abwehr und
Oude-Wesselink vorbei und lochte ein.
Handspiel. Nicht immer stoppte Gersten um Andrea Göken (r.) fair - mehr Gelbe Karten gab es von der Schiedsrichterin aber für ständige Beschwerden.
„Wenn wir Tempo gemacht haben, waren wir überlegen“, beschrieb Thoß auch die letzten 25 Minuten. Seine Mannschaft drückte aufs Gaspedal, sodass Gersten
den Gegner teilweise nur mit unfairen Mitteln stoppen konnte. Das allein hätte ihnen jedoch nur eine Gelbe Karte eingebracht, die anderen beiden gab es
für die lautstarke Kritik an Schiedsrichterin Anett Grußer. Da auch Rieck damit nicht hinterm Berg halten konnte, wurde er in der 84. Minute auf die
Tribüne verbannt.
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Fünf Minuten später hatte TeBe die vielleicht größte Chance des Spiels, als Kerstin Straka nach einem Eckball frei zum Kopfball kam und den Ball nur
knapp über den Kasten setzte.
Ein Unentschieden wie ein Sieg: Viktoria Gersten konnte im Abstiegskampf einen wichtigen Punkt gewinnen.
Im direkten Gegenzug beendete Grußer die Partie. „Über das ganze Spiel gesehen, haben wir einfach zu wenig gemacht“, beschrieb Thoß die Enttäuschung
seines Teams. Auf der anderen Seite feierten die Gäste den Punktgewinn wie einen Sieg. „Ich bin super-zufrieden. Wir haben toll gekämpft, nur leider auch
zu viele Fehlpässe produziert“, so Rieck. Nach diesem Punktgewinn und der Niederlage von Neubrandenburg können sich die Niedersächsinnen wieder berechtigte
Hoffnungen machen, den Relegationsspielen um den Klassenerhalt zu entgehen.
Aufstellungen
Berlin
Prusas, Liepack, Sharif, Wilder, Küpper (48. Yaren), Brückner, Schulz, Theodoridis, Özer, Neubauer (66. Straka), Pruehs
Gersten
Oude-Wesselink, J. Holtgräve (46. Ostholthoff), N. Erhardt, Engler, Schlösser, Göken, Freckmann, Vagelpohl (90. Brinkmann), Freese, Roesler (86. Egbers), Fennen
Tore
0:1 Roesler (49.)
1:1 Yaren (64.)
gelb: Brückner, Fennen, Vagelpohl, Göken
Schiedsrichterin:
Anett Grußer (Großlehna)
zuschauer: 52
Zweite Bundesliga Nord
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