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Algarvecup 2009, 2. Gruppenspiel der Gruppe A

Überzeugender Sieg

Deutschland - China 3:0 (1:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Nora Kruse

06.03.2009   Mußte man die ersten beiden Spiele der deutschen Nationalmannschaft im Jahr 2009, das Testspiel gegen China in Bielefeld am Mittwoch vor einer Woche und das erste Gruppenspiel im Algarve Cup vor zwei Tagen noch mit Sorgenfalten kommentieren, weil noch lange nicht alles rund lief im deutschen Team, kann ich nach dem Spiel gegen China am heutigen Freitag erfreut von einem überzeugenden Sieg der deuschen Mannschaft berichten.

Die deutsche Keeperin Nadine Angerer war praktisch beschäftigungslos, so souverän präsentierte sich die von Bundestrainerin Silvia Neid wieder sehr jung aufgestellte Mannschaft in der Defensive, und vorne stehen drei Tore zu Buche, wobei es aufgrund der herausgespielten Chancen leicht sogar mehr hätten werden können.

Nadine Angerer

Eine der wenigen Szenen, in denen die deutsche Keeperin Nadine Angerer überhaupt einmal in die Nähe des Balles kam: hier plückt sie den Ball sicher vor Chinas Nummer 3, Yuan Fan, aus der Luft. Yuan flog dann in der 75. Minute mit gelbrot vom Platz

Neid hatte für die angeschlagene Linda Bresonik diesmal Lena Goeßling neben Kim Kulig auf die Doppelsechs gesetzt, und diese Variante der wichtigen Schlüsselposition funktionierte trotz der Jugend der beiden Spielerinnen. Goeßling übernahm den defensiveren Part, spielte unauffällig, aber mit vielen Balleroberungen, Kulig setzte nach vorne einige Akzente. Die Flügel waren mit Melanie Behringer links und Kerstin Garefrekes rechts optimal besetzt, beide waren von den chinesischen Abwehrspielerinnen nicht unter Kontrolle zu bekommen. In der Spitze begann Anja Mittag neben Inka Grings, beide wieder mit gutem Spiel, allerdings leider mit wenig Fortune im Abschluss. Hinten wirkte die Abwehr sehr sicher, links außen Babett Peter fast schon gewohnheitsmäßig, rechts außen bekam Isabell Bachor nach ihrem verkorksten Auftritt in Bielefeld eine zweite Chance, die sie nutzte, um eine ordentliche Leistung zu präsentieren. Innen kam Navina Omilade, die diesmal den Vorzug vor Sonja Fuss erhalten hatte, gut zurecht, die beste Leistung in der Abwehr heute aber brachte die zweite Innenverteidigerin Saskia Bartusiak, die defensiv eine Klasseleistung bot und nach vorne die Spieleröffnung wesentlich besser gestaltete als Fuss im Finnlandspiel.

In der zweiten Halbzeit brachte Neid dann mit Katharina Baunach einen weiteren Youngster für Bachor. Dabei übernahm Baunach die Position von Peter links, Peter ging nach rechts, beides funktionierte prima. Überhaupt kann die Bundestrainerin momentan anscheinend wechseln wie sie will, alles klappt, so auch die allerdings auch schon erprobte Einwechselung von Martina Müller für Mittag. China war schwach, hieß es, aber das chinesische Team war nur auf einer Position verändert gegenüber der Elf, die vor zwei Tagen Schweden ein Unentschieden abgetrotzt hat und nur auf zwei Positionen gegenüber der Elf, die in Bielefeld gegen Deutschland ein starkes Spiel geboten und ebenfalls ein Unentschieden geholt hatte. Jeder spielt nur so gut, wie es der Gegner zulässt, und so kann man davon ausgehen, dass die Trainerfüchsin Silvia Neid ihre Lehren aus dem Spiel in Bielefeld gezogen hat und die schwache chinesische Leistung Ergebnis eines starken und perfekt eingestellten deutschen Teams ist.

Babett Peter

Babett Peter, hier gegen Lou Jiahui, entwickelt sich zu einer festen Größe in der deutschen Abwehr

Zum Spiel: Nach weniger als 20 Sekunden hätte es schon Elfmeter für Deutschland gegen können. Inka Grings wurde mit dem Ball im Strafraum auf das Tor laufend von Yuan Fan mit dem Arm berührt und fiel. Man kann schon von einem Schubser sprechen, und die Chinesinnen hätten sich über einen Elfmeterpfiff nicht beschweren dürfen, aber die international erfahrene ungarische Schiedsrichterin Gyöngyi Gaál ließ weiterlaufen. Grings fiel allerdings auch sehr


Silvia Neid

Im Gruppenspiel gegen China hatte die deutsche Bank um Bundestrainerin Silvia Neid (mitte) allen Grund zur Freude: nach dem 3:0 ist der Finaleinzug im Algarve Cup 2009 greifbar nahe!

leicht, und nachdem ihr Handspiel beim Tor im Spiel gegen China in Bielefeld übersehen worden war, hat sie mit den Schiedsrichterinnen jetzt wieder eine ausgeglichene Bilanz. Furios wie der Auftakt ging es aber weiter. Mit agressivem Pressing ließ das deutsche Team die Chinesinnen überhaupt nicht zur Entfaltung kommen, eroberte immer wieder den Ball und spielte dann gut nach vorne.

Navina Omilade

Navina Omilade ließ in der deutschen Innenverteidigung nichts anbrennen, hier sichert sie den Ball vor Liu Sa

In der zehnten Minute kam Kulig zu einem Schuss, der allerdings noch zu unplatziert auf die Keeperin ging. Eine Minute später rutschte Garefrekes beim Schuss ab, so dass der Ball aus ausichtsreicher Position über das Tor ging. In der 14. konnte Mittag den Ball erobern und abziehen, aber ihr Fernschuss ging über das Tor. Überhaupt fiel Mittag wieder mit einigen Balleroberungen positiv auf, jammerschade, dass sie in der Nationalelf im Abschluss eine Blockade zu haben scheint. In der 19. Minute wurde dann Grings bei einem hohen Anspiel im Strafraum in die Zange genommen und von Liu Huana leicht gerempelt. Auch hier fiel Grings relativ leicht, aber auch hier hätte man sich für Elfmeter entscheiden können, doch Gaál ließ auch dieses Mal weiterspielen.

In der 21. Minute spielte Behringer den Ball links auf Peter, die im Strafraum weiter zu Grings, doch die kam mit dem Kopf nicht richtig an den hoch aufspringenden Ball. In der 23. Minute mußte Omilade dann den ersten richtigen chinesischen Angriff mit dem Kopf zur Ecke klären, was sie souverän erledigte. Das deutsche Team legte jetzt auch eine kleine Pause ein, das hohe Anfangstempo war natürlich nicht durchzuhalten. So kam in der 30. Minute dann Zhang Ying zu einem Schüsschen aus großer Entfernung genau auf Angerer. Das Spiel plätscherte jetzt etwas vor sich hin, doch ausgerechnet in dieser Phase fiel das erste deutsche Tor: Garefrekes legte auf der linken Seite einen Klasselauf hin, ließ Liu stehen, aber Weng Xinzhi lenkte ihre Flanke in höchster Not noch zur Ecke. Diesen Eckstoß brachte Behringer wieder einmal sehr gut herein, Grings ging hoch, traf mit dem Kopf nur den Pfosten, doch der Abpraller war eine leichte Beute für Garefrekes, die ohne Mühe einnicken konnte.

Melanie Behringer

Melanie Behringer, eine große Stütze im deutschen Aufbauspiel. Ihre Durchsetzungskraft, ihre Flanken und Eckbälle sorgen immer wieder für Gefahr

Die Wechsel in der Halbzeitpause taten wie erwähnt dem deutschen Spiel keinen Abbruch, und so ging es weiter mit den Chancen für Deutschland. In der 50. spielte Goeßling einen Klassepass nach links auf Behringer, die mit Flanke in den Strafraum, Keeperin Zhang Yanru griff daneben, doch Grings rutschte der Ball unglücklich über den Fuß, so dass ihr Schuss das Tor verfehlte. Drei Minuten später dann wieder ein starkes


Zusammenspiel, Grings auf Garefrekes, die zu Müller, die zurück zu Grings, doch Liu warf sich noch in deren Schuss. Der Knoten platzte dann in der 58. Minute, und es war die 18-jährige Kulig, die in ihrem dritten Länderspiel die Initiative ergriff und aus gut 22m so hart und platziert in den Winkel schoss, dass Keeperin Zhang nichts zu halten hatte.

Danach lief der Ball immer besser durch die Reihen des deutschen Teams, während die Chinesinnen sich auf das Verteidigen beschränken mußten. In der 67. passte Kulig auf Garfrekes, die sich wieder auf die linke Seite geschlichen hatte, und diese nahm den Ball perfekt an, setzte sich robust gegen Liu durch, lupfte über die herauseilende Keeperin, und es stand 3:0 für Deutschland. Der Rest erinnerte an ein Trainingsspiel, nur eine Szene ragte noch heraus: In der 88. Minute fing Bartusiak einen in die chinesische Spitze gespielten Ball ab - schon in der Hälfte der Chinesinnen, was zeigt, wie weit hinten die chinesische Elf inzwischen stand - und stürmte damit nach vorne. Schönes Abspiel auf Grings, die ließ den Ball perfekt in den Lauf von Bartusiak zurücktropfen, und so fand sich die Innenverteidigerin plötzlich mit dem Ball am Fuß im Strafraum auf dem Weg zum Tor. Leider ging ihr Schuss dann zu unpräzise genau auf Keeperin Zhang, so dass Bartusiak ein Tor als Lohn für ihre gute Leistung verwehrt blieb.

Saskia Bartusiak

Saskia Bartusiak war heute die stärkste in der deutschen Viererkette und überzeugte mit einem guten Aufbauspiel aus der Abwehr heraus

Doch auf jeden Fall kann das deutsche Team jetzt auf eine sehr positive Entwicklung in den letzten drei Spielen verweisen. Natürlich auch sehr gut, wenn man nicht so ganz stark anfängt! Aber ganz klar, das Zusammenspiel wird besser, die taktische Umsetzung der Vorgaben der Trainerin funktioniert, was fehlt, ist immer noch eine bessere Ausnutzung der Torgelegenheiten, aber das kann ja noch kommen. Im dritten Gruppenspiel gegen den alten Rivalen Schweden am Montag reicht jetzt ein Unentschieden, denn die Schwedinnen spielten nur 0:0 gegen China und 1:0 gegen Finnland. Dann würde Deutschland am Mittwoch im Finale um den Sieg im Algarve Cup 2009 spielen. Gegner dort wären die USA, die als Gruppensieger der Gruppe B schon fest stehen. Man kann gespannt sein, wie sich dieses junge Team jetzt in den kommenden Spielen gegen die starken Gegner zeigen wird!



Deutschland:
Angerer - Bachor (46. Baunach), Omilade, Bartusiak, Peter (78. Schmidt) - Goeßling (69. Okoyino da Mbabi), Kulig, Garefrekes (71. Bajramaj), Mittag (46. M. Müller), Behringer (71. N. Banecki), Grings

China:
Zhang Yanru - Liu Huana, Yuan Fan, Zhang Ying (54. Zhang Rui), Weng Xinzhi - Zhang Na , Xu Yuan, Liu Sa (90. Li Wen), Lou Jiahui (69. Liu Jia), Wang Dandan (54. Guan Jingjing) , Zhou Gaoping (56. Gao Yan)

Tore:
1:0 Garefrekes (38.)
2:0 Kulig (57.)
3:0 Garefrekes (68.)

Gelbrote Karte: Yuan Fan (1. Hz. Foulspiel, in der 75. absichtliches Handspiel)

Schiedsrichterin: Gyöngyi Gaál (Ungarn)

Zuschauer: 200


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