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2. Bundesliga Nord

Frauenfußball in Gütersloh auf neuer Basis

Interview zur Gründung des FSV Gütersloh 2009

Text von Tom Schlimme
Archivbilder von Nora Kruse

19.06.2009   Jahrelang war die Frauenmannschaft des FC Gütersloh 2000 eine feste Größe in der 2. Bundesliga Nord. In den letzten drei Spielzeiten wurde der Verein zweimal Vierter und einmal Dritter in der Liga, vor vier Jahren sogar Zweiter. Doch es war nicht leicht, im Gesamtverein eine erfolgreiche Frauenabteilung und eine ambitionierte Männerabteilung unter einen Hut zu bekommen. Anfang Juni 2009 spaltete sich nun die Frauenabteilung ab, ein neuer Verein wurde gegründet, der FSV Gütersloh 2009. Tom Schlimme sprach für FanSoccer mit dessen Geschäftsführer Michael Horstkötter über die Hintergründe der Trennung und die Ziele des neuen Vereins:

„Wir müssen jetzt zwei Schritte zurückgehen, um dann wieder einen Schritt nach vorne gehen zu können”, erklärt Michael Horstkötter, der als ein Urgestein des Gütersloher Frauenfußballs bezeichnet werden kann. Horstkötter hat den Frauenfußball beim FC Gütersloh über Jahrzehnte aufgebaut und war zuletzt Abteilungsleiter Frauenfußball in dem großen Gesamtverein. „Wir mussten uns für die Zukunft besser aufstellen, etwas neues bewegen. Frauen und Männer beide im oberen Bereich in einem Verein, das ist keine einfache Situation, auch im Blick auf die Sponsoren nicht. Momentan schaut alles auf die WM 2011, aber wir wollen jetzt schon eine Perspektive für die Zeit danach entwickeln, wir wollen auf eigenen Beinen stehen und unabhängig von der Herrenabteilung unseren Weg gehen” umreißt Horstkötter die Motivation, die zur Gründung des neuen Vereins geführt hat.

Die Verantwortlichen bei der Stadt Gütersloh stünden voll hinter dem Konzept, ein Hauptsponsor sei schon gefunden, die Verträge allerdings noch nicht unterzeichnet, so dass ein Name noch nicht bekannt gegeben werden könne. Auch im alten Verein steht man der Trennung positiv gegenüber. Auf der entscheidenden Mitgliederversammlung gab es eine große Mehrheit für die Trennung (von 118 stimmberechtigten Mitgliedern stimmten 91 für die Abspaltung, 13 dagegen, die restlichen 14 enthielten sich). Bezeichnend ein Satz auf der Website des FC Gütersloh, in dem betont wird, dass der FC in Zukunft keine Kosten mehr für den Frauenfußball zu tragen habe. Es wirkt, als hätten einige beim FC den Frauenfußball vor allem unter diesem Aspekt wahrgenommen. „Das waren 15.000 bis 20.000 Euro im Jahr für die Trainer” meint Michael Horstkötter dazu, dieser Betrag soll nun über neue Sponsoren aufgebracht werden.

Die Spielklassen gehen an den neuen Verein über, so dass die Mannschaften da weitermachen können, wo sie jetzt stehen. Ein Großteil des alten Teams bleibe zusammen, allerdings würden Maren Wallenhorst und Nora Steinsträter den Vereinn verlassen. Doch mit Christina Drewitz, Lena Hackmann, Anja Barwinsky, Jacqueline Scheuren, Brigitta Schmücker, Katrin Posdorfer, Lisa Gebhard, Kira Buller, Angelika Widowski, Sandra Szopieray konnte Horstkötter aus dem Stegreif eine ganze Reihe von Namen von Spielerinnen aufzählen, die mit Sicherheit bleiben werden.

Ganz frisch dabei sind der neue Vorsitzende Sebastian Kmoch und sein Stellvertreter, Bernd Hillebrenner. Beide gingen mit großer Tatkraft an die neue Aufgabe heran. Dies ist auch vonnöten, denn es besteht Zeitnot. Aufgrund der Notwendigkeit, erst einmal die Mitgliederversammlung des alten Vereins abwarten zu müssen, hat der FSV Gütersloh 2009 nun nur eineinhalb Monate Zeit, um sich in seinen neuen Strukturen mit allen Formalien einzurichten. Doch es geht vorwärts, Ende nächster Woche soll die eigene Website online geschaltet werden. Hier schon einmal die Adresse: http://www.fsv-guetersloh-2009.de/.

FSV steht übrigens für Frauensportverein, ein Name, der in Deutschland noch nicht sehr häufig sein dürfte und zeigt, dass man über den Tellerand des reinen Fußballvereins hinausblicken will.



Kommentar: Während andere Vereine im Frauenfußball gerade derzeit ihr Heil im Anschluss an große Männervereine suchen, geht man also in Gütersloh den umgekehrten Weg. Von der Vielfalt, die aus solch unterschiedlichen Konzepten resultiert, kann der Frauenfußball insgesamt nur profitieren! Momentan wirft die WM 2011 im eigenen Land ihr Licht auf die Szene und lässt den Frauenfußball für die Männervereine sehr attraktiv aussehen. Doch niemand weiß, wie fest man sich darauf verlassen kann, dass diese Attraktivität von Dauer ist. Niemand weiß, wie die WM 2011 verläuft, ob Deutschland gut abschneidet, ob die Medien nach der WM gesättigt sind, was den Frauenfußball angeht, oder ob das Interesse weiter steigen wird. Sich mit Gedeih und Verderb einem Männerverein auszuliefern, mag auf den ersten Blick und auf kurze Sicht betrachtet viele Vorteile bringen, sprich schnelles Geld und vorgefertigte, funktionierende Strukturen. Doch es hat leider schon genug Beispiele gegeben, wo Frauenabteilungen in großen Vereinen fallen gelassen wurden wie heiße Kartoffeln und kaputt gemacht wurden, weil sie nur noch als Ballast empfunden wurden. Jetzt trennt man sich in Gütersloh weitgehend im Guten voneinander, ein Schritt, den rechtzeitig zu gehen etliche Vereine in der Vergangenheit versäumt haben. Ich wünsche dem neuen wie dem alten Verein jedenfalls für die Zukunft alles Gute!

(Bilder: Oben links Brigitta Schmücker, unten rechts Anja Barwinsky. Beide Spielerinnen bleiben in Gütersloh und werden in der nächsten Saison für den FSV Gütersloh 2009 auf Torejagd gehen)

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