U19-Europameisterschaft in Ungarn (20.-31.7.2005)

Gelingt nach zwei Jahren „Pause“ wieder der Griff nach der europäischen Krone?

Deutschland geht als klarer Favorit in die EM-Endrunde

Von Katja Öhlschläger

Parallel zum Nordic-Cup der U21-Nationalmannschaften in Schweden (Vorbericht) greift die U19-Nationalmannschaft, amtierender Weltmeister, in Ungarn nach der europäischen Krone.

Erstmalig wurde der Wettbewerb als U18-Europameisterschaft in der Saison 1997/98 ausgetragen. Der erste Sieger hieß Dänemark. Ab der Saison 2001/02 wurde die EM in einen U19-Wettbewerb umgewandelt. In der siebenjährigen Geschichte stand das deutsche Team dreimal ganz oben, und das gleich drei Jahre hintereinander: 2000, 2001 und 2002.

Im vergangenen Jahr wurde Deutschland Vizeeuropameister (Finalniederlage mit 1:2 gegen Spanien), qualifizierte sich damit für die Weltmeisterschaft in Thailand, bei der die U19 mit dem Gewinn des Weltmeistertitels ihren größten Triumph feiern konnte. Gelingt jetzt, nachdem 2003 Frankreich und im vergangenen Jahr Spanien triumphierte, wieder der Sprung aufs oberste Treppchen?

Peggy Kuznik musste heute aus Verletzungsgründen absagen. Gute Besserung!

Bild: Volker Lieberum

Das Potenzial dafür hat das auf der Trainerbank wie auch auf dem Feld neuformierte Team von Neu-Trainerin Maren Meinert dazu mit Sicherheit. Spannend bleibt jedoch abzuwarten, welche neuen Impulse von der Weltmeisterin auf der Trainerbank ausgehen werden und wie der Verlust der erfahrenen und für die U19 mittlerweile zu alten Annike Krahn, Anne van Bonn, Susanne Kasperczyk, Karolin Thomas, Anja Mittag und Melanie Behringer kompensiert werden konnte.

Durch den Rücktritt von Tina Theune-Meyer bei der A-Nationalmannschaft und den damit verbundenen Wechsel der bisherigen U19-Trainerin und Co-Trainerin der A-Mannschaft, Silvia Neid, in die Rolle der Cheftrainerin des A-Teams wurden Umstrukturierungen bei den Trainerteams des DFB notwendig. Maren Meinert führt nun die U19 und wird dabei assistiert von Bettina Wiegmann, ebenfalls Weltmeisterin von 2003. Um den Übergang flüssiger zu machen, steht Meinert während der EM jedoch noch die bisherige Co-Trainerin der U19, Ulrike Ballweg, die nach der EM Co-Trainerin der A-Mannschaft wird, zur Seite.

Das Trainerteam kann in Ungarn auf eine gesunde Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit bauen. Es muss dabei allerdings auf die Dienste von Elena Hauer (Duisburg) und Peggy Kuznik (Turbine Potsdam), zusammen mit Krahn und van Bonn Teil der WM-Viererkette, verzichten, die beide wegen einer Verletzung für die EM absagen mussten. Für Hauer wurde Jasmin Jannermann vom FFC Frankfurt, die beim Nordic-Cup der U17 in Norwegen überzeugen konnte, nachnominiert. Den Ausfall Kuzniks aufgrund einer Sprunggelenksverletzung, die sich sich in der vergangenen Woche beim Lehrgang in Iserlohn zuzog, gab ihr Verein heute auf seiner Internetseite bekannt. Sie wird durch Weltmeisterin Carolin Veeh vom TSV Crailsheim ersetzt werden. Ebenso rückte die Potsdamerin Juliane Höfler für Angelika Feldbacher, die es in die USA zieht, nach.

Im deutschen Tor steht der Neuzugang des HSV, Tessa Rinkes. Mit Unsicherheiten in die WM gestartet konnte sie sich im Verlauf des Turniers deutlich steigern und wird in Zukunft sicherlich von den Erstligaerfahrungen in Hamburg profitieren können.

Die Abwehr wird nach den Ausfällen von Kuznik und Hauer der Mannschaftsteil mit der geringsten Erfahrung sein. Die Verantwortung werden nun Janina Haye vom Hamburger SV (auch schon 19 Länderspiele), Annika Niemeier vom TSV Jahn Calden, Carolin Veeh aus


Heiße Strafraumduelle beim Testspiel gegen die U 21 (in den hellen Trikots) in Iserlohn. Karolin Thomas, Annika Niemeier, Annike Krahn, Celia Okoyino da Mbabi, Jennifer Zietz (v.l.n.r.)

Bild: Volker Lieberum

Crailsheim und auch die Neu-Potsdamerin Monique Kerschowski tragen. Vielleicht kommen durch den verletzungsbedingten Aderlass in der Abwehr sogar die erst 17-jährigen Jasmin Jannermann und Babett Peter (Lok Leipzig) zu ihrem Einsatz. Sie müssen sich der schwierigen Aufgabe stellen, die Lücke zu füllen, die Krahn, Kuznik, van Bonn und Hauer gerissen haben.
Den Verletzten wünscht FanSoccer eine schnelle und gute Genesung!

Das Mittelfeld verspricht, vor Spielfreude geradezu zu sprühen. Mit Lena Goeßling und Spielführerin Patricia Hanebeck, die für den FCR Duisburg eine tolle Saison spielte, stehen gleich zwei Regisseurinnen im Aufgebot. Katharina Grießemer, die den WM-Zug im vergangenen Jahr knapp verpasste, und die erst 17-jährige Celia Okoyino da Mbabi – sie kam auch schon im A-Team zum Einsatz - aus Bad Neuenahr könnten in die Fußstapfen von Melanie Behringer und Karolin Thomas treten. Simone Laudehr, die zum erweiterten Kader der A-Mannschaft gehört, scheint für die linke Außenbahn gesetzt.

Denkbar ist aber auch die Stürmerin da Mbabi – sie könnte die Schnittstelle zwischen Mittelfeld und Angriff bilden. Anna Blässe vom FF USV Jena, die in der vergangenen Saison der 2. Liga Süd mit 14 Toren den zweiten Platz (gemeinsam mit Patrizia Brocker, FSV Jägersburg) in der Torschützenliste hinter Christina Arend (FC Saarbrücken) belegte, Fatmire Bajmaraj vom FCR Duisburg sowie Isabel Kerschowski sollen für die Tore sorgen, nachdem Anja Mittag mittlerweile - mit großem Erfolg - für die A-Nationalmannschaft aufläuft. Ihren großen Torhunger bewies die Neu-Potsdamerin Kerschowski unlängst im Testspiel in Wetzlar gegen Norwegen (Hattrick zum Einstand ), als sie dem 5:0-Sieg einen Hattrick beisteuerte.

Mittelfeldregisseurin Lena Goeßling (rechts) im Kopfballduell mit Saskia Bartusiak

Bild: Volker Lieberum

In der vergangenen Woche fand ein Trainingslager in Iserlohn, das man gemeinsam mit der U21-Nationalmannschaft von Tina Theune-Meyer absolvierte, zur abschließenden Turniervorbereitung statt. Dabei trugen die beiden Nationalteams zwei Trainingsspiele gegeneinander aus. Das erste Spiel verlor die U19 klar mit 0:3 (Volksfeststimmung in Iserlohn), doch schon zwei Tage später gelang es dem jüngeren Team, den Spieß mit einem 2:1-Sieg (Tore von Simone Laudehr und Juliane Höfler) gegen das ältere Team umzudrehen, sodass Meinert – wie auch ihre Kollegin Theune-Meyer – zufrieden das Trainingslader bilanzierte und der EM optimistisch entgegenblickt:
„Das Halbfinale ist Pflicht, die Europameisterschaft wäre die Kür“, gab die Trainerin, die 2003 zur wertvollsten Spielerin der US-amerikanischen Profiliga WUSA gewählt wurde, auf der DFB-Homepage die klare Devise aus. Das Erreichen des Halbfinales als definierte Pflichtaufgabe erklärt sich nicht nur mit den eigenen Ansprüchen des Teams an sich – die Halbfinalteilnahme ist gleichzeitig auch Bedingung für die


Qualifikation zur neu eingerichteten FIFA-U20-WM, die im kommenden Jahr in Russland ihre Premiere feiern wird. Und da will der amtierende U19-Weltmeister und dreimalige U19-EM-Champion natürlich dabeisein.

Bevor dieses Ziel erreicht ist, muss sich das deutsche Team in Gruppe A mit Gastgeber Ungarn, Finnland und der Schweiz messen. Meinert schätzt vor allem die Ungarinnen, die als Gastgeber automatisch qualifiziert waren, sehr hoch ein, da sich das Team von Trainerin Edina Markó intensiv und langfristig vorbereitet habe. Ist das Auftaktspiel gegen den Gastgeber passé, warten die Schweiz und Finnland. Während die Schweizerinnen unter der Leitung von Claudio Taddei ihre Qualifikationsgruppe im April mit der Maximalausbeute von 9 Punkten und 11:5 Toren souverän gewannen, dominiert beim finnischen Team eher die Absicherung nach hinten. So blieben die Finninnen in ihrer Gruppe zwar ohne Niederlage, erzielten in drei Spielen aber nur drei Tore und haben damit die mit Abstand wenigsten Tore aller sieben Qualifikanten aufzuweisen. Viel Zeit zur Vorbereitung blieb dem Team von Jarmo Matikainen nicht, denn die finnische Liga ging erst am Wochenende zu Ende.

Einig sind sich die Trainer der deutschen Gegner darin, dass ihren Teams nach der Zulosung in die deutsche Gruppe nur noch der Kampf um Platz 2 bleibt. Ungarns Trainerin Markó:“ Wir geraten nicht in Panik, in die deutsche Gruppe gelost worden zu sein. Es ist eine große Ehre für uns, gegen das weltbeste Team spielen zu dürfen.“ Wie schon im letzten Jahr bei der EM in Island treffen die Schweiz und Finnland in der Gruppe aufeinander. Die Schweiz gewann damals mit 2:1 und Finnlands Trainer Matikainen wünscht sich diesmal natürlich einen anderen Ausgang, um es dem vor einem Monat groß auftrumpfenden A-Team nachzumachen und das Halbfinale zu erreichen.

In Gruppe B kämpfen Frankreich, das in der Qualifikation Titelverteidiger Spanien ausschaltete, Russland und die zwei britischen Teams aus England und Schottland um die ersten beiden Plätze. Die größten Chancen können dabei sicherlich Frankreich und Russland, das sich mit 14 Toren in den drei Spielen der Qualifikationsrunde 2 als ausgesprochen torhungriges Team präsentiert hatte, eingeräumt werden. Doch auch England hat mit dem A-Team bei der EM im vergangenen Monat noch mal gezeigt, wie sich der englische Frauenfußball weiterentwickelt hat.

Die Französin Louisa Necib (hier im Duell mit Renate Lingor) nahm auch schon an der EM der A-Teams in England teil

Bild: Eurosport

Eurosport überträgt die Halbfinals und das Finale der EM (siehe nächste Seite) live!

Apropos EM in England:
Wer die EM im letzten Monat aufmerksam verfolgt hat, kann sich jetzt auf ein Wiedersehen mit einigen Talenten freuen. So tritt England mit Jungstar Karen Carney, Rachel Williams und Eniola Aluko an. Frankreich kann auf die Qualitäten von Torfrau Sarah Bouhaddi, Louisa Necib und Elodie Thomis bauen.

Zum Turniermodus, Spielplan und dem deutschen Aufgebot

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