Fansoccer-Logo

Testspiel der A-Nationalmannschaft

Attraktiver, aber nur bedingt gelungener Jahresabschluss

23.11.2006 in Karlsruhe: Deutschland – Japan 6:3 (3:0)

Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Nora Kruse

27.11.2006

Noch ist nicht bekannt, welches Zielwasser in den Katakomben des Karlsruher Wildparkstadions derzeit ausgeschenkt wird. Soviel steht fest: es muss ein verdammt gutes sein. Nur drei Tage nach dem dramatischen 4:4 im Männer-Zweitliga-Spitzenspiel des Karlsruher SC gegen Hansa Rostock erlebte der Wildpark ein weiteres Torfestival allererster Güte. 12.318 Zuschauer sahen dabei einen 6:3-Erfolg der DFB-Elf über Japan, bei dem sich die Mannschaft von Silvia Neid spielfreudig und torgefährlich, am Ende jedoch auch nachlässig präsentierte.

Ohne die verletzte Lokalmatadorin Renate Lingor (Wadenzerrung) und stattdessen mit der erst 18-jährigen Célia Okoyino da Mbabi in der Startaufstellung begann der Weltmeister vom Anpfiff an offensiv und zeigte sich kreativ im Aufbauspiel. Immer wieder suchten die zentralen Schaltstellen da Mbabi, Kerstin Garefrekes und Britta Carlson die einzige deutsche Sturmspitze Petra Wimbersky – Weltfußballerin Birgit Prinz agierte nur als hängende Spitze. In der 10. Minute war es dann soweit: Carlson kam auf der rechten Seite frei zum Flanken und fand im Strafraum ihre ehemalige Potsdamer Mannschaftskameradin, die ohne Zögern zum Führungstreffer einnetzte.

Hannelore Ratzeburg, Theo Zwanziger, Engelbert Nelle, Kerstin Stegemann

Kerstin Stegemann (2.v.l.) wurde vor Anpfiff von DFB-Präsident Theo Zwanziger (l.), der Vorsitzenden des DFB-Frauenfußball-Auschusses Hannelore-Ratzeburg und DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle (v.l.n.r.) für ihr 150. Länderspiel geehrt.

Einer weiteren Chance Wimberskys nach Bachor-Flanke nur kurz darauf war kein Erfolg vergönnt. Doch weitere gute Gelegenheiten sollten folgen, weil die Gastgeberinnen früh attackierten, „positive Aggressivität“ (Neid) zeigten, schnell nachrückten und ihre Gegnerinnen damit rasch zu Fehlern zwangen. Einer dieser Abspielfehler – diesmal von Torfrau Miho Fukumoto - führte in der 22. Minute zum zweiten Tor. Statt bei der Mitspielerin landete das Leder bei der von ihrer Trainerin mit einem Sonderlob versehenen Spielführerin Birgit Prinz (Neid: „Sie hat heute viel Spiellaune gezeigt und toll gespielt“), die gegen die zu weit Verursacherin keine Mühe hatte und zum 2:0 verwandeln konnte.

Petra Wimbersky, Hiromi Isozaki

Petra Wimbersky (l.), hier gegen Hiromi Isozaki, brachte die deutsche Mannschaft früh in Führung, war immer anspielbereit und ließ im zweiten Spielabschnitt noch ein weiteres Tor folgen.

Bis zur Pause, vor der da Mbabi mit einem 12-Meter-Schuss noch das 3:0 markierte, verflachte die Partie dann zusehends. Deutschland gelang es mit Minimalaufwand in Form von vielen Flügelwechseln und weiten Pässen, die Asiatinnen in Schach zu halten, die erst in der 44. Minute durch Eriko Arakawa zu ihrer ersten Torchance des Spiels kamen. „Die deutsche Mannschaft hat mit vielen langen Bällen gespielt und oft und schnell die Seiten gewechselt. Da wir das so aus Asien nicht kennen, war das eine wichtige und gute Erfahrung für uns“, fasste der japanische Coach Hiroshi Ohashi die Probleme seiner Truppe in Halbzeit eins treffend zusammen.

Im zweiten Spielabschnitt zeigte sich ein gänzlich anderes Bild. Die Japanerinnen starteten forsch und kamen bereits nach fünf Minuten durch die in der Pause eingewechselte Yuki Nagasato zu einer hochkarätigen Chance. Ihr strammer Schuss aus halbrechter


Tomoe Sakai, Célia Okoyino da Mbabi

Célia Okoyino da Mbabi (r.) schküpfte nach dem verletzungsbedingten Ausfall der Lokalmatadorin Renate Lingor in die Rolle der Spielmacherin und machte ihre Sache dabei nicht nur wegen ihres Treffers zum 3:0 sehr gut. Links Tomoe Sakai.

Position ging jedoch links oben am Toreck vorbei. Nagasato war es dann auch wieder, die eine Minute darauf Shinobo Ohno den Ball in aussichtsreicher Position auflegte und es damit verdient gehabt hätte, einen Scorer-Punkt zu sammeln. Doch Ohno verzettelte sich bei der Ballannahme, sodass die deutsche Abwehr, die nun mächtig gefordert war, noch klären und zum – nichts einbringenden - Konter weiterleiten konnte. In der 55. Minute passierte dann aber, was sich abgezeichnet hatte. Die diesmal entschlossene Ohno umspielte die nicht immer sichere deutsche Keeperin Nadine Angerer und versenkte die Kugel in den Maschen.

3:0 zur Pause, kurz nach dem Seitenwechsel 3:1, alles auf der Seite der Anzeigetafel. Sollte sich der Montag wiederholen? Nein, denn die Japanerinnen hatten ihre Defensivtaktik zum Wohle des Spiels zwar aufgegeben, doch konnten sie den schnell und über nur wenige Stationen vorgetragenen deutschen Angriffen nur recht wenig entgegensetzen. Aus diesen gekonnten und variablen Spielzügen ergaben sich denn auch die Treffer zum 4:1 und 5:1 binnen drei Minuten. Erst schloss Garefrekes einen gelungenen Doppelpass mit Prinz erfolgreich ab, ehe die überragende, weil immer anspielbereite Wimbersky ihren zweiten Treffer folgen ließ.

Birgit Prinz

Kapitänin Birgit Prinz führte ihre Mannschaft zum Jahresabschluss zum 12. Sieg im 13. Spiel des Jahres 2006.

Jetzt lief der Ball wieder nur in eine Richtung. Die eingewechselte Conny Pohlers verpasste zweimal gute bis sehr gute Gelegenheiten. Erst erreichte sie eine Flanke von Sonja Fuss nur noch mit ihrer Fußspitze und konnte das Leder kontrollieren (67.), dann landete ein sehenswerter Flugkopfball nur knapp neben dem japanischen Gehäuse. Doch aller guten Dinge waren bei Conny Pohlers an diesem Abend drei. Nach einer Vorlage von Kerstin Stegemann, die vor der Partie für ihr 150. Länderspiel geehrt wurde, kam die Potsdamerin frei vor Fukumoto zum Abschluss und überlupfte diese geschickt zum 6:1.

Homare Sawa, Isabell Bachor

Isabell Bachor (r., gegen Homare Sawa) kam 45 Minuten zum Einsatz und konnte ihre Chance nicht nutzen.

Nun schien der Weltmeister mit der Begegnung abgeschlossen zu haben und leistete sich einige Unkonzentriertheiten, die Bundestrainerin Neid in der in der Schlussphase zu erkennenden Müdigkeit begründet sah, weshalb sie, befragt nach den Arbeitsschwerpunkten mit Blick auf die WM im kommenden September


in China, ihrer Mannschaft bei Athletik und Fitness noch ein deutliches Manko attestiert. Denn das zuvor so überzeugende Abwehrverhalten ging in der Schlussviertelstunde regelrecht

Fans

Nachdem der DFB vor Anpfiff Fan-Pakete verteilt hatte, sorgten die 12.318 Zuschauer im Karlsruher Wildparkstadion für ein schwarz-rot-goldenes Farbenmeer und waren auch durch die Gegentreffer nicht in ihrer Euphorie zu bremsen.

den Bach runter. Die Asiatinnen – „wenn man sie spielen lässt, dann spielen sie auch“ (Neid) – nutzten die Räume, die sich ihnen nun boten, gekonnt aus. Das Spiel hatte die 82. Minute erreicht, als gleich mehrere deutsche Abwehrspielerinnen durch falsches Stellungsspiel „glänzten“ und die japanische Flanke verfehlten, sodass Aya Miyama mit einer tollen Direktabnahme das 6:2 markieren konnte, der Karina Maruyama eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit den Treffer zum 6:3-Endstand – nach einem unnötigen Abspielfehler im deutschen Aufbauspiel – folgen ließ.

Ein „tolles Spiel für die Zuschauer, viele Tore und schöne Tore“ hatten Silvia Neid und die Zuschauer gesehen. „Schön“ (Neid) war der Jahresabschluss damit sicherlich verlaufen. Gelungen aber nur bedingt. Gegenüber den letzten Spielen stark verbessert und an den Aufwärtstrend aus dem England-Spiel anknüpfend, zeigte sich die deutsche Mannschaft im Aufbauspiel und in der Effektivität. Die schon zuletzt als Unsicherheitsfaktor ausgemachte Abwehr allerdings offenbarte in der zweiten Halbzeit, nachdem sie in der ersten Hälfte nahezu beschäftigungslos geblieben war, eklatante Schwächen im Stellungsspiel und im Zweikampfverhalten. Will sie damit gegen stärkere Gegner als Japan bestehen, muss vor allem die körperliche Verfassung der gesamten Mannschaft eine bessere sein, um in der Schlussviertelstunde nicht permanent unter Druck zu stehen. Den ein oder anderen guten Rat kann der Bundestrainerin dafür vielleicht ihr männlicher Kollege Jogi Löw bei der DFB-Weihachtsfeier geben: „Ich werde mich da sicherlich mal mit ihm zusammensetzen. Und danach eine Runde tanzen.“ Na dann, gutes Gelingen, viel Spaß und auf ein Neues im WM-Jahr 2007!

Deutschland:

Angerer – Stegemann (76. Zietz), Krahn (56. Mittag), Hingst, Peter – Bachor (46. Pohlers), Carlson (56. Fuss), da Mbabi, Garefrekes – Prinz, Wimbersky

Japan:

Fukumoto, Isozaki, Shimokozuru (63. Iwashimizu), Yano, Sakai, Ando, Yanagita, Arakawa (46. Nagasato), Sawa, Nakaoka (44. Miyama), Ohno (79. Maruyama)

Tore:
1:0 Wimbersky (9.)
2:0 Prinz (22.)
3:0 Da Mbabi (37.)
3:1 Ohno (54.)
4:1 Garefrekes (60.)
5:1 Wimbersky (62.)
6:1 Pohlers (76.)
6:2 Miyama (81.)
6:3 Maruyama (87.)

SRin: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Karten: -

Zuschauer: 12.318

A-Natio

Zur FanSoccer-Startseite