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A-Nationalmannschaft, Testspiel

Unter Wert geschlagen

Deutschland - USA 0:1 (0:1)

Text von Tom Schlimme

01.11.2009   Im 26. Aufeinandertreffen mit der Nationalmannschaft der USA stand am Ende für die DFB-Auswahl die 17. Niederlage zu Buche. Nur fünfmal konnte Deutschland bisher gegen die USA gewinnen, viermal trennte man sich unentschieden. Doch selten dürfte es dabei eine so unverdiente Niederlage gegeben haben wie an diesem Donnerstag Abend in der erstmals in ihrer jungen Geschichte mit 28.367 Zuschauern ausverkauften Augsburger Arena.

Auf die Frage, ob sie es ihre Strategie gewesen sei, dass das Spiel meist in der Spielhälfte der USA stattgefunden hat, antwortete die schwedische US-Nationaltrainerin Pia Sundhage in der Pressekonferenz nach dem Spiel dann auch: „Nicht wirklich! Ich habe einen Fehler im Mittelfeld gemacht, und das deutsche Team war einfach sehr stark. Doch ich hatte meinen Spielerinnen vor dem Spiel eingeimpft, das wir Siegerinnen sind, und das haben sie dann auch gezeigt. Ich bin sehr zufrieden mit dem Spiel und stolz auf meine Mannschaft!”

Pia Sundhage

Pia Sundhage, die Nationaltrainerin der USA, zeigte sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel sehr zufrieden

Bild: Tom Schlimme

Demgegenüber konnte Bundestrainerin Silvia Neid auf die Frage, ob sie sich erinnern könne, ein deutsches Team jemals so stark gegen die USA gesehen zu haben, mit einem glatten Nein antworten. So konnte Neid sich auch mit dem Spiel ihres Teams zufrieden zeigen, bemängelte lediglich die Präzision im Abschluss und beim letzten Pass in die Spitze. Doch gegen die starken USA kaum eine Chance zugelassen zu haben, gegen die USA über 90 Minuten ein Spiel auf ein Tor erzwungen zu haben, nötigte der Bundestrainerin großen Respekt vor der Leistung ihrer Spielerinnen ab.

Nationalelf Deutschland

Diese Startformation der deutschen Nationalelf setzte das Team der USA stärker unter Druck als jede andere deutsche Elf vorher - doch am Ende stand doch eine Niederlage

Bild: ViolA

Es war ganz sicher ein großes Spiel, das beide Nationalteams, erster und zweiter der Weltrangliste, in Augsburg boten. Die USA, in denen die Saison schon im Sommer beendet war, hatten sich extra für dieses Spiel zu einem zweiwöchigen Trainingslager getroffen, präsentierten sich körperlich absolut fit und dazu noch gut eingespielt. Bei den deutschen Spielerinnen, die ja mitten zwischen wichtigen Bundesligaspielen gefordert waren, war ebenfalls keine Spur von Schongang zu entdecken, mit hohem Tempo ging es auf und ab und in den Zweikämpfen heftig zur Sache. Wobei die US-Spielerinnen teilweise meiner Einschätzung nach überhart einstiegen und von der ungarischen Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal ruhig auch einmal hätten verwarnt werden können.

Heaather Mitts foult Birgit Prinz

Dieses Foul von Heather Mitts an Birgit Prinz in der dritten Minute führte zu einem Freistoß aus guter Position - der leider nichts einbrachte

Bild: Tom Schlimme

Schon nach drei Minuten wußte die an diesem Tag überforderte US-Abwehrspielerin Heather Mitts die deutsche Spielführerin Birgit Prinz zwei Meter zentral vor dem Strafraum nur mit einem Foul zu bremsen. Den aussichtsreichen Freistoß schlenzte Inka Grings schön über die Mauer in den Winkel, doch letztlich war der Ball dann doch kein Problem für die aufmerksame US-Keeperin Hope Solo. Nach einigermaßen ausgeglichenen zehn Minuten kam dann die Glanzphase im deutschen Spiel. Rechts, links, in der Mitte, die deutschen Spielerinnen setzten sich fast nach Belieben durch und kamen fast im Minutentakt gefährlich in den amerikanischen Strafraum, während die US-Girls kaum noch über die Mittellinie kamen.


Simone Laudehr

Simone Laudehr hat in dieser Szene im Fünfmeterraum den Ball vor den Beinen, doch es gelingt ihr nicht, das Leder irgendwie an den drei Amerikanerinnen um sie herum vorbei ins Tor zu bringen. So war es oft in diesem Spiel. Links Heather O´Reilly, bei Laudehr Rachel Buehler, rechts Keeperin Hope Solo

Bild: Tom Schlimme

In der 11. Minute ließ Prinz Lori Chalupny stehen und zog mit links ab, doch knapp am kurzen Pfosten vorbei. In der 14. war Kerstin Garefrekes rechts durch, präzise Flanke nach innen, Prinz grätschte in den Ball, aber knapp drüber. In der 15. Minute war es dann Lira Bajramaj auf der linken Seite, die Mitts abhängte, was ihr im folgenden noch sehr oft gelingen sollte, und von der Torauslinie zu Grings zurückgab, die hielt den Fuß hin, doch ein US-Bein kam noch dazwischen und verhinderte das Tor.

 Inka Grings vs.  Amy LePeilbet

Inka Grings, hier nur sehr unzureichend gedeckt von Amy LePeilbet und Rachel Bühler im Hintergrund, hatte an diesem Tag Pech im Abschluss

Bild: Tom Schlimme

In der 17. Minute spielte Prinz aus der Mitte kommend Bajramaj auf links an, die setzte sich wieder durch, gab diesmal auf Laudehr zurück, doch diese wurde genauso gerade so noch abgeblockt wie vorher Grings. In der 22. Minute strich ein Kopfball von Linda Bresonik über das US-Gehäuse, dann spielte Kim Kulig aus der Mitte nach links zu Bajramaj, die wie gewohnt Siegerin gegen Mitts blieb, doch auch diesmal prallte ihr Pass in der Spielerinnentraube vor dem US-Tor ab, Kulig kam aus der zweiten Reihe zum Nachschuss, doch kein Problem für Solo.

Lira Bajramaj

Lira Bajramaj kam ein halbes Dutzend Male so gut wie hier gegen Amy LaPeilbet vor das US-Tor. Bajramaj machte ein Superspiel, bei ihrer Auswechselung in der 66. Minute gab es rauschenden Applaus - aber auch Piffe, weil ein Teil des Publikums nicht verstand, wieso eine der besten deutschen Spielerinnen ausgewechselt wurde. Bundestrainern Silvia Neid erklärte hinterher, sie habe einfach Celia Okoyino da Mbabi auch ihre verdiente Chance geben wollen

Bild: Tom Schlimme

Nur wenig später hatte Kulig dann zentral schon wieder viel Raum frei vor sich, ging mit dem Ball aufs Tor und zog ab, doch diesmal knapp über die Latte. Dann schoss auch Bajramaj aus der zweiten Reihe, doch auch ihr Schuss ging über das Tor. Und wie es so ist im Fußball, wenn man seine Chancen nicht nutzt, auf deutscher Seite dürften es nach einer guten halben Stunde ungefähr zehn gewesen sein, wird man bestraft...

Bei einem der ganz wenigen Entlastungsangriffe der USA kam Yael Averbuch ganz links zu einer hohen Flanke in den Strafraum. Saskia Bartusiak erwischte den halbhoch bei ihr ankommenden Ball nicht richtig und produzierte eine Kerze. Die große und kräftige Abby Wambach nutzte die Gelegenheit, kam im Kopfballduell gut einen Kopf höher als Bartusiak an den Ball und beförderte ihn in Richtung deutsches Tor. Dort hätte Keeperin Nadine Angerer den Ball sicher gehabt, wenn sie nicht im Versuch, das Leder in der Luft zu erwischen, heraus gelaufen wäre. So kam Wambach einen Bruchteil einer Sekunde früher an den Ball, Angerer griff daneben, und der Ball ging ins leere Tor.

Tor Abby Wambach

Abby Wambach kam beim Kopfball ein ganzes Stück höher als Saskia Bartusiak, Keeperin Nadine Angerer kam zu spät - oder hätte auf der Linie bleiben sollen - und so war der Ball im Tor

Bild: ViolA


Dieses Tor änderte zunächst wenig am Spielverlauf, das deutsche Team blieb überlegen und kam zu weiteren Chancen. So rutschte Chalupny in der 38. Minute im eigenen Strafraum aus, der Ball kam zu Garefrekes, die mit voller Wucht abzog, das Tor jedoch verfehlte. In der 40. Minute wurde Prinz wieder einmal gefoult, konnte den Ball jedoch noch zu Garefrekes weiterleiten, die kam von rechts zu einer guten Flanke, doch Mitts konnte in höchster Not noch vor der einschussbereiten Grings zur Ecke klären.

Birgit Prinz

Eben hatte noch Inka Grings eine Chance, da kommt hier schon wieder Birgit Prinz zum Kopfball - doch trotz der vielen Torgelegenheiten für Deutschland hielten die US-Girls ihr Tor bis zum Schluss sauber

Bild: ViolA

Die zweite Halbzeit brachte dann einen ähnlichen Verlauf, wobei das deutsche Team bei aller Feldüberlegenheit aber nicht mehr zu so klaren Chancen kam wie zuvor, und je kürzer die Zeit bis zum Schlusspfiff wurde, desto sicherer wurde das US-Team, das sich dann auch immer mehr zurückfallen und die deutschen Angriffe ins Leere laufen ließ. So blieb es dann beim für das US-Team schmeichelhaften Erfolg in Deutschland. Doch wichtiger als dieses Ergebniss dürfte die Tatsache sein, dass die deutsche Elf spielerisch auch gegen die Auswahl des Olympiasiegers nicht nur bestehen, sondern sogar dominieren konnte. Werbung für den Frauenfußball und die WM 2011 war es allemal, in diesem Sinne hörte ich auch die Menschen um mich auf der Heimfahrt in der Straßenbahn über das Spiel sprechen, wobei ich schade fand, dass es im Stadion gegen Ende vereinzelte Pfiffe gab, zum Glück aber sicher nur von einer Minderheit. Denn Pfiffe hatte das von den meisten auch hinterher gefeierte deutsche Team für diese Leistung nun wirklich nicht verdient!

Anja Mittag

Anja Mittag kam in der 66. Minute für Inka Grings ins Spiel, brachte einige Impulse, konnte aber im schwächer werdenden deutschen Spiel nicht mehr wirklich viel bewegen

Bild: ViolA

Deutschland:
Angerer - Bresonik, Krahn, Bartusiak, Peter - Garefrekes (83. Schmidt), Laudehr, Kulig, Bajramaj (66. Okoyino da Mbabi) - Prinz (89. M. Müller), Grings (66. Mittag)

USA:
Solo - Chalupny, Buehler, Lepeilbet, Mitts - Averbuch (60.White), Boxx, Lloyd, O'Reilly - Wambach, Rodriguez (73.Masar)

Tore:
0:1 Wambach (34.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichterin: Gyoengyi Gaal (Ungarn)
mit Inka Müller und Marija Kurtes (beide Deutschland)

Zuschauer: 28.367 (ausverkauft)


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