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Algarve Cup 2007, 1. Spieltag

Leichte Aufgabe für Schweden

Gruppe B: Schweden - Finnland 3:0 (2:0)

Text: Volker Lieberum
Statements: Nora Kruse
Interview: Volker Lieberum

12.3.2007    In der Gruppe B musste Schweden am 07.03.07 zuerst gegen Finnland antreten und hatte damit am Anfang eine leichte Aufgabe zu lösen, bevor die Teams aus China und der USA folgen werden. Die beiden Nordeuropäischen Mannschaften stehen vor einem Neubeginn; Schweden muss sich nach dem Weggang von Malin Moström und Anna Sjöström neu finden, während die Finninen, die die WM Qualifikation nicht schafften, mit einem jüngeren Team zur alten Stärke zurück finden wollen.

Bei Sonnenschein, doch ziemlichen Wind, hatte die Elf von Mannschaftsführerin Victoria Svensson Anstoß. Beide Teams versuchten zuerst mit langen Bällen ihre Stürmerinnen vorne in Stellung zu bringen. So suchte Sara Thunebro ihre Vereinskameradin Vickan, während die Finnin Susanna Lehtinen die Potsdamerin Essi Sainio bediente, doch beide Hintermannschaften passten auf.
Essi humpelte nach dieser Aktion vom Platz und wurde auf der Bank behandelt. Wie sich später herausstellte, zog sie sich links einen Mittelfußbruch zu (siehe: Interview mit ihr am Schluss des Berichts). In der 6. min. stürmte Sara Thunebro wieder nach vorne und flankte von der linken Strafraumgrenze nach innen in den Strafraum zu Josefine Öqvist, doch Petra Vaelma klärte vor der Linköpingerin zur Ecke, die aber nichts einbrachte, da Nilla Fischer weit über das Tor zielte.

Nilla Fischer

Nilla Fischer wollte heute kein Treffer gelingen

Archivfoto: Volker Lieberum

Während Essi Sainio noch behandelt wurde, startete die finnische Mannschaft durch Anna-Kaisa Rantanen und Annica Sjölund zwei Angriffe, die aber in der aufmerksamen schwedischen Defensive hängen blieben. In der 8. min. kam dann Taru Laihanen für die verletzte Potsdamerin.

Annica Sjölund erhielt in der 10. min. an der schwedischen Strafraumgrenze den Ball und ihr eigentlich leichter Schuss, brachte Sofia Lundgren etwas in Verlegenheit, doch konnte sie das Leder zur Ecke ablenken. Es war übrigens die einzige Unsicherheit von Sofia. Schweden konnte den Eckstoß abwehren und an Josefine Öqvist weiterleiten. Diese trieb den Ball auf der linken Seite nach vorne, ging vor dem Strafraum in die Mitte, doch ihren Schuss parierte die 20 jährige finnische Torhüterin Tinja-Riikka Korpela.

Etwa nach einer Viertelstunde wurde Schweden stärker und übernahm das Ruder. Auf rechts kamen Sjögran/ Schelin, auf links Thunebro/ Öqvist mit Angriffen nach vorne. In der 16. min. wurde der Ball in den finnischen Strafraum getreten, der abgewehrt wurde, doch zu der am Strafraum lauernden Nilla Fischer kam. Diese drosch das Leder zurück, aber Tinja-Riikka Korpela klärte zur Ecke, die anschließend von ihr sicher abgefangen wurde.

Auffällig war, dass viele schwedische Angriffe über die linke Seite kamen, da die beiden Defensivspielerinnen Charlotte Rohlin und vor allem die schnelle Sara Thunebro sich mit nach vorne orientierten. Obwohl Sara oft als Linksaußen agierte, vernachlässigte sie ihre Abwehraufgaben nicht. In der 22. min. wehrte sie einen Vorstoß von Anna-Kaisa Rantanen ab. Den anschließende Einwurf fingen die Schwedinnen ab und starteten ihrerseits einen Konter über Therese Sjögran, Caroline Seger und Anna Paulson. Sie leitete das Leder auf Victoria Svensson weiter, zwar klärten zwei finnische Spielerinnen, doch kam der Ball zu Therese Sjögran zurück, die ihn mit voller Wucht in die linke, lange Torecke, ohne Abwehrmöglichkeit für Korpela, schoss. Schweden führte 1:0.

Therese Sjögran

Mittelfeldspielerin Therese Sjögran erzielte den Führungstreffer

Archivfoto: Volker Lieberum

Nach einer halben Stunde liefen die schwedischen Angriffe noch stärker nach vorne, jetzt auch über Lotta Schelin, die bisher nicht so in Erscheinung trat, den die Göteborgerin hatte die Seite mit Josefine Öqvist getauscht und kam nach links. Auch Öqvist schien es rechts besser zu gefallen, so ging ein Schuss von ihr in der 33. min. nur knapp am gegnerischen Tor vorbei.

Josefine Öqvist

Josefine Öqvist hatte einige Torgelegenheiten und bereitete selbst das 2:0 vor

Archivfoto: Volker Lieberum

Die vereinzelten finnischen Angriffe zu diesem Zeitpunkt waren eine sichere Beute der schwedischen Abwehr, etwa in der 34. min. als Frida Östberg den Ball abfangen konnte und ihn gleich an Svensson


Victoria Svensson

"Kapitän Vickan" bot eine gute Leistung und erzielte mit Torinstinkt das 2:0

Archivfoto: Volker Lieberum

weiterleitete. Vickan verlängerte zu Josefine Öqvist und lief selber nach vorne weiter. Diese schickte das Leder zu ihr in den Strafraum, während die Torhüterin herauseilte, doch vorbei griff und Victoria Svensson, trotz Behinderung von Tiina Salmén, den Ball ins Tor zum 2:0 einschob.

Schon drei Minuten später rollte der nächste sehenswerte Angriff; Sara Thunebro trat einen Freistoß zu Lotta Schelin, die schnelle Göteborgerin eilte nach innen und passte am Strafraum den Ball nach links zu Therese Sjögran. Die Malmöerin verlängerte gefährlich in den Strafraum zu Josefine Öqvist, doch diese wurde von Maija Saari abgeblockt, so dass Tinja-Riikka Korpela klären konnte.

Ohne große Probleme fuhr das überlegene Drei-Kronen-Team den 2:0 Vorsprung zur Halbzeit ein.

Nach der Pause versuchte auch Finnland wieder ins Spiel zu kommen, doch Schweden ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Gefährlich wurde es in der 51. min. vor Sofia Lundgrens Tor als die finnische Mannschaft über links kam und Taru Laihanen auf einmal alleine vor der Schwedin stand. Doch mit einem Reflex wehrte Sofia den Ball ab.

Etwa nach einer Stunde verflachte das Spiel zusehens. Für das schwedische Team war die Messe gelesen und vielleicht wollte man sich auch für die nächsten, schwierigeren Aufgaben schonen, trotzdem konnte Finnland sich nicht mehr aufrappeln. Ab und an brannte es noch einmal bei Korpelas Tor, etwa in der 63. min. als ein Kopfball von Svensson knapp am Pfosten vorbei strich oder eine Minute später durch einen Schuss von Sara Thunebro.

Gleich zwei neue Spielerinnen brachte dann der schwedische Trainer Thomas Dennerby in der 65. min. (Marlene Sjöberg und Salina Olsson für Sara Thunebro und Caroline Seger), doch brachten sie genauso wenig für das Spielgeschehen wie der Wechsel zehn Minuten später (Therese Lundin und Maria Aronsson für Therese Sjögran und Victoria Svensson).

Erst die dritte Einwechslung (Sara Johansson und Frida Nordin für Lotta Schelin und Josefine Öqvist) sorgten noch einmal für Unruhe. Ein Schuss von Sara ging in der 88. min. nur knapp am linken Torpfosten vorbei und Frida überwand in der Nachspielzeit mit einem Distanzschuss Tinja-Riikka Korpela zum 3:0 für Schweden.

Frida Nordin

Mit einem Distanzschuss erzielte Frida Nordin das 3:0

Archivfoto: Urzsula Striner

In meinen Augen blieb das schwedische Mittelfeld trotz dem Tor von Therese Sjögran, die auch sonst eine gute Partie lieferte, blass und ließ Malin Moström weiterhin vermissen. Sofia Lundgren, die sich nach der Verletzung von Hedvig Lindahl, wieder zur Torfrau Nummer zwei etablierte, nachdem sie diese, ebenfalls nach einem Kreuzbandriss, abgab, löste ihre Aufgabe recht gut.
Gefallen konnte die schwedische Abwehr unter der bewerten Frida Östberg mit den Neulingen Charlotte Rohlin (erster Einsatz) und Anna Paulson (vierter Einsatz) und vor allem mit Sara Thunebro, die mir persönlich besonders gefiel,

Sara Thunebro

Überzeugte auch dieses Mal wieder, Wirbelwind Sara Thunebro

Archivfoto: Volker Lieberum

da sie hinten wie vorne zu finden war und ein tolles Spiel zeigte.
Im Sturm muss man Victoria Svensson nennen, die besonders für Unruhe sorgte und ihr Tor machte. Lotta Schelin gefiel auf links und Josefine Öqvist auf rechts, umgekehrt waren beide weniger gefährlich und Lotta zeigte noch nicht alles.

Lotta Schelin

Lotta gefiel auf der linken Sturmseite

Archivfoto: Volker Lieberum

Finnland muss noch einiges tun,


um zur Weltspitze auf zu schließen.

Hier die Statements der beiden Trainer:
Thomas Dennerby (Schweden):
"Mit der ersten Halbzeit bin ich zufrieden, aber danach hatten wir viele Hochs und Tiefs. Wir waren die meiste Zeit in Ballbesitz, haben aber zu sehr hin und her gespielt, anstatt konsequent den Weg nach vorne zu suchen. Vielleicht waren sich die Spielerinnen nach der ersten Hälfte zu sicher und haben gedacht, die Partie einfach nach Hause zu spielen."

Michael Käld (Finnland):
"Wir wussten schon vorher, dass dieses Spiel sehr schwer werden würde. Wir sind in der Vorbereitung für die Europameisterschaft 2009 und haben noch viel Arbeit vor uns. Ich bin dennoch sehr zufrieden mit der Einstellung meiner Spielerinnen. Sie haben zwar Fehler gemacht, aber das ist okay. Wir sehen das Level, das wir erreichen wollen und müssen weiter daran arbeiten."

Am Sonntag (11.3.07) unterhielt ich mich mit Essi Sainio, die übrigens schon sehr gut deutsch gelernt hat, über ihre Verletzung.
FanSoccer: Hallo Essi, du arme, wie geht es dir?

Essi: Hallo, ja es geht so. Ich bin am Freitag wieder nach Potsdam zurückgeflogen und morgen muss ich zum Arzt. Zu 90% glaube ich, dass ich operiert werden muss.

Essi Sainio

Kleiner Pechvogel, Essi Sainio

Archivfoto: Jan Kuppert

Kannst du sagen, wie es passiert ist?
Es war ein langer Ball, der auf mich gespielt wurde, mein erster Ballkontakt im Spiel überhaupt. Ich hatte mich gedreht, dann hörte ich einen Knack, aber lief trotzdem weiter. Doch plötzlich setzte ein starker Schmerz ein, dass ich nicht mehr laufen konnte. Ich dachte mir gleich was es sein könnte und habe Recht behalten.

Ich habe mir heute Nachmittag das Spiel noch einmal angesehen. Es war in der zweiten Minute als du den Ball von Susanna bekommen hast. Frida Östberg störte dich. Sie hat aber nichts mit der Verletzung zu tun?
Nein, Frida hat überhaupt nichts gemacht, ich hatte sie auch gar nicht bemerkt.
Es war eine "stress fracture"; deswegen ist der Knochen kaputt gegangen.

Was bedeutet: "stress fracture".
Ich kenne das nur auf englisch, es bedeutet, dass der Knochen schon lange vorher angeknackst war. Evt. hatte er einen Riss, aber es hat nicht weh getan.

Du meinst, der Knochen war schon vor der Portugalreise beschädigt?
Ja, das meine ich, doch keiner hat es gewusst.

Hattest du nach der 2. Minute große Schmerzen gehabt? Wie ist es jetzt?
Ja, nachdem es richtig gebrochen war, hat es ganz toll weh getan. Jetzt kann ich nicht ohne Krücken laufen.

Euer Mannschaftsarzt hatte deinen Fuß bandagiert. Wurden die Schmerzen da etwas weniger?
Nein, die Schmerzen blieben gleich.

Essi, FanSoccer und ich wünschen dir alles Gute und baldige Genesung. Ich drücke dir die Daumen, dass du bald wieder gesund wirst.
Ich danke dir Volker. Moikka.

Schweden:
12 Sofia Lundgren, 19 Anna Paulson, 8 Frida Östberg, 20 Charlotte Rohlin, 6 Sara Thunebro (7 Marlene Sjöberg 65'), 5 Caroline Seger (16 Salina Olsson 65'), 15 Therese Sjögran (9 Therese Lundin 75'), 18 Nilla Fischer, 13 Lotta Schelin (2 Sara Johansson 79'), 11 Victoria Svensson (K) (10 Maria Aronsson 75'), 14 Josefine Öqvist (17 Frida Nordin 79')

Finnland:
12 Tinja-Riikka Korpela, 4 Maija Saari, 2 Petra Vaelma, 5 Tiina Salmén, 11 Susanna Lehtinen, 14 Sanna Malaska, 3 Jessica Julin, 10 Anna-Kaisa Rantanen, 8 Katri Nokso-Koivisto, 18 Annica Sjölund(Heidi Lindström 71'), 7 Essi Sainio, (17 Taru Laihanen 8'), (15 Kati Hakala 58')

Tore:
1-0 (22') Therese Sjögran,
2-0 (34') Victoria Svensson,
3-0 Frida Nordin (90'+1)

Referee:
P. Kammueng (Thailand)

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