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Testspiel vor Olympia

Misslungene Generalprobe

Norwegen - Deutschland 2:0 (1:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Martin Kochem

24.7.2008   Ist das jetzt ein gutes Omen? Letztes Jahr hatte Deutschland zuhause im letzten Testspiel vor der Weltmeisterschaft gegen Norwegen bei mäßiger Leistung 2:2 gespielt - um dann als Weltmeister aus China zurückzukehren. Nun also im letzten Testspiel vor Olympia bei mäßiger Leistung ein 0:2 in Norwegen - misslungene Generalprobe, erfolgreiche Premiere? Mir selber ist nicht sehr wohl bei solch optimistischer Interpretation, doch das wahre Leistungsvermögen der Mannschaften läßt sich aus solchen Testspielen wohl wirklich nur schwer ableiten...

Norwegen hatte zuvor zwei derbe Testspielniederlagen kassiert, 0:4 gegen die USA und am Sonntag 0:2 gegen Schweden. Jetzt am Mittwoch also ein 2:0 gegen Deutschland. Damit ist Norwegen für mich auch nicht gerade leicht einzuschätzen. Größtes Manko der Norwegerinnen scheint mir eine mangelnde Durchschlagskraft im Sturm zu sein, hier fehlt eine Knipserin, die auch bei wenigen Chancen ihre Tore schießt. Gegen Deutschland war es nicht so schlimm, denn die deutsche Abwehr ließ doch einiges an Gelegenheiten zu, und zwei Dinger waren dann halt auch drin.

Frauenfußball Nationalmannschaft Deutschland

Die deutsche Startelf. Oben v.l.: Annike Krahn, Nadine Angerer, Linda Bresonik, Birgit Prinz, Kerstin Stegemann, Kerstin Garefrekes.
Unten: Simone Laudehr, Melanie Behringer, Renate Lingor, Sandra Smisek, Ariane Hingst

Dass die norwegische Abwehr unter Druck ins Schwimmen zu bringen ist, zeigten jeweils die ersten Viertelstunden der beiden Halbzeiten, als Deutschland überlegen war und sich vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit auch Chancen herausspielen konnte. Doch dann stand die norwegische Abwehr wieder sicher, im Mittelfeld war Norwegen sowieso die meiste Zeit des Spiels überlegen. Norwegen wird bei Olympia ein gewichtiges Wort mitreden können, der Erfolg wird jedoch stark von der Chancenauswertung abhängen. Soweit meine „Ferndiagnose” für Norwegen nach Sicht dieses einen Spiels.

Frauenfußball Nationalmannschaft Norwegen

Die Startelf von Norwegen: Oben v.l.: Lene Storløkken, Solveig Gulbrandsen, Marie Knutsen, Ingvild Stensland, Siri Nordby, Erika Skarbø.
Unten: Leni Larsen Kaurin, Melissa Wiik, Gunnhild Følstad, Ane Stangeland Horpestad, Trine Rønning

Nun zu Deutschland: Äuffällig scheint mir nach den beiden Testspielen gegen England und in Norwegen, dass der Kader absolut gleichwertig besetzt ist. Es wurde jeweils massiv durchgewechselt, ohne dass dadurch Brüche ins Spiel kamen, und in Norwegen präsentierte sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit mit den eingewechselten Spielerinnen sogar deutlich stärker als vorher die Startformation. (Jedenfalls die Offensivabteilung, über die Abwehr kann man das nicht so sagen). Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass zumindest in Norwegen keine der Formationen wirklich klar überzeugen konnte.

Zum Spielverlauf: In den ersten fünf Minuten spielte sich das deutsche Team dreimal in den Strafraum der Norwegerinnen, allerdings ohne dabei richtig zwingendes herauszuholen. In der achten Minute kam dann Simone Laudehr zu einem Schuss aus der Drehung, den Norwegens Keeperin Erika Skarbø aber mit guter Parade halten konnte. Dann kam Norwegen langsam auf, in der 15. Minute mußte Nadine Angerer einen Kopfball von Solveig Gulbrandsen entschärfen. Dann klärte Ariane Hingst gut gegen Norwegens Spitze Melissa Wiik, die sonst durch gewesen wäre. Doch


Jubel bei Norwegen

13 Siege, 13 Niederlagen, 5 Unentschieden. Die Bilanz zwischen Norwegen und Deutschland ist seit gestern wieder genau ausgeglichen. Grund zum Jubeln für die Norwegerinnen, hier nach dem 2:0 Siegtreffer durch Guro Knutsen, die von Lene Mykjåland umarmt wird. Rechts kommt Elise Thorsnes zum Gratulieren, die den Treffer vorbereitet hat

Norwegen blieb am Drücker, Angerer mußte sich in der 24. Minute bei einem Schuss genau auf sie schon wieder beweisen und hatte in der 28. dann Glück, dass es nicht zu einer Kopie des norwegischen Führungstores von Mainz im letzten Jahr kam. Wie damals kam eine Flanke von Leni Larsen Kaurin von der rechten Seite nah aufs Tor gesegelt. In Mainz war der Ball über Angerer in die Maschen gerutscht, diesmal kam Angerer gerade noch mit den Fingerspitzen dran, so dass er weder ins Tor flog noch von der einköpfbereiten Lene Storløkken erwischt werden konnte.

Deutschland hatte dann in der 33. Minute noch eine Gelegenheit, als Melanie Behringer von links zum Flanken kam und die freistehende Sandra Smisek den Ball erwischte, aber vorbei schoss. Doch im Gegenzug kam ein hoher Ball in den deutschen Strafraum, Annike Krahn, die bis dahin jedes Kopfballduell souverän gewonnen hatte, ließ, wohl auf Zuruf, zu Angerer durch, doch die erwischte den Ball nicht richtig, Wiik kam dran, Angerer konnte abklatschen und Wiik verfehlte dann im Nachschuss das Tor um einen guten Meter. Es ging so weiter: 39. Minute, die Norwegerinnen spielten sich in und um den Strafraum den Ball relativ unbehindert zu, holten aber nur einen Eckstoß heraus.

Birgit Prinz und Lene Storløkken

Hier ist Deutschland mal im Angriff, Birgit Prinz treibt, verfolgt von Lene Storløkken, den Ball, hinten läuft Kerstin Garefrekes in Position. Doch meist war Norwegen in der Vorwärtsbewegung, wobei insbesondere das deutsche Mittelfeld leicht überbrückt werden konnte

Es war schon frappierend, wie leicht das deutsche Mittelfeld auszuspielen war, und in der 42. Minute rächte sich dies dann endlich. Die Norwegerinnen kombinierten sich wieder sicher durchs Mittelfeld, Trine Rønning spielte sich links an Linda Bresonik vorbei, passte nach innen, und Marie Knutsen konnte nun wirklich nicht mehr anders, als diese Chance zu verwandeln. So ging es mit einer völlig verdienten norwegischen Führung in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel kamen die deutschen Spielerinnen wesentlich stärker zurück, die für Smisek eingewechselte Anja Mittag sorgte ebenso für frischen Wind wie die für Lingor ins Mittelfeld gekommene Celia Okoyino da Mbabi. Skarbø hielt aber einen Flachschuss von Mittag und wenig später auch einen Schuss von da Mbabi nach Vorarbeit von Birgit Prinz. Ein weiterer Schuss von Mittag in der 60. Minute war dann viel zu harmlos und das deutsche Pulver schon wieder verschossen.

Babett Peter und Elise Thorsnes

Mit der Einwechselung von Elise Thorsnes (hier gegen Babett Peter) in der 58. Minute wurde das Ende der norwegischen Schwächeperiode zu Beginn der zweiten Halbzeit eingeleitet

Norwegen erkämpfte sich die alte Überlegenheit zurück und kam in


der 69. Minute zu einer Riesenchance für die eingewechselte Elise Thorsnes, die mutterseelenallein im Strafraum den Ball nicht richtig traf. Dann brachte aber in der 74. Minute ein mustergültiger Angriff der Norwegerinnen die Entscheidung: Keeperin Skarbø mit weitem Abschlag nach vorne in die Mitte, Thorsnes weiter zur ebenfalls eingewechselten Guro Knutsen, und die verwandelte ohne dass überhaupt eine deutsche Spielerin den Ball seit dem Abschlag berührt hatte.

Guro Knutsen und Lira Bajramaj

Guro Knutsen, hier bedrängt von Lira Bajramaj, erzielte den Siegtreffer für Norwegen

Bundestrainerin Silvia Neid nach dem Spiel: „Man hat gesehen, dass andere Nationen auch gut sind. Norwegen hat verdient gewonnen, weil sie einfach intelligenter gespielt haben. Heute hat uns die Frische und die Entschlossenheit gefehlt. Alle waren engagiert, aber die Norwegerinnen sind einfach robuster in die Zweikämpfe gegangen und haben dagegengehalten. Wir sind froh, dass wir dieses Spiel gehabt haben, es war ein Weckruf zur rechten Zeit. Erfreulich war, dass es nach den Auswechslungen keinen Bruch in unserem Spiel gab. Insgesamt war es ein Spiel auf hohem Niveau, was bestätigt, dass bei Olympia lediglich die Tagesform entscheiden wird, insbesondere in unserem ersten Gruppenspiel gegen Brasilien..."
Neid kündigte an, den Trainingsumfang nun drastisch herunterzufahren. Bei Turnierbeginn werde das Team dann auf den Punkt genau topfit sein, versprach die Bundestrainerin und bat um Verständnis für den Auftritt in Norwegen.



Norwegen:
Erika Skarbø - Trine Rønning (61. Marita Skammelsrud Lund), Siri Nordby, Ane Stangeland Horpestad, Gunnhild Følstad - Marie Knutsen (90. Runa Vikestad), Ingvild Stensland, Lene Storløkken (58. Lene Mykjåland) - Leni Larsen Kaurin (58. Elise Thorsnes), Solveig Gulbrandsen (71. Isabell Herlovsen), Melissa Wiik (58. Guro Knutsen)

Deutschland:
Angerer - Stegemann (46. Peter), Krahn (64. Bartusiak), Hingst, Bresonik - Laudehr, Lingor (46. Mbabi), Garefrekes (73. Pohlers), Prinz, Behringer (62. Bajramaj), Smisek (46. Mittag)

Tore:
1:0 M. Knutsen (42.)
2:0 G. Knutsen (74.)

Karten: Keine

Schiedsrichterin: Eva Ödlund (Schweden)

Zuschauer: 904


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