Fansoccer-Logo

2. Bundesliga Nord, Nachholspiel vom 15. Spieltag

Herford macht Klassenerhalt klar

TSV Jahn Calden - Herforder SV 0:6 (0:2)

von Nora Kruse (Text u. Bilder)

05.05.2006

Mit einem souveränen und eindrucksvollen 6:0-Erfolg über den TSV Jahn Calden hat der Zweitliganeuling aus Herford drei Spieltage vor Saisonende sein Ziel erreicht und den Klassenerhalt perfekt gemacht. Doch nicht nur für die Herforderinnen brachte das Spiel Klarheit, sondern auch für die Gastgeberinnen: Nach drei Jahren in der Zweiten Bundesliga heißt es für die Nordhessinnen, den Weg in die Regionalliga zu gehen.

Sieben Punkte beträgt der Rückstand der Caldenerinnen auf den Relegationsplatz, den zur Zeit der FFV Neubrandenburg einnimmt. Aus eigener Kraft kann der Tabellenvorletzte nach diesem letzten Strohhalm im Kampf um den Klassenerhalt nicht mehr greifen und auch in Nordhessen glaubt nach dem Debakel gegen Herford keiner mehr an neun Punkte aus drei Spielen bei gleichziger Punktelosigkeit der Neubrandenburgerinnen.

Die Verletztenliste der Caldenerinnen ist überdimensional, auf etwa zehn Spielerinnen muss Trainer Manfred Rauschenberg verzichten und so seinen Kader mit jungen und unerfahrenen Kräften auffüllen. Dass man damit keinen Blumentopf gewinnen kann, macht der Blick auf den Saisonverlauf des ehemals souveränen Zweitligisten klar. Doch trotz aller Schwierigkeiten trieb der Auftritt der Nordhessinnen auch die eigenen Auswechselspielerinnen nach etwa der Hälfte der zweiten Halbzeit zur Verzweiflung: „Man kann ja verlieren, aber man muss sich nicht so abschießen lassen“. Zu diesem Zeitpunkt lag der TSV bereits mit 0:4 zurück und ließ jede Gegenwehr vermissen.
Der Knackpunkt im Spiel der Caldenerinnen war das 0:3, das Stefanie Härtel mit dem ersten Angriff nach der Halbzeitpause erzielte. Nach diesem Tor brach der Tabellenvorletzte in sich zusammen und ließ sich von den Gästen förmlich vorführen. Diese hatten in der ersten Halbzeit mit einer 2:0-Führung bereits den Grundstein für ihren Erfolg gelegt. Herford machte von Beginn an den agileren, spritzigeren und spielfreudigeren Eindruck und setzte die Caldener Hintermannschaft unter Dauerdruck. Doch während Herfords Trainer Björn Kenter das Angriffsspiel der Gastgeberinnen als „mega-ungefährlich“ bezeichnete, hielt die Defensive bis zur 37. Minute das 0:0. Dann jedoch verwandelte Marie Pollmann eine Flanke von der rechten Seite zur Gästeführung.

Seltenes Glück für Caldens Abwehr um Leonie Klement (r.): Marie Pollmann ist unter Kontrolle


Herford zieht davon und Calden kann nicht folgen: Christina Schulte (r.) und Mirjam Gernhardt zeigen 90 Minuten in einer Szene.

Keine fünf Minuten später setzte sich Marie Pollmann auf der linken Seite durch und flankte in den Strafraum. Was auf alle Beteiligten recht ungefährlich wirkte, entwickelte sich zum 2:0 für Herford, da Torhüterin Anika Tönniges den Ball der Salzkottenerin zwar ohne Probleme abfangen konnte, ihn jedoch ohne Bedrängnis fallen und ins Tor hüpfen ließ.

Die zweite Halbzeit stellte für die Ostwestfälinnen nach dem schnellen 3:0 keine Probleme dar. Calden ließ die Köpfe hängen und war auf allen Ebenen restlos überfordert. War der TSV in Ballbesitz, so ging das Leder nach spätestens drei Stationen wieder verloren. Dennoch versuchten es die Caldenerinnen weiter, den Ball über mehrere Stationen laufen zu lassen, anstatt aus mehr oder minder aussichtsreicher Position einfach mal abzuziehen. Es wurde in Handballermanier versucht, den Ball vor der Abwehr hin und herzuschieben, was erfolglos war, da die Herforderinnen auch hinten sicher standen. Calden fehlte die Übersicht, was sich auch in der 56. Minute zeigte, als Karina Thöne eine der vielleicht besten Chancen für ihre Mannschaft hatte. Die Spielführerin kam auf halblinker Position in Ballbesitz, hätte Raum und Zeit zur Ballannahme gehabt, zog jedoch sofort ab, was zur dankbaren Beute von Herfords Torhüterin Sonja Speckmann wurde.

Auf der anderen Seite zeigten die Herforderinnen teilweise schönen Kombinationsfußball, an dem fast immer Pollmann beteiligt war. In der 58. Minute war ihr Zuspiel auf Härtel zu schnell für die Abwehr der Gastgeberinnen, die jedoch durchatmen konnte, dass Härtel nach dieser schnellen Kombination über den Kasten schoss. In der 67. Minute wurde Pollmann für ihren Einsatz schließlich belohnt, als sie sich auf der linken Seite durchsetzte, sich an Mirjam Gernhardt vorbei in den Strafraum spielte und das vielleicht schönste Tor des Tages erzielte.

Das Spiel in Calden war längst entschieden und auch auf der Herforder Bank machte sich langsam Hochstimmung breit. Der/die ein/e oder andere musste bereits Wasserduschen über sich ergehen lassen, obwohl die Herforder Party noch nicht zu Ende war. In der 86. Minute verwandelte Annina Kühme eine Hereingabe von links zum 5:0 für die Gäste, bevor Fiona Rolfs zwei Minuten später den höchsten Saisonsieg und den damit verbundenen Klassenerhalt perfekt machte. Die Vorarbeit leistete Spielführerin Kerstin Nolte, die sich durch den Strafraum spielte, sich dann aber zu weit abdrängen ließ.


Die Herforderin wusste sich dennoch zu helfen und spielte den Ball mit der Hacke zurück in den Fünfmeterraum, wo Rolfs das Kunststück vollendete.

Kerstin Nolte bereitete mit einem Hackentrick das 6:0 vor.

So viele Kombinationen und Kunststücke machten auch Herfords Trainer Björn Kenter wunschlos glücklich. Nicht einen Kritikpunkt fand der 34Jährige am Spiel seiner Mannschaft, die sich nach dem Abpfiff in den Armen lag und sich in der prallen Sonne schon auf dem Platz diverser Duschen unzog. Als Aufsteiger haben die Ostwestfälinnen frühzeitig den Klassenerhalt perfekt gemacht, obwohl sie zwischenzeitlich den einen oder anderen Hänger hatten und sich den Abstiegsrängen wieder ungeahnt näherten.

Aufstellungen

Calden
Tönniges, Georgi (73. Hempel), Pottebaum, Giehl, Gernhardt, Alexi, Rosek, K. Thöne (73. Grussdorf), S. Thöne, Klement, Zech (73. Becker)

Herford
Speckmann, Kühme, Schlottmann (76. Kosok), Wiegmann, Schulte, Nolte, Hölscher, Mahler, Härtel, Pollmann (73. Rolfs), Meier (79. Basler)

Tore:
0:1 Pollmann (37.)
0:2 Pollmann (41.)
0:3 Härtel (46.)
0:4 Pollmann (67.)
0:5 Kühme (86.)
0:6 Rolfs (88.)

gelb: Georgi, K. Thöne, Nolte

Schiedsrichterin
Grußer (Großlehna)

Zuschauer: 110

Zweite Liga Nord

Zur FanSoccer-Startseite