Testspiel der A-Nationalmannschaft in Vancouver

Kanada kann noch viel vom deutschen Frauenfußball lernen...

Kanada - Deutschland 1:3 (0:1)

03.09.2005

Von John Schwermer (Text) und Elaine Sun (Fotos)
Übersetzung: Katja Öhlschläger

Website von Elaine Sun: www.gobigred.ca

Das Spiel war wirklich sehr interessant. Beide Teams agierten sehr engagiert und die Kanadierinnen versuchten ihr Bestes, um mit der deutschen „Fußballmaschine“ mitzuhalten. Aber nach dem Abpfiff hieß es dann doch 3:1 für den Favoriten aus Deutschland.

Charmaine Hooper und ihre Mutter mit dem jungen Baby von Charmaine

In der ersten Halbzeit bemühten sich beide Teams um den Führungstreffer und es war ein sehr ausgeglichenes Spiel, bis das deutsche Teams in der 35. Minute durch ein Tor von Kerstin Garefrekes in Führung ging. Beide Teams zeigten großen Kampfgeist, doch das deutsche Spiel war technisch besser und vom Spielaufbau her durchdachter und effektiver.

Nachdem ich am Tag vor dem Spiel das Training der beiden Teams beobachtet hatte, hatte ich erwartet, dass die Deutschen mit drei Toren Unterschied gewinnen würden. Damit lag ich ja fast richtig. Das Auftreten der beiden Teams im Training könnte man mit Profi-Training und Amateur-Training beschreiben, um es mal zuzuspitzen. Ich denke, dass die bessere finanzielle

Nach dem Training wartet das deutsche Team auf die Abfahrt

und fachliche Unterstützung des deutschen Teams, die sicher aus der deutschen Fußballtradition resultiert, hier eine ganz wichtige Rolle spielt. Man könnte es mit Eishockey in Deutschland und Kanada vergleichen. Zudem kann das deutsche Team auf eine viel größere Auswahl an aktiven Spielerinnen zurückgreifen, als es uns in Kanada möglich ist. Auch das öffentliche Interesse und die Zuschauerzahlen kann man nicht mit Deutschland vergleichen. Stellt euch vor, dass ich beim Abschlusstraining im Swangard Stadium, das 6.000 Zuschauer fasst, der einzige Zuschauer war.

Nach dem Training verlässt das deutsche Team das Stadion: Petra Wimbersky, Anja Mittag, Birgit Prinz, Britta Carlson, Silvia Neid, Sarah Günther, Maren Meinert (v.l.n.r.)

Die Tatsache, dass junge Spielerinnen eine Menge lernen können, wenn sie den besten Spielerinnen ihres Landes beim Training zuschauen, wurde über die ganze Woche hinweg völlig ignoriert. Das Training auf den „Riverway fields“ im strömenden Regen erinnerte mich an eine Gruppe von Kindern, die sich spontan zum Spielen trifft. Wieder war ich, neben Elaine und ihrer Schwester Annette, der einzige Zuschauer. Das wäre in Deutschland undenkbar. Doch dann beschlich mich das Gefühl, dass das gesamte Trainingslager überhaupt ziemlich geheim durchgeführt wurde, denn wenn ich davon nicht über Elaine’s „Go-Big-


Die deutsche Mannschaft bei der Hymne: Inka Grings, Steffi Jones, Sarah Günther, Anja Mittag, Kerstin Stegemann, Britta Carlson, Renate Lingor, Ariane Hingst, Kerstin Garefrekes, Silke Rottenberg, Birgit Prinz (v.l.n.r.)

Red-Website“ erfahren hätte, hätte ich davon gar nichts gewusst.

Ich persönlich denke, dass für den kanadischen Frauenfußball mehr

Die deutsche Mannschaft verschwindet nach dem Aufwärmprogramm in die Kabine: Jennifer Zietz, Ariane Hingst, Annike Krahn, Steffi Jones, Birgit Prinz und Kerstin Garefrekes (von vorne nach hinten)

Öffentlichkeit hergestellt werden muss. Wenn schon nicht über die Medien, dann zumindest über den kanadischen Fußballverband. Doch das passiert leider nicht - warum auch immer.
Wenn man dies alles bedenkt, dann haben sich die kanadischen Frauen gegen das professionellere Team aus Deutschland wirklich gut geschlagen. Aber zurück zum Spiel.

Team Kanada: Sophie Schmidt, Martina Franko, Karina LeBlanc, Randee Hermus, Amy Apps (hinten v.l.n.r.)
Isabelle Morneau, Diana Matheson, Charmaine Hooper, Rhian Wilkinson, Amy Walsh, Andrea Neil (vorne v.l.n.r.)


Die deutsche Mannschaft trat sehr diszipliniert auf, wie im Training am Tag zuvor. Schon beim Training konnte man den Unterschied erkennen, dass die Deutschen ihr Training mit sichtbarem Selbstbewusstsein sehr professionell absolvierten. Sie machten kein Trainingsspiel, sondern trainierten taktische und technische Dinge wie die Ballbehandlung. Sie kamen kurz nach 16 Uhr an und bereits eine Stunde später, als das kanadische Team gerade eintraf, waren sie schon wieder weg. Die kanadische Mannschaft wiederum begann ihr Training fast schon schüchtern mit Aufwärmübungen hinter dem Tor. Als ob sie Angst hätten, den Rasen zu betreten. Das Training sagte schon viel über den Unterschied zwischen den beiden Teams aus.

Ein Jahr nach ihrem 100. Länderspiel wurde Kapitänin Andrea Neil offiziell dafür geehrt

In der zweiten Spielhälfte wurde der Unterschied besonders deutlich sichtbar, als die kanadischen


Spielerinnen zunehmend müder wurden. In meinen Augen war es außerdem ein schwerer Fehler von Kanadas Coach Even Pellerud, seine beiden besten Spielerinnen über weite Strecken des Spiels auf der Bank sitzen zu lassen. Und das gegen ein Team wie Deutschland! Als Kara Lang und Christine Latham dann endlich eingewechselt wurden, war es schon zu spät, das Spiel noch einmal zu drehen, obwohl durch Kara’s Tor noch mal Hoffnung aufkam. Für einen Moment gab es nach einem Streit ein kleines Gerangel zwischen den Spielerinnen, aber alles in allem war es ein sehr unterhaltsames und schnelles Spiel auf Weltklasse-Niveau. Kurz vor Spielende stellt Deutschland dann den Zwei-Tore-Vorsprung durch ein Tor von Pohlers wieder her, sodass das Spiel – verdient – 3:1 für Deutschland endete.

Ich muss sagen, dass die kanadische Mannschaft einen großen Kampfgeist an den Tag legte, letztendlich gegen die enorm starke Mannschaft aus Deutschland aber nicht gegenhalten konnte. Dennoch wird der kanadische Frauenfußball immer besser und ein Spiel wie das gestrige kann dem Frauenfußball hier nur gut tun.

Isabelle Morneau schreibt Autogramme

Kanada
LeBlanc, Schmidt, Neil (59. Lang), Morneau (71. Robinson), Matheson, Franko, Hooper, C. (71. Latham), Hermus, Walsh, Wilkinson, Apps (86. Tancredi)

Deutschland
Rottenberg - Stegemann (46. Becher), Jones, Hingst, Günther - Carlson, Garefrekes, Lingor (59. Okoyino da Mbabi), Mittag (46. Pohlers) - Grings (46. Wimbersky), Prinz

Kanadas Trainer Even Pellerud mit seiner Familie

Tore:
0:1 Garefrekes (35.)
0:2 Wimbersky (57.)
1:2 Lang (71.)
1:3 Pohlers (80.)

Schiedsrichterin: Bennet (USA)

Gelbe Karten: Latham, Hooper - Günther

Zuschauer: 4315

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