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Nationalmannschaft

Erwartungen weit übertroffen

Brasilien-Länderspiel bricht alle Rekorde

Text und Bilder von Tom Schlimme

20.04.2009   All das hat es noch nie gegeben: Der DFB hat noch nie so viel Geld für Werbung vor einem Frauenfußballspiel ausgegeben, noch nie drei Pressekonferenzen hintereinander zur Einstimmung abgehalten (Sonntag, Montag und Dienstag), und noch nie in Europa waren am Ende soviele Zuschauer bei einem Frauenfußballspiel im Stadion wie es am Mittwoch beim Freundschaftsspiel gegen Brasilien der Fall sein wird.

Bereits Montag Mittag waren 40.445 Karten verkauft, etwa 10.000 Plätze sind noch frei, mit etlichen Tausend Kurzentschlossenen ist am Mittwoch noch zu rechnen. Damit ist der angepeilte Europarekord bei weitem gebrochen. „Am Anfang war uns schon mulmig”, gestand DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach am Montag auf der Pressekonferenz in Frankfurt. Nachdem Spiele der Nationalmannschaft bisher immer in kleinen Stadien stattgefunden hatten, war nun erstmals eine richtig große Arena gewählt worden. „Nun aber sehen wir uns in unserem Optimismus vollauf bestätigt und werten die Euphorie des Publikums rund um dieses Spiel als Mut machendes Ausrufezeichen in Richtung 2011”, erkärte Niersbach.

Wolfgang Niersbach

DFB-Generalsekrätär Wolfgang Niersbach kann zufrieden sein, die Werbemaßnahmen des DFB vor dem Spiel waren ein voller Erfolg. Der Frauenfußball zieht in Deutschland!

Um das zu Erreichen, hatte der DFB allerdings auch geklotzt, statt zu kleckern: Allein im Frankfurter Stadtbereich wurden fast 2000 große Plakate verteilt, dazu kamen noch 20 Brückenbanner und 80 sogenannte „Mega-Lights” Unterstützt wurde dies alles durch die Stadt Frankfurt und auch durch die Verkehrsbetriebe, die zusätzlich auf Monitoren und Screens für das Spiel warben. Aber auch die Männerfußballvereine der Umgebung, Eintracht Frankfurt, SV Darmstadt 98, der FSV Frankfurt und der FSV Mainz 05 halfen kräftig mit. Dabei waren auch fast selbstverständlich - der 1. FFC Frankfurt sowie die Radiosender Radio FFH und HR1.

Entsprechend groß werden auch Medieninteresse und Aufwand am Spieltag sein. Das ZDF als übertragender Sender wird allein mit rund 100 Mitarbeitern vor Ort sein, daneben sind mehr als 100 Journalisten von Zeitungen und Hörfunk akkreditiert, auch 95 akkreditierte Fotografen bedeuten einen neuen Rekord beim Frauenfußball.

105 freiwillige Helfer aus elf Nationen, darunter auch aus Brasilien, sollen erstmals bei einem Frauenfußball Länderspiel für einen reibungslosen Service im Stadionbereich sorgen, dies auch ein kleiner Vorgeschmack und Probelauf für die WM 2011. Das Programm beginnt übrigens schon um 15.30 Uhr mit verschiedenen Ständen auf dem Gelände, wo vom Torwandschießen bis zur Messung der Schussgeschwindigkeit einige Attraktionen für die ganze Familie geboten werden.


Nadine Angerer und Kim Kulig

Nadine Angerer (links) und Kim Kulig präsentierten nach der Pressekonferenz noch das Nationalmannschaftstrikot mit den zwei Weltmeistersternen und die Weltmeisterschaftsurkunde von 2007. Die WM 2011 im eigenen Land könnte den dritten Stern und die dritte Urkunde bringen, vor allem aber soll sie ein Fest für den Frauenfußball werden. Das Freundschaftsspiel vor Rekordkulisse gegen Brasilien am Mittwoch soll das deutsche Publikum schon einmal auf dieses Ereignis einstimmen

Nicht nur, dass mit dieser Rekordkulisse alle Zweifel an der Realisierbarkeit großer Kulissen auch im Frauenfußball ausgeräumt sein dürften, auch sonst konnte Niersbach von positiven Tendenzen berichten, die Hoffnung auf eine weitere rasche Entwicklung in Deutschland machen. Seit dem WM-Sieg 2007 habe sich das Interesse der Sponsoren drastisch verändert. Sei der Frauenfußballbereich vorher ebenso wie der Jugendfußball einfach nur "„mitgenommen” worden, fragten die Firmen jetzt ganz gezielt nach Möglichkeiten, sich im Frauenfußball zu engagieren.

Nadine Angerer und Kim Kulig

Bitte Platz nehmen zur Pressekonferenz: Der DFB hat am Sonntag mit Lira Bajramaj, Linda Bresonik und Melanie Behringer nach Gravenbruch eingeladen, am Montag mit Kim Kulig und Nadine Angerer nach Frankfurt, am Dienstag ebenfalls in Frankfurt stehen die Trainer Kleiton Lima und Silvia Neid sowie die Spielerinnen Marta und Birgit Prinz zur Verfügung

Der DFB plant derzeit an einer weiteren großen Veranstaltung in diesem Jahr. Im Oktober soll in der Allianz-Arena in München mit den USA ein weiterer Höchstkaräter als Gegner in einem Freundschaftsspiel vor ganz großer Kulisse geboten werden. Allerdings bestehen noch etliche schwerwiegende organisatorische Probleme, zum einen gibt es an dem angedachten Termin eventuell Terminüberschneidungen in der Allianz-Arena, zum zweiten möchten die Vertreter der USA einen derartigen Europabesuch nur machen, wenn sie es mit einem zweiten Spiel in Europa verbinden können, und der entsprechende Gegner/Gastgeber muss erst einmal gefunden werden. Sollte dies jedoch klappen, wäre als nächstes die Frage zu stellen, wie der DFB die dann aufgebaute Spannung bis zum Jahr 2011 überhaupt aufrecht erhalten will - das Jahr 2009 wäre jedenfalls an Highlights kaum noch zu überbieten.

Doch zunächst geht es am Mittwoch erst einmal darum, die hohen Erwartungen der Zuschauer nicht zu enttäuschen und ein gutes Spiel gegen Brasilien abzuliefern. Keeperin Nadine Angerer peilt dabei in erster Linie Wiedergutmachung für das mit 4:1 hoch verlorene Halbfinale bei Olympia 2008


an. „Ich brenne auf das Spiel am Mittwoch”, erklärte Angerer. Der von ihr gehaltene Elfer im Finale gegen Brasilien bei der WM 2007 sei Geschichte, jetzt gelte es, nach vorne zu blicken.

„Ich habe letztes Jahr schon bei der U20 WM in Chile gegen Brasilien gespielt und wir haben gewonnen” zeigte sich Kim Kulig mit dem Optimismus und der Unbekümmertheit der Jugend. Kulig habe noch nie vor so einer großen Kulisse gespielt, das höchste seien ca. 17.000 Zuschauer gewesen bei der U20 WM oder auch beim Länderspiel der A-Natio in Bielefeld. „Das wird etwas ganz anderes, ich freue mich darauf”, erklärte Kulig, die allerdings noch nicht sicher weiß, ob sie überhaupt auf dem Rasen dabei sein wird, denn die Bundestrainerin habe die Aufstellung noch nicht verraten, und auf ihrer „Sechserposition” hofften jetzt fünf Spielerinnen auf ihren Einsatz.

Auf die Frage, ob ihr die Umstellung auf die „Sechserposition” - in den Vereinen spielt Kulig meist offensiv auf dem Flügel - denn keine Probleme bereite, erklärte Kulig, dass sie schon in der U19-Natio auf der Sechs gespielt habe. Sie habe nichts gegen diese Position, im Gegenteil. Im Training würde viel daran gearbeitet, sich in dieser Rolle richtig einzuspielen.

Nadine Angerer und Kim Kulig

„Ich bin stolz darauf, dass der Frauenfußball jetzt diesen Stellenwert bekommt, da haben wir sehr lange sehr hart für gearbeitet” erklärte Nadine Angerer

Ich muss sagen, nach dieser Pressekonferenz freue ich mich noch mehr auf das Spiel am Mittwoch. Es verspricht, ein ganz großes Fußballfest zu werden. Besonders freuen würde ich mich, wenn etliche der jungen Spielerinnen um Kim Kulig zumindest zeitweise eingesetzt würden - und eine Revanche für das Halbfinale bei Olympia wäre natürlich das Sahnehäubchen!


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