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A-Nationalmannschaft, Testspiel

Deutsches Team konzentriert und spielfreudig

Deutschland - Italien 5:0 (2:0)

Text von Tom Schlimme

4.8.2006   Eigentlich war es ein ungünstiger Termin für ein Länderspiel. Das Training hat in den meisten Vereinen der Bundesliga gerade erst begonnen, den Spielerinnen müßte es noch an Kondition, aber auch an Frische und Spritzigkeit fehlen. Doch davon war in keiner der knapp über 90 Minuten gegen Italien etwas zu merken.

Das deutsche Team war sogar derart hoch überlegen, dass man glaube konnte, dass es hier gegen ein Fußball-Entwicklungsland gehen würde. Dabei steht Italien immerhin auf Rang 10 der Weltrangliste, und die Bilanz gegen Italien war mit elf deutschen Siegen bei sechs Unentschieden und vier Niederlagen zwar nicht ausgeglichen, aber auch nicht gerade so, dass man Haus und Hof auf Deutschland hätte setzen mögen.

Anja Mittag und Eva Valeri

Anja Mittag gewann die meisten Zweikämpfe, die sie gegen Eva Valeri zu bestreiten hatte

Bild: Nora Kruse

Doch man muss berücksichtigen, dass die italienische Frauen-Nationalmannschaft sich in einem Umbruch befindet. Ein Jahr nach der Ablösung von Nationaltrainerin Carolina Morace durch Pietro Ghedin hat das Team noch kein erfolgreiches Spielsystem gefunden. Die Ausrichtung soll offensiver sein als unter Morace, doch davon war nicht nur gestern nichts zu sehen. In der WM-Qualifikationsrunde setzte es bereits zwei Niederlagen, das Team wirkt verunsichert. Außerdem fehlten die Top-Stürmerinnen Patrizia Panico und Valentina Boni.

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Die beste deutsche Spielerin Birgit Prinz, hier im Zweikampf mit Daniela Turra, schoß zwei Tore selbst und bereitete das dritte vor

Bild: Nora Kruse

So konnte Bundestrainerin Silvia Neid aus der Not (es gab urlaubs- bzw. verletzungsbedingte Absagen von Sandra Minnert, Steffi Jones, Renate Lingor, Britta Carlson und Melanie Behringer) eine Tugend machen und fleißig experimentieren. In der ersten Halbzeit spielte Celia Okoyino da Mbabi auf der 10 zentral hinter den Spitzen, Kerstin Garefrekes auf der 6 zentral vor der Abwehr. In der zweiten Halbzeit dann Garefrekes auf der 10 und die für Okoyino da Mbabi eingewechselte Navina Omilade auf der 6. Annike Krahn, die sich immer deutlicher als kommende Kraft im Abwehrzentrum etabliert, nahm den Platz von Steffi Jones ein. Interessant der Wechsel der Spitzen in der ersten Halbzeit: meist waren Sandra Smisek und Birgit Prinz vorne, doch hin und wieder stießen plötzlich Conny Pohlers und Anja Mittag vor, während sich Prinz und Smisek etwas zurückfallen ließen.

Mit Omilade (erstes Länderspiel seit 14 Monaten), Sandra Smisek, Martina Müller , Bianca Rech, Isabell Bachor (erstes Länderspiel seit über 15 Monaten) und Jennifer Zietz in ihrem sechsten Länderspiel durften sich gleich sechs Spielerinnen beweisen, die um einen Stammplatz in der Nationalmannschaft noch kämpfen müssen. Das Problem: eigentlich sahen gegen den schwachen Gegner Italien alle ziemlich gut aus, so dass die Bundestrainerin ihre positiven Eindrücke über die eingesetzten Spielerinnen wird relativieren müssen.

Am ehesten Punkte gemacht haben für mich Sandra Smisek, die ihre Mitspielerinnen einige Male gut in Szene setzen konnte und mit ihrem Hackentrick das 2:0 durch Birgit Prinz ermöglichte, Isabell Bachor, die vor allem in der zweiten Hälfte der zweiten Halbzeit für erhebliche Verwirrung in der italienischen Abwehr sorgte,


Isabell Bachor und Alessia Tuttino

Gelungenes Comeback: Isabell Bachor, links gegen Alessia Tuttino, erzielte in ihrem ersten Einsatz seit 15 Monaten das 5:0 und bereitete das 4:0 vor.

Bild: Peter Henkel

und Martina Müller, die mit ihrem Tor zum 5:0, das sie mit dem Kopf gegen das hohe Bein ihrer Gegenspielerin erzielte, trotz später Einwechselung ihre Torgefährlichkeit beweisen konnte. Aber auch Navina Omilade, die den Spielfluss nach ihrer Einwechselung in zentraler Position nahtlos aufrechterhalten konnte, muss postiv erwähnt werden.

Kerstin Stegemann und Tatiana Zorri

Kerstin Stegemann spielte gewohnt sicher, hier schirmt sie den Ball vor Italiens Spielführerein Tatiana Zorri ab, die nur ein einziges Mal durch einen Freistoß, der einen halben Meter über das Tor strich, für einen Hauch von Gefahr sorgen konnte

Bild: Nora Kruse

Bleiben noch die Etablierteren: Kerstin Stegemann rechts hinten sicher wie immer, vor allem zu Beginn mit mächtigem Drang nach vorne, Sonja Fuss auf der linken Seite genauso überzeugend. Fuss war es auch, die mit ihrer Flanke in die Mitte nach genialem Steilpass von Okoyino da Mbabi das wichtige 1:0 durch Prinz einleitete. Ariane Hingst hatte den defensiveren Part in der Innenverteidigung und kam deswegen weniger häufig zum Zug als Krahn, war dann aber gewohnt zuverlässig zur Stelle und konnte nebenbei auch noch einen Kopfball auf die Latte des italienischen Tores lupfen. Kerstin Garefrekes kam auf den ungewohnten Positionen sehr gut zurecht. Conny Pohlers und Anja Mittag spielten ordentlich, aber unauffällig und manchmal etwas glücklos. Petra Wimbersky gefiel nicht nur durch ihre gefährlich hereingegebenen Eckbälle, sondern auch durch etliche andere gute Szenen.

Martina Müller

Martina Müller, Torschützenkönigin der zweiten Liga Nord in der vergangenen Saison, brauchte nur 17 Spielminuten, um ihr Tor zum Sieg beizusteuern

Bild: Peter Henkel

Celia Okoyino da Mbabi nutzte ihre Chance ebenfalls, und wenn man jetzt noch überlegt, wer alles gefehlt hat, außer den genannten auch noch die zuletzt durch Verletzungen zurückgeworfene Torjägerin Inka Grings, dann kann man der Bundestrainerin in ihrer Aussage folgen, dass kaum eine Spielerin in der deutschen Nationalmannschaft einen Stammplatz sicher hat. Von Silvia Neid ausgenommen wurde hierbei Birgit Prinz, die gesetzt sei, und die unterstrich ihre Stellung auch durch eine Leistung, die noch einen Tick über die der anderen deutschen Spielerinnen heraus- ragte. Da waren nicht nur die beiden Tore, das erste mit links flach ins lange Eck, das andere mit rechts halbhoch ins kurze Eck, sondern etliche Balleroberungen im Mittelfeld und ihr knallharter Freistoß, den Keeperin Carla Brunozzi nur abklatschen konnte, so dass der Ball Garefrekes zum 3:0 vor die Füße sprang.

Fazit: Beispielhaft zeigt es für mich das 4:0, als nach einer Wimbersky-Ecke in den Fünfmeterraum der Italienerinnen weder die Torhüterin noch zwei Abwehrspielerinnen in der Lage waren zu verhindern, dass der Ball billardkugelgleich durch den


Strafraum prallte und der einen Meter vor dem Tor postierten Bachor vor die Füße fiel, dieser Gegener war kein echter Prüfstein. Doch auch solche Fehler muss man erst einmal erzwingen, und niemand kann abstreiten, dass die deutsche Nationalmannschaft in Krefeld gegen Italien einen richtig guten Tag erwischt hatte und eine Leistung zeigte, die aufhorchen läßt. Auf jeden Fall wurde deutlich, dass wir aus einem reichen Potential an guten Spielerinnen schöpfen können, so dass wir mit großen Erwartungen in die Zukunft schauen können.

Daniela Turra

Hier kann Daniela Turra den Ball wegköpfen, doch in vielen Situationen erwies sich die italienische Abwehr einschließlich Torfrau Carla Brunozzi als unsicher. Mit der 6 im Bild Cristina Cassanelli, die den Ball schon in der zweiten Spielminute Birgit Prinz zum 1:0 vor die Füße köpfte

Bild: Peter Henkel

Statement von Bundestrainerin Silvia Neid auf der Presse- konferenz:
"Ich bin zufrieden mit dem Spiel. Wir haben fünf Tore gegen sehr tiefstehende Italienerinnen erzielt, die ein gutes Abwehrverhalten gezeigt haben. Wir mussten viel arbeiten, um Lücken zu finden. Das Spiel hat aber auch gezeigt, dass uns noch Praxis fehlt, wir haben viele Ungenauigkeiten im Passspiel gezeigt. Dennoch war die Zusammenarbeit meiner Mann- schaft gut, jede hat der anderen geholfen."

Über Birgit Prinz:

"Das frühe Tor von Birgit hat sicherlich dafür gesorgt, dass Italien ein wenig in sich zusammengefallen ist. Birgit zeigt derzeit eine sehr gute Form, obwohl sie wenig Spielpraxis hat. Sie hat viel nach vorne, aber auch nach hinten, gearbeitet und sich die Bälle teilweise selber geholt. Sie war heute einfach die perfekte Spielführerin."

Navina Omilade und Sara Di Filippo

Hacke, Spitze, eins zwei drei, so ging es öfter! Hier Navina Omilade mit der Hacke gegen Sara Di Filippo

Bild: Peter Henkel

Deutschland

Rottenberg - Stegemann, Krahn, Hingst, Fuss (73. Rech) Pohlers (46. Bachor), Garefrekes (77. Zietz), Okoyino da Mbabi (46. Omilade), Mittag (73. M. Müller) Prinz, Smisek (46. Wimbersky)

Italien

Brunozzi - Valeri, Tavalazzi, Turra, Cassanelli Pini (76. Domenichetti), Tuttino, di Filippo, Zorri Gabbiadini (70. Iannella), Lina Marsico (46. Fuselli)

Tore:
1:0 Prinz (2.)
2:0 Prinz (22.)
3:0 Garefrekes (51.)
4:0 Bachor (72.)
5:0 M. Müller (89.)

Gelbe Karten: Tavalazzi, Lina Marsico

Gelb/Rot: Valeri (86. wiederholtes Foulspiel)
Schiedsrichterin: Nicole Schumacher (Oberhausen)

Zuschauer: 15.746


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