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A-Nationalmannschaft, Freundschaftsspiel

Es geht noch besser

Deutschland - Australien 2:1 (1:1)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Sven-E. Hafft

30.10.2010   Im Testspiel gegen Australien erreichte das deutsche Nationalteam in Wolfsburg einen vom Ergebnis her knappen 2:1-Erfolg. Aufgrund der Spielanteile und angesichts zahlreicher vergebener Chancen hätte der Sieg aber höher ausfallen können, ja müssen.

Australien hat noch keinen großen Namen im Frauenfußball, das war deutlich zu merken, zum einen an der schwachen Publikumsresonanz (lediglich 7229 Zuschauer waren im Stadion), aber auch an den Stimmen in den Internetforen nach dem Spiel, in denen der Auftritt des deutschen Teams mehrheitlich recht schlecht bewertet wurde. Dabei wurde von vielen völlig übersehen, dass Australien in der Asienmeisterschaft im Frauenfußball etabliertere Nationen wie China, Japan und Nordkorea hinter sich gelassen hat. Dieses australische Team von heute wird im Frauenfußball in Zukunft ein deutlich gewichtigeres Wort mitreden als in der Vergangenheit.

Deutsche Nationalmannschaft

Die Startformation Deutschlands. Oben von links: Birgit Prinz, Simone Laudehr, Inka Grings, Ursula Holl, Kerstin Garefrekes.
Unten: Sonja Fuss, Saskia Bartusiak, Babett Peter, Lena Goeßling, Lira Bajramaj, Kim Kulig

Dies kommt nicht von ungefähr. In Australien befindet sich der Frauenfußball derzeit in einem steilen Aufwärtstrend, eine neue Liga wurde gegründet, und es spiegelt das Selbstvertrauen des dortigen Verbandes, dass man sich vor wenigen Jahren entschlossen hat, aus der "sicheren" Ozeanien-Gruppe, wo Australien unangefochten vorne lag und mit sicheren Qualifikationen für die großen Turniere rechnen konnte, in die mit den erwähnten im Frauenfußball so starken Nationen gespickte Asien-Gruppe zu wechseln, um damit regelmäßiger gegen starke Gegner spielen zu können. Diese Rechnung scheint aufzugehen, Australien gewann die Asienmeisterschaft, war damit als eines der ersten Länder überhaupt für die WM 2011 qualifiziert, und verfügt über eine spielstarke Mannschaft, die es inzwischen gewohnt ist, gegen starke Gegner zu spielen - wie man in Wolfsburg sehen konnte.

 Lira Bajramaj  gegen Clare Polkinghorne

Lira Bajramaj, hier gegen Clare Polkinghorne, war auch heute wieder eine der stärksten Spielerinnen im deutschen Team

Allerdings, dominant war in Wolfsburg nur eine Elf, und das war die deutsche. Die beherrschte das Spiel von Beginn an. Schon in der dritten Minute verfehlte ein Schuss von Simone Laudehr nach Vorarbeit von Kerstin Garefrekes das lange Eck des australischen Tores nur knapp. Dann wurde die auch heute wieder starke Lira Bajramaj, die sich gut in den Strafraum spielte, zweimal abgeblockt. Kim Kulig schoss vorbei, dann in der 16. Minute setzte sich Birgit Prinz rechts durch, gab weiter zu Garefrekes, doch deren Schuss wurde vom Bein einer Australierin noch zur Ecke abgefälscht. In der 18. Minute knallte ein Kopfball von Inka Grings an die Latte, Babett Peter hatte hier von links schön vorbereitet.

Kerstin Garefrekes gegen Kim Carroll

Kerstin Garefrekes, die hier gegen Kim Carroll zum Flanken kommt, erlitt eine schwere Knieprellung. Ihr wie auch den anderen beiden verletzten deutschen Spielerinnen Sonja Fuss und Kim Kulig, wünschen wir rasche Genesung!

In der 26. Minute eroberte Grings einen Ball im Zentrum, gab schnell weiter auf Prinz, die schoss flach von der Strafraumgrenze, doch Australiens Keeperin Melissa Barbieri parierte glänzend. Bis zu dieser 26. Minute war Australien praktisch nicht nach vorne gekommen. Trainer Tom Sermanni hatte sein Team zwar nicht destruktiv hinten rein gestellt, aber der Schwerpunkt lag schon auf der Defensive - ohne die erwähnten deutschen Chancen verhindern zu können.


Tor Martina Müller

Da gab es nichts mehr zu halten: im zweiten Versuch erzielte ausgerechnet die Wolfsburgerin Martina Müller in ihrem Heimatstadion den Siegtreffer für Deutschland zum 2:1

Dann jedoch kam die 27. Minute. Das deutsche Team hatte gerade den Schock der Verletzung von Garefrekes verkraften müssen. Die führende der Torschützenliste der Bundesliga hatte bis dahin ein gutes Spiel auf ihrer rechten Seite gemacht, musste aber nach einem Zusammenprall mit einer schweren Knieprellung vom Platz getragen werden. Auf dieser nun neuformierten rechten Seite (für Garefrekes kam Celia Okoyino da Mbabi) unterlief der rechten Außenverteidigerin Sonja Fuss in der Vorwärtsbewegung ein krasser Fehlpass. Die Australierin, die den Ball abgefangen hatte, flankte sofort steil nach innen, Samantha Kerr lief in den freien Raum, Innenverteidigerin Saskia Bartusiak konnte den gut gespielten Pass nicht erreichen, Kerr zog ab, und schon stand es 0:1 für Australien. Der Spielverlauf war damit auf den Kopf gestellt.

Celia Okoyino da Mbabi  gegen 	Elise Kellond-Knight

Celia Okoyino da Mbabi, hier gegen Elise Kellond-Knight, war gerade erst eingewechselt worden, da stand es plötzlich 1:0 für Australien. Doch Celia und das deutsche Team verkrafteten den Schock schnell!

Nach einer Phase der Verunsicherung fiel dann allerdings fast genauso aus dem Nichts der Ausgleich. Schneller Konter über rechts, Prinz gab einen schwer zu bekommenden Ball gerade so weiter auf Bajramaj, die war damit rechts durch, gab nach innen zu Grings, und die, eigentlich eng bewacht von einer Abwehrspielerin, stoppte den Ball, statt ihn direkt zu nehmen, drehte sich um die Gegenspielerin und schaffte es, den Ball gegen die Laufrichtung der Abwehrspielerin und auch der Torhüterin ins Toreck zu befördern. Ein Treffer, bei dem einem der Atem stocken konnte!

Tor Grings

Aus der Drehung kam Inka Grings gegen die Laufrichtung von Australiens Abwehrspielerin Servet Uzunlar zum Schuss und erzielte somit das Tor zum 1:1-Ausgleich

Das deutsche Spiel wurde nun sofort wieder sicherer, und Grings kam in der 40. Minute zu einer eigentlich viel besseren Chance. Nach einem Superpass von Okoyino da Mbabi lief Grings alleine auf das Tor zu, Barbieri kam ihr entgegen, Grings schoss, und Barbieri parierte einfach klasse.

Inka Grings

In dieser Szene war Inka Grings, verfolgt von Kim Carroll, alleine durch, vor ihr nur noch die Keeperin, die den Schuss aber hielt

Hatte Silvia Neid in der ersten Halbzeit ungefähr ihre Stammelf minus etlicher Verletzter aufgeboten, kam in der zweiten Hälfte wie zu erwarten war die Phase der Experimente. Prinz wurde auf die Sechserposition zurück gezogen, die für die verletzte Kulig eingewechselte Wolfsburgerin Martina Müller kam dafür nach vorne in den Sturm. Fuss musste ebenfalls verletzt ausscheiden, für sie rückte Peter nach rechts, und mit Verena Faißt kam die zweite Wolfsburgerin zum Einsatz im eigenen Stadion. Für die 20-jährige war es ihr Debut in der A-Nationalmannschaft. Trotz der Umstellungen blieb das deutsche Team aber dominant.


In der 60. Minute wurde Müller nach Vorarbeit von Faißt zwei Meter vor dem Tor noch abgeblockt, in der 65. Minute gab es eine schöne deutsche Kombination zu sehen, die fast zum Erfolg geführt hätte. Peter spielte von rechts mit Bajramaj Doppelpass, der Ball kam in die Spitze auf Laudehr, und die flankte von rechts genau auf den Kopf von Grings. Allerdings hielt Barbieri auch diesen harten Kopfball von Grings. Australien hatte das Unentschieden bis zu diesem Zeitpunkt vor allem auch der starken Keeperin zu verdanken!

Verena Faißt

Verena Faißt, hier gegen die australische Torschützin Samantha Kerr, feierte im eigenen Stadion ihren ersten Einsatz in der A-Nationalmannschaft

In der 71. Minute war dann aber Schluss mit lustig für die Keeperin. Wieder Laudehr von rechts, diesmal auf Müller, die schoss, Barbieri parierte, aber der Ball prallte zurück zu Müller und im Nachschuss erzielte diese dann das Siegtor für Deutschland. Beinahe im direkten Gegenzug kam dann plötzlich auch Australien zu einer Riesengelegenheit, aber die nach einem Freistoß gefährlich an den Ball gekommene Kyah Simon verfehlte das deutsche Tor knapp. Wenig später ging ein Kopfball von Kathryn Gill knapp neben den Pfosten.

Die Australierinnen können Fußball spielen und werden, wenn sie zurück liegen, auch offensiver, das war klar zu erkennen. Doch im weiteren kam trotzdem nur noch Deutschland zu einigen nennenswerten Chancen, wobei vor allem die platzierten Eckbälle und Freistöße der eingewechselten U20-Weltmeisterin Dzsenifer Marozsan eine große Rolle spielten. Mit der 18-jährigen Marozsan feierte heute also noch die zweite junge Spielerin ihr Debut in der A-Natio. Es blieb dann jedoch beim 2:1, da auch die restlichen guten Chancen vergeben wurden.

Melissa Barbieri

Australiens Keeperin Melissa Barbieri machte ein ganz starkes Spiel. Ohne ihre große Leistung wäre die Niederlage für ihr Team deutlich höher ausgefallen!

Fazit: Verbessern kann und muss man noch viel, Chancenauswertung, Abwehrverhalten in einigen Situation, Mittelfeldspiel, Baustellen überall. Aber für ein Freundschaftsspiel mitten in der Saison war der Auftritt des deutschen Teams gegen diesen schweren Gegner völlig in Ordnung!

Deutschland:
Holl - Fuss (46. Faißt), Goeßling, Bartusiak, Peter - Garefrekes (25. Okoyino da Mbabi), Laudehr, Kulig (46. Müller), Bajramaj - Prinz (69. Hingst), Grings (69. Marozsan)

Australien:
Barbieri - Polkinghorne (63. Munoz), Unzular, Caroll, Colthorpe (56. Allen) - Kellond-Knight, McCallum, Shipard, Simon - Gill, Kerr (74. Butt)

Tore:
0:1 Kerr (27.)
1:1 Grings (36.)
2:1 Müller (71.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichterin: Tanja Schett (Österreich)

Zuschauer: 7229


Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de

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